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23.02.2017

18:02 Uhr

Börse Frankfurt

Dax hängt fest – Anleger agieren nervös

Der Dax hat sich am Donnerstag an der 12.000-Punkte-Marke abgekämpft. So richtig wollen sich Anleger nicht aus der Deckung trauen – politische Stolperfallen machen sie nervös. Die Rally pausiert vorerst.

Dax kaum bewegt: Bilanzen liefern wenig Überraschendes

Börsen-News: Dax kaum bewegt: Bilanzen liefern wenig Überraschendes

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FrankfurtObwohl die Berichtssaison der Unternehmen in vollem Gange ist, hat der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag eine Atempause eingelegt. Die am Vorabend veröffentlichten geldpolitischen Verlautbarungen der US-Notenbank Fed wurden an den Märkten etwas zurückhaltender interpretiert. Der Dax kämpfte am Vormittag mit der Marke von 12.000 Punkten, die er am Vortag erstmals seit April 2015 überwunden hatte. „Die europäischen Indizes sind gefangen zwischen zwei Welten“, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. „Die Rekordjagd in den USA schiebt an, während die politischen Risiken in der Eurozone die Kurse ausbremsen.“

Der Dax schloss am Donnerstag mit 0,42 Prozent im Minus bei 11.948 Punkten. Zwar konnte der deutsche Leitindex im Tagesverlauf erneut die 12.000-Punkte-Marke knacken. Halten konnte er sie aber nicht. Der MDax, der die Aktien mittelgroßer Unternehmen enthält, schloss knapp unter Vortagesniveau auf 23.593 Zählern. Der Technologiewerte-Index TecDax verlor 0,4 Prozent auf 1.912 Stellen. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 drehte am späten Nachmittag ebenfalls noch ins Minus, und beendet den Handelstag bei 3.330 Punkten.

Für Aufsehen sorgte im späten Handel der Windturbinenbauer Nordex aus. Der hat seine Umsatzprognose für 2017 gesenkt und damit die Aktie einbrechen lassen. Nachdem sich der Kurs im Tagesverlauf stabil hielt, fiel er nach der Meldung um knapp 16 Prozent. Im laufenden Jahr betrage der Umsatz voraussichtlich 3,1 bis 3,3 Milliarden Euro.

Welche politischen Stolperfallen Anlegern 2017 drohen

Aktien

Von Reuters befragte Analysten sehen den Dax im Schnitt bis Ende 2017 bei rund 11.470 Punkten. Das wäre in etwa auf dem Niveau vom Jahresende 2016 "Die Dividendenrendite ist im Vergleich zu den Anleihe-Renditen weiterhin so hoch wie seit Jahrzehnten nicht. Das Gewinnwachstum der Unternehmen ist in Ordnung", sagt Lars Thörs, Aktien-Chef der Fondsgesellschaft Danske Capital. Gertrud Traud, Chef-Volkswirtin der Helaba, verweist auf einen weiteren Aspekt: „Angesichts weiterhin extrem günstiger Finanzierungsbedingungen dürften Unternehmen auf das bislang nur verhalten eingesetzte Instrument der Aktienrückkaufe zurückgreifen.“

Über weite Strecken kam der Dax 2016 kaum vom Fleck. Das Plus von knapp sieben Prozent seit Jahresbeginn geht zum größten Teil auf die Kursentwicklung im Dezember. Anfang des Monats übersprang der Dax die 11.000er Marke.

Als großen Risikofaktor für die Aktienmärkte sehen Börsianer die Wahlen in Deutschland, Frankreich den Niederlanden und möglicherweise auch in Italien. „Die Welle der populistischen Ergebnisse ist für Europa 2017 eine große Bedrohung“, sagt Craig Erlam, Marktanalyst des Brokerhauses Oanda. Ein zunehmender Nationalismus könnte der Anfang vom Ende der Euro-Zone sein.

Anleihen

An den Rentenmärkten werde es 2017 kaum etwas zu verdienen geben, ist sich Lars Edler, Co-Chefanleger des Bankhauses Sal. Oppenheim sicher. „Bei zehnjährigen Bundesanleihen gehen wir von einer negativen Gesamtrendite von etwa einem Prozent aus.“ Wenig besser dürfte es Anlegern mit US-Staatsanleihen ergehen: Hier sei eine Nullrendite zu erwarten. Die Ökonomen der Rabobank geben sich ähnlich skeptisch: „Wir sind nicht davon überzeugt, dass Donald Trumps Politik der Wirtschaft nachhaltigen Schub verleiht.“ Mögliche politische Spannungen könnten zudem die Attraktivität deutscher und US-Bonds als relativ sichere Anlagen erhöhen und damit die Renditen drücken.

Wegen der politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen liegt die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen derzeit mit rund 0,3 Prozent etwa halb so hoch wie zu Jahresbeginn. Ihre US-Pendants rentieren mit knapp 2,3 Prozent zwar höher als Anfang 2016. Jenseits des Atlantik erwarten Börsianer aber auch eine Serie von Zinserhöhungen durch die Notenbank Fed. Staatsanleihen sind seit Jahren für Investoren ein schlechtes Geschäft, da die großen Notenbanken diese Papiere in großem Stil aufkaufen. Damit sollen die Finanzierungskosten für Staaten niedrig gehalten und die Konjunktur angekurbelt werden.

