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05.09.2011

18:00 Uhr

Börse Frankfurt

Dax erlebt nächsten schwarzen Montag

Während die US-Börsen ruhen, herrscht am deutschen Aktienmarkt Ausverkaufsstimmung. Der Dax beschleunigte seine Talfahrt und durchbrach sein Zweijahrestief. Besonders hart traf es die Deutsche Bank.

Die Befürchtung vieler Börsianer ist eingetreten: Der Dax befindet sich wieder im freien Fall. Reuters

Die Befürchtung vieler Börsianer ist eingetreten: Der Dax befindet sich wieder im freien Fall.

FrankfurtDer Dax ist am Montag auf den tiefsten Stand seit September 2009 abgesackt. Nach einem sehr schwachen Start weitete der deutsche Leitindex seine Verluste bis auf 5,7 Prozent auf 5.223 Punkte aus. Am Ende schloss er 5,3 Prozent schwächer bei 5.246 Punkten. „Die Lawine ist ins Rollen gekommen“, sagte ein Börsianer. „Resignation und Perspektivlosigkeit prägen die Stimmung.“ Die Finanzwerte litten vor allem unter einer Vertrauenskrise, fügte ein weiterer hinzu. Von Panik mochte dennoch niemand etwas wissen. „Das ist ein geordneter Abverkauf“, fasste ein Händler zusammen.

Aktienhändlerin Anita Paluch von ETX Capital verwies auf den enttäuschenden US-Arbeitsmarktbericht vom vergangenen Freitag, der neben der Wall Street auch schon die asiatischen Aktienmärkte belastet hatte. Zudem richte sich die Aufmerksamkeit wieder stärker auf die Eurozone und insbesondere auf die zunehmenden Sorgen, ob Griechenland die notwendigen Reformen schaffe. Als weiteren Belastungsfaktor sah Marktanalystin Louise Cooper von BGC Partners die ungeachtet massiver EZB-Käufe wieder gestiegenen Renditen für italienische Staatsanleihen, nachdem Ministerpräsident Silvio Berlusconi sein Sparpaket verwässert hat.

Der MDax der mittelgroßen Werte büßte 4,9 Prozent auf 8.403 Punkte ein und der Technologiewerte-Index TecDax sackte um 4,5 Prozent auf 697 Punkte ab. Auf der Suche nach „sicheren Anlagehäfen“ nahmen Investoren Kurs auf Bundesanleihen und Gold .

Der Tag an den Märkten (Stand 11:00 Uhr)

Dax

+ 0,6 Prozent

Euro-Stoxx 50

+ 0,7 Prozent

Dow Jones

+ 0,3 Prozent (20.10.)

Nikkei

+ 1,7 Prozent

CSI 300 (China)

- 0,3 Prozent (30.09.)

Euro

1,3774 Dollar (+ 0,01 Prozent)

Öl (Brent Barrel)

110,47 Dollar (- 0,3 Prozent)

Gold

1.621 Dollar (+ 0,2 Prozent)

„Es werden wieder die altbekannten Themen - Euro-Schuldenkrise und Sorgen um US-Rezession - gespielt“, sagte ein Börsianer. Da die Wall Street wegen des Labor-Day-Feiertags in den USA geschlossen sei, müsse mit dünnen Umsätzen gerechnet werden. „Somit sollte man sich auf einen kaufarmen Handelstag einstellen, bei dem wieder die eine oder andere Absurdität zu beobachten sein wird.“

Zu den größten Verlierern im Dax zählte die Deutsche Bank, deren Aktien 8,9 Prozent abrutschten. Damit notierten sie auf dem niedrigsten Stand seit März 2009. In den USA steht das Institut wegen umstrittener Hypothekengeschäfte vor Gericht. Darüber hinaus ermitteln die britischen Aufsichtsbehörden einem Zeitungsbericht zufolge wegen Betrugsverdacht gegen die Deutsche Bank. Auch die Titel der Commerzbank sackten im Dunstkreis 5,9 Prozent ab.

...und noch ein Crash!

