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10.08.2016

07:11 Uhr

Börse Frankfurt

Dax entert den Bullenmarkt

VonJürgen Röder

Das deutsche Börsenbarometer war am heutigen Handelstag nicht zu bremsen. Für viele Anleger eine unverständliche Rally, die aber einfache Gründe hat. Warum der deutsche Leitindex am Dienstag mehr als 260 Punkte zugelegt hat.

BMW, Apple, Deutsche Bank: Die Tops und Flops im Juli

BMW, Apple, Deutsche Bank

Die Tops und Flops im Juli

Nicht jeder börsennotierte Konzern konnte den Sommermonat Juli genießen. Während sich Auto-Aktien gut behaupteten, hatten vor allem Banken zu kämpfen. In den USA litt auch die Ölindustrie. Ein Überblick.

FrankfurtDer Dax ist am Dienstag auf den höchsten Stand des Jahres geklettert und setzte sich überdies von seinem Tief vom Februar um 20 Prozent nach oben ab, womit per Definition der Eintritt in einen so genannten Bullenmarkt erfüllt ist. Auch fiel ein Volatilitätsbarometer für Aktien aus der Eurozone auf den tiefsten Stand des Jahres.

In der Spitze ging es bis auf 10.701 Punkte nach oben, zum Handelsschluss notierte die Frankfurter Benchmark bei 10.692 Zahlern, ein Plus von 2,5 Prozent. Wieder einmal trage die Geldpolitik die Kurse, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets. So brachte das Ratsmitglied der britischen Notenbank, Ian McCafferty, weitere Maßnahmen zur Eindämmung negativer Folgen des Brexit-Votums ins Spiel. Schon seit Jahren treibt die Geldflut der Notenbanken die Märkte.

Den bisher höchsten Stand hatte das Börsenbarometer direkt zu Jahresbeginn erreicht, bevor Sorgen um die Weltwirtschaft es im Februar bis auf rund 8700 Punkten hatten einknicken lassen. Auch das Brexit-Votum der Briten, das Ende Juni für Turbulenzen gesorgt hatte, scheint mittlerweile abgehakt. Vom Allzeithoch bei gut 12.390 Punkten aus dem Jahr 2015 ist der Dax aber noch ein gutes Stück entfernt.

Am Mittwochmorgen notierte der Dax auf außerbörslichen Plattformen leicht schwächer. Anleger könnten am Mittwoch Gewinne mitnehmen.

Die besten Anlagen im ersten Halbjahr 2016

Aktien USA

Zu Jahresbeginn ging es auch für die großen US-Aktienindizes kräftig nach unten, später erholten sich die Börsen jedoch - anders als in Europa wieder deutlich - und steuerten sogar auf neue Jahreshochs zu. Der Brexit verhagelte auch US-Anlegern die Stimmung. Dennoch liegt Leitindex Dow Jones auf Halbjahressicht 2,9 Prozent im Plus. Für Euro-Anleger ist der Gewinn etwas geringer, aus 100.000 investierten Euro wurden für sie aber immerhin 100.720 Euro.

Aktien Schwellenländer

Die Aktien der Schwellenländer haben sich insgesamt von ihrem Absturz des vergangenen Jahres erholt als der MSCI Index für Emerging Markets noch um 16 Prozent abgestürzt war. Im ersten Halbjahr 2016 legte der auf Dollar lautende Index gut fünf Prozent zu. In Euro gerechnet blieb ein Plus von 3,07 Prozent – aus 100.000 Euro machten Anleger 103.070 Euro.

US-Staatsanleihen

Die Unsicherheit der Investoren hat US-Staatsanleihen Zulauf beschwert Dazu kommt, dass Investoren inzwischen nicht mehr daran glauben, dass die US-Notenbank Fed ihren im Dezember vergangenen Jahres ganz vorsichtig eingeleiteten Zyklus der Leitzinserhöhungen fortsetzt. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in US-Staatsanleihen gesteckt hat, hat jetzt 103.320 Euro.

