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08.11.2013

18:31 Uhr

Börse Frankfurt

Dax kämpft sich fast bis zum Vortagsniveau

Der Handel begann schwach. Die starken Daten vom US-Arbeitsmarkt werten die Anleger nicht als Signal an die Fed, ihren Kurs frühzeitig zu beenden. So setzt der Dax mithilfe der Wall Street an und schmilzt sein Minus weg.

Die Anleger am letzten Handelstag etwas rekordmüde

Video: Die Anleger am letzten Handelstag etwas rekordmüde

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FrankfurtWas war das für ein Wochenabschluss? Da sorgte Mario Draghi mit der überraschenden Leitzinssenkung für einen echten Paukenschlag, doch auf dem Aktienmarkt zeigte sich die Aktion des EZB-Präsidenten ohne längerfristige Wirkung. Gestern war der Dax noch auf ein neues Rekordhoch von 9193 geklettert. Aber im heutigen Handel war das bereits vergessen, der Handel begann schlecht.

Die Anleger machten sich Sorgen um die US-Arbeitsmarktdaten. Denn fallen diese zu stark aus, könnte dies ein Zeichen sein, dass die amerikanische Notenbank Federal Reserve ihre ultralockere Geldpolitik reduzieren wird. Und dann kam es zur Überraschung: Der US-Arbeitsmarkt zeigte sich stärker als prognostiziert. Die Börsianer zeigten sich zuerst verunsichert.

Folgen der Leitzinssenkung

Wie funktioniert der Leitzins?

Der Leitzins bestimmt die Konditionen, zu denen sich Kreditinstitute Geld bei der EZB leihen können. Außerdem richten sich die Banken auch bei ihren Geldgeschäften untereinander nach den Entscheidungen der EZB.

Was, wenn der Leitzins sinkt?

Sinkt der Leitzins, fallen in der Regel auch die Interbankzinssätze. Die niedrigeren Zinsen am Geldmarkt können die Banken an ihre Kunden weiterreichen. Sparzinsen - wie für Tages- oder Festgeld - liegen dabei oft unterhalb des Leitzinssatzes, Kreditzinsen eher darüber. Mit dieser Spanne zwischen Geldmarktzins und den Zinssätzen, die Banken Verbrauchern gewähren oder von diesen kassieren, verdienen die Institute ihr Geld.

Was bedeutet die Leitzinssenkung für Sparer?

Die erneute Leitzinssenkung deutet nach Angaben von Marcus Preu vom Finanzportal Biallo darauf hin, dass die Niedrigzinsphase länger anhält als erwartet. Eine schnelle Trendwende sei damit unwahrscheinlich. „Da schauen die Anleger jetzt erstmal in die Röhre“, sagt Preu. Andererseits profitierten die Verbraucher derzeit von der niedrigen Inflationsrate. Die Verbraucherpreise in Deutschland waren im Oktober im Vergleich zum Vorjahr nur um 1,2 Prozent gestiegen.

Was sollten Verbraucher mit ihrem Ersparten tun?

Nach den Worten von Max Herbst von der FMH Finanzberatung ist es derzeit„"ziemlich egal, ob ich mein Geld zur Bank trage oder zuhause lasse. Einige Sparkassen böten schon jetzt einen Zinssatz von 0,1 Prozent für Tagesgeldkonten. Die Finanzinstitute seien wegen des billigen Geldes derzeit nicht auf das Geld von Privatleuten angewiesen und müssten sie nicht mit attraktiven Sparzinsen locken. „Die Banken brauchen den Anlagekunden momentan nicht“, stellt Herbst fest.

Was bringen langfristige Anlagen?

Verbraucher, die nicht unbedingt auf ihre Rücklagen zurückgreifen müssen, sollten ihr Geld den Experten zufolge längerfristig anlegen, um sich auskömmliche Zinsen zu sichern. Bei zweijähriger Laufzeit gibt es laut Herbst derzeit maximal 1,9 Prozent Zinsen, bei drei Jahren Laufzeit 2,15 Prozent. Bei vierjähriger Laufzeit gebe es 2,30 oder 2,40 Prozent, „aber da wird die Luft schon dünn“, sagt Herbst mit Blick auf die Auswahl attraktiver Festgeldangebote.

Werden Baukredite billiger?

Auch wenn der Leitzins nicht unbedingt der Referenzzins für Baukredite ist, können Bauherren nach den Worten von Preu derzeit "in Ruhe planen". Der zwischenzeitige Zinsanstieg beim Baugeld sei inzwischen wieder gestoppt. Laut Michiel Goris vom Immobilienfinanzierer Interhyp sind die Zinsen für Immobilienkredite mit zehnjähriger Zinsbindung in den vergangenen Tagen zum Teil auf rund 2,5 Prozent gesunken. Er empfehle Immobilienkäufern und Bauherren daher, die derzeit günstigen Zinsen zu nutzen und sie sich langfristig zu sichern.