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Telekom muss bei Platzen von AT&T-Deal um Entschädigung bangen

AT&T muss der Deutschen Telekom beim einem Platzen des Verkaufs von T-Mobile USA einem Insider zufolge unter bestimmten Umständen nicht die vereinbarte Entschädigung von rund sechs Milliarden Dollar zahlen. „Es gibt eine Reihe von bestimmten Optionen, unter den der Vertrag nicht zustande kommt“, sagte eine mit dem Vertrag vertraute Person am Montag zu Reuters. So sei der Deal unter anderem daran gebunden, dass der Wert von T-Mobile USA infolge von Kartellauflagen bis zum Abschluss nicht unter eine gewisse Schwelle falle. Zudem müsse die Übernahme innerhalb einer festgelegten Zeit über die Bühne gehen. Die Telekom-Aktie baute ihre Verluste daraufhin etwas aus, sie lag 4,6 Prozent im Minus. Das Unternehmen wollte sich zu dem Thema nicht äußern.

Die schwärzesten Börsentage seit 1987

Vor 1987

Beim größten Crash der Nachkriegszeit am 19. Oktober 1987 - als Spekulationen auf Zinserhöhungen den Dow-Jones-Index um 23 Prozent einbrechen ließen - hatte es den Dax noch nicht gegeben. Der deutsche Index, in dem die 30 börsennotierten Top-Unternehmen abgebildet sind, wurde erst am 1. Juli 1988 eingeführt. Auf Dax-Basis zurückberechnet hatten sich die Verluste an diesem Tag in Frankfurt aber auf gut neun Prozent belaufen.

16. Oktober 1989

Der Dax fällt um rund 13 Prozent und folgt damit der Wall Street, wo Finanzierungs-Schwierigkeiten beim Kauf der US-Fluggesellschaft UAL einen Ausverkauf auslösten.

19. August 1991

In Reaktion auf den später gescheiterten Putsch gegen den damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow verliert der Dax gut neun Prozent.

28. Oktober 1997

Im Sog der Asienkrise verliert der Dax im Handelsverlauf bis zu 13 Prozent und schließt mit 3.567 Punkten acht Prozent niedriger.

1. Oktober 1998

Die Angst vor einem Flächenbrand im Bankenwesen nach der Schieflage eines Hedgefonds in den USA und einer Eskalation der Krisen in Asien, Japan, Lateinamerika und Russland drücken den Dax um acht Prozent ins Minus.

11. September 2001

Nach den Terroranschlägen in den USA fällt der Dax um neun Prozent.

5. August 2002 und 3. September 2002

US-Rezessionsängste drücken den Dax um 5,7 beziehungsweise 5,8 Prozent in die Tiefe. Darüber hinaus sorgt die Unsicherheit über die Lage im Irak für Aktienverkäufe.

24. März 2003

Wenige Tage nach Beginn des Irak-Krieges wachsen die Zweifel an den Finanzmärkten. Viele Anleger fürchten, der Krieg könnte sehr viel länger als von den USA erwartet dauern. Der Dax stürzt um 6,1 Prozent ab.

21. Januar 2008

Angst vor einer Rezession in den USA drückt den Dax um sieben Prozent auf 6.790 Punkte ins Minus.

15. September 2008

Die Pleite von Lehman drückt den Dax um moderate 2,7 Prozent.

06. Oktober 2008

Für den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate muss binnen einer Woche ein zweites Rettungspaket geschnürt werden. Der Dax verliert sieben Prozent.

08. Oktober 2008

Im Sog der Finanzkrise stürzt der Nikkei -Index um über neun Prozent ab. Der Dax verliert bis zu neun Prozent. Nach einer konzertierten Zinssenkungsrunde der großen Notenbanken erholen sich die Kurse nur leicht. Der Dax schließt mit einem Minus von sechs Prozent.

10. Oktober 2008

Rezessionsängste angesichts der Finanzkrise drücken den Nikkei-Index um zehn Prozent. Der Dax verliert ebenfalls sieben Prozent.

24. Oktober 2008

Ein erneuter Absturz der Tokioter Börse drückt den Dax in der Spitze um über elf Prozent.

01. Dezember 2008

Konjunktursorgen lassen den Dax um rund sechs Prozent fallen.

15. März 2011

Vier Tage nach der Erdbebenkatastrophe flüchten die Anleger weltweit aus den Aktienmärkten. Die Kernschmelzen in Fukushima erschüttern das Vertrauen zusätzlich: Der Nikkei-Index schließt 10,6 Prozent im Minus, der Dax verliert zeitweise 5,6 Prozent.

