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07.05.2012

15:32 Uhr

Börse Frankfurt

Dax kämpft sich nach Kursrutsch ins Plus

Der Schock über die Wahlen in Griechenland und Frankreich hielt nicht den ganzen Tag an. Nachdem der Dax am Morgen noch tief im Minus steckte, konnte er sich zum Schluss noch in ein leichtes Plus retten.

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FrankfurtDie Unsicherheit nach der Wahl in Griechenland hat den Deutschen Aktienindex am Montag ganz schön auf Trab gehalten. Zwischenzeitlich stürzte der Dax mehr als 2,3 Prozent ins Minus. Nach einer Erholungstour durch den Tag hindurch schaffte der Leitindex am späten Nachmittag dann die Wende und schloss sogar 0,1 Prozent im Plus bei knapp 6.570 Punkten. Für den MDax ging es zum Wochenstart um 0,4 Prozent auf 10.626 Punkte bergauf, der TecDax gewann 0,3 Prozent auf 784 Punkte.

Während ein Sieg des französischen Sozialisten François Hollande von den Börsianern erwartet worden war, sorgten die hohen Prognosen für die radikalen Oppositionsparteien in Griechenland für Beunruhigung. „Sollte die aktuelle Koalition nicht weiterregieren können, steigt das Risiko von Rückschritten im Reform- und Sparprozess“, sagen die Analysten der Landesbank Berlin (LBB).

Der Tag an den Märkten (Stand 17:52 Uhr)

Dax

- 0,19 Prozent (Schlusskurs vom Freitag)

Euro Stoxx 50

+ 0,1 Prozent

Dow Jones

- 0,3 Prozent

Nikkei

+ 0,1 Prozent

Euro

1,2302 Dollar (+/- 0 Prozent)

Gold

1.602 Dollar (- 0,7 Prozent)

Öl (Brent)

106,40 Dollar (+ 1,2 Prozent)

Der Euro geriet ebenfalls unter Druck und kostete zeitweise mit 1,3007 Dollar einen knappen US-Cent weniger als zum New Yorker Freitagsschluss. Im Gegenzug kletterte der Bund-Future auf ein neues Rekordhoch von 142,44 Zählern. Die Renditen der französischen und griechischen Anleihen zogen an. Die beiden Volatilitätsindizes VDax und VStoxx, die die Stimmung der Investoren messen, stiegen auf bis zu 28,47 beziehungsweise 31,53 Punkte. Dies ist in beiden Fällen der höchste Stand seit Anfang Januar.

„Die Kluft zwischen den Politikern und den Wählern vergrößert sich“, sagte Steen Jakobsen, Chef-Ökonom der Saxo Bank. „Das sehen wir in Griechenland und Frankreich. Die Wähler senden eine klare Botschaft: „Wir sind zu diesen Reformen nicht bereit'. Dies ist besorgniserregend. Wir stehen vor einer großen Krise in Europa, wirtschaftlich und sozial.“ Zu den größten Verlierern zählten am Morgen die Finanzwerte, die besonders sensibel auf Nachrichten zum Thema Schuldenkrise reagieren. Der europäische Bankenindex fiel zeitweise um 1,3 Prozent.

Marktstimmen zu den Wahlen in Griechenland und Frankreich

Luca Solca, Cheuvreux-Chefanalyst für Europa

„Aus Investorensicht sollte die Wahl von Francois Hollande keine Überraschung darstellen. Wir werden voraussichtlich Kursturbulenzen sehen bis es überzeugende Zeichen dafür gibt, dass sich Frankreich in die richtige Richtung bewegt. Bei der Kontrolle des Haushaltsdefizits, den Sparbemühungen und Strukturreformen - ohne gleichzeitig erneutes Wachstum zu vergessen.“

