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05.09.2014

17:49 Uhr

Börse Frankfurt

Dax erhält Rückenwind aus den USA

Die Zinsen in den USA bleiben weiter unten: Nach schwachen Arbeitsmarktdaten scheint eine baldige Zinswende vom Tisch. Was den Dow belastet, verleiht dem Dax Rückenwind. Er schließt so hoch wie seit Ende Juli nicht.

Börse am Abend

Dax nähert sich wieder den 9800 Punkten

Börse am Abend: Dax nähert sich wieder den 9800 Punkten

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FrankfurtSchwache US-Jobzahlen haben dem Dax am Freitag den Rücken gestärkt. Die besser erwarteten Daten nährten die Hoffnungen auf eine spätere Zinswende in den USA und damit auf weiterhin frisches Geld für die Aktienmärkte. An der Wall Street hielten sich diese Spekulationen zwar in Grenzen, der Dow Jones gab nach, doch dem Dax tat das keinen Abbruch. Am Ende schloss er in Frankfurt mit 9.747 Punkten 0,2 Prozent fester und damit so hoch wie seit Ende Juli nicht mehr.

Wie das Arbeitsministerium in Washington bekannt gab, schuf die US-Wirtschaft im August außerhalb der Landwirtschaft 142.000 neue Arbeitsplätze. Dies ist der geringste Zuwachs der sogenannten „nonfarm payrolls“ in diesem Jahr. Ökonomen hatten mit einem Plus von bis zu 225.000 neuen Stellen gerechnet. Gleichzeitig sank die Arbeitslosenquote auf 6,1 Prozent.

Da die US-Notenbank Federal Reserve eine Erhöhung des Leitzinses von einer nachhaltigen Erholung der Wirtschaft abhängig macht, sorgten die Zahlen erneut für Spekulationen. Eine schnelle Zinserhöhung durch die Fed sei damit vom Tisch, betonte Wayne Kaufman, Chef-Marktanalyst von Phoenix Financial. „Die Notenbanken sind stärker daran interessiert, eine Rezession zu verhindern als eine Inflation. Das ist ein großartiges Umfeld für Aktien.“

Was Volkswirte über die EZB-Entscheidung halten

Martin Wansleben, DIHK-Hauptgeschäftsführer

„Die EZB muss endlich aus ihrer Feuerwehrrolle herauskommen. Das gelingt nur mit mehr Elan und Konsequenz bei den Strukturreformen - gerade in den großen Volkswirtschaften der Euro-Zone. Dafür konnte die Geldpolitik den Staaten lediglich Zeit verschaffen. So richtig es ist, den Markt für Verbriefungen wiederzubeleben: Das Mittel der Wahl dafür ist eine bessere Regulierung, damit Investoren hier wieder aktiv werden. Hingegen hilft ein Ankaufprogramm für Kreditverbriefungen nichts, wenn die Lage vieler Unternehmen in den Krisenstaaten noch immer so schlecht ist, dass eine vorsichtige Kreditvergabe geboten erscheint. Zugleich birgt diese Maßnahme das Risiko, dass die EZB zur zentralen Bad Bank der Euro-Zone wird.“

Alexander Krüger, Bankhaus Lampe

„Das letzte Aufbäumen der EZB gegen die Krise hat begonnen. Ein breit angelegtes Wertpapierkaufprogramm ist nur eine Frage der Zeit. Es ist aber zu befürchten, dass diese Maßnahmen letztlich erst recht zu rezessiven Tendenzen führen.“

Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands

„Das beschlossene Kaufprogramm kann den europäischen Banken bei der Stärkung ihrer Bilanzen helfen. Die schwache Kreditexpansion in der Währungsunion liegt in vielen Euro-Staaten aber vor allem an der geringen Bonität der Schuldner. Hier kann das ABS-Programm keine Abhilfe schaffen. Die EZB wäre deshalb gut beraten, weiterhin mit Nachdruck wirtschaftspolitische Reformen anzumahnen, die den Euro-Raum wieder auf einen verlässlichen Wachstumskurs bringen. (...) Die ökonomischen Wirkungen der heutigen Zinssenkung sind vernachlässigbar. Die Gefahr, dass der Euro-Raum in eine gefährliche Deflationsspirale rutscht, ist nach wie vor gering.“

Hans-Werner Sinn, Ifo-Präsident

„Die EZB hatte ihr Pulver schon viel zu früh verschossen und die Zinsen zu weit gesenkt. Jetzt ist sie in der Liquiditätsfalle. Sie kann an dieser Stelle kaum noch etwas tun. Bedauerlicherweise deutet sich auch der Kauf von Anleihen durch die EZB an. Damit würde sie das Investitionsrisiko der Anleger übernehmen, wozu sie nicht befugt ist, weil es sich dabei um eine fiskalische und keine geldpolitische Maßnahme handelt. Eine solche Politik ginge zulasten der Steuerzahler Europas, die für die Verluste der EZB aufkommen müssten.“

