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28.03.2017

18:20 Uhr

Börse Frankfurt

Dax klettert auf neues Jahreshoch

Anleger haben das Debakel um die US-Gesundheitsreform abgehakt und den Dax wieder Richtung Norden getrieben. Kurz vor Handelsschluss erreichte das deutsche Börsenbarometer ein neues Jahreshoch.

Börse am Abend

Neues Jahreshoch für Dax – RWE liegt hinten

Börse am Abend: Neues Jahreshoch für Dax – RWE liegt hinten

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FrankfurtDer deutsche Aktienmarkt hat nach einem mäßigen Wochenstart am Dienstag wieder in die Spur gefunden. Zum Handelsschluss stieg der Dax um 1,3 Prozent auf 12.149 Punkte. Kurz zuvor hatte der Frankfurter Leitindex mit 12.158 Zählern ein neues Jahreshoch erreicht – zwei Punkte oberhalb des bisherigen.

Die Anleger versuchten am heutigen Handelstag, das Scheitern der Gesundheitsreform des US-Präsidenten Donald Trump im Repräsentantenhaus positiv zu sehen, schrieb Analyst Michael Hewson vom Broker CMC Markets UK. Sie hofften, dass Trump nun umso mehr Energie in seine versprochene Steuerreform stecke. Dies erscheine allerdings durchaus gewagt, denn hier dürften Veränderungen noch schwerer durchzubringen sein.

Die anderen Aktienindizes profitierten ebenfalls vom Zweckoptimismus der Investoren: Der Index der mittelgroßen Unternehmen MDax stieg um ein Prozent auf 23 579 Punkte. Der Technologiewerte-Index TecDax rückte um 1,4 Prozent auf 2019 Zähler vor und notiert damit auf dem höchsten Niveau seit seiner Einführung am 24. März 2003. Der Startwert betrug damals 1000 Punkte. Der TecDax ist Nachfolger des durch Insidergeschäfte und Bilanzfälschungen in Verruf geratenen Nemax 50. Im TecDAX sind 30 der 35 größten Technologiewerte in Bezug auf Marktkapitalisierung und Handelsumsatz zusammengefasst.

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Für Leser der wöchentlichen Handelsblatt-Sentimentumfrage kommt der Dax-Aufschwung nicht überraschend. Seit mehreren Wochen sieht Börsenexperte Stephan Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx, eher Chancen für steigende Kurse. Der Sentimentexperte wertet die Ergebnisse der Umfrage unter mehr als 2300 Anlegern jede Woche aus. Noch am Montag dieser Woche fragte er rhetorisch: „Wer will den jetzt noch verkaufen, nachdem die Abschaffung von Obamacare gescheitert ist?

Auch die politischen Entscheidungen waren für ihn positiv. Obamacare bleibt bestehen, in Frankreich hat die rechtspopulistische Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen wenig Chancen auf einen Wahlsieg in einer Stichwahl. Und in Deutschland hat das Saarland am Sonntag für ein „weiter so“ votiert. „Das sind in meinen Augen wohltuend moderate Ereignisse, die dem Dax weiter Luft nach oben verschaffen“, sagte er gestern,.

Die Analysten der Rabobank mahnten aber zur Vorsicht. So lange keine Details zu den Steuerplänen bekannt seien und das US-Parlament keine Zustimmung signalisiere, stehe die aktuelle Erholung auf wackligen Füßen. Ihre Kollegen von Morgan Stanley warnten zudem, dass das Reformpaket kleiner ausfallen oder die Staatsverschuldung stärker in die Höhe treiben könnte. Schließlich fielen durch die Beibehaltung der bisherigen US-Krankenversicherung "Obamacare" die ursprünglich eingeplanten Einsparungen weg.

Vor diesem Hintergrund sei unwahrscheinlich, dass die US-Notenbankchefin Janet Yellen bei ihrem Auftritt am Abend (MESZ) klare Signale zur Geldpolitik aussenden werde, sagte Postbank-Experte Heinz-Gerd Sonnenschein. Nach Ansicht der Commerzbank-Analystin Esther Maria Reichelt ist die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass die Fed den Leitzins 2017 nur ein statt der bislang signalisierten zwei Mal anheben wird.

Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, stabilisierte sich dennoch bei 99,275 Punkten. Der Euro stagnierte bei 1,0852 Dollar.

Das britische Pfund liegt einen Tag vor dem offiziellen Austrittsgesuch Großbritanniens aus der EU leicht im Plus. Das Pfund Sterling stieg am Dienstag zeitweise um etwa einen halben US-Cent auf 1,2558 Dollar und hielt sich damit knapp unter dem am Montag zwischenzeitlich erreichten Zwei-Monats-Hoch.

„Warum sollte der Markt auch reagieren?“, fragte Anlagestratege Kit Juckes von der Bank Societe Generale. „Auf den ersten 100 Metern eines Marathons passiert nicht viel.“ Sobald die britische Premierministerin Theresa May auf Grundlage des Artikel 50 der EU-Verträge das offizielle Austrittsgesuch einreicht, haben das Vereinigte Königreich und die Staatengemeinschaft zwei Jahre Zeit, ihre zukünftigen Beziehungen zu regeln.

Viele Börsianer befürchten einen „harten“ Brexit, bei dem Großbritannien den Zugang zum EU-Binnenmarkt verliert. Da dies der dortigen Wirtschaft voraussichtlich schaden wird, rechnen sie mit einer weiteren Abwertung des Pfunds, das sich seit dem Brexit-Referendum im vergangenen Sommer um rund 15 Prozent verbilligt hat. Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen beurteilte die aktuelle Erholung des Wechselkurses denn auch skeptisch. Viele Marktteilnehmer unterschätzten offenbar, wie kompliziert die Verhandlungen werden.

Im Dax zogen die Aktien des Autozulieferers und Reifenherstellers Continental um mehr als 2,2 Prozent an und erreichten vorübergehend den höchsten Stand seit dem Frühjahr 2016. Auch beim Rückversicherer Munich Re sorgte eine neue Kaufempfehlung für gute Stimmung: Die Papiere verteuerten sich um 1,6 Prozent.

Bei den Technologiewerten stach Evotec nach guten Geschäftszahlen und einem erfreulichen Ausblick mit einem Kurssprung von zwischenzeitlich zehn Prozent auf das höchste Niveau seit dem Jahr 2002 positiv heraus. Für 2017 stellte das Biotech-Unternehmen ein weiter starkes Wachstum in Aussicht.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von 0,14 Prozent am Vortag auf 0,16 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,04 Prozent auf 141,67 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,21 Prozent auf 160,60 Punkte. Der Kurs des Euro lag zuletzt bei 1,0858 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Montag auf 1,0889 Dollar festgelegt. Der Dollar kostete damit 0,9184 Euro.

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