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18.02.2016

18:28 Uhr

Börse Frankfurt

Dax erholt sich weiter

Erstmals seit zwei Wochen kletterte der deutsche Leitindex zeitweise über die Marke von 9.500 Punkten. Der wieder fallende Ölpreis bremste die Aufwärtsbewegung. Gefragte Dax-Werte waren Lufthansa und Deutsche Börse.

Aktienanleger nutzen die Verluste vom Vortag und kaufen wieder. dpa

Händlerin an der Börse Frankfurt

Aktienanleger nutzen die Verluste vom Vortag und kaufen wieder.

FrankfurtDer Dax hat sich auch am Donnerstag nicht von seinem Erholungskurs abbringen lassen. Nach mehreren starken Handelstagen – mit dem Plus von Freitag ist der deutsche Leitindex seitdem neun Prozent vorgerückt – sah es zunächst so aus, als ob dem wichtigsten deutschen Marktbarometer langsam die Kraft ausginge. Doch dank neuer zuversichtlich stimmender Signale vom Ölmarkt, dass der krasse Preisverfall durch eine Begrenzung der Fördermengen endlich ein Ende finde, ging es für den Dax ab dem frühen Mittag weiter steil nach oben. Zwischenzeitlich kletterte er erstmals seit zwei Wochen wieder über die Marke von 9.500 Punkten. Zum Handelsende behauptete er ein Plus von 0,9 Prozent auf 9.463,64 Punkte. Für den MDax der mittelgroßen Werte ging es letztlich um 0,87 Prozent auf 19 124,19 Zähler aufwärts. Der Technologiewerte-Index TecDax gewann 2,04 Prozent auf 1619,41 Punkte.

Die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee, die sich zunächst um bis zu 3,6 Prozent verteuert hatte, verbilligte sich um ein Prozent auf 34,26 Dollar je Barrel (159 Liter). In den USA füllen sich die Tanklager immer weiter: Dem US-Energieministerium stiegen die Rohöl-Reserven in der vergangenen Woche auf ein Rekordhoch von 504,105 Millionen Barrel. An dieser Entwicklung ändere auch die geplante Deckelung der weltweiten Fördermengen nichts, warnten die Analysten des Research-Hauses BMI.

Weil das Angebot die Nachfrage übersteigt, ist der Ölpreis in den vergangenen eineinhalb Jahren um etwa 70 Prozent eingebrochen. Dies reißt milliardenschwere Löcher in die Haushalte der Förderländer. Außerdem befürchten Börsianer eine Pleitewelle unter den Förderfirmen, vor allem in den USA. Denn dort wird der Rohstoff meist mit Hilfe des technisch aufwendigen und teuren "Fracking"-Verfahren gewonnen. Eine Häufung von Firmen-Zusammenbrüchen würde die Banken in Schieflage bringen, weil diese dann auf milliardenschweren Krediten sitzenbleiben.

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

Der Euro Stoxx 50 sank um 0,1 Prozent auf 2.895,15 Punkte. Der marktbreite Stoxx Europe 600 stagnierte bei 328,91 Punkten. Aktien von Air France-KLM schossen um 10,7 Prozent nach oben; das Unternehmen hatte seinen ersten operativen Jahresgewinn seit 2010 gemeldet. Rohstoffwerte dagegen zählten zu den schwächsten Branchen im Stoxx 600. Titel von Anglo American verloren 7,7 Prozent, nachdem S&P das Rating des Unternehmens auf Junk gesenkt hatte.

Die US-Börsen erlitten im Mittagshandel ebenfalls Verluste. Die Rücknahme des Ausblicks von Wal-Mart Stores Inc. ließ die Aktie um 4,5 Prozent einbrechen. Daneben stand der Ölsektor unter Druck. Der Dow Jones Index fiel um 0,1 Prozent auf 16.438,25 Punkte, während der S&P 500 um 0,3 Prozent auf 1921,86 Zähler sank.

Börsen Asien : Ölpreisanstieg treibt Fernostwerte an

Börsen Asien

Ölpreisanstieg treibt Fernostwerte an

Die Börsen in Fernost haben es am Donnerstag den US-Märkten nachgetan: Die Werte schlossen abermals im Plus. Grund für die gute Laune ist der erneute Anstieg der Ölpreise und auch gute US-Konjunkturdaten.

Rückenwind erhielten die Aktienbörsen am Donnerstag auch von der Aussicht auf eine behutsamere Straffung der US-Geldpolitik. Börsianer werteten die Aussagen in den Sitzungsprotokollen der Fed als Hinweis darauf, dass die Notenbank von ihren bislang signalisierten vier Zinserhöhungen 2016 abrückt. Der Dollar zog dennoch leicht an und der Euro verbilligte sich im Gegenzug um einen knappen halben US-Cent auf 1,1089 Dollar. „Fed und Markt verhalten sich wie Hase und Igel“, sagte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. „Wann immer die Fed ihre Zinserwartungen bewegt, der Markt ist längst schon da.“ Eine Abwertung der Gemeinschaftswährung macht Waren europäischer Firmen auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähiger.

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