Devisen

Wegen der unterschiedlichen Geldpolitik dies- und jenseits des Atlantik ist der Euro den Analysten der Vermögensverwaltungstochter der Deutschen Bank zufolge 2017 auf dem Weg zur Parität. Aktuell notiert die Gemeinschaftswährung bei Kursen um die 1,04 Dollar - rund vier US-Cent weniger als Anfang Januar. Die Experten der Rabobank sagen dagegen ein Ende des Dollar -Höhenfluges voraus. Der konjunktur- und damit inflations- und zinstreibende Effekt höherer Infrastruktur-Investitionen in den USA werde voraussichtlich durch eine restriktivere Handelspolitik zunichte gemacht.

Die Talfahrt des chinesischen Yuan wird dem Commerzbank-Analysten Peter Kinsella zufolge weitergehen. „Der Yuan gilt zwar als künstlich billig, doch ist er die mit Abstand teuerste Schwellenländer-Währung.“ Um Börsenturbulenzen zu vermeiden, werde China seine Valuta aber nur behutsam abwerten. Kinsella sieht den Dollar Ende kommenden Jahres bei 7,15 Yuan. In den vergangenen Monaten kletterte er um rund sechs Prozent auf etwa 6,90 Yuan. Anfang 2016 hatte eine rasche Abwertung der chinesischen Währung ein weltweites Börsenbeben ausgelöst.

Erdöl

Im Januar treten die niedrigeren Förderquoten für die Opec-Staaten in Kraft. Viel hängt davon ab, ob sich die Mitglieder des Export-Kartells sowie Russland an die Vereinbarung halten. Viele Analysten rechnen für das erste Halbjahr mit Preisen um 55 Dollar je Fass (159 Liter). Danach werden die Preise der US-Bank Goldman Sachs zufolge aber fallen. Denn geringere Exporte der Opec und Russlands ließen Raum für Konkurrenten wie die US-Schieferölindustrie.

Dank der geplanten Kürzung der Fördermengen durch die großen Exportländer verteuerte sich die Ölsorte Brent aus der Nordsee binnen Jahresfrist um etwa die Hälfte auf 56 Dollar je Barrel (159 Liter).

Andere Rohstoffe

Auf Kursverluste müssten sich Anleger an den Metallbörsen einstellen, sagt Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg. Zwar steige durch die geplanten Infrastruktur-Investitionen in den USA und China die Nachfrage, gleichzeitig wachse aber auch das Angebot. Außerdem sei die Rally nach der US-Präsidentschaftswahl überzogen gewesen. Weinberg sieht den Kupfer -Preis bis Ende 2017 bei rund 5600 Dollar je Tonne. Seit September ist der Preis für das wichtige Industriemetall um ein Fünftel auf rund 5538 Dollar gestiegen.

Die Nachfrage nach der „Anti-Krisen-Währung“ Gold wird Analysten zufolge wegen der politischen Unwägbarkeiten anhalten. Die Experten der Commerzbank rechnen damit, dass der Preis für eine Feinunze Gold bis Ende 2017 auf rund 1300 Dollar von derzeit etwa 1150 steigt. 2016 verteuerte sich das Edelmetall um rund zehn Prozent.

Die Rally am deutschen Aktienmarkt könnte laut Marktforschen der Nürnberger GfK im März einen leichten Dämpfer erhalten. Sie sehen das Konsumklima durch steigende Preise und protektionistische Töne aus den USA belastet. „Offenbar sorgt die Politik des neuen US-Präsidenten für Verunsicherung und leichte Konjunktursorgen bei den Konsumenten“, sagte Gfk-Experte Rolf Bürkl.

Das GfK-Konsumklima bezieht sich auf die gesamten privaten Verbraucherausgaben. Für das Stimmungsbarometer sagen die Forscher einen Rückgang um 0,2 Prozent aus, nachdem es zuletzt drei Mal in Folge gute Aussichten gegeben hatte. Das dürfte auch die Stimmung auf dem Börsenparkett trüben.

Kopfschmerzen bereitete Investoren außerdem die nahende Präsidentschaftswahl in Frankreich. Umfragen zufolge wird Marine Le Pen die erste Runde am 23. April für sich entscheiden. Die Chefin des rechtsextremen Front National will ihr Land aus der Euro-Zone führen. Positiv zu sehen sei die Unterstützung des unabhängigen Kandidaten Emmanuel Macron durch den bürgerlichen Politiker Francois Bayrou, betonte Anlagestratege Orlando Green von der Credit Agricole. Der Verzicht Bayrous auf eine eigene Kandidatur erhöht Experten zufolge Macrons Siegchancen. Anleger deckten sich daher wieder mit französischen Anleihen ein und drückten die Rendite der zehnjährigen Titel auf bis zu 0,949 Prozent, den tiefsten Stand seit vier Wochen.

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Zudem rätseln Devisen-Anleger weiter über den Zeitpunkt der nächsten US-Zinserhöhung. Auch die Fed-Führungsriege ist sich den Protokollen der jüngsten Sitzung zufolge uneins über die Auswirkungen der geplanten Konjunkturprogramme des US-Präsidenten Donald Trump.

Den Experten der Essener National-Bank zufolge ist eine US-Zinserhöhung im März derzeit unwahrscheinlich. Investoren sehen die Chance hierfür bei rund 22 Prozent. Die US-Börsen sind indes dank steigender Ölpreise mit leichten Gewinnen in den Tag gestartet. Am Devisenmarkt geriet der Dollar ins Hintertreffen, der Euro notierte 0,3 Prozent höher bei 1,0580 Dollar.

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