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer

„Der Sieg Hollandes macht den Kampf gegen die Staatsschuldenkrise noch komplizierter. Hollande ignoriert weitgehend die wirtschaftlichen Probleme Frankreichs. Außerdem wird es für Frankreich und Deutschland noch schwieriger, sich auf eine gemeinsame Linie zu einigen. Die EZB wird die Peripherieländer länger als befürchtet de facto mit der Notenpresse finanzieren.“

Vincent Durel, Manager des Fidelity France Funds

„Ich gehe davon aus, dass Francois Hollande eine Mitte-Links-Politik verfolgen wird, in deren Rahmen er die Währungsunion unterstützen und bei den Budgetverpflichtungen bleiben wird. Als erstes wird er dem Parlament voraussichtlich Maßnahmen vorlegen, die es ermöglichen sollen, die Defizitziele für Frankreichs Staatshaushalt einzuhalten. Das sollte die europäischen Partner und ganz besonders Deutschland beruhigen. Während seines Wahlkampfes hat er klargestellt, dass Frankreich über die nächsten fünf Jahre ungefähr 100 Milliarden Euro einsparen muss, um bis 2017 einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen. Davon beruhen 50 Milliarden auf der ziemlich optimistischen Annahme, dass das Bruttoinlandsprodukt jährlich um zwei Prozent wächst, während die öffentlichen Ausgaben jährlich nur um ein Prozent steigen. Die anderen 50 Milliarden Euro sollen durch verschiedene Maßnahmen wie Steuererhöhungen oder die Beseitigung von Steuerschlupflöchern erreicht werden. Ich bin zuversichtlich, dass das deutsch-französische Verhältnis stabil bleiben wird, und dass die Wachstumsinitiativen von Hollande auf EU-Ebene nicht unbedingt bedeuten, dass die Budgetdisziplin Frankreichs infrage gestellt wird.“

Marktstratege Roger Peeters, Close Brothers

„Eigentlich gab es bei den Wahlen in Frankreich und Griechenland keine größeren Überraschungen. Doch die ersten Marktreaktionen zeigen, dass die Investoren offenbar mit weniger starken Anti-Euro-Ergebnissen gerechnet haben. Ohne Zweifel wird der Wahlausgang in Griechenland für die Euro-Zone eine Belastung. Jetzt werden Extremszenarien, wie etwa, dass die Griechen die Euro-Zone verlassen könnten oder pleitegehen könnten, wahrscheinlicher. Die Folgen des Sieges von Hollande in Frankreich hängen von seiner künftigen Politik ab. Wenn er seine Wahlversprechen einhält, dürften die Risiken für den Euro steigen.“

Commerzbank-Volkswirt Christoph Weil

„Im neuen griechischen Parlament gibt es keine Mehrheit mehr für den mit IWF und EU vereinbarten Konsolidierungskurs. Doch bevor nicht die von der Troika für 2013 und 2014 verlangten Konsolidierungsmaßnahmen im Umfang von 11,5 Milliarden Euro beschlossen sind, dürfte es keine neuen Hilfsgelder geben. Dann könnte der griechische Staat spätestens im Herbst seine Zahlungsverpflichtungen nicht mehr vollständig erfüllen.“

Analyst Riccardo Designori von Brown Editore

„Das ist ein Anti-Merkel-Votum. Die Menschen in Europa haben genug von den harten Sparauflagen, die ihnen von den deutschen Politikern aufgebürdet wurden. Dies könnte eine Trendwende bedeuten.“

Francois Duhen, Aktienstratege bei CM-CIC Securities

„Wir sind sehr besorgt wegen Griechenland. Es wird voraussichtlich schwierig, eine neue Koalition zu bilden. Ich hoffe, dass die Griechen es schaffen, denn wenn nicht, stehen wir vor einem zehn- bis 15-prozentigen Kursrückgang am europäischen Aktienmarkt. Wenn sie keine Koalition zustandebringen, die die Zusagen an EU und IWF einhält, wird das Land kein weiteres Geld erhalten zahlungsunfähig werden. Dann besteht das Risiko einer Ansteckung von Portugal und Spanien.“