Ralf Umlauf, Helaba

„Die Notenbanker argumentieren mit den zuletzt schwachen Konjunkturdaten und der geringen Inflation. Auch die gesunkenen mittelfristigen Inflationserwartungen wurden thematisiert. In diesem Zusammenhang wurden auch die Projektionen für Wachstum und Inflation in diesem Jahr nach unten angepasst. Insofern bleibt die Tür für weitergehende Lockerungsschritte weit geöffnet.“

Eugen Keller, Metzler Bank

„EZB-Chef Mario Draghi hat geliefert, warum auch immer. Für uns ist das nicht gerade eine glückliche Maßnahme. Alle Banken und Vermögensverwalter sind jetzt in noch größerer Not, ihre Liquidität irgendwo zu parken, ohne bestraft zu werden. Auch die Sparer dürften sich verraten fühlen und werden immer mehr ins Risiko gezwungen.“

Marco Bargel, Postbank-Chefsvolkswirt

„Das ist überraschend. Eine Zinssenkung hatte niemand so richtig auf der Agenda - zumal sie konjunkturell nichts bringt und verpuffen wird. Die Deflationsgefahr lässt sich damit nicht vertreiben. Dazu bedarf es eher eines Anleihen-Kaufprogramms. Die EZB signalisiert mit ihrer Maßnahme aber, dass sie sehr weit zu gehen bereit ist. Das ist eher ein symbolischer Schritt. Die realwirtschaftlichen Folgen sind bescheiden.“

Auch in Sachen Ukraine-Krise gab es beruhigende Nachrichten. So haben offenbar Unterhändler der Regierung in Kiew und der prorussischen Separatisten eine Waffenruhe für das umkämpfte Gebiet Donbass vereinbart. Sie trete am Freitagabend in Kraft, meldete die russische, nichtstaatliche Agentur Interfax.

In der zweiten Reihe bildete sich kein klarer Trend heraus. Die Nebenwerte im MDax traten mit 16.341 Punkten auf der Stelle, der TecDax hingegen gab 0,5 Prozent nach auf 1261 Stellen. Der Leitindex der Euro-Zone, der Eurostoxx, tendierte mit 3275 Zählern minimal leichter. In New York lief die Wall Street zum Frankfurter Handelsschluss mit leichten Verlusten, der Dow-Jones-Index verlor 0,1 Prozent bei 17.060 Punkten.

Den Freitagshandel hatte der Dax stark begonnen. Am Morgen trotzte er den Gewinnmitnahmen nach der gestrigen Kurs-Rally, für die wieder mal EZB-Chef Mario Draghi verantwortlich war. Am frühen Mittag knickte der deutsche Leitindex ein, als die Europäische Statistikbehörde die schwachen BIP-Zahlen von Ende August bestätigte. Demnach stagnierte die Wirtschaft in der Euro-Zone im zweiten Quartal 2014, vor allem die Schwergewichte Deutschland und Frankreich enttäuschten.

Im gestrigen Handel hatte der Präsident der europäischen Zentralbank die Märkte mit einer Leitzinssenkung in Aufruhr versetzt. Der Leitzins in der Währungsunion beläuft sich nun auf 0,05 Prozent nach bisher 0,15 Prozent. Doch dabei beließ es der Italiener nicht. In der anschließenden Pressekonferenz kündigte Draghi an, dass die Notenbank Kreditverbriefungen im Milliardenbereich aufkaufen werde. Anleger griffen anschließend bei Aktien beherzt zu, der Euro hingegen ging auf Talfahrt.

Im Handelsblatt rechnet UBS-Chef Axel Weber mit Draghi ab. In einem ausführlichen Interview erklärt Weber, „die hohe Liquidität übertüncht zurzeit die grundlegen Probleme der Eurozone“. Der Finanzmarkt wird das Versprechen Draghis testen. „Dann stellt sich die Frage: Wer haftet für die Titel, die die EZB gekauft hat?“

Kommentare (43)

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Herr Sören Aabye Kierkegaard

05.09.2014, 07:45 Uhr

Mario Draghi ist der beste Mann. Der König von Europa. Ich bin heute morgen glücklich mit einem breiten Lächeln & prall gefüllten OS-Depot aufgewacht. Alles tief im grünen Bereich:-)

Jetzt Obacht, wie immer zuerst tiefe Kurse nach Start damit DIE wieder günstig einsteigen können, also Stopps nicht vergessen, dann eher Langeweile bis zum Nachmittags Hochkaufen.

Die Spiele können beginnen, das Casino ist geöffnet. Schmeißt die Rechner an.

Herr Edi Haas

05.09.2014, 07:51 Uhr


Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Edi Haas

05.09.2014, 08:26 Uhr

Wie ich geschrieben habe, gestern hat uns die EZB ein Geschenk gemacht.
Wir können risikolos zocken, hinter uns steht Herr Draghi und zahlt:)
Das gestrige Daxhoch reicht mir erst einmal, neue Derivate mit 500% Kursgewinnmöglichkeit
wurden ebenfalls aufgelegt. Ich denke die Investoren aus allen Ländern nutzen diese Angebote
ebenso. Diese Zinssenkung war ausschließlich für die Finanzmarktspielchen

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