8. August 2011

Die USA verlieren am Wochenende bei der Ratingagentur Standard & Poor's ihre Bestnote als Kreditnehmer. Obwohl dies keine Überraschung ist, reagieren die Anleger mit Aktienverkäufen in großem Stil. Als an der Wall Street der Dow-Jones-Index 3,4 Prozent abstürzt, beschleunigt der Dax seine Talfahrt und verliert bis zu 5,2 Prozent auf 5921 Punkte.

5. September 2011

Die Furcht der Anleger vor einer weltweiten Rezession und einer Ausweitung der Schuldenkrise in der Euro-Zone drückt den Dax um 5,3 Prozent ins Minus.

1. November 2011

Der Dax verliert rund fünf Prozent. Auslöser ist die überraschende Ankündigung einer Volksabstimmung in Griechenland über ein Rettungspaket.

29. Juni 2015

Das Scheitern der Gespräche zur Lösung der Schuldenkrise in Griechenland und die überraschende Ansetzung einer Volksabstimmung über die Forderungen der Gläubiger drückt den Dax gleich im frühen Handel um 4,6 Prozent auf 10.964,24 Punkte.

Goldpreis knapp unter Rekordhoch

Der Goldpreis ist am Montag erstmals seit fast zwei Wochen wieder über die Marke von 1.900 Dollar gesprungen und stand nur knapp unter dem Rekordhoch von 1.913,50 Dollar. Getrieben von einer weiterhin hohen Unsicherheit an den Finanzmärkten und starken Kursverlusten an den Aktienbörsen sprang der Preis für das gelbe Edelmetall zeitweise auf ein Tageshoch bei 1903 US-Dollar je Feinunze (etwa 31 Gramm). Im weiteren Handelsverlauf ist der Goldpreis wieder etwas zurückgefallen und stand gegen Mittag bei 1892,74 Dollar. Das sind 8,94 Dollar mehr als am Freitag.

Ackermann sieht Parallelen zur Krise 2008

Video: Ackermann sieht Parallelen zur Krise 2008

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Kommentare (82)

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PRhodan

05.09.2011, 08:56 Uhr

Es ist nicht nur die Zusammensetzung des DAX, sondern die Dominanz der US-Pensionskassen. Die deutschen Institutionellen spielen schon seit gut 10 Jahren eine mehr als erbärmliche Rolle, was ihre Marketpower anbelangt. Da wird lieber alles gesund gebetet, die Argumente (historisch niedriges KGV usw.) sind regelmäßig ein Blick in den Rückspiegel, es wird wie üblich zum Kaufen geblasen, in der Hoffnung ein paar Dumme zu finden. Mein Bankberater von der Coba versteht erneut die Welt nicht. Nur eigenes Geld setzen die Banken nicht ein, um hier mal Flagge zu zeigen, ist ja auch viel zu riskant. Und die Fonds der ach so bedeutenden und tollen DWS und der Deka mit ihrer dümmlichen Werbung für Ahnungslose? Weiter mit dem Investmentstil "Long only". Es ist doch toll, wenn der Fonds nur - 29 % gemacht hat, seine Benchmark aber - 30 %. Das ist dann mal wieder Leistung aus Leidenschaft - die Leiden schafft! Oder man hat sich dadurch kleine Wünsche erfüllen können, indem man der Deka ein großes Vermögen anvertraut hat.

insider

05.09.2011, 09:01 Uhr

Die VORGABEN!!!!!
USA schlecht-Asien schlecht-Europa schlecht,Gesetz der Folge müsste was kommen?USA schlecht-Asien schlecht-Europa schlecht.
wenn man nach den "Vorgaben" geht müssten indizes entweder auf 0 gehen oder auf "unendlich"...hmmmm?
Wer verkauft jetzt noch?Fondsmanager?die das Geld von den Leuten verwalten die hier immer die "Spekulanten" bashen?haha
mal dran denken wem man sein Geld gibt und ob man indirekt zu den "Spekaulanten" gehört ohne es zu wissen.
Ich kaufe weiter Produktiv-Kapital in Form von Firmenanteilen,wenn nicht jetzt,wann dann?bei 7000 kaufe ich sicher nicht mehr.

Die einzige sicherheit

Kenner

05.09.2011, 09:03 Uhr


FRAGE: Gibt es dann noch eine sichere Anlage?

Bundesanleihen sind insofern sicher, als sie mit Sicherheit Verlust produzieren: Erträge minus Abgeltungsteuer und Inflation sind ein Verlustgeschäft

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