Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.07.2017

18:08 Uhr

Börse Frankfurt

Dax geht zum Wochenschluss die Puste aus

Ein stärker werdender Euro wird zum Bremsklotz für den Aktienmarkt. Der Dax büßt seine Gewinne ein, auch weil positiven Zahlen der amerikanischen Großbanken keinen rechten Schwung in den Handel bringen.

Die Stadt am Main gilt als wichtigster deutscher Finanzplatz. Reuters

Frankfurter Börse

Die Stadt am Main gilt als wichtigster deutscher Finanzplatz.

Frankfurtv

Börse am Abend

Trotz positiver US-Bilanzen: Dax rutscht ab

Börse am Abend: Trotz positiver US-Bilanzen: Dax rutscht ab

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Nach den zuletzt kräftigen Kursanstiegen ist den europäischen Börsen am Freitag die Puste ausgegangen. Dax und EuroStoxx 50 notierten am Nachmittag schwächer. Das deutsche Börsenbarometer ging nach einem Tag ohne jegliche Impulse letztlich 0,1 Prozent schwächer bei 12.631 Punkten aus dem Handel. „Es sieht ein wenig danach aus, als hätte der Markt seine Kraft für diese Woche schon am Mittwoch für den Zwischenspurt vollständig aufgebraucht“, sagte Analyst Milan Cutkovic vom Broker AxiTrader. „Bleibt zu hoffen, dass die nun startende Bilanzsaison in den USA für neue Impulse sorgen kann.“

Auf Wochensicht behauptet der Dax aber ein Plus von fast zwei Prozent - vor allem dank des deutlichen Kursgewinns am Mittwoch, als die amerikanische Notenbankpräsidentin Janet Yellen die Anleger mit mit moderaten geldpolitischen Signalen beruhigt und dem Dax wieder nachhaltig über die Marke von 12.500 Punkten verholfen hatte. Der MDax gewann 0,33 Prozent, der TecDax 0,44 Prozent.

Wie Deutsche ihr Vermögen verteilen – und welche Folgen dies hat

Wo steckt das viele Geld?

Sparbuch und Co. werfen wegen der Zinsflaute kaum noch etwas ab, zugleich nagen die Niedrigzinsen an der Rendite von privaten Renten- und Lebensversicherungen. Dennoch liegt das Geld vor allem auf Girokonten, es steckt in Sparbüchern oder Lebensversicherung. Der größte Posten waren der Bundesbank zufolge Ende vergangenen Jahres Bargeld, Geld auf Girokonten oder Spareinlagen mit insgesamt 2.200 Milliarden Euro. Weitere 2.113 Milliarden Euro steckten in Versicherungen und Pensionseinrichtungen. 2016 hatten einer GfK-Umfrage zufolge 40 Prozent der Bundesbürger ihr Geld auf einem Sparbuch angelegt – wohlwissend, dass es sich um eine unattraktive Form der Geldanlage handelt.

Was ist mit Aktien?

Die meisten Menschen in Deutschland meiden Aktien nach wie vor. Die Zahl der Aktienbesitzer in Deutschland sank im vergangenen Jahr sogar wieder unter die Marke von neun Millionen. „Die Deutschen sind eben leider immer noch kein Volk der Anleger, sondern ein Volk der Sparer - daran hat selbst die anhaltende Niedrigzinsphase bis heute nichts ändern können“, meint der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler.

Welche Folgen hat das?

Sparer verzichten nicht nur auf Gewinne durch steigende Börsenkurse, sondern auch auf Dividenden. Nach Berechnungen von Aktionärsvertretern schütten allein die 30 Börsenschwergewichte im Leitindex Dax in diesem Jahr die Rekordsumme von 31,6 Milliarden Euro an ihre Anteilseigner aus. Die Gewinnbeteiligung bei 640 untersuchten Aktiengesellschaften steigt im Vergleich zum Vorjahr um rund 9 Prozent auf die Bestmarke von insgesamt 46,3 Milliarden Euro.

Sind Aktien immer eine gute Wahl?

Nicht unbedingt. Zwar gelten die Anteilsscheine langfristig als lukrative Geldanlage. Wer beispielsweise Ende 1995 Aktien kaufte und bis Ende 2010 hielt, habe in diesem Zeitraum im Schnitt 7,8 Prozent Rendite pro Jahr erzielt, rechnet das Deutsche Aktieninstitut (DAI) vor. Doch nicht jede Aktie zahlt sich aus - wie die DSW-Liste der 50 „größten Kapitalvernichter“ zeigt. Wer dort investierte, musste herbe Kursverluste hinnehmen, „die durch die Dividendenzahlungen meist nicht ansatzweise kompensiert werden konnten“, wie Tüngler erläutert.

