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18.12.2015

17:53 Uhr

Börse Frankfurt

Dax kommt nach Fed-Rally unter die Räder

Nach dem Kursfeuerwerk zur eingeläuteten US-Zinswende nutzen Anleger am Freitag die Chance zum Kasse machen. Ein entkräfteter Dax verliert am Hexensabbat über ein Prozent. Der tiefe Ölpreis bleibt eine Hypothek.

Hexensabbat treibt Dax ins Minus

Video: Hexensabbat treibt Dax ins Minus

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FrankfurtAm Tag nach der Zinswende in den USA ist den europäischen Aktienmärkten die Kraft ausgegangen. Anleger nutzten das gestrige 2,6-Prozent-Plus des Dax um Kasse zu machen und stiegen schon am Freitag wieder aus. Die Abschläge im Handel wurden nach dem großen Verfall auf den Terminmärkten am Nachmittag wesentlich stärker. Am Ende schloss der Deutsche Aktienindex 1,2 Prozent leichter bei 10.608 Punkten. Schon die Vorgaben aus Übersee ließen einen weiteren Anstieg unwahrscheinlich aussehen. Belastend blieb der abermals gefallene Ölpreis.

Die Wall Street setzte ihren Abwärtstrend fort, nachdem sie schon am Donnerstag ihre sämtlichen Mittwochsgewinne wieder abgegeben hatte – der Dow-Jones-Index lief am Freitagabend 1,1 Prozent tiefer bei 17.303 Zählern. Wie schon in der vergangenen Woche schürte der purzelnde Ölpreis Zweifel an der globalen Konjunktur. Die Abschläge fielen vor allem bei den Energie-Titeln deutlich aus.

In Asien notierten die Indizes am Freitag uneinheitlich: Der Nikkei-Index konnte seine Gewinne nach der weiteren Lockerung der Geldpolitik in Japan nicht halten und verlor 1,9 Prozent. Die Bank of Japan hält zwar an der Summe der Wertpapierkäufe fest, verlängerte aber die Haltedauer der Papiere auf bis zu zwölf Jahre von zuvor bis zu zehn Jahre. Zudem sollen mehr risikoreichere Papiere erworben werden. Die Schritte sollen das bestehende Programm zur Ankurbelung der Wirtschaft unterstützen. In China notierte der Shanghai-Composite kaum verändert.

Reaktionen auf die Fed-Zinsentscheidung

Deutsche Bank - Chefvolkswirt David Folkerts-Landau

"Die heutige Entscheidung der Fed, die Zinsen zum ersten Mal seit fast zehn Jahren zu erhöhen, ist ein historischer Moment. Die Zinsanhebung markiert das offizielle Ende der globalen Finanzkrise für die USA und bildet den Auftakt zu einer Normalisierung der amerikanischen Geldpolitik.

Dieser Schritt wurde allgemein erwartet. Vor dem Hintergrund, dass auf dem US-Arbeitsmarkt nahezu Vollbeschäftigung herrscht und im kommenden Jahr ein Anstieg der Inflation erwartet wird, war eine Anhebung der Zinsen längst überfällig. Diejenigen, die die Zinsanpassung kritisch sehen, lassen außer Acht, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen durchaus Zinssätze zwischen zwei und drei Prozent und eine Fed-Bilanz ohne Überschussreserven rechtfertigen - eine Zinspolitik, die weit entfernt vom Krisenmodus ist, der selbst heute noch dominiert."

Dekabank - Chefvolkswirt Ulrich Kater

"Ein kleiner Schritt für die Fed, aber ein großer für das Finanzsystem. Zwei Botschaften verbinden sich mit der Zinswende. Zum ersten begräbt damit die Fed symbolisch die Finanz- und Bankenkrise von 2008. Und zum zweiten schürt diese Zinswende die Hoffnung, dass auch in Euro-Land eine Umkehr bei den Zinsen irgendwann möglich ist, selbst wenn dies noch zwei oder drei Jahre hin sein sollte."

KfW - Chefvolkswirt Jörg Zeuner

"Wir sind auf dem Weg in die Normalität. Die US-Konjunktur läuft solide, der Arbeitsmarkt hat Vollbeschäftigung erreicht und die Kerninflation ist jetzt schon hoch genug, um mit dem Zinserhöhungszyklus zu starten. Mit dem Zinsschritt beginnt die Fed, Handlungsspielraum für neue Herausforderungen zurückzugewinnen. Denn ein langfristig starker Dollar und ein dauerhaft niedriger Ölpreis bringen durchaus Schwierigkeiten für die US-Wirtschaft."

