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17.10.2013

18:11 Uhr

Börse Frankfurt

Dax im Minus – Eon mit Abschlägen

Die Einigung zwischen Republikanern und Demokraten im US-Haushaltsstreit hat die Anleger in Frankfurt nicht beflügelt. Der Dax beendet den Handelstag mit Verlusten. Ein skeptischer Analystenkommentar belastete Eon.

Handelssaal in Frankfurt: Die abgewendete US-Pleite sorgt kaum für Ausschläge an der Börse. Reuters

Handelssaal in Frankfurt: Die abgewendete US-Pleite sorgt kaum für Ausschläge an der Börse.

FrankfurtTrotz der Einigung im US-Haushaltsstreit hat der Dax am Donnerstag Verluste eingefahren. Am Abend schloss der Leitindex mit einem Abschlag von 0,38 Prozent bei 8811 Punkten. Am Mittwoch war der Dax noch mit einem Gewinn von 0,47 Prozent bei 8846 Punkten aus dem Handel gegangen. Zwischenzeitlich erreichte er sogar ein Allzeithoch von 8861 Stellen.

Das US-Fiskaldrama scheine nun weitgehend eingepreist, weswegen die Anleger ihre Aufmerksamkeit wieder auf die Berichtssaison und die US-Geldpolitik richten dürften, begründete Marktstratege Chris Weston vom Brokerhaus IG die Marktbewegungen.

Die Einigung im US-Haushaltsstreit macht nun den Weg frei für das nächste Allzeithoch. In letzter Minute haben Demokraten und Republikaner in den USA ihren Haushaltsstreit doch noch mit einem Kompromiss beigelegt. Nach dem Senat stimmte am späten Mittwochabend (Ortszeit) auch das Repräsentantenhaus für eine Erhöhung der Schuldenobergrenze und einen Übergangsetat.

So beeinflussen die USA die weltweiten Börsen

Warum steigen die Börsenkurse trotz des US-Haushaltsstreits?

Erstmals in seiner 25-jährigen Geschichte knackte der Dax in dieser Woche die Marke von 8800 Punkten, auch an anderen Aktienmärkten ging es nach oben. Getrieben wurden die Kurse von der Hoffnung der Anleger, dass im Haushaltspoker in Washington noch eine Lösung gefunden wird. Doch das ist nicht der einzige Grund.

Was bewegt die Börsen sonst noch?

Die Notenbanken fluten die Märkte mit extrem billigem Geld, damit soll die Konjunktur angeregt werden. Die Hoffnung auf Kursgewinne und Dividenden in Zeiten extrem niedriger Zinsen locken Investoren seit Monaten an den Aktienmarkt. „Die Finanzmarktexperten bleiben optimistisch. Ein größerer Einfluss des Streits über die Schuldenobergrenze in den USA ist derzeit nicht sichtbar“, sagt ZEW-Präsident Clemens Fuest. Zudem sorgt der Beginn der Berichtssaison mit guten Zahlen einiger US-Konzerne für Lichtblicke.

Wie lange pumpen die Notenbanken noch billiges Geld in den Markt?

Ein rascher Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik ist angesichts der schwachen Konjunktur weder bei der US-Notenbank Fed noch bei der Europäischen Zentralbank wahrscheinlich. Im Gegenteil: Die EZB hatte klar gemacht, dass sie den Geldhahn so schnell nicht zudrehen wird.

Hatte die Fed nicht die Drosselung ihrer Anleihenkäufe angekündigt?

Notenbankchef Ben Bernanke hatte im Juni in Aussicht gestellt, die Anleihenkäufe noch in diesem Jahr zurückzufahren und Mitte 2014 eventuell auslaufen zu lassen - vorausgesetzt, die Konjunktur zieht an. Doch die Fed kauft weiter jeden Monat Anleihen im Wert von 85 Milliarden Dollar (63,6 Milliarden Euro). Da Etatstreit und Verwaltungsstillstand das Wachstum bremsen dürften, könnte der Einstieg in den Ausstieg auch in den USA noch auf sich warten lassen. „Wenn die Etatschlacht Wirtschaft und Finanzmärkte zu hart trifft, dürfte die Drosselung der Anleihenkäufe auf März verschoben werden“, schätzt Unicredit-Ökonomin Chiara Silvestre.

Was passiert, wenn es keine Einigung gibt?

Je länger die Hängepartie dauert, umso nervöser dürften die Märkte werden. Sobald ernsthafte Zweifel an der Zahlungsfähigkeit der USA aufkämen, sei mit schwersten Erschütterungen zu rechnen, sagen Experten. Ökonom Brian Horrigan von Natixis Global Asset Management warnt vor einem Absturz: „Die Kombination aus einer Panik im Finanzsektor mit plötzlichen, tiefen Einschnitten bei den Staatsausgaben und steigender Unsicherheit könnten leicht zu einer Rezession führen.“ Die Ratingagentur Fitch droht den USA mit dem Verlust ihres Spitzenratings. Fitch fürchtet, dass die Regierung ihre Angestellten im schlimmsten Fall nicht mehr bezahlen kann und Sozialleistungen ausbleiben: „All das würde die Wahrnehmung der US-Kreditwürdigkeit sowie die Wirtschaft beschädigen.“ Für die Ratingexperten wäre aber am schlimmsten, wenn das Vertrauen in das System und in den Dollar als weltweite Reservewährung verloren ginge.

