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30.05.2014

17:54 Uhr

Börse Frankfurt

Dax-Jagd auf die 10.000 auf nächste Woche verschoben

Noch am Vormittag fehlten dem Dax nach einem neuem Rekordhoch keine 30 Punkte mehr bis zur 10.000er Marke. Danach aber verlor der Markt die gesamte Dynamik, der Dax verabschiedet sich fast unverändert ins Wochenende.

In Tippelschritten zum 10.000er-Gipfel

Video: In Tippelschritten zum 10.000er-Gipfel

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FrankfurtDie Dax-Anleger haben sich am Freitag - so hat es zumindest den Anschein - frühzeitig ins Wochenende verabschiedet. In Schlagdistanz zu der psychologisch wichtigen sowie prestigeträchtigen 10.000-Punkte-Marke gestartet, hat sich der Abstand zum Meilenstein über den gesamten Handel gesehen nicht verändert. So schloss der Dax mit 9943 Punkten knapp 0,1 Prozent fester.

Am Vormittag hatte die Frankfurter Benchmark einen ersten ernstgemeinten Angriff Richtung Fünfstelligkeit unternommen und mit 9970 Punkten ein neues Rekordhoch erreicht, musste sich letztlich aber geschlagen geben. Damit ist der Dax zum vierten Mal in fünf Handelstagen auf ein Allzeithoch geklettert. Auf Monatssicht kommt das Deutsche Marktbarometer auf einen Aufschlag von 3,5 Prozent.

Zwar waren die Vorgaben durchaus gut, doch eine maue Nachrichtenlage und die Tatsache, dass viele Händler den Freitag nach dem Feiertag als Chance für einen Kurzurlaub wahrnahmen, sorgte für einen lange Zeit fahrigen Handel. Auch eine Wall Street, die aufgrund schwacher Konjunkturdaten mit Gewinnmitnahmen zu kämpfen hatte sorgte kaum für Bewegung in Frankfurt.

In der zweiten Reihe ließ der Schwung ebenfalls merklich nach. Der MDax notierte 0,1 Prozent fester bei 16.936 Punkten, der TecDax notierte unverändert auf 1288 Zählern. Auch der Euro-Stoxx-50 ging mit 3248 Stellen ohne Veränderung aus dem Handel.

Geht die Börsenrally weiter?

Wie reagieren die Börsen auf den Wahlausgang in Europa?

Die Anleger scheinen recht unbeeindruckt von den Wahlerfolgen der Eurokritiker. „Das ist sicherlich ein Schock für Europa“, sagte Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank. „Für das Europäische Parlament als gesamtes gilt aber: Die etablierten Parteien verfügen über mehr als zwei Drittel der Sitze. Der pro-europäische Kurs in Straßburg ist also nicht gefährdet.“ Der Eurokurs stieg am Tag nach der Wahl, an wichtigen europäischen Börsen ging es aufwärts, der Dax erreichte am Montag zwischenzeitlich ein Rekordhoch. Kornelius Barczynski vom Brokerhaus GKFX hält es sogar für möglich, dass der deutsche Leitindex noch in dieser Woche über die 10 000-Punkte-Marke springt.

Was bedeutet das Wahlergebnis für den Fortgang der Euro-Schuldenkrise?

Zunächst ändert die neue Zusammensetzung des EU-Parlaments nicht viel am Brüsseler Krisenkurs. Akuten Handlungsbedarf gibt es derzeit ohnehin nicht. Die Sorgenkinder Spanien, Irland und Portugal haben den Euro-Rettungsschirm bereits verlassen. Sie und andere potenzielle Krisenländer kommen am Kapitalmarkt längst zu deutlich günstigeren Konditionen an frisches Geld, als in der Hochzeit der Krise. Griechenland ist zumindest symbolisch an die Finanzmärkte zurückgekehrt. Selbst wenn Athen weitere Hilfe benötigen würde, läge die Entscheidung darüber bei den Mitgliedsstaaten und nicht beim EU-Parlament.

Können Eurokritiker die bisherige Politik woanders stören?

Interessant dürfte es werden, wie die französische Regierung auf den Erfolg der rechten Front National reagiert. Präsident François Hollande wird sich überlegen müssen, wie er enttäuschte Wähler zurückgewinnt. Ließe er sich von den Rechten in Eurofragen zu Untätigkeit verleiten, könnte das auf absehbare Zeit die gesamte EU lähmen. Denn Frankreich hat seit geraumer Zeit selbst Probleme mit seiner Staatsverschuldung - und leidet zugleich unter einer ausgeprägten Konjunkturschwäche.

Haben die Wähler in den Eurokrisenländern der EU einen Denkzettel verpasst?

In Griechenland ist es bei der Europawahl eindeutig so gekommen: Die EU-kritische, radikallinke Syriza wurde stärkste Kraft. Europafeindlich ist Syriza allerdings nicht: Sie kritisieren zwar scharf die internationalen Sparvorgaben, wollen aber zum Beispiel nicht mehrheitlich aus der Eurozone austreten. Im ebenfalls wirtschaftlich nicht gerade florierenden Italien entschieden die Wähler anders: In der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone, holte die Partei des als reformfreudig und proeuropäisch geltenden Premierministers Matteo Renzi mehr als 40 Prozent der Stimmen. Der italienische Aktienindex legte daraufhin kräftig zu, italienische Staatsanleihen waren bei Anlegern gefragt.

