Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.08.2016

17:42 Uhr

Börse Frankfurt

Dax legt Atempause ein

Vondpa

Das deutsche Börsenbarometer ist in den vergangenen Tagen grandios gelaufen und hat am Mittwoch zwischenzeitlich ein neues Jahreshoch erreicht. Doch am heutigen Handelstag kehrte am Markt insgesamt wieder etwas Ruhe ein.

Börse am Abend

Verkalkuliert: E.on muss weiterhin mit Verlusten rechnen

Börse am Abend: Verkalkuliert: E.on muss weiterhin mit Verlusten rechnen

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

FrankfurtDie Anleger am deutschen Aktienmarkt haben sich am Mittwoch nach dem jüngsten Kurssprung zurückgehalten. Der Dax schaffte am Morgen zwar noch knapp den Sprung auf ein bisheriges Jahreshoch bei 10 708 Punkten. Zum Handelsschluss notierte er aber bei 10.650 Punkten und damit 0,39 Prozent unter seinem Vortagesschluss. Der deutsche Leitindex sei nach seiner Rally heiß gelaufen und anfällig für einen Rückschlag, sagte Chartexperte Franz-Georg Wenner vom Börsenstatistik-Magazin Index-Radar. Der grundlegende Trend habe sich aber verbessert.

Der Markt müsse „seine Gewinne heute zunächst einmal verdauen, zumal die Vorgaben aus den USA und Asien keine Impulse liefern“, schrieb Analystin Antje Laschewski von der LBBW in einem Kommentar. Laschewski verwies in diesem Zusammenhang auch auf den Ölpreis, der wieder im Minus lag.

Jüngst hatte die Billiggeldflut der Notenbanken die Laune der Anleger wieder deutlich aufgehellt. Alleine am Dienstag war der Dax um zweieinhalb Prozent gestiegen und hatte damit seine bisherigen Verluste im Jahr abgeschüttelt. Sorgen um die Weltwirtschaft und die Folgen der Brexit-Entscheidung der Briten scheinen wie weggeblasen.

Die besten Anlagen im ersten Halbjahr 2016

Aktien USA

Zu Jahresbeginn ging es auch für die großen US-Aktienindizes kräftig nach unten, später erholten sich die Börsen jedoch - anders als in Europa wieder deutlich - und steuerten sogar auf neue Jahreshochs zu. Der Brexit verhagelte auch US-Anlegern die Stimmung. Dennoch liegt Leitindex Dow Jones auf Halbjahressicht 2,9 Prozent im Plus. Für Euro-Anleger ist der Gewinn etwas geringer, aus 100.000 investierten Euro wurden für sie aber immerhin 100.720 Euro.

Aktien Schwellenländer

Die Aktien der Schwellenländer haben sich insgesamt von ihrem Absturz des vergangenen Jahres erholt als der MSCI Index für Emerging Markets noch um 16 Prozent abgestürzt war. Im ersten Halbjahr 2016 legte der auf Dollar lautende Index gut fünf Prozent zu. In Euro gerechnet blieb ein Plus von 3,07 Prozent – aus 100.000 Euro machten Anleger 103.070 Euro.

US-Staatsanleihen

Die Unsicherheit der Investoren hat US-Staatsanleihen Zulauf beschwert Dazu kommt, dass Investoren inzwischen nicht mehr daran glauben, dass die US-Notenbank Fed ihren im Dezember vergangenen Jahres ganz vorsichtig eingeleiteten Zyklus der Leitzinserhöhungen fortsetzt. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in US-Staatsanleihen gesteckt hat, hat jetzt 103.320 Euro.

Euro-Unternehmensanleihen

Seit Juni kauft die Europäische Zentralbank (EZB) Euro-Anleihen von Unternehmen abseits der Bankbranche mit guter Bonität. Die Käufe beziehungsweise schon vorher die Erwartung der EZB als neuen großen Investor trieben die Kurse. Gemessen am Index der Bank of America Merrill Lynch verdienten Anleger mit den Firmenbonds 5.350 Euro, wenn sie im Januar 100.000 Euro investierten.

Deutsche Staatsanleihen

Bundesanleihen sorgten im ersten Halbjahr für viel Aufsehen. Die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank, die Niedrigzinsen und die Unsicherheit der Anleger über die wirtschaftliche Entwicklung bescherten den deutschen Staatsanleihen regen Zulauf. Selbst die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe rentiert im Minus, am Tag nach dem Brexit-Entscheid fiel sie auf bis zu minus 0,17 Prozent. Für Anleger, die gleich zu Jahresbeginn 100.000 Euro in deutsche Staatsanleihen investierten machten damit Gewinn aus den minimalen Zinsen und den deutlichen Kurssteigerungen von 6.800 Euro.

Anleihen Schwellenländer

Die Anleihen der Schwellenländer haben sich kräftig erholt. Das liegt auch daran, dass die US-Zinswende stockt und die Renditen der US-Staatsanleihen so deutlich gefallen sind. Außerdem haben sich die Fundamentaldaten in vielen Emerging Markets verbessert. Euro-Anleger machten mit auf Dollar lautenden Staatsanleihen gemessen am Index von JP Morgan einen Gewinn von 10.160 Euro, wenn sie am Jahresanfang 100.000 Euro investierten.

