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22.01.2016

18:14 Uhr

Börse Frankfurt

Dax erholt sich leicht von schwarzem Jahresbeginn

Nach einem turbulenten Jahresanfang endete die Woche an der Frankfurter Börse etwas versöhnlicher. Doch schon in der kommenden Woche könnte es wieder runtergehen.

Börse am Abend

So schnell kann die Stimmung drehen

Börse am Abend: So schnell kann die Stimmung drehen

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FrankfurtDie Anleger am deutschen Aktienmarkt brauchen auch in der neuen Woche starke Nerven. Die Kurse könnten sich Experten zufolge zwar noch etwas erholen, das Risiko eines erneuten Rückschlags bleibt aber. Die Stabilisierung der Ölpreise und die Aussicht auf weitere Geldspritzen durch die Europäische Zentralbank (EZB) hätten den Ausverkauf an den Aktienmärkten zwar scheinbar gestoppt, schrieb Analystin Claudia Windt von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) in einer Studie. Ob die Erholung eine Trendwende markiere, sei aber dahingestellt. Vielmehr dürften Schwankungen an der Tagesordnung bleiben.

Am Freitag blieb der deutsche Aktienmarkt nach seinem verpatzten Start ins Jahr auf Erholungskurs. Der Dax schloss mit einem Plus von 1,99 Prozent bei 9764,88 Punkten. Auf Wochensicht bedeutet das einen Anstieg um 2,30 Prozent. Das Minus im noch jungen Jahr 2016 sank damit auf rund 9 Prozent.

Fünf Fragen an Mario Draghi

1. Wie stark wirkt sich Öl auf die Inflation aus?

Der Einbruch bei Öl hat den Preis des Rohstoffes unter die jüngsten Prognosen der EZB gedrückt. Ein Barrel Brent- Rohölnotiert nun bei Hälfte dessen, was im Dezember erwartet wurde, so dass die Prognose der Notenbank, dass die Inflation in diesem Jahr bei durchschnittlich 1 Prozent liegen würde, veraltet ist.

Tatsächlich rechnen einige Banken im Euroraum mit Preisrückgängen in den nächsten Monaten, und Barclays sieht die durchschnittliche Teuerung 2016 bei lediglich 0,1 Prozent. Noch besorgniserregender ist für die EZB, dass die Inflationserwartungen in jüngster Zeit der Bewegung bei Öl gefolgt sind -- ein Zeichen, dass die Märkte anfangen, die Fähigkeit der Notenbank zu bezweifeln, die Preissteigerungen wieder in Einklang mit ihrem Mandat zu bringen.

2. Was bedeutet das für die EZB-Politik?

Eine schwächere Inflation, ein steigender Euro und die Aussichten auf ein schwächeres globales Wachstum erhöhen den Druck auf Draghi, erneut die Geldpolitik zu lockern. In einer Bloomberg-Umfrage prognostizierten die meisten Analysten, dass weitere Maßnahmen im März kommen werden - wenn die EZB aktualisierte Prognosen veröffentlichen wird - oder im Juni. Diese Stimuli könnten in Form einer weiteren Senkung des Einlagensatzes oder einer Ausweitung der monatlichen Anleihe-Käufe erfolgen.

Bei der ersten geldpolitischen Entscheidung der EZB in diesem Jahr hielt Mario Draghi an ihrem Kurs des extrem billigen Geldes fest. Der Leitzins im Euroraum bleibt auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent. Der Strafzins für Geld, das Banken über Nacht bei der Notenbank parken, beträgt weiterhin 0,3 Prozent.

3. Kann Draghi eine Mehrheit für mehr Aktionen zustande bringen?

Die Zusammenfassung der geldpolitischen Sitzung des EZB- Rates vom 3. Dezember zeigte zunehmend unterschiedliche Meinungen der Währungshüter über den geldpolitischen Kurs der EZB. Einige Gouverneure waren gegen sämtliche neue Stimuli, andere wollten ein noch aggressiveres Vorgehen, während andere insgesamt dazu tendierten, eher einen negativen Einlagensatz als weitere Aktivakäufe zu unterstützen.

Das könnte für Draghi eine Herausforderung sein, wenn weitere Stimuli nötig werden. In ihren Debatten werden die Notenbanker die Kerninflation - die um volatile Posten wie Energie und Lebensmittel bereinigt ist - stärker und genauer ansehen, um zu beurteilen, ob der Ölpreisrutsch sich in der breiteren Wirtschaft niederschlägt.

