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14.03.2011

17:50 Uhr

Börse Frankfurt

Dax im Minus - Versorgeraktien brechen ein

Der Dax fällt im Sog der japanischen Tragödie deutlich zurück. Einige Rückversicherer und Versorger werden von den Anlegern abgestraft. Solar- und Windenergieaktien sind dagegen gefragt.

Der Dax ist unter 7.000 Punkte gefallen. Quelle: dpa

Der Dax ist unter 7.000 Punkte gefallen.

FrankfurtDie weiter unabsehbaren Folgen des Erdbebens in Japan haben am Montag die Anleger an den Aktienmärkten verschreckt und den Dax auf Talfahrt geschickt. Der deutsche Leitindex schloss 1,65 Prozent schwächer bei 6866 Punkten, auf dem tiefsten Stand seit Mitte Januar. Laut Chefhändler Fidel Helmer vom Bankhaus Hauck & Aufhäuser halten sich angesichts des starken Einbruchs an der Tokioter Börse die Verluste am deutschen Markt noch einigermaßen in Grenzen: „Viele hatten auch hierzulande am Morgen zunächst gezittert und mit schlimmen Einbußen am deutschen Markt gerechnet. Insofern sind die Verluste zum Handelsschluss fast schon wieder als moderat zu bezeichnen“, sagte Helmer. Japans Leitindex Nikkei war am erste kompletten Handelstag nach dem Erdbeben und dem Tsunami um mehr als sechs Prozent abgestürzt.

Unter Druck gerieten wegen der neu entfachten Diskussion um die Laufzeit von Kernkraftwerken die Aktien von E.ON und RWE, die Prozent 5,3 beziehungsweise 4,8 Prozent nachgaben.

Die Bundesregierung will während des Moratoriums ihre Atompläne überprüfen und den Ausbau der erneuerbaren Energien beschleunigen. Die Analysten der Deutschen Bank gaben zu Bedenken, dass die voraussichtlich höheren Sicherheitsauflagen und damit verbundene Kosten für die Betreiber ein zusätzliches finanzielles Risiko seien.

Die Titel der Versicherer Allianz und Münchener Rück verloren 2,9 und 3,4 Prozent. Die versicherten Schäden des Erdbebens in Japan könnten sich nach Schätzungen der Risikoexperten von AIR Worldwide auf bis zu 35 Milliarden Dollar belaufen und damit zu einer der teuersten Katastrophen in der Geschichte der Versicherungsbranche werden. Darin sind die zu erwarteten Kosten im Zusammenhang mit dem Tsunami nicht berücksichtigt.

Auch die US-Börsen lagen bei Handelsschluss in Europa im Minus. Der Dow-Jones-Index fiel um 1,1 Prozent, der S&P 500 um 1,2 Prozent. Der Nasdaq-Composite gab um 1,1 Prozent nach. Das Handelsvolumen im Dax stieg auf 170 (Freitag: 141) Millionen Aktien. Der Umsatz kletterte auf rund 5,4 (4,6) Milliarden Euro.

Die neue Krise verstärke die wegen der Unruhen in der arabischen Welt und der Ölpreis-Rally schon vorhandene Verunsicherung der Märkte, schrieb Analyst Ahmed Behdenna von der Societe Generale in einem Kommentar. Dies schlug sich in den deutlichen Kurssteigerungen der Volatilitätsindizes für den Dax und den EuroStoxx50 nieder, die zeitweise jeweils auf dem höchsten Stand seit Anfang Dezember lagen. "Dieses Ereignis könnte den Inflationsängsten neuen Auftrieb geben", fügte Behdenna hinzu. Die Bank von Japan (BoJ) kündigte die Ausweitung ihres Anleihe-Ankaufprogramms an. Sie will dem heimischen Finanzsystem zur Abmilderung der Beben-Folgen die Rekordsumme von umgerechnet 132 Milliarden Euro zur Verfügung stellen.

Vor diesem Hintergrund wuchsen die Zweifel der Anleger an der Zahlungsfähigkeit Japans: Die Kosten für die Absicherung eines zehn Millionen Dollar schweren Kredits an den Insel-Staat per Credit Default Swap (CDS) stiegen um 11.000 auf 90.000 Dollar. Zum Vergleich: Eine Kreditausfall-Versicherung für deutsche Verbindlichkeiten ist für rund ein Drittel der Summe zu bekommen.

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