Euro-Unternehmensanleihen

Seit Juni kauft die Europäische Zentralbank (EZB) Euro-Anleihen von Unternehmen abseits der Bankbranche mit guter Bonität. Die Käufe beziehungsweise schon vorher die Erwartung der EZB als neuen großen Investor trieben die Kurse. Gemessen am Index der Bank of America Merrill Lynch verdienten Anleger mit den Firmenbonds 5.350 Euro, wenn sie im Januar 100.000 Euro investierten.

Deutsche Staatsanleihen

Bundesanleihen sorgten im ersten Halbjahr für viel Aufsehen. Die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank, die Niedrigzinsen und die Unsicherheit der Anleger über die wirtschaftliche Entwicklung bescherten den deutschen Staatsanleihen regen Zulauf. Selbst die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe rentiert im Minus, am Tag nach dem Brexit-Entscheid fiel sie auf bis zu minus 0,17 Prozent. Für Anleger, die gleich zu Jahresbeginn 100.000 Euro in deutsche Staatsanleihen investierten machten damit Gewinn aus den minimalen Zinsen und den deutlichen Kurssteigerungen von 6.800 Euro.

Anleihen Schwellenländer

Die Anleihen der Schwellenländer haben sich kräftig erholt. Das liegt auch daran, dass die US-Zinswende stockt und die Renditen der US-Staatsanleihen so deutlich gefallen sind. Außerdem haben sich die Fundamentaldaten in vielen Emerging Markets verbessert. Euro-Anleger machten mit auf Dollar lautenden Staatsanleihen gemessen am Index von JP Morgan einen Gewinn von 10.160 Euro, wenn sie am Jahresanfang 100.000 Euro investierten.

Gold

Gold glänzte nach einer fünfjährigen Talfahrt wieder. Zum einen sorgte die Unsicherheit der Anleger mit Blick auf die Weltwirtschaft für die Flucht in die Krisenwährung Gold. Zum anderen machen die Negativrenditen vieler Staatsanleihen in der Euro-Zone und in Japan Gold als Anlage erneut attraktiver. Allein im Juni stieg der Goldpreis um 8,5 Prozent. So stark ist er in einem Juni zuletzt im Jahr 1980 gestiegen. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in Gold investierte hat nach einem halben Jahr 122.860 Euro.

Öl

Der Ölpreis fiel zwar bis Ende Januar auf ein Zwölfjahrestief von rund 27 Dollar, setzte dann aber zu einer Rally an und kostet aktuell rund 50 Dollar. „Das liegt vor allem, dass die USA deutlich weniger Öl produzieren“, erklärt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. In Euro gerechnet wurden aus 100.000 am Ölmarkt investierten Euro auf 130.450 Euro.

Sojabohnen

Auftrieb gab es auch bei vielen Agrarrohstoffen, die ebenfalls ihre jahrelange Talfahrt stoppten. Hauptgründe dafür waren Dürren und extreme Wetterlagen, die teils die Ernte bedrohen. Allen voran stieg der in Dollar notierte Preis für Sojabohnen um fast 35 Prozent. Aus 100.000 in den Agrarrohstoff investierten Euro wurden so im ersten Halbjahr 131.800 Euro.

Aktien Peru

Die Börse in Peru ist als Überraschungsaufsteiger weit nach vorne gerückt, nachdem die Kurse zuvor fast vier Jahre stetig gefallen waren. Aus 100.000 an der Börse in Lima investierten Euro wurden in diesem Jahr bislang 142.990 Euro. Die US-Bank Goldman Sachs sieht Peru „makrookönomisch in optimaler Verfassung“ mit zunehmenden Wirtschaftswachstum und sinkender Inflation. Allerdings sind die Umsätze an der Börse gering, und dort sind nur wenige Werte notiert.

Aktien Brasilien

Der brasilianische Bovespa-Index legte in den ersten sechs Monaten des Jahres zweistellig zu, nachdem er im Januar noch auf ein Siebenjahrestief gefallen war. Da auch der zuvor unter die Räder gekommene Real deutlich aufwertete machten Anleger die 100.000 Euro in Brasiliens Leitindex investiert haben, daraus im ersten Halbjahr 143.420 Euro. Besser schnitt keine andere Anlage ab. Dabei setzen Anleger nach der Ablösung von Präsidentin Dilma Rousseff auf ein Ende des politischen Stillstands und auf Reformen. Aber: Brasilien steckt nach wie vor in der Rezession, als wirtschaftlich gerechtfertigt, gilt der Börsenaufschwung in dieser Form nicht.