Wie ist der Reichtum verteilt?

Darüber gibt die Analyse der Bundesbank keine Auskunft. Der aktuelle Armut- und Reichtumsbericht der Bundesregierung kommt aber zu dem Ergebnis, dass die reichsten zehn Prozent der Haushalte mehr als die Hälfte des gesamten Netto-Vermögens besitzen. „Die untere Hälfte nur ein Prozent“, erläuterte Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) jüngst. Von dem seit Jahren anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland profitieren danach vor allem die Reichen. „Die unteren 40 Prozent der Beschäftigten haben 2015 real weniger verdient als Mitte der 90er Jahre“, so die Ministerin.

Zahlen der amerikanischen Großbanken JP Morgan, Wells Fargo und Citigroup brachten trotz Milliardengewinnen im Quartal keinen Schwung. Die Aktien verloren um bis zwei Prozent. „Unternehmen, die die Erwartungen verfehlen oder einfach nur treffen und keine starken Ausblicke liefern, werden von den Investoren abgestraft“, erläuterte Stratege J.J. Kinahan vom Handelshaus TD Ameritrade.

Auch die europäischen Finanztitel weiteten ihre Verluste daraufhin aus, Deutsche Bank-Papiere büßten einen Prozent ein. Commerzbank verloren 1,2 Prozent. Volkswagen, der neue Ausrüster der Fußball-Nationalmannschaft, setzte sich mit einem Plus von 1,5 Prozent an die Dax-Spitze.

Ein Bremsklotz für den europäischen Aktienmarkt war auch der starke Euro, der um 0,6 Prozent bis auf 1,1468 Dollar kletterte. Die steigende Gemeinschaftswährung macht Waren im Welthandel teurer und dämpft die Wettbewerbsfähigkeit der exportorientierten Unternehmen aus dem Euro-Raum. Der Dollar geriet stärker unter Druck, nachdem die Inflation in den USA im Juni überraschend deutlich nachgelassen hatte. Die Verbraucherpreise stiegen nur noch um 1,6 Prozent. Das ist das kleinste Plus seit Oktober 2016. Im Mai lag die Teuerungsrate noch bei 1,9 Prozent.

Börsianern zufolge rückten Zinsanhebungen der US-Notenbank dadurch in weitere Ferne. Fed-Chefin Janet Yellen hatte in den vergangenen Tagen bereits vorsichtige Töne angeschlagen und behutsame Zinserhöhungen in Aussicht gestellt. Das kam an den Aktienmärkten wiederum gut an, da niedrige Zinsen Dividendenpapiere im Vergleich zu Anleihen generell attraktiv machen. An der Wall Street zeichnete sich eine etwas höhere Eröffnung ab.

Anleger deckten sich mit Aktien des bayerischen Biotechunternehmens Morphosys ein. Der Lizenz-Partner Janssen erhielt von der US-Behörde FDA die langersehnte Zulassung für Guselkumab, ein Mittel zur Behandlung von Schuppenflechte. Die im TecDax notierten Aktien schossen um sieben Prozent nach oben. Analysten der Berenberg Bank bezeichneten die Zulassung als "Wendepunkt" für Morphosys.

Rund 1,3 Prozent bergauf ging es in Stockholm für die schwedische Bank SEB. Sie verdiente im vergangenen Quartal mit umgerechnet rund 600 Millionen Euro mehr als erwartet.

Im Stahlstreit mit China droht US-Präsident Donald Trump mit Handelshürden. Es gebe zwei Optionen: Quoten oder Zölle, betonte er. Stahlwerte in Europa legten daraufhin zu. Outokumpu, ArcelorMittal und Tenaris gewannen bis zu 4,8 Prozent.

Von

rtr

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Baron v. Fink

14.07.2017, 18:13 Uhr

Im Handelsblatt kommentieren nur die Besten der Besten, wo aber bleibt die Augenweide des Handelsblattes ? Die wartende Leserschaft, enttäuscht, frustriert, vor ihrer letzten Hoffnung sitzend, einer Flasche Alkohol,hat umsonst gewartet.
Wie verehrte Redaktion können sie, mit so einer Schuld weiterleben?
Mit freundlichem Gruß Ihr völlig verzweifelter Fink.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×