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22.10.2013

17:57 Uhr

Börse Frankfurt

Dax legt irre Rekordjagd hin

An den Aktienmärkten feiern die Anleger immer neue Allzeithochs. Der Dax ist nicht aufzuhalten. Mit ordentlichem Rückenwind aus den USA scheiterte er heute nur knapp an der 9000-Punkte-Marke.

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FrankfurtFast hätte es geklappt. Nur zwölf Punkte trennten den Dax von der 9000-Punkte-Marke. Erst zu Handelsschluss vermehrten sich dann die Gewinnmitnahmen – nicht verwunderlich angesichts der unglaublichen Hatz nach neuen Rekorden am Nachmittag. Am Ende ging des Deutsche Aktienindex mit einem Plus von immerhin 0,9 Prozent auf 8947 Punkten und damit abermals mit dem höchsten Schlusskurs aller Zeiten aus dem Handel.

Die zweite Reihe konnte mit dem Dax nicht mithalten. Dennoch schloss auch der MDax mit einem Plus von 0,1 Prozent bei 15.810 Zählern so hoch wie nie zuvor. Der TecDax beendete den Dienstag 0,4 Prozent im Plus auf 1123 Punkten.

Auslöser des Kursfeuerwerks war der US-Arbeitsmarktbericht. Der wurde aufgrund des „government shutdown“ zwar verspätet veröffentlicht, hatte dafür aber einiges an Sprengstoff für die Börsen parat. Denn entgegen der Prognosen wurden im September weit weniger Stellen geschaffen als erwartet. Außerhalb der Landwirtschaft belief sich die Zahl auf 148.000. Volkswirte hatten mit mindestens 180.000 neuen Stellen gerechnet.

„Der Stillstand von Teilen der Regierung hat der Wirtschaft einen Extra-Dämpfer verpasst“, sagte Robert Dye vom Finanzdienstleister Comerica. Ökonomen befürchten daher, dass der Oktober wegen negativer Folgen des gerade erst vertagten Haushaltsstreits in den USA ebenfalls nicht berauschend ausfallen dürfte. Die Veröffentlichung des nächsten Arbeitsmarktberichts ist auf den 8. November angesetzt.

Was auf dem ersten Blick eigentlich wie eine schlechte Nachrichte aussieht, ist für die Finanzwelt ein Grund zum Feiern. Denn die ansonsten gültige Wirtschaftslogik wird von der Fed seit längerem ausgehebelt. Schlechte Realdaten, zu denen die miesen Jobdaten zählen, lassen die Börsenwelt hoffen, dass die Federal Reserve ihr umfangreiches Anleihekaufprogramm fortsetzen wird. Die schwachen Zahlen dürften die Möglichkeiten der Fed, ihre Geldpolitik baldmöglichst zu drosseln, sehr einschränken. Den Investoren dürfte klar sein, dass die Fed die US-Wirtschaft erst einmal weiter unterstützen wird, urteilte Rainer Sartoris von HSBC-Trinkaus.

So beeinflussen die USA die weltweiten Börsen

Warum steigen die Börsenkurse trotz des US-Haushaltsstreits?

Erstmals in seiner 25-jährigen Geschichte knackte der Dax in dieser Woche die Marke von 8800 Punkten, auch an anderen Aktienmärkten ging es nach oben. Getrieben wurden die Kurse von der Hoffnung der Anleger, dass im Haushaltspoker in Washington noch eine Lösung gefunden wird. Doch das ist nicht der einzige Grund.

Was bewegt die Börsen sonst noch?

Die Notenbanken fluten die Märkte mit extrem billigem Geld, damit soll die Konjunktur angeregt werden. Die Hoffnung auf Kursgewinne und Dividenden in Zeiten extrem niedriger Zinsen locken Investoren seit Monaten an den Aktienmarkt. „Die Finanzmarktexperten bleiben optimistisch. Ein größerer Einfluss des Streits über die Schuldenobergrenze in den USA ist derzeit nicht sichtbar“, sagt ZEW-Präsident Clemens Fuest. Zudem sorgt der Beginn der Berichtssaison mit guten Zahlen einiger US-Konzerne für Lichtblicke.

Wie lange pumpen die Notenbanken noch billiges Geld in den Markt?

Ein rascher Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik ist angesichts der schwachen Konjunktur weder bei der US-Notenbank Fed noch bei der Europäischen Zentralbank wahrscheinlich. Im Gegenteil: Die EZB hatte klar gemacht, dass sie den Geldhahn so schnell nicht zudrehen wird.

Hatte die Fed nicht die Drosselung ihrer Anleihenkäufe angekündigt?

Notenbankchef Ben Bernanke hatte im Juni in Aussicht gestellt, die Anleihenkäufe noch in diesem Jahr zurückzufahren und Mitte 2014 eventuell auslaufen zu lassen - vorausgesetzt, die Konjunktur zieht an. Doch die Fed kauft weiter jeden Monat Anleihen im Wert von 85 Milliarden Dollar (63,6 Milliarden Euro). Da Etatstreit und Verwaltungsstillstand das Wachstum bremsen dürften, könnte der Einstieg in den Ausstieg auch in den USA noch auf sich warten lassen. „Wenn die Etatschlacht Wirtschaft und Finanzmärkte zu hart trifft, dürfte die Drosselung der Anleihenkäufe auf März verschoben werden“, schätzt Unicredit-Ökonomin Chiara Silvestre.

Was passiert, wenn es keine Einigung gibt?

