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09.06.2011

17:48 Uhr

Börse Frankfurt

Dax geht nach US-Daten steil bergauf

Seit langem wieder gute Nachrichten aus Amerika. Das US-Handelsbilanzdefizit ist im April gesunken. Der Dax konnte davon profitieren und im späten Handel mächtig zulegen. 7.200 Punkte scheinen in Reichweite zu sein.

Positive Signale aus den USA treiben den Dax ins Plus Quelle: dapd

Positive Signale aus den USA treiben den Dax ins Plus

DüsseldorfLange hielt sich der Dax auf Vortagsniveau. Auch die EZB-Leitzinsentscheidung konnte keine Impulse geben. Erst die Veröffentlichung eines geringeren Defizits in der US-Handelsbilanz hat die Anleger am deutschen Aktienmarkt am Donnerstag zugreifen lassen. Am Morgen zeitweise im Minus notierte er am Nachmittag dann in der Spitze 1,78 Prozent deutlich im Plus und schloss mit 1,41 Prozent auf 7,158 im positiven Bereich. „Die meisten Investoren schauen derzeit vor allem auf Konjunkturdaten aus den USA, deshalb werden die Zahlen heute positiv bewertet“, sagte ein Händler. In den USA ging die Differenz zwischen Exporten und Importen im April auf rund 43,7 Milliarden Dollar zurück. Sollte sich dieser Trend in den kommenden Monaten bestätigen, würde hieraus im zweiten Quartal ein massiver Wachstumsimpuls für die US-Wirtschaft resultieren, kommentierte Analyst Heinrich Bayer von der Postbank.

Der Index der mittelgroßen Werte MDax schloss mit 1,32 Prozent auf 10.678 Punkte ebenfalls im Plus. Der TecDax notierte 0,66 Prozent auf 888 Zähler fester.

Schlechte Nachrichten gab es heute hingegen wieder bezüglich der Bonität der USA . Die Ratingagentur Fitch hatte am Mittwoch mitgeteilt, sie werde die Kreditwürdigkeit von US-Staatsanleihen herabstufen, sollte die Regierung im August Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen. Die Regierung hat erklärt, zu diesem Zeitpunkt habe sie dazu keine finanziellen Spielräume mehr.

Was die US-Schuldenkrise für die Märkte bedeutet

Sind die USA ein wackliger Schuldner?

Im August 2011 stufte S&P die USA herab und entzog ihnen damit das Top-Rating. Die Zeit des unumstößlichen AAA-Ratings der USA ist damit vorbei. Grund waren mangelnde Aussichten auf einen Abbau der Rekordverschuldung von 15 Billionen Dollar. Eine weitere Herabstufung schlossen S&P nicht aus.

Fitch und Moody's drohen ebenfalls mit einer Herabstufung, sollte keine neue Strategie zum Schuldenabbau folgen.

Warum haben die USA nicht längst ein noch schlechteres Rating?

Die USA sind mit dem Dollar flexibel in der Zins- und Geldpolitik und können Geld drucken, um Dollar-Schulden zu bedienen. Als größte Volkswirtschaft der Welt tragen sie fast ein Viertel zur weltweiten Wirtschaftsleistung bei. Die Wirtschaft ist wettbewerbsfähig und flexibel. Zudem zahlt die Regierung, bei einer Inflation von drei Prozent und Renditen unter drei Prozent für Anleihen mit Laufzeiten von weniger als zehn Jahren, real aktuell keine Zinsen. "Das steht in krassem Gegensatz, zu der Situation in vielen Euro-Ländern", sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der VP Bank.

Wann werden die USA weiter herabgestuft?

Der Verlust des AAA-Ratings war vor einigen Monaten noch die "Billion-Dollar-Frage". Jetzt rätseln Analysten darüber, wann noch eine Stufe weiter abwärts geht. S&P haben eine weitere Herabstufung der USA nicht ausgeschlossen, sollte das Schuldenproblem nicht in den Griff bekommen werden. Behält die US-Regierung den jetzigen uneinigen Kurs bei der Schuldenbekämpfung bei, so werde Fitch spätestens 2013 den USA das Top-Rating entziehen.

Warum sind US-Staatsanleihen kaum unter Druck gekommen?

Weil die Ratings nicht (mehr) das non plus ultra für die Marktteilnehmer bilden. Die Warnungen der Ratingagenturen rücken zwar die problematische US-Verschuldung ins Bewusstsein der Öffentlichkeit, bedeuten für professionelle Anleiheinvestoren "aber nichts, was wir nicht schon ohnehin wussten", sagt William O'Donnel von der Royal Bank of Scotland. Frankreichs Wirtschaftsminister Baroin meinte, man dürfe die Herabstufung nicht überbewerten. Ein nicht namentlich genannter Regierungsvertreter Japans erklärte ebenfalls, dass er weiterhin Vertrauen in die Anleihen der USA habe.