Münchener Rück - Chefvolkswirt Michael Menhart

"Mit der Zinsentscheidung der Fed ist der lange erwartete Einstieg in eine restriktivere Geldpolitik da. Für nächstes Jahr ist mit weiteren Zinsschritten zu rechnen. Gleichwohl wird die US-Zentralbank unter den Notenbanken der großen Volkswirtschaften wohl erst mal alleine bleiben - die EZB hat ja jüngst sogar ihre expansive Politik noch zeitlich ausgeweitet. Angesichts der Risiken für die Finanzstabilität wäre eine Abkehr von der Politik des billigen Geldes wünschenswert."

Institut für Weltwirtschaft - Stefan Kooths

"Klar ist, dass sich im Zuge der Normalisierung des Zinsniveaus die Preisblasen an Anleihe-, Aktien- und Immobilienmärkten zurückbilden werden. Bei diesem Prozess lauern erhebliche Gefahren eines sprunghaften Verlaufs, nicht zuletzt auch für die Devisenmärkte und die in US-Dollar verschuldeten Schwellenländer. Es nützt aber nichts, aus Furcht davor den Ausstieg aus der ultra-expansiven Zentralbankgeldversorgung immer weiter hinauszuzögern. Je länger die künstlich niedrigen Zinsen bestehen bleiben, umso mehr Verzerrungen entstehen und desto schmerzhafter würde eine noch spätere Korrektur. Von einer Normalisierung ist die US-Geldpolitik immer noch meilenweit entfernt. Entscheidend wird jetzt sein, wann die Marktteilnehmer den nächsten Schritt erwarten."

GDV (Versicherungsverband) - Chefvolkswirt Klaus Wiener

"Die erste Straffung der US-Leitzinsen seit dem Jahr 2006 markiert sicher einen historischen Wendepunkt, das allgemeine Zinsniveau wird sich dadurch aber kaum ändern. Für die EZB hat der Zinsentscheid der Fed keine Signalwirkung – dazu sind auch die konjunkturellen Rahmenbedingungen zu unterschiedlich. Die Kapitalmarktzinsen im Euroraum werden wohl noch für sehr lange Zeit auf ihrem extrem niedrigen Niveau verharren."

Im Fokus stand zum Wochenausklang vor allem der große Verfallstag an den Börsen, der so genannte Hexensabbat. Zu diesem Termin verfallen die Optionen auf Indizes sowie auf einzelne Aktien und die Index-Futures. Das besondere dieses Mal: Sowohl in den USA als auch in Europa kam es zum Kontraktverfall. Weil Investoren die Preise derjenigen Wertpapiere, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung bewegen wollen, steigen die Umsätze üblicherweise an. Zudem können die Kurse einzelner Papiere stark schwanken. Beispielhaft für die Turbulenzen war der deutlich Abwärtssog nach Festsetzung der Verfallskurse.

Durch die Bank weg zeigte das europäische Parkett rote Kurstafeln. Der wichtige Euro-Stoxx-50 verlor als Leitindex der Währungsunion 1.2 Prozent auf 3266 Punkte. Ähnlich das Bild in der zweiten Frankfurter Reihe: Der MDax gab 0,9 Prozent nach auf 20.672 Stellen, der TecDax fiel um 0,2 Prozent auf 1816 Punkte.

An den Rohstoffbörsen konnten sich die richtungsweisenden Öl-Marken Brent und WTI stabilisieren, sie befinden sich aber weiter nahe dem Niveau tiefer Stände von 2008. Die Ersatzwährung Gold erholte sich etwas vom gestrigen Zwei-Prozent-Preisrutsch: Die Feinunze kostete nun 1,2 Hundertstel mehr, also 1054,9 Dollar. Nichtsdestotrotz gehen Experten mittelfristig von einer weiteren Talfahrt des Edelmetalls aus. Die beiden Hauptgründe: Die US-Zinswende treibt den Dollar-Kurs nach oben, der Gold außerhalb der USA unattraktiv in der Beschaffung macht. Und gleichzeitig steigen mit der Erhöhung der Leitzinsen die Inflationsaussichten – damit lohnt sich der sichere Hafen Gold als Schutz gegen die Preisniveau-Steigerung immer weniger.

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