Je länger die Hängepartie dauert, umso nervöser dürften die Märkte werden. Sobald ernsthafte Zweifel an der Zahlungsfähigkeit der USA aufkämen, sei mit schwersten Erschütterungen zu rechnen, sagen Experten. Ökonom Brian Horrigan von Natixis Global Asset Management warnt vor einem Absturz: „Die Kombination aus einer Panik im Finanzsektor mit plötzlichen, tiefen Einschnitten bei den Staatsausgaben und steigender Unsicherheit könnten leicht zu einer Rezession führen.“ Die Ratingagentur Fitch droht den USA mit dem Verlust ihres Spitzenratings. Fitch fürchtet, dass die Regierung ihre Angestellten im schlimmsten Fall nicht mehr bezahlen kann und Sozialleistungen ausbleiben: „All das würde die Wahrnehmung der US-Kreditwürdigkeit sowie die Wirtschaft beschädigen.“ Für die Ratingexperten wäre aber am schlimmsten, wenn das Vertrauen in das System und in den Dollar als weltweite Reservewährung verloren ginge.

Wie lange kann die Hängepartie dauern?

An diesem Donnerstag ist die Schuldengrenze erreicht: Wenn sich die politischen Lager nicht auf eine Anhebung verständigen, dürfen sich die Vereinigten Staaten kein neues Geld mehr am Kapitalmarkt leihen. Mit dem Stichtag ist aber nicht automatisch Schluss: Dem Staat bleiben dann noch rund 30 Milliarden Dollar an Barreserven, um seine Verpflichtungen zu erfüllen. Das ist allerdings zu wenig, um zum Beispiel bald anstehende 60 Milliarden Dollar an Rentenzahlungen zu leisten. Ohne neue Kredite würde es danach richtig ernst, auch um die Zinsen und Tilgungen für US-Staatspapiere zu zahlen.

Ist bei einer Einigung alles im Lot ?

Das Image der USA als Weltmacht ist bereits angekratzt. Die Streitereien untergraben das Vertrauen in das Funktionieren des politischen Systems. Hinzu kommen ökonomische Folgen. „Untersuchungen zeigen, dass die Konjunktur durch einen Anstieg der politischen Unsicherheit zumindest vorübergehend erheblich gedämpft werden kann“, erklärt Ökonom Nils Jannsen vom Institut für Weltwirtschaft (IfW). Unternehmen hielten sich mit Investitionen zurück, Verbraucher zögerten größeren Anschaffungen hinaus. Erste Ökonomen haben bereits ihre Prognosen für die weltgrößte Volkswirtschaft gesenkt.

Was bedeutet das für die Anleger?

Die Börsen sind nervös. Am Dienstag sorgte die Hoffnung auf eine Einigung im Haushaltsstreit für einen Höhenflug. Doch die Luft ist dünn. Weil sich der Poker am Mittwoch hinzog, erstarrten die Börsianer wie das Kaninchen vor der Schlange. Privatanleger sollten sich derzeit also gut überlegen, ob sie ein- oder aussteigen wollen. Doch alternative Anlagen sind weiter unattraktiv. Das Sparbuch wirft so gut wie nichts mehr ab, Staatsanleihen von Ländern mit guter Bonität wie Deutschland bringen mickrige Erträge, meist unter der Inflationsrate.

„Hinsichtlich der Beschäftigungsentwicklung ist in den vergangenen Monaten eine nachlassende Dynamik zu verzeichnen“, schrieb Volkswirt Thilo Heidrich von der Postbank in einem Kommentar. „Vor diesem Hintergrund ist es mehr als fraglich, ob die Fed noch in diesem Jahr mit dem 'Tapering' beginnt.“

Das Fed-Führungsmitglied Charles Evans hat bereits signalisiert, dass die Notenbank nächste Woche noch nicht mit dem Drosseln der Konjunkturhilfen beginnen kann. Es werde Monate dauern, um sich nach dem vertagten Haushaltszwist ein Bild von der Konjunktur zu machen.

Interessant am ganzen Trubel um die Arbeitsmarktdaten und die US-Notenbank war allerdings, dass der Dax schon vor Veröffentlichung der neuesten US-Arbeitszahlen deutlicher ins Plus stieg und die Schwelle zur 8900-Punkte-Marke durchbrach. Dieses „Phänomen“ kann eigentlich nur auf Spekulationen zurückgeführt werden. Scheinbar sind einige Investoren das Risiko eingegangen schon vorher in die Aktienmärkte einzusteigen, da sie auf schlechte Daten aus den USA spekuliert haben. Anhand der Umsätze konnte beobachtet werden, dass die Handelsaktivität etwa zehn Minuten vor bekanntwerden der US-Zahlen für einen kurzen Zeitraum deutlich zugelegt hat.

Kommentare (33)

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Tipp_an_den_UPschaum

22.10.2013, 08:02 Uhr

So, gestern All-in gegangen, denn am Dienstag geht`s endlich UPwärts...

Ich-bin-besser-als-der-Markt

22.10.2013, 08:08 Uhr

Und heute ordentlich PUTenfleisch auf dem Teller! Die Maschinen laufen weiter!

Gramsci

22.10.2013, 08:15 Uhr

Für die, die sich auch für das richtige Leben interessieren

www.focus.de/kultur/kino_tv/bauer-sucht-frau-2013-warum-die-erste-lesbische-baeuerin-schoen-sein-muss_aid_1135277.html

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