Steen Jakobsen, Chef-Ökonom der Saxo Bank

„Die Kluft zwischen den Politikern und den Wählern vergrößert sich. Das sehen wir in Griechenland und Frankreich. Die Wähler senden eine klare Botschaft: „Wir sind zu diesen Reformen nicht bereit'. Dies ist besorgniserregend. Wir stehen vor einer großen Krise in Europa, wirtschaftlich und sozial.“

Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research zu Frankreich

 „Wir gehen davon aus, dass die Haushaltsdisziplin eingehalten wird, allerdings werden intelligente Wege zur Stimulierung des Wachstums kurzfristig Priorität genießen.“

Unterstützt von einem positiven Kommentar der WestLB haben sich Pfeiffer Vacuum zu den Spitzenreitern im TecDax gesellt. Die Aktien verteuerten sich um 3,9 Prozent. Die Zahlen zum ersten Quartal hätten gezeigt, dass der Vakuumpumpen-Hersteller auf einem guten Weg sei, hieß es in dem Kommentar. Die Analysten erhöhten das Kursziel auf 104 von 99 Euro und bekräftigten ihre „Add“-Empfehlung.

Anleger erholen sich von griechischem Wahl-Schock

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Nach einer Kurszielerhöhung durch die DZ Bank haben Adidas am Montag zugelegt. Die Aktien des Sportartikel-Herstellers gehörten mit einem Plus von 1,9 Prozent zu den stärksten Dax -Gewinnern. „Die in den kommenden Jahren voraussichtlich noch stärker als bisher von uns erwartete Verschiebung des regionalen Mix in Richtung Russland und Asien, und hier insbesondere China, hat uns dazu veranlasst, die Erwartung für die EBIT-Marge im Konzern für das Jahr 2013 von 8,6 auf 8,9 Prozent und für das Jahr 2014 von 9,3 auf 9,5 Prozent nach oben zu revidieren“, schrieb Analyst Herbert Sturm in einem Kommentar. Er setzte den Fairen Wert für die Aktien auf 68 von zuvor 65 Euro, die Bewertung ließ er auf „Kaufen“. Die Aktien des Konkurrenten Puma profitierten ebenso und konnten im MDax 0,3 Prozent zulegen.

Der bayerische Autokonzern BMW verkauft stetig mehr Autos in China. Im April sei der Absatz dort um knapp 31 Prozent auf rund 27.200 Modelle der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce gestiegen, sagte ein Firmensprecher am Montag. Seit Jahresbeginn haben die Münchner mit 107.200 Autos gut 35 Prozent mehr Autos im Reich der Mitte verkauft als im Vorjahreszeitraum. Die Aktie legte 1,5 Prozent zu.

Kommentare (63)

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Hellseher

07.05.2012, 07:57 Uhr

Vorbörslich bei 6.450 Punkten. Mit minus 1,7 % also nichts Weltbewegendes.

Dank Geldflutung durch die EZB, also dank künftiger Inflationierung, wird sich auch heute die Börse zulasten der kleinen Leute, der Sparer also, schadlos halten.

Hellseher

07.05.2012, 08:06 Uhr

Inzwischen schon unter 6.400 Punkten.

Wo sind die Opties, die kürzlich noch hier von 10.000 Dax-Punkten träumten?

Wo sind die Schönredner der (nicht machbaren) Reformen in Griechenland?

Und nicht vergeesen, Ihr Träumer, die EZB hat schon mehr als eine Billion € in den Markt gepumpt. Das kommt nicht mehr, das ist schon drinne ....!

Account gelöscht!

07.05.2012, 08:07 Uhr

Sehr sehr geil. Börsenbeben am Montag morgen. Die Overnight-Position war Goldrichtig. Allen Shorties einen schönen Tag

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