Drohen US-Staatsanleihen längerfristig Probleme?

Ja, wenn die Probleme nicht gelöst werden und die Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit weiter senken. Der Ruf der US-Anleihen als weltweiter risikoloser Maßstab für andere Zinspapiere werde dann weiter abbröckeln. "Wenn die USA ihre langfristige Verschuldung nicht in den Griff bekommen, droht ein Vertrauensverlust der Investoren", warnt Thomas Meißner von der DZ Bank. Diese Gefahr gebe es vor allem deshalb, weil die USA fast zur Hälfte im Ausland verschuldet seien und ausländische Investoren schneller nervös würden als einheimische.

Profitieren Bundesanleihen vom Verlust des "AAA"-Ratings der USA?

„Ja“ sagt Andreas Rees, Chefvolkswirt bei der Unicredit, „sie dürften die größten Gewinner sein, unter anderem, weil die Inflation in den USA spürbar anziehen wird.“ Voraussetzung dafür sei allerdings noch, dass Deutschland seine Spitzenbonität behält, was zurzeit der Fall ist.

Wie sind die Aussichten für den Dollar?

Bislang hat die US-Währung wenig reagiert. "Der Dollar profitiert seit mindestens drei Jahren stetig von Krisenszenarien, egal wo die Ursachen der Probleme liegen", erklärt Ralf Umlauf, Analyst bei der Helaba. Das liege vor allem daran, dass in Krisenszenarien viele US-Investoren ihre Anlagen in ausländischen Währungen verkaufen, und das stärke den Dollar.

Gegenüber dem Euro hat der Dollar keinen Wert einbüßen müssen, weil im Rahmen der Schuldenkrise der Euro-Länder der Euro zunehmend unter Druck geraten ist. Im August, dem Monat der Herabstufung der USA, ging es nämlich für den Euro stark abwärts.

Eine Zahlungsunfähigkeit der US-Regierung sei die größte Gefahr für die Weltwirtschaft, sagte der Präsident der Fed von St. Louis. "Die US-Haushaltslage könnte, wenn sie nicht richtig gehandhabt wird, einen weltweiten Makro-Schock auslösen", sagte Bullard. "Die Idee, dass die USA zahlungsunfähig werden könnten, ist eine gefährliche."

Leitzinserhöhung im Juli erwartet

Die mit Spannung erwarteten Aussagen von EZB-Chef Jean-Claude Trichet zur Zinspolitik lieferten dem Aktienmarkt nur wenig Impulse. „Die Anleger wissen ja auch nicht, was sie mit der Gefahr einer höheren Inflation anfangen sollen“, sagte ein Händler. „Andere Anlageklassen wie Renten oder Rohstoffe wirken wegen der Risiken rund um Griechenland und einer Konjunkturabkühlung derzeit ja auch nicht gerade verlockend. Und einen Inflationsschutz bekommt man auch durch Aktien.“

Am Nachmittag teilte die EZB wie erwartet mit, dass sie den Leitzins auf dem Niveau von 1,25 Prozent belässt. In der anschließenden Pressekonferenz gebrauchte der EZB-Präsident Jean-Claude Trichet die Formulierung „hohe Wachsamkeit“ hinsichtlich der Preisentwicklung. Das galt bei den Beobachtern als Signal für eine Anhebung des Leitzinses im folgenden Monat, üblicherweise um einen Viertelprozentpunkt. Der Euro stieg daraufhin auf 1,4651 Dollar im späteren Verlauf musste er jedoch wieder auf 1,4525 Dollar nachgeben.

Im Fokus der Anleger stand daneben die Entwicklung in Griechenland. Finanzminister Wolfgang Schäuble hat den zusätzlichen Finanzbedarf Griechenlands auf rund 90 Milliarden Euro bis 2014 beziffert. Knackpunkt ist derzeit vor allem die deutsche Forderung nach einer Beteiligung der privaten Gläubiger an einem neuen Hilfspaket.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

09.06.2011, 08:19 Uhr

wird bestimmt furchtbar spannend heute vormittag…

drop

09.06.2011, 10:21 Uhr

naja,nach dem 40 punkte drop kann man mal wieder auf gegenrichtung spekulieren

Gambling

09.06.2011, 10:48 Uhr

Es wäre doch so einfach für alle Marktspieler wenn man sich absprechen würde,und die Märkte um 20% täglich hin und her jagen würde.
Nicht immer dieses langweilige "Spiel" um plus/minus paar prozent auf Wochen sicht.
Jeder würde profitieren,das Geld würde sich von selber "drucken".das ist die BÖRSE

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