4. Wie abhängig ist die EZB vom Rest der Welt?

Der Internationale Währungsfonds hat angesichts der schwächeren Schwellenländer seine Prognose für das weltweite Wachstum 2016 von 3,6 Prozent auf 3,4 Prozent reduziert. Eine erheblich Abschwächung in China, das 2015 das niedrigste Wachstum seit 25 Jahren verzeichnete, ist eines der Hauptrisiken für die Exporteure im Euroraum.

Gleichzeitig erweist sich der kräftige Rückgang beim Ölpreis als Segen für die Verbraucher der Region, und da Öl keinerlei Anzeichen für eine bedeutende Rally zeigt, dürfte die Binnennachfrage weiterhin das Wachstum anschieben.

5. Wie sieht es mit der Bankenunion aus?

Während die Banken weiter langsam die Kredite ausweiten, um die konjunkturelle Erholung in Europa zu stützen, haben Bankaktien sich schwächer als andere Aktien entwickelt - ein Anzeichen, dass die Branche anfällig bleibt.

Die EZB, die 2014 die Bankenaufsicht in der Euro-Zone übernahm, hat auf ein Einlagensicherungskonzept für den Euroraum gedrängt, aber die Politik hat bisher wenig Bereitschaft gezeigt, neue Reformen durchzusetzen. Auch haben verschiedene Länder versucht, die Tragweite der jüngst verabschiedeten Vorschriften zu Bail-In und Abwicklung zu begrenzen. Draghi dürfte seine Forderung nach einer Stärkung des institutionellen Rahmens für die Gemeinschaftswährung wiederholen - etwas, das er in den vergangenen Monaten wiederholt gefordert hat, bisher mit wenig Erfolg.

Die Experten der Landesbank Baden-Württemberg bleiben aber skeptisch. Wenngleich die Aktienmärkte zu stark abverkauft erschienen, sei die seit dem Beginn der jüngsten Abwärtsbewegung Ende November verstrichene Zeit zu kurz für die Ausbildung eines tragfähigen Bodens. Größere Kurskorrekturen wie die derzeitige dauerten in der Regel zweieinhalb bis drei Monate.

Auf Unternehmensseite könnte in der neuen Woche die Berichtssaison für frische Impulse sorgen. Am Dienstag öffnet Siemens seine Bücher. Der Elektrokonzern dürfte nach Einschätzung von Analysten trotz des Rückenwinds vom schwachen Euro eher schleppend in sein neues Geschäftsjahr gestartet sein.

Am Freitag stand bei den Unternehmen SAP im Rampenlicht. Das Softwarehaus hob seine Ziele für 2017 an, konnte die Märkte damit aber nicht überzeugen. Die Aktie des Softwarekonzerns schloss mit 0,3 Prozent knapp im Plus, nur Thyssen Krupp war mit einem Minus von 0,3 Prozent schlechter. Das nach dem deutlichen Wachstum im vergangenen Jahr angehobene Umsatzziel für 2017 „liegt im Rahmen der Markterwartungen“, begründete dies ein Händler. Ein Börsianer verwies zudem darauf, dass sich die SAP-Aktie zuletzt besser als der Markt geschlagen habe. So gewannen die Titel in den vergangenen sechs Monaten rund sechs Prozent, während der Dax um fast 18 Prozent nachgab. DZ-Analyst Harald Schnitzer bekräftigte seine „Halten“-Empfehlung und sieht den fairen Wert bei 74,00 Euro. Zum Mittag notiert das Papier gut zwei Euro niedriger.

Das Wohnungsunternehmen Vonovia, einziger Immobilienwert im Dax, rückte 5,9 Prozent vor. Die Deutsche Bank, die nach vorläufigen Zahlen 2015 mit rund 6,7 Milliarden Euro den größten Jahresverlust ihrer Unternehmensgeschichte verkraften muss, legte nach Verlusten am Donnerstag um 2,7 Prozent zu: Der Kurs der Aktie schloss bei 17,60.

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Der MDax der mittelgroßen Werte profitierte mit einem Gewinn von 3,39 Prozent auf 19.243,02 Punkte von der wieder aufgehellten Börsenstimmung. Für den Technologiewerte-Index TecDax ging es um 2,96 Prozent auf 1.657,49 Punkte nach oben.

