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06.03.2013

17:56 Uhr

Börse Frankfurt

Dax fehlt der letzte Kick

So billig wie jetzt war das Geld schon lang nicht mehr. Und so viel Geld wie jetzt haben die Notenbanken auch schon lange nicht mehr in die Märkte gepumpt. Die 8.000 Punkte hat der Dax heute dennoch nicht knacken können.

Börse Frankfurt am Abend

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FrankfurtErwartungsvoll schauten die Anleger heute auf die Dax-Tafel. Alle wollten es sehen und am Vormittag sah es stark danach aus. Sie wollten mitbekommen, wenn der Dax erstmals seit fünf Jahren wieder die Marke von 8.000 Punkten durchbricht. Zwischenzeitlich trennten ihn nur 13 Punkte von der magischen Hürde. Doch es sollte nicht sein – nicht heute.

Selbst die freundliche Eröffnung der US-Börsen gab dem Dax nicht den nötigen letzten Kick. Am Ende schloss der Deutsche Aktienindex 0,6 Prozent fester auf 7.919 Zähler. Die zweite Reihe begann den Mittwoch ebenfalls stark, zu Handelsende ging ihnen aber dann die Luft aus. Der MDax sowie der TecDax beendeten den Handelstag unverändert auf 13.320 beziehungsweise 920 Punkte.

Die Kursrally der letzten Tage hat seine Gründe. Der wichtigste der Gründe ist: Das Geld ist billig und wenn es nur rumliegt verliert es an Wert. Auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten fallen die Festzinsprodukte durch. Zu stark haben die Notenbanken ihre Leitzinsen gesenkt, als dass sich ein Investment in Bundeswertpapiere ohne ähnlichem lohnen würde. Auch Rohstoffe liefern nicht die Performance, die die Aktionäre erwarten. Deswegen führt derzeit kaum ein Weg an Aktien vorbei.

„Der Anstieg des Dax auf ein Rekordhoch ist nur eine Frage des 'wann' und nicht des 'ob'“, sagt Folker Hellmeyer, Chef-Volkswirt der Bremer Landesbank.

Analystenstimmen zur Rekordjagd des Dax

Jörg Rahn, Marcard, Stein & Co.

„Der Dax muss sich noch etwas gedulden. Selbst wenn die Europäische Zentralbank am Donnerstag die Zinsen senken sollte, wird dieser Impuls voraussichtlich nicht ausreichen. Länger als einige Wochen wird es aber sicher nicht dauern, bis der Leitindex einen neuen Rekordstand erklimmt.“

Christian Schmidt, Helaba-Analyst

„Es gibt offenbar immer noch viele Anleger, die den Zug bislang verpasst haben, wenngleich Hedgefonds die höchste Aktien-Investitionsquote seit dem Jahr 2006 haben.“

Tobias Basse, Aktienstratege der NordLB

„In der Euro-Zone gibt es zwar große Unsicherheiten, vor allem was die politische Situation in Italien anbelangt. Insgesamt hilft die Aussicht auf eine anziehende US-Konjunktur aber darüber hinweg. Die sich wiederbelebende Wirtschaft in den USA ist der Rettungsanker für die europäischen Börsen. Zwar wird die US-Notenbank irgendwann aus ihrem aggressiven Anleihenkaufprogramm aussteigen, aber das wird sie mit Bedacht tun.“

Folker Hellmeyer, Chef-Volkswirt der Bremer Landesbank

„Der Anstieg des Dax auf ein Rekordhoch ist nur eine Frage des 'wann' und nicht des 'ob'. Liquidität ist nur ein Baustein der Hausse. Der Erfolgspfad der Weltwirtschaft setzt sich fort. Außerdem sind die Bilanzen der deutschen Unternehmen deutlich besser als zur Zeit des bisherigen Dax-Rekordhochs von 2007.“

Ralph Herre, LBBW-Analyst

„Der Renditevorteil ist so hoch, dass selbst Dividendenkürzungen wie bei Versorger- und Telekomwerten die Beliebtheit von Aktien nicht schmälern.“

Der Dow Jones konnte bereits Historisches erreichten. Gestern erklomm er ein neues Allzeithoch, heute ging es weiter aufwärts. Nach Frankfurter Börsenschluss notierte der wichtigste amerikanische Börsenindex 0,2 Prozent fester auf 14.285 Punkte.

Viele Anleger gingen davon aus, dass die Geldpolitik der Zentralbanken noch eine Weile sehr locker bleibe - das schaffe Raum für Aufwärtspotenzial, sagt Lionel Jardin vom Vermögensverwalter Assya Capital.

"Das ganze Geld muss irgendwo investiert werden und von Aktien versprechen sich Anleger derzeit die höchste Rendite," sagte ein Händler. Der Renditevorteil sei so hoch, dass selbst Dividendenkürzungen wie bei Versorger- und Telekomwerten die Beliebtheit von Aktien nicht schmälerten, schreibt LBBW-Analyst Ralph Herre in einem Kommentar.

Wie es mittelfristig an den Börsen weitergeht, hängt zum großen Teil von den Notenbanken ab. Ihre Geldpolitik bestimmt, ob die Rally weitergeht oder nicht. Am Donnerstag stehen die Notenbanksitzungen in der Eurozone und Großbritannien auf der Agenda.

"Während sich bei der Bank von England immer mehr Vertreter dafür aussprechen, das Anleihekaufprogramm zu erhöhen, dürfte die Europäische Zentralbank an ihrer Politik der ruhigen Hand vorerst festhalten", schreibt Helaba-Analyst Christian Schmidt in einem Kommentar.

Meilensteine des Dow Jones

über 20.000 Punkte

Datum: 25.01.2017

Punkte: 20.044,00

über 19.000 Punkte

Datum: 22.11.2016

Punkte: 19.043,90

über 18.000 Punkte

Datum: 23.12.2014

Punkte: 18.069,22

über 17.000 Punkte

Datum: 03.07.2014

Punkte: 17.074,65

über 16.000 Punkte

Datum: 18.11.2013

Punkte: 16.030,28

über 15.000 Punkte

Datum: 03.05.2013

Punkte: 15.009,59

über 10.000 Punkte

Datum: 29.03.199

Punkte: 10.006,79

über 5000 Punkte

Datum: 21.11.1995

Punkte: 5022,55

über 4000 Punkte

Datum: 23.02.1995

Punkte: 4003,33

über 3000 Punkte

Datum: 17.04.1991

Punkte: 3004,46

über 2000 Punkte

Datum: 08.01.1987

Punkte: 2002,25

über 1000 Punkte

Datum: 14.11.1972

Punkte: 1003,16

über 500 Punkte

Datum: 22.09.1956

Punkte: 500,24

über 50 Punkte

Datum: 13.03.1899

Punkte: 50,47

Dennoch halten sich Spekulationen am Markt, die EZB könne den Leitzins wegen der rückläufigen Inflationsraten noch einmal weiter nach unten schrauben. Entscheidend dürfte sein, wie die Ökonomen und die Experten der 17 nationalen Notenbanken der Euro-Länder die wirtschaftliche Entwicklung in den nächsten Monaten einschätzen. Am Devisenmarkt blieben die Anleger wegen der unsicheren Gemengelage im Warte-Modus: Der Euro notierte mit 1,3031 Dollar in Reichweite seines New Yorker Vortagesschlusses.

Kommentare (66)

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B_Heinzmann

06.03.2013, 07:43 Uhr

Genial, es war noch niemals leichter reich zu werden, die Börsen kennen nur noch eine Richtung, und geht es mal 200 Punkte abwärts, egal, einfach nachkaufen! 3-4 Tage später sind wir wieder am Ausgangspunkt. Manipulierte Börsen sind berechenbar geworden (sie werden nicht fallen), also immer kaufen, und auf anderer Kosten reich werden - so wollen dies Draghi, Bernanke und nicht zu letzt unser laufender Hosenanzug (will ja schließlich wiedergewählt werden).

Insider

06.03.2013, 07:54 Uhr

Was mir in letzter Zeit auffällt, ist die Tatsache,dass die Ergebnis/Analystenprognosen(Auftragseingänge langlebiger Güter, US-Arbeitslosenzahlen,ISM -Diensleistungsindex usw.) ob von Bloomberg oder Forexpros etc. in letzter Zeit immer wieder bewusst oder unbewusst sehr,sehr tief angesetzt werden.Eine Überbietung derer ist somit wahrscheinlicher als eine Unterbietung. Die Börse hat wieder einen Grund zu feiern und es geht weiter nach oben.
Das ist neben der lockeren Geldpolitik der Notenbanken,dem Niedrigzins und der "Geldschwemme" der wahre Grund der Ralley.
Die Frage ist:Belügen wir uns damit nicht selbst,indem wir die Wirtschaft vorher schlecht reden und dann "überrascht" sind,das es im Grunde doch gar nicht so schlecht läuft oder werden wir wieder manupuliert,um nur in eine bestimmte Richtung zu gehen oder zu denken ?
Im Sommer 2011,als der DAX innerhalb weniger Monate über 2600 Punkte verlor,war es nämlich genau umgekehrt,die Prognosen lagen von vornherein in unerreichbaren Höhen und wurden regelmäßig unterboten,was neben der Euroschuldenkrise für zusätzliche Verstimmung "auf dem Parkett" sorgte.

DrKaffeesatz

06.03.2013, 08:03 Uhr

Ganz so einfach ist es nicht. Wenn die Aktien überbewertet sind, lässt es irgendwann einen Schlag und die ganzen schönen Gewinne sind futsch.

Fragen:

- Sind die Aktien schon überbewertet?
- Wenn ja, wie sehr?

- Welches Maß der Überbewertung ist halbwegs im Rahmen, so wie auch ein Maß der Unterbewertung im Rahmen sein kann? D.h. haben wir eine Aktienblase, so wie wir möglicherweise eine Gold- und Immobilienblase haben?

- Haben wir eine Geld-Blase (Geldmengen-, Schulden-, Staatsanleihen-, Geldpolitik-), die möglicherweise die Bewertungen der anderen Assets rechtfertigt?

- Warum lamentieren Nicht-Aktien-Anlegern und Shorties immer darüber, dass die Aktienkurse zu hoch seien, anstatt einzugestehen, dass sie die Situation im Vorfeld falsch eingeschätzt haben?

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