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20.10.2014

17:37 Uhr

Börse Frankfurt

Dax, das war wohl nix

Eigentlich war die Panik schon wieder vorbei – eigentlich. Denn der Erholungsversuch währte nur kurz und der Dax ging am Montag wieder deutlich auf Talfahrt. Anlegern bleibt wie immer einer Hoffnung: die Notenbanken.

Konjunktursorgen sind zurück - Dax verliert erneut

Video: Konjunktursorgen sind zurück - Dax verliert erneut

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FrankfurtAm Freitag herrschte beim Dax noch Kauflaune und Anleger ließen den Leitindex satte drei Prozent höher schließen. Doch am Montag war die Erholung auch schon wieder vorbei. Der Dax ging schließlich 1,5 Prozent schwächer bei 8.717 Punkten aus dem Handel.

Zuletzt hatten vor allem Konjunktursorgen die Märkte ins Minus gedrückt. Der Dax hat innerhalb eines Monats gut zehn Prozent verloren; der Euro Stoxx verlor im gleichen Zeitraum elf Prozent. Für Bauchschmerzen sorgten einige enttäuschende US-Konjunkturdaten, die die Angst vor einer deutlichen Abkühlung der Weltwirtschaft verschärften.

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In dieser Woche fürchten Investoren neue Hiobsbotschaften aus China und der Euro-Zone. Analysten gehen davon aus, dass sich das Wirtschaftswachstum der Volksrepublik im dritten Quartal auf 7,2 Prozent von 7,5 Prozent abgeschwächt hat. Die Zahlen werden am Dienstag veröffentlicht. Am Donnerstag stehen dann die Einkaufmanagerindizes für Industrie und Dienstleistungen aus der Euro-Zone auf der Agenda.

Für Fans der Fundamentalanalyse waren die Rücksetzer der vergangenen Woche keine Überraschung – schließlich warnen sie seit langem davor, dass sich die Börsenbewertungen weit von den Unternehmensgewinnen entfernt haben. Das liegt auch an der Politik des billigen Geldes der Notenbanken.

Börsen in Aufruhr

Was spielt sich derzeit an den Finanzmärkten ab?

Vor allem eingetrübte Konjunkturperspektiven belasten die Märkte. Die Rohstoffpreise - ein Barometer für die wirtschaftliche Lage - befinden sich auf Talfahrt. Zu den Sorgen über die Wirtschaft kommt die Verunsicherung durch Krisen im Nahen Osten und der Ukraine sowie die Furcht vor einer Ausbreitung von Ebola. „Die Anleger sind nervös und nutzen jede Gelegenheit zum Verkaufen, während noch vor Wochen jede Schwäche zum Nachkaufen genutzt wurde“, sagt Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research. Die Stimmung sei innerhalb kürzester Zeit von fast schon euphorisch auf sehr negativ gedreht. Auch an den Anleihemärkten dominiert die Angst. Die Risikoaufschläge für Papiere aus den europäischen Krisenländern zogen stark an, während die Renditen auf die deutschen Staatspapiere auf Rekordtiefs fielen. Letzteres deutet auf eine große Nachfrage der Investoren hin - die sogenannten Bundesanleihen gelten als sicherer Hafen in Krisenzeiten.
Quelle: dpa

Haben die Anleger die Gefahren für die Wirtschaft zu lange ignoriert?

Tatsächlich haben insbesondere die Aktienmärkte die politischen Krisen und die Gefahren einer globalen Wachstumsschwäche lange Zeit kaum beachtet. Die Notenbanken pumpten billiges Geld in den Markt. Und wegen der mickrigen Zinsen mangelte es an Alternativen, so dass die Anleger in großem Stil zu Aktien griffen. „Befürchtet wird nun ein Übergreifen der Wirtschaftsschwäche und sinkender Inflationsraten aus der Eurozone auf die USA“, sagt Volkswirt Eugen Keller vom Bankhaus Metzler.

Sind die Notenbanken mit ihrem Latein am Ende?

Während die US-Notenbank Fed jahrelang Milliarden in die Wirtschaft pumpte und Erfolge vorweisen konnte, gilt die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bei vielen Ökonomen mittlerweile als wenig wirksam. „Die jüngst von der EZB beschlossenen Maßnahmen zielen auf das Angebot an Krediten ab, aber tatsächlich fehlt es angesichts der wirtschaftlichen Schwäche an Nachfrage“, sagt Volkswirt Keller. Auch die jetzt diskutierten, breit angelegte Staatsanleihekäufe würden nichts am Grundproblem ändern.