Ihre Aufmerksamkeit richteten Anleger daneben auf die Stimmungsbarometer der Einkaufsmanager aus Deutschland und der Euro-Zone. In den USA stehen die Frühindikatoren auf dem Terminplan. Von diesen Zahlen erhoffen sich Investoren Hinweise darauf, wie schnell die Notenbank Fed, die kommende Woche über die Geldpolitik berät, die Zinsen anheben wird. Auf Unternehmensseite hat Siemens-Rivale General Electric (GE) Geschäftszahlen vorgelegt. Der Industrieriese übertraf im vierten Quartal 2015 die Erwartungen der Analysten: Der Gewinn pro Aktie liegt bei 0,52 Dollar, erwartet worden waren 0,49 Dollar. Vorbörslich gab die GE-Aktie an der Wall Street dennoch leicht um 0,4 Prozent nach.

Die europäischen Aktienmärkte haben den zweiten Tag in Folge zugelegt. Auch hier stützte die wachsende Zuversicht der Investoren in die Notenbanken die Kurse . „Es gibt Hoffnung auf mehr Stimuli im März und die Möglichkeit von noch mehr Stimuli in Japan und China, und wenn wir konkrete positive Wirtschaftsnachrichten erhalten, könnte sich die Erholung bis in die kommende Woche fortsetzen“, sagte John Plassard von Mirabaud Securities LLP in Genf. „Ich hatte meinen Kunden gesagt, sie sollen sich anschnallen und auf bessere Nachrichten warten, und die sind nun endlich gekommen.“

In Tokio legte der Nikkei-Index am Freitag um 5,9 Prozent auf 16.959 Punkte zu. Der Shanghai Composite legte 0,9 Prozent auf 2906 Zähler zu. Angetrieben wurden die Kurse von der Erleichterung über den wieder anziehenden Ölpreis. Dessen rasanter Verfall hatte in den vergangenen Wochen viele Aktienanleger verunsichert.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

22.01.2016, 08:44 Uhr

Draghi macht sein übliches Spiel und die Börsen in Europa spielen da mit.
Der Dax wird durch Spekulationen "lockere Geldpolitik" wieder mal nach oben getrieben um dann wieder abstürtzen zu können. Spekulation pur bzw. Börsenzocken ist seit Jahren wichtiger als reale Wirtschaftsdaten/Wachstum.
Eine "Locker Geldpoltiik" heißt hat nichts anderes, dass wieder einmal Geld gedruckt wird und damit Papier in Umlauf gegeben wird, dem kein Mehrwert/wirtschaftliche Wertschöpfung zu Grund liegt.
Solange wir keine freie und offene Wirtschaftspolitik in Europa haben...solange wir unter dem politischen Diktat einer Grün-Sozialistischen CO2 Verbots/Klimadikatur leiden solange wird es keine wirtschaftliche Wertschöpfungskette geben die uns einen Mehrwert für das gedruckte Draghi Geld darbietet.
Es ist diese fatale und marktfeindliche Grüne Industrie-CO2-Klima Verbotspolitik die uns Marktbürger bevormundet was wir nachzufragen und anzubieten haben.
Diese politische Bevormundung verbietet uns einen Markt zu unterhalten. Einen Markt mit freien Angebot, freier Nachfrage und Wettbewerb.
Alles wird immer mehr von staatlichen Regulierungen und Subventionen einer Soazialistischen Politik nach Vorbild eines DDR-System bestimmt. Und dies mit dem Grünen Deckmantel (Klimaschutz und CO2 Verbot). Wobei wir uns mehr vom Klima (Wetter) schützen müssen als das Klima (Wetter) sich vor uns. Aber das nur nebenbei.
Danke!

Account gelöscht!

22.01.2016, 09:45 Uhr

„Draghi-Effekt“
Nennen Sie es besser Bluff, es ist ein Abverkauf im Gange, siehe Dax und Dow.

Rainer von Horn

22.01.2016, 10:38 Uhr

Ich finde das stark. Wir ersaufen gleichzeitig in einer Schwemme von Öl UND Geld.
Wer hätte das vor ein paar Jahren zu hoffen gewagt.....

Ironie aus.

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