Gold

Gold glänzte nach einer fünfjährigen Talfahrt wieder. Zum einen sorgte die Unsicherheit der Anleger mit Blick auf die Weltwirtschaft für die Flucht in die Krisenwährung Gold. Zum anderen machen die Negativrenditen vieler Staatsanleihen in der Euro-Zone und in Japan Gold als Anlage erneut attraktiver. Allein im Juni stieg der Goldpreis um 8,5 Prozent. So stark ist er in einem Juni zuletzt im Jahr 1980 gestiegen. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in Gold investierte hat nach einem halben Jahr 122.860 Euro.

Öl

Der Ölpreis fiel zwar bis Ende Januar auf ein Zwölfjahrestief von rund 27 Dollar, setzte dann aber zu einer Rally an und kostet aktuell rund 50 Dollar. „Das liegt vor allem, dass die USA deutlich weniger Öl produzieren“, erklärt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. In Euro gerechnet wurden aus 100.000 am Ölmarkt investierten Euro auf 130.450 Euro.

Sojabohnen

Auftrieb gab es auch bei vielen Agrarrohstoffen, die ebenfalls ihre jahrelange Talfahrt stoppten. Hauptgründe dafür waren Dürren und extreme Wetterlagen, die teils die Ernte bedrohen. Allen voran stieg der in Dollar notierte Preis für Sojabohnen um fast 35 Prozent. Aus 100.000 in den Agrarrohstoff investierten Euro wurden so im ersten Halbjahr 131.800 Euro.

Aktien Peru

Die Börse in Peru ist als Überraschungsaufsteiger weit nach vorne gerückt, nachdem die Kurse zuvor fast vier Jahre stetig gefallen waren. Aus 100.000 an der Börse in Lima investierten Euro wurden in diesem Jahr bislang 142.990 Euro. Die US-Bank Goldman Sachs sieht Peru „makrookönomisch in optimaler Verfassung“ mit zunehmenden Wirtschaftswachstum und sinkender Inflation. Allerdings sind die Umsätze an der Börse gering, und dort sind nur wenige Werte notiert.

Aktien Brasilien

Der brasilianische Bovespa-Index legte in den ersten sechs Monaten des Jahres zweistellig zu, nachdem er im Januar noch auf ein Siebenjahrestief gefallen war. Da auch der zuvor unter die Räder gekommene Real deutlich aufwertete machten Anleger die 100.000 Euro in Brasiliens Leitindex investiert haben, daraus im ersten Halbjahr 143.420 Euro. Besser schnitt keine andere Anlage ab. Dabei setzen Anleger nach der Ablösung von Präsidentin Dilma Rousseff auf ein Ende des politischen Stillstands und auf Reformen. Aber: Brasilien steckt nach wie vor in der Rezession, als wirtschaftlich gerechtfertigt, gilt der Börsenaufschwung in dieser Form nicht.

Schlussstand für alle Werte: 30.06.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Der ebenfalls zuletzt gut gelaufene Index der mittelgroßen Unternehmen MDax legte zur Wochenmitte 0,28 Prozent auf 21.636 Zähler zu, der Technologiewerte-Index TecDax hielt sich unverändert bei 1728 Punkten. Der Eurozonen-Leitindex Euro Stoxx 50 verlor 0,4 Prozent.

Auf der Unternehmensseite geht derweil die Quartalsberichtssaison weiter. Der Energiekonzern Eon wartet trotz seines radikalen Umbaus weiter auf eine Trendwende. Die Papiere purzelten als abgeschlagenes Schlusslicht im Dax um mehr als acht Prozent nach unten. Am MDax-Ende rutschten die Aktien des Stahlkochers Salzgitter nach der Vorlage der jüngsten Geschäftszahlen um 6,5 Prozent ab.

Beim Industriedienstleister Bilfinger hoffen die Anleger nach der Vorlage der Resultate für das zweite Quartal derweil auf wieder bessere Zeiten. Der Verlust ist geringer geworden. Die Bilfinger-Aktien gewannen 2,3 Prozent und gehörten damit zu den stärksten Werten im MDax. Mit Blick auf den bisherigen Jahresverlauf blieben sie aber das Schlusslicht.

Gut schnitten die Anteile der Leoni AG mit 1,8 Prozent Aufschlag ab. Der Auto-Zulieferer hatte seinen Ausblick bestätigt. Mit der Grammer AG hatte ein anderes Unternehmen der Branche seinen Ausblick sogar angehoben, was mit 2,9 Prozent Plus honoriert wurde.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von minus 0,21 Prozent am Vortag auf minus 0,24 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,08 Prozent auf 144,30 Punkte. Der Bund-Future rückte um 0,24 Prozent auf 167,95 Zähler vor. Der Kurs des Euro stieg auf 1,1187 US-Dollar. Ein Dollar kostete damit 0,8934 Euro. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs tags zuvor auf 1,1078 Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,9027 Euro.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×