Sind die Konjunkturängste gerechtfertigt?

Laut Volkswirten gibt es zwar Grund zur Vorsicht, allerdings sollten die jüngsten Signale nicht überbewertet werden. Nach Einschätzung der Experten von Goldman Sachs gilt das vor allem mit Blick auf die USA. Dort gebe es wenig Anzeichen einer Konjunkturabkühlung. Auch die Ausbreitung des Ebola-Virus sehen die Experten der US-Investmentbank nicht sonderlich kritisch. Es müsse schon viel passieren, bis derartige Ereignisse tiefere Spuren in der Wirtschaft hinterließen. Mit Blick auf Europa hält Graham Secker, Marktstratege bei Morgan Stanley, die Konjunkturaussichten zwar nicht für rosig, aber längst nicht so trübe wie die Anlegerstimmung es signalisiere.

Droht am Ende der große Crash am Aktienmarkt?

Noch sehen Experten keinen Grund für übertriebene Angst. Nach dem starken Lauf der vergangenen Jahre sind auch größere Korrekturen nicht ungewöhnlich. Investoren sollten nicht die Nerven verlieren und blind der Masse hinterherrennen, sagt Marktexperte Saurenz. Möglicherweise nutzten manche Investoren die niedrigen Kurse auch zum Kaufen, was den Markt stützen würde. Viel schlechter könne die Stimmung am europäischen Aktienmarkt nicht werden, schrieb Morgan-Stanley-Experte Secker wie zur Beruhigung.

Wann kommt die Zinswende?

Denn immer noch – oder schon wieder – hoffen die Investoren auf die Hilfe der US-Notenbank. „Fed-Chefin Janet Yellen dürfte angesichts der aktuellen Gemengelage nicht übereilt handeln, sondern lieber noch abwarten“, meint Philippe Waechter, Chefvolkswirt bei Natixis Asset Management. Er kann sich deshalb gut vorstellen, dass die USA den Leitzins erst im übernächsten Jahr erhöhen wird.

Auch UBS-Experte Haefele ist überzeugt, dass die Fed bereit ist, die Märkte weiter zu stützen: „Derzeit erwarten wir die erste Zinserhöhung in der Mitte des nächsten Jahres. Wenn es jedoch Anzeichen geben sollte, dass sich die Konjunktur abschwächt, dürfte die Notenbank den Zeitpunkt der ersten Erhöhung weiter nach hinten verschieben.“ Stimmen, die auf eine weiterhin lockere Geldpolitik drängen, waren zuletzt auch von amerikanischen Notenbankern selbst zu hören.

Kommentare (11)

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Herr Dr. Peter Lustig

20.10.2014, 07:47 Uhr

Ach, da geht einem gleich das Herz auf nach so einem positiv erfrischenden Artikel.

Die schöne, heile Börsenwelt ist zurück.

Was wurde hier letzte Woche geschrieben? Dax 7.000 bis Jahresende, dann 5.000 womit er fair bewertet wäre etc.

Yellen hat es wieder gerichtet. Draghi wird wohl das fehlende Öl dazugiessen.

Schade, aber die Korrektur ist wohl erstmal beendet. Weiter abwarten.

Herr Peter Spiegel

20.10.2014, 08:41 Uhr

Da waren viele Puten im Markt und das wollen die Banken nicht bezahlen, daher sind am Verfallstag die Kurse nach
oben gegangen.

Carl Icahn Jr.

20.10.2014, 10:42 Uhr

Altbekannte klassische Nachwirkungen/wehen vom kleinen Verfall am Freitag.

Erklärung: Wenn man Puts geschrieben hat (= Stillhalter in Geld, mit der Markterwartung steigend oder zumindest gleichbleibend -> Theta/Zeitwertverlust der Option) und die Ware angedient bekommt (Freitag 17:35 nach der CA) aber eigentlich gar nicht haben will, dann liquidiert man den Mist am nächsten Börsentag einfach wieder. Nächster Börsentag ist heute. Fertig.

Verstanden, ist doch im Prinzip ganz simple ?! Und entweder man hat den Beruf bei der IB gelernt und kann Geld mit Geld verdienen bzw. aus Geld mehr Geld machen oder eben nicht. That`s all.


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