Wie lange kann die Hängepartie dauern?

An diesem Donnerstag ist die Schuldengrenze erreicht: Wenn sich die politischen Lager nicht auf eine Anhebung verständigen, dürfen sich die Vereinigten Staaten kein neues Geld mehr am Kapitalmarkt leihen. Mit dem Stichtag ist aber nicht automatisch Schluss: Dem Staat bleiben dann noch rund 30 Milliarden Dollar an Barreserven, um seine Verpflichtungen zu erfüllen. Das ist allerdings zu wenig, um zum Beispiel bald anstehende 60 Milliarden Dollar an Rentenzahlungen zu leisten. Ohne neue Kredite würde es danach richtig ernst, auch um die Zinsen und Tilgungen für US-Staatspapiere zu zahlen.

Ist bei einer Einigung alles im Lot ?

Das Image der USA als Weltmacht ist bereits angekratzt. Die Streitereien untergraben das Vertrauen in das Funktionieren des politischen Systems. Hinzu kommen ökonomische Folgen. „Untersuchungen zeigen, dass die Konjunktur durch einen Anstieg der politischen Unsicherheit zumindest vorübergehend erheblich gedämpft werden kann“, erklärt Ökonom Nils Jannsen vom Institut für Weltwirtschaft (IfW). Unternehmen hielten sich mit Investitionen zurück, Verbraucher zögerten größeren Anschaffungen hinaus. Erste Ökonomen haben bereits ihre Prognosen für die weltgrößte Volkswirtschaft gesenkt.

Was bedeutet das für die Anleger?

Die Börsen sind nervös. Am Dienstag sorgte die Hoffnung auf eine Einigung im Haushaltsstreit für einen Höhenflug. Doch die Luft ist dünn. Weil sich der Poker am Mittwoch hinzog, erstarrten die Börsianer wie das Kaninchen vor der Schlange. Privatanleger sollten sich derzeit also gut überlegen, ob sie ein- oder aussteigen wollen. Doch alternative Anlagen sind weiter unattraktiv. Das Sparbuch wirft so gut wie nichts mehr ab, Staatsanleihen von Ländern mit guter Bonität wie Deutschland bringen mickrige Erträge, meist unter der Inflationsrate.

Die ab heute drohende Zahlungsunfähigkeit ist damit abgewendet und die seit 16 Tagen teilweise geschlossenen Bundeseinrichtungen können wieder öffnen, Hunderttausende Staatsbeschäftigte dürfen aus dem unbezahlten Zwangsurlaub zurück an ihre Arbeitsplätze kehren.

Doch auch nach dem Kompromiss bleiben die Investoren skeptisch. Das ließ sich auch am Markt für Credit Default Swaps (CDS) ablesen. Die Versicherungen gegen einen Zahlungsausfall der USA verbilligten sich zwar leicht, dennoch blieben die Prämien für kürzer laufende CDS höher als diejenigen mit längeren Laufzeiten. Diese sogenannte Inversion gilt als Zeichen für eine aktuelle oder drohende Krise. Die Analysten der Citigroup kritisierten die „Streitlust in der US-Haushaltspolitik“. „Die Bereitschaft, mit dem Feuer zu spielen, ist kein gutes Omen für künftige Verhandlungen.“

Spitzenreiter im Dax war am Abend Lufthansa, deren Aktien nach einem positiven Analystenkommentar 3,13 Prozent zulegten. Ebenfalls am oberen Ende standen Lanxess und Deutsche Börse mit Gewinnen von 2,03 beziehungsweise 1,06 Prozent.

Kommentare (35)

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17.10.2013, 07:02 Uhr

Das entscheidende Verkaufssignal fehlt aber noch: Die BILD hat auf ihrer Titelseite noch nicht zu Aktien geraten, oder habe ich das übersehen?

"Diese Aktien kauft Deutschland"
"Diese Aktien sollten sie unbedingt haben."
"Dirk Müller empfiehlt..."

Programmierer

17.10.2013, 08:18 Uhr

Noch nie habe ich mich so auf meinen Stop gefreut.
Er steht weiterhin bei 8816 = 300 Punkte.
Es haben hier doch aber alle geschrieben,nach der Einigung geht es aber mächtig runter,komisch, jetzt warte ich immer noch aufs ausgestopt werden.
Es ist ja bald 09:00 Uhr,dann wird es soweit sein, und wenn nicht geht die maximale Geldvermehrung weiter.
Geändert hat sich nichts, das Casino bleibt geöffnet.

Account gelöscht!

17.10.2013, 08:29 Uhr

2000 war das Verkaufssignal der "Barrons"-Report vom März 2000.

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