Was wird aus der Restschuld?

Käufer mit viel Eigenkapital bekämen derzeit einen Immobilienkredit mit einem Zinssatz von 2,5 Prozent, erklärte Goris. Darlehen mit fünfjähriger Zinsbindung seien sogar für rund 1,7 Prozent erhältlich. Derart kurzfristige Finanzierungen kämen aber nur für Anschlussfinanzierungen mit geringer Restschuld in Frage.

Doch mit der Zeit setzte sich am Markt die Auffassung durch, dass die Job-Zahlen aus den Staaten kein klares Signal an die Fed zum vorzeitigen Ausstieg aus ihrem Kurs sendeten. Die großen Marktturbulenzen blieben aus - die deutsche Benchmark Dax hielten ihren schwachen Kurs zunächst und stieg allmählich, bis sie fast auf Vortagsniveau schloss.

So beendete der deutsche Leitindex den Wochenhandel mit einem sehr leichten Minus von 0,03 Prozent bei 9078 Punkten. In der zweiten Reihe zeichneten die Indizes Kurse in einem kräftigeren rot, konnten dann aber ebenfalls aufholen: Die Nebenwerte aus dem MDax schlossen bei 16.069, was ein Kursverlust von 0.3 Prozent bedeutet, der TecDax gab 0,7 Prozent nach und notierte 1134 Zähler.

Schwach geschlossene Börsen in den USA und Asien gaben die Kursrichtung von Beginn an vor. Für einen Moment, kurz nachdem die Arbeitsmarkt-Daten rauskamen, fiel der Dax gar unter die 9000er-Marke. An der Wall Street setzte sich die Hoffnung auf eine weitere Geldschwemme durch und unterstützte das Frankfurter Parkett ab dem Nachmittag bei seine Aufholjagd.

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Die EZB lässt mit ihrem Zinsentscheid die Börsianer jubeln. Zuvor schon sorgten Unternehmen diese Woche mit verschiedenen Nachrichten für Euphorie. Doch einige treiben den Anlegern Sorgenfalten auf die Stirn.

Wichtigster Kurstreiber und Grund der Verunsicherung sind die Daten vom US-Arbeitsmarkt sein. Die sind vor allem deswegen so wichtig, weil die amerikanische Notenbank Federal Reserve Länge und Ausmaß ihrer ultralockeren Geldpolitik von der Konjunktur des US-Wirtschaft abhängig macht. Um 14.30 veröffentlicht das Arbeitsministerium die Zahlen.

Die Arbeitgeber in den USA schufen im Oktober - wie von Ökonomen erwartet - weniger Stellen als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote stieg von 7,2 auf 7,3 Prozent. Aber der US-Arbeitsmarkt zeigte sich stärker als von den meisten Experten prognostiziert.

Trotz Verwaltungsstillstand auf Bundesebene schuf die Volkswirtschaft 204.000 neue Stellen - man war im Schnitt von 125.000 neuen Arbeitsplätzen ausgegangen. Jetzt aber ein eindeutiges Signal zu sehen, dass die Fed ihre beispiellosen Konjunkturfördermaßnahmen reduzieren wird, wäre falsch. Dies hätte zu weit größeren Turbulenzen an den Börsen geführt.

So bleibt weiterhin abzusehen, ob die monatlichen Anleihenkäufe in Höhe von 85 Milliarden Dollar schon im Dezember oder erst im nächsten Quartal zurückgefahren werden. "Man muss wohl einfach noch die Konjunkturdaten der nächsten Wochen abwarten, um ein eindeutigeres Bild von der US-Wirtschaft zu bekommen", sagte Rainer Sartoris, Analyst bei HSBC Trinkaus.

Eine Drosselung der Fed-Wertpapierkäufe schon im Dezember sei aber wahrscheinlicher geworden, sagte ein Börsianer.

Kommentare (79)

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Account gelöscht!

08.11.2013, 07:54 Uhr

VON DER REALITÄT EINGEHOLT
..........................
allzeithoch..allzeithoch...
und dann die ernüchterung..!!
..
die zinsfantasie ist verschwunden und die realität
holt die börsianer wieder ein..
..
deshalb haben wir uu. das an den börsen gesehen und
stehen vor einer größeren korrektur.
DIE LETZTEN WERDEN DIE ERSTEN SEIN.! DEPOTS ABSICHERN.!

Best_case_scenario

08.11.2013, 08:16 Uhr

Na, hätte ich mich doch gestern mal getraut.

Mir_kommen_die_Traenen

08.11.2013, 08:25 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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