Schlussstand für alle Werte: 30.06.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Der Index der mittelgroßen Unternehmen MDax gewann am Dienstag 1,4 Prozent auf 21.576 Zähler und für den Technologiewerte-Index TecDax ging es um 1,5 Prozent auf 1729 Punkte nach oben. Der Eurozonen-Leitindex Euro Stoxx 50 stieg um 1,5 Prozent.

Ein Grund für die Rally: In den vergangenen zwölf Monaten haben sich Anleger niemals so stark gegen fallende Kurse abgesichert wie in dieser Woche. Das ergaben die Daten der Stuttgarter Börse Euwax. Da plötzlich die Kurse steigen, standen diese Anleger unter Druck, ihre Absicherungspositionen aufzulösen um die Verluste nicht noch weiter zu vergrößern. Das ließ den Kurs rasant weiter steigen.

Auch die aktuelle Stimmung an den Börsen spricht für steigende Kurse. Denn nach der aktuellen Handelsblatt-Umfrage, bei der wöchentlich mehr als 2300 Anleger zur Situation an der Börse befragt werden, hat sich die Investitionsbereitschaft positiv entwickelt. Nicht durch einen Anstieg der Kaufbereitschaft, sondern die Zahl derer, die verkaufen wollen, ist deutlich gesunken.

„Vor dem Hintergrund des dünnen Handelsvolumens in diesen Sommerwochen ist es durchaus möglich, dass diese Stimmungslage bereits für höhere Notierungen ausreicht“, erläutert Sentimentsexperte Stephan Heibel bereits am vergangenen Montag. Denn wenn es  nur noch wenige Verkäufer gibt, um die Kurse steigen zu lassen, reichen wenige verbliebene Käufer für höhere Kurse. 

Auch die Charttechnik signalisierte steigende Kurse. Viele Investoren orientieren sich an der 200-Tage-Durchschnittslinie. Derzeit notiert diese Linie bei rund 10.080 Punkten, der Durchschnittswert der vergangenen zwölf Monate.

Der positive Aspekt: Diese 200-Tage-Durchschnittslinie wurde Mitte Juli von unten nach oben durchstoßen und notiert erstmals seit acht Monaten wieder seitwärts. In der vergangenen Woche wurde die Linie „getestet“, was bedeutet: Der Dax-Chart fiel am vergangenen Dienstag auf diese Linie und prallte nach oben ab – was als Bestätigung eines Aufwärtstrends gilt.

Für Charttechniker gilt neben dem bisherigen Jahreshoch bei 10.485 Zählern, das bereits überwunden wurde, noch die Marke bei rund 10.500 bzw. 10.511 Zählern als wichtig. „Ein Durchbrechen dieser Hürden würde den Bullen enormen Rückenwind verleihen“, meint Jörg Scherer, technischer Analyst bei HSBC Trinkaus bereits vor einigen Tagen.

Kommentare (13)

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Herr Percy Stuart

09.08.2016, 11:33 Uhr

Seit Jahren kein Wirtschaftswachstum in der EU, bei gleichzeitig über 25 Mio. Arbeitslosen. Wenn die Börsenkurse so heiß laufen, entspricht dass doch in keinster Weise mehr den wirtschaftlichen Gegebenheiten. Die Börse war einmal dazu gedacht, die Realwirtschaft anhand ihrer Kursbewegungen abzubilden. Was ist heute in 2016 davon noch übrigbelieben?! Das ganze System ist krank und sollte nachhaltig korrigiert werden.

Account gelöscht!

09.08.2016, 11:50 Uhr

Wo will man(n) denn sonst seine freie Liquidität investieren als in Aktien und Immobilien ?

Wer kauft sich denn noch sichere Anleihen mit null % Rendite (außer vllt. institutionelle Investoren deren Statuten das so vorschreiben) für seine Altersvorsorge, bei schönen 3 bis 6 % p.a. Dividendenrenditen und Mietzinsen.

Herr Chris Woodley

09.08.2016, 11:56 Uhr

SHORT ETFs sind eine gute Option.

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