In der Ukraine gewann der Petro Poroschenko die Präsidentenwahl deutlich. Sind die Börsen erleichtert?

Ja, das eindeutige Votum hat für Entspannung an den Märkten gesorgt. Zum Beispiel gab der Ölpreis merklich nach, was Händler vor allem als Folge der Entspannung zwischen Kiew und Moskau werteten. Die Ukraine ist ein wichtiges Transitland für Energielieferungen in den Westen. Deshalb reagiert der Ölmarkt stark auf die Entwicklung im Ukraine-Konflikt. Der relativ klare Ausgang der Präsidentschaftswahl in dem Land dürfte die Stimmung stützen, sagte Jan Bottermann, Chefvolkswirt bei der National-Bank.

Was treibt die Märkte im Moment am meisten?

Entscheidender Treibstoff für die Aktienkurse sind weiterhin Spekulationen über weitere geldpolitische Lockerungen der EZB. In der kommenden Woche könnte Zentralbankchef Mario Draghi eine weitere Senkung der Leitzinsen verkünden. Andeutungen in diese Richtung macht Draghi bereits seit Tagen. Damit würde noch mehr billiges Geld in Umlauf kommen. Die EZB fürchtet, dass die extrem niedrige Inflation in eine gefährliche Deflation umschlägt - weil Investoren und Konsumenten in Erwartung weiter sinkender Preise weniger kaufen und investieren. Das könnte die - in weiten Teilen Europas ohnehin lahmende - Wirtschaft weiter schwächen. Für Anleger bedeuten niedrigere Zinsen vor allem steigende Aktienkurse. Den denn wenn Staatsanleihen, Sparbuch und Festgeld fast nichts mehr abwerfen, sind Aktien stärker gefragt.

In der nächsten Woche wird sich die Rally aber höchstwahrscheinlich fortsetzen. Dass der EZB-Rat auf seiner Sitzung am Donnerstag eine weitere geldpolitische Lockerung beschließen wird, gilt auf dem Parkett als ausgemachte Sache. „Der Markt wird sich bis zur Ratssitzung der Europäischen Zentralbank in der kommenden Woche auf diesem Niveau halten“, sagte HVB-Aktienstratege Christian Stocker.

Sollte Mario Draghi bei der Ratssitzung am kommenden Donnerstag allerdings nicht wie von Börsianern erwartet liefern, drohen dem Aktienmarkt Experten zufolge Rückschläge.

Aus den USA kamen am Nachmittag durchwachsene Konjunkturdaten, die den Märkten keine eindeutigen Impulse geben konnten. Während die Konsumausgaben, die rund 70 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmachen, im April überraschend leicht gesunken sind, ist der Einkaufsmanagerindex für die Region Chicago von 63 im April auf 65,5 im Mai gestiegen, verglichen mit einer Erwartung von 61. Der Index der Universität Michigan zum Verbrauchervertrauen fiel von 84,1 im April auf 81,9 im Mai und war damit niedriger als erwartet.

Am Morgen kam die Nachricht, dass die deutschen Einzelhändler im April erstmals in diesem Jahr weniger eingenommen haben. Ihr Umsatz schrumpfte um 1,0 Prozent zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Preisbereinigt lag das reale Minus bei 0,9 Prozent. Ökonomen hatten hier mit einem Wachstum von 0,4 Prozent gerechnet.

Im Vergleich zum April 2013 fällt das Ergebnis allerdings deutlich besser aus, auch wenn der Monat diesmal sogar einen Verkaufstag weniger zählte. Der Umsatz kletterte real mit 3,4 Prozent so kräftig wie seit knapp zwei Jahren nicht mehr. Grund dafür: Das umsatzstarke Osterfest fiel diesmal komplett auf den April, 2013 auf den März. Die Konsumlaune der Deutschen ist wegen der Rekordbeschäftigung und der Aussicht auf steigende Löhne derzeit sehr gut. 

Kommentare (27)

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Account gelöscht!

30.05.2014, 08:09 Uhr

Der Dax ist eingestürzt, der Handel wurde teilweise ausgesetzt, BASF für 20 Euro, die G7-Chefs trafen sich zum Krisengipfel, das hätte Draghi nicht gedacht, dass er binnen so kurzer Zeit für einen zweistelligen Tagesverlust an den weltweiten Börsen sorgt...

und dann bin ich leider aufgewacht. Alles blutrot in meinem Depot. Diese verdammten Blasentreiber der EZB, FED, BoJ. Halunken und Schurken.

Ich habe keine Angst vorm Crash. Ich habe Angst davor, dass der Dax weitere 10-20% steigt.

Account gelöscht!

30.05.2014, 08:20 Uhr

Liebes Social-Media Team,
sie müssen auch mal gelobt werden.

Ich finde es wirklich großartig, dass sie einsamen Seelen an einem Feiertag die Möglichkeit bieten sich auszutauschen.
Während andere den Vatertag mit der Familie oder mit Freunden verbringen,oder einfach mal die Ruhe geniesen,brauchen andere eine Plattform für zwischenmenschliche Begegnungen.
Gut das Sie auch an einem Feiertag da sind.

Account gelöscht!

30.05.2014, 08:23 Uhr

Sensationell,dass Ihr Namensvetter gestern wieder mal einen Kommentar geschrieben hat,unser Mr. 5.000

Wartet seit der 6.000 auf den Crash und zitiert einen Artikel an einem Feiertag 50 Punkte vor der 10.000.
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