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11.03.2016

17:58 Uhr

Börse Frankfurt

Dax legt mehr als drei Prozent zu

VonIlias Stampoulis

Nach dem hitzigen Donnerstag, der ganz im Zeichen der EZB-Geldflut stand, kühlen sich die Gemüter ab. Anleger kehrten heute zurück aufs Parkett und scheinen Draghis Bazooka doch zu feiern. Die Verluste sind Geschichte.

Börse am Abend

Dax steigt massiv zum Wochenende

Börse am Abend: Dax steigt massiv zum Wochenende

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Frankfurt/DüsseldorfMit einiger Verspätung haben die Anleger Mario Draghi doch noch gefeiert. Sie kehrten zum Wochenausklang massenhaft auf das Parkett zurück. Dem Anschein nach hielten sie den gestrigen Ausverkauf für überzogen: Nachdem Mario Draghi und der EZB-Rat mit gleich mehreren Maßnahmen grünes Licht für eine beispiellose Geldschwemme gegeben hatten, preschte der Dax bis ganz knapp vor die 10.000-Punkte-Marke, ehe er völlig einbrach und ganze 500 Punkte verlor.

Genau diese Punkte holten sich der deutsche Leitindex am Freitag früh zurück. Und mehr als das. Das wichtigste Börsenbarometer der Bundesrepublik schloss 3,5 Prozent im Plus und mit 9831 Punkten. Damit steht der Dax ungefähr da, wo er bereits die Vorwoche beendet hatte. Vergangen Freitag schloss er den Handel auf 9824 Punkten.

Konjunkturdaten aus der ersten Reihe standen am Freitag an. So konnten sich die europäischen Börsen ganz der Abarbeitung des gestrigen Handels widmen, der wahrlich turbulent war.

Beschlüsse der EZB am 10. März 2016

Niedrigerer Leitzins

Die EZB senkt den Leitzins von 0,05 auf 0,00 Prozent. Der Schritt selbst hat wenig direkte Auswirkungen. Hierbei geht es vor allem um das damit verbundene Signal, dass die EZB entschlossen handelt.

Höherer Strafzins

Die EZB senkt den Einlagenzins im Euro-Raum von minus 0,3 auf 0,4 Prozent. Das heißt: Banken, die über Nacht Geld bei der EZB parken, zahlen dafür eine noch höhere Strafe. Damit will die Notenbank die Geldhäuser dazu animieren, mehr Kredite zu vergeben, statt überschüssige Liquidität bei ihr zu horten. Je höher die Strafe, desto stärker der Anreiz, so das Kalkül. Allerdings belastet dies den labilen Bankensektor. Deshalb war im Vorfeld der Ratssitzung auch über eine Staffelung des Einlagezinses diskutiert worden, ähnlich wie in der Schweiz. Dabei würde der negative Einlagenzins erst dann greifen, wenn die bei der Notenbank geparkte Liquidität einer Bank eine bestimmte Obergrenze überschreitet.
Draghi hat sich aber gegen ein solches Modfell entschieden. Dies sei in einer Währungsunion mit sehr unterschiedlichen Banken nur schwer umzusetzen, sagte er.

Mehr Anleihenkäufe

Die EZB weitet das Volumen ihrer monatlichen Anleihekäufe von 60 auf 80 Milliarden Euro aus. Dadurch erhöht sich Gesamtvolumen bis März 2017 um 240 Milliarden auf 1,74 Billionen Euro. Anleihekäufe seien ein Signal, das der Markt versteht, hatte der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding im Vorfeld gesagt.

Dieser Schritt galt aber als durchaus umