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16.06.2017

17:51 Uhr

Börse Frankfurt

Dax geht fester ins Wochenende

Beim Dax selbst passierte nicht viel, wegen der Griechenland-Einigung steigt er leicht. Großes Thema auf dem Parkett war Amazon, die Whole Foods übernehmen und mit einem Paukenschlag ins Lebensmittelgeschäft drängen.

Börse am Abend

Griechenland-Zwist und schwache US-Daten: So reagiert die Börse

Börse am Abend: Griechenland-Zwist und schwache US-Daten: So reagiert die Börse

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FrankfurtDie Märkte hatten sich auf einen ruhigen Hexensabbat eingestellt – so kam es aber nur teilweise. Nachdem der große Verfall an den Terminmärkten ohne Überraschungen stattgefunden hatte, pendelte sich der Dax bei leichten Aufschlägen ein. Am Ende ging der Deutsche Aktienindex mit 12.752 Punkten ein halbes Prozent fester aus dem Handel. Die am Donnerstag zustande gekommene Einigung zwischen Griechenland und den Geldgebern stützte die Kurse. Doch für eine Branche konnte von Ruhe keine Rede sein: Ein Beben zog sich durch den Einzelhandel. Am Nachmittag verkündete Amazon, man werde die US-Bio-Supermarktkette Whole Foods übernehmen. Der Internetriese mischt mit einem Schlag plötzlich groß im Lebensmittelgeschäft mit, die Anleger der Platzhirsche sind beunruhigt.

Die fast 14 Milliarden Dollar schwere Übernahme führte prompt zu einem Ausverkauf bei Aktien von europäischen Einzelhändlern. Metro-Aktien fielen um 1,6 Prozent und waren unter den schwächsten Werten im MDax. Die Aktien des niederländischen Lebensmittelkonzerns Ahold Delhaize sackten um knapp zehn Prozent ab - das war der größte Kurssturz sei neun Jahren. Carrefour-Papiere verloren an der Börse in Paris 2,5 Prozent. In London ging es für Sainsbury, Booker, Morrison und Tesco um je rund drei Prozent nach unten, in den USA verloren die Walmart-Titel fünf Prozent.

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Whole Foods Market setzt auf Bio-Lebensmittel und erwirtschaftete nach eigenen Angaben 2016 einen Umsatz von rund 15,7 Milliarden Dollar. Sie betreiben über 460 Läden, den Löwenanteil davon in den USA. Einige Geschäfte gibt es aber auch in Kanada und Großbritannien. Whole Food Markets werde weiter Läden betreiben. Auch der Chef der Kette, John Mackey, bleibe an Bord. Der E-Commerce-Riese bietet 42 Dollar pro Aktie des Lebensmittelhändlers, teilte Amazon am Freitag mit. Ein Abschluss der Transaktion werde in der zweiten Jahreshälfte erwartet.

Amazon ist seit einiger Zeit dabei, im Geschäft mit frischen Lebensmitteln zu expandieren. In einem Modellversuch bietet der US-Riese diese auch in Deutschland an. Amazon-Prime-Kunden in Berlin und Potsdam können ihre Einkäufe über den Online-Händler erledigen. Mit der Verbindung von E-Commerce und Lebensmitteln könnte Amazon den gesamten Einzelhandel umkrempeln. Die Angst vor der Disruption geht um, genau deswegen brechen die Kurse des klassischen Handels teilweise ein. Die Amazon-Aktien legten an der Wall Street 3,3 Prozent auf 996 Dollar zu. Whole Foods blieben zuerst vom Handel ausgesetzt, schossen anschließend um 27 Prozent in die Höhe.

Von Vapiano bis Hellofresh - Frankfurter Börsenkandidaten

Vapiano

Pizza- und Pasta-Restaurants

Erstnotiz: 27. Juni
Zeichnungsfrist: 15. bis 26. Juni
Preisspanne: 21 bis 27 Euro
Emissionsvolumen: bis zu 200 Millionen Euro, davon 85 Millionen Euro aus Kapitalerhöhung
Börsenwert: 512 bis 634 Millionen Euro
Begleitende Banken: Barclays, Jefferies, Berenberg
Eigentümer: Mayfair/Familie Herz (44 Prozent), Firmengründer Gregor Gerlach (30 Prozent), Wella-Erben Hans-Joachim und Gisa Sander (25 Prozent)

Delivery Hero

Essenslieferdienste

Erstnotiz: Anfang Juli erwartet
Emissionsvolumen: bis zu eine Milliarde Euro, davon rund 450 Millionen Euro aus Kapitalerhöhung
Börsenwert: mehr als 3,5 Milliarden Euro
Begleitende Banken: Citigroup, Goldman Sachs und Morgan Stanley
Eigentümer: Rocket Internet (35 Prozent), Naspers und weitere Investoren

Jost-Werke

Lkw-Zulieferer
Erstnotiz: im Juli oder September erwartet
Emissionsvolumen: offen
Börsenwert: bis zu 800 Millionen Euro (erwartet)
Begleitende Banken: möglicherweise JPMorgan, Deutsche Bank, Commerzbank
Eigentümer: Cinven (64 Prozent)

Befesa

Metall-Recycling, Umweltdienstleistungen (Luxemburg)

Erstnotiz: im Juli erwartet
Emissionsvolumen: 450 bis 500 Millionen Euro, davon 100 Millionen Euro aus Kapitalerhöhung
Börsenwert: 1,0 bis 1,2 Milliarden Euro
Begleitende Banken: Goldman Sachs, Citi
Eigentümer: Triton (Finanzinvestor)

Hellofresh

Lebensmittel-Lieferdienst

Erstnotiz: im Herbst möglich
Emissionsvolumen: offen
Börsenwert: rund zwei Milliarden Euro
Begleitende Banken: Morgan Stanley, JPMorgan, Deutsche Bank
Eigentümer: Rocket Internet (53 Prozent), weitere Risikokapital-Investoren

Novomatic

Glücksspiel und -technik (Österreich)

Erstnotiz: im Herbst geplant
Emissionsvolumen: bis zu 1,8 Milliarden Euro
Börsenwert: sechs Milliarden Ezro
Begleitende Banken: Bank of America Merrill Lynch, Credit Suisse
Eigentümer: Familie von Firmengründer Johann Graf

Bawag P.S.K.

Bank (Österreich)

Erstnotiz: im Herbst möglich
Emissionsvolumen: offen
Börsenwert: vier bis fünf Milliarden Euro
Begleitende Banken: offen
Eigentümer: Cerberus (Finanzinvestor, 52 Prozent), GoldenTree Asset Management (40 Prozent)

Deutsche Asset Management

Vermögensverwaltung

Erstnotiz: Herbst 2017 oder Frühjahr 2018
Emissionsvolumen: rund zwei Milliarden Euro
Börsenwert: rund acht Milliarden Euro
Begleitende Banken: Deutsche Bank und weitere Institute
Eigentümer: Deutsche Bank

Siemens Healthineers

Medizintechnik

Erstnotiz: Herbst 2017 oder Frühjahr 2018
Emissionsvolumen: drei bis fünf Milliarden Euro (geschätzt)
Börsenwert: 30 bis 40 Milliarden Euro (geschätzt)
Begleitende Banken: noch nicht festgelegt
Eigentümer: Siemens AG

Während der Einzelhandel wegen Amazon auch in Europa unter Druck geriet, zeigte sich der Gesamtmarkt gefestigt. Durch die Bank weg liefen Europas Handelsplätze mit leichten bis moderaten Gewinnen. Der Euro-Stoxx-50, gewann 0,3 Prozent auf 3535 Punkte. In Athen notierte der ASE mehr als ein Prozent fester bei 808 Punkten. Am Donnerstag hatten die Euro-Finanzminister die nächste Tranche aus dem dritten Rettungspaket für Griechenland freigegeben. Auch der IWF, dessen Beteiligung an den Krediten kritisch und für Deutschland so wichtig ist, erklärte sich prinzipiell bereit, am Hilfsprogramm mitzuwirken.

Freilich, eine Einigung zwischen dem Währungsfond und Bundesfinanzminister Schäuble ist das noch nicht. Nun aber macht die Eurogruppe den Weg frei für 8,5 Milliarden Euro an Krediten, die aus dem 86-Milliarden-Euro-Hilfsprogramm, die Athener Regierung hatte die vorausgesetzten Reformen im Frühjahr durch das Parlament gebracht. „Das Thema wird uns mit Sicherheit noch lange begleiten, kurzfristig kehrt dennoch erst mal Ruhe ein“, sagte Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners.

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