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13.10.2014

17:37 Uhr

Börse Frankfurt

Dax erlebt ein Aufschwüngchen

Der Leitindex kann sich nach einer verlustreichen Vorwoche etwas fangen. Doch der große Wurf blieb aus. Einige Experten sehen bereits wieder Kaufkurse – andere warnen vor weiteren Rückschlägen.

Schwacher Aufwärtstrend

Dax fängt sich nach Absturz

Schwacher Aufwärtstrend: Dax fängt sich nach Absturz

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FrankfurtDer Deutsche Leitindex konnte am Montag wieder etwas Fuß fassen. Nachdem er in der vergangenen Woche satte 4,4 Prozent verloren hatte, ging der Dax am Montag 0,27 Prozent höher bei 8.812 Punkten aus dem Handel.

„Angesichts der extrem überverkauften Marktlage scheinen die ersten Anleger wieder attraktive Einstiegsniveaus zu wittern“, schreibt Gregor Kuhn, Analyst bei IG Markets. Die Nervosität sei allerdings weiter groß, sagte Terry Torrison vom Brokerhaus McLaren Securities. Die Angst vor enttäuschenden Unternehmensbilanzen und einer deutlichen Abkühlung der Konjunktur hatte die Investoren zuletzt vorsichtig gestimmt.

Chartexperte Franz-Georg Wenner vom Börsenstatistik-Magazin Index-Radar gibt zu bedenken, dass sich das mittelfristige Bild für den deutschen Leitindex verschlechtert hat. Kurzfristig dürften die Notierungen durch Käufe von Anlegern gestützt werden, die zuvor auf fallende Kurse gesetzte hätten und nun Kasse machten. Grundsätzlich erscheine der Abwärtstrend jedoch „kristallklar“.

Die Analysten der Commerzbank sind etwas optimistischer, aber auf kurze Sicht auch auf Kursverluste gefasst. „Nach einem schwachen Oktober dürfte sich der Dax im November und Dezember wieder erholen“, prognostizieren sie. „Da wir einen Konjunktureinbruch für unwahrscheinlich halten, sehen wir Dax-Stände um 9.000 Punkte als Kaufgelegenheiten an.“ Sie rechnen eher mit einer Wachstumsdelle als mit einer Rezession.

Am Ölmarkt war zu Wochenbeginn weiter kein Ende der Talfahrt in Sicht: Spekulationen über den Verzicht der Opec und Saudi-Arabiens auf Förderkürzungen ließen die Preise in den Keller fallen. Nordseeöl der Sorte Brent kostete zeitweise mit 87,74 Dollar je Barrel (159 Liter) 2,7 Prozent weniger und notierte damit so niedrig wie zuletzt im Dezember 2010. US-Leichtöl der Sorte WTI verlor bis zu zwei Prozent auf 84,09 Dollar.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

Analysten rechnen mit noch stärkeren Preisabschlägen. Am Wochenende hatte Kuwaits Ölminister Ali al-Omair der Nachrichtenagentur KUNA zufolge erklärt, es sei unwahrscheinlich, dass die Opec die Ölproduktion im November kürzen werde. Das Kartell wird am 27. November über die Lage beraten. Seit Juni sind die Ölpreise um 20 Prozent gefallen.

Kommentare (37)

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Herr Toni Trapper

13.10.2014, 07:50 Uhr

Und während manche noch fabulieren, ob sie bei 8900 oder 8700 kaufen, haben mutige Anleger auch bei 9500 zugeschlagen.

Carl Icahn Jr.

13.10.2014, 08:19 Uhr

Zum Glück, kennt die Eurex keine Circuit-Breakers (oder Speed-up Bumpers), so dass wir das Ding (FDAX) auch mal locker mehrere 100,0 Punkte innerhalb von wenigen Minuten senkrecht in den Boden rammen können.

Und logisch gibt es zwischendurch immer auch kurzzeitige sog. Rebound-Shortcovering-Counters die man(n) handeln kann. Was aber ziemlich gefährlich ist in einem Fast-Market und Krieg um Milli-Sekunden.



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Herr Toni Trapper

13.10.2014, 08:34 Uhr

Dank an all jene Langfristanleger, die auch nach zuchtbullischem Rat auch bei 10000 kaufen und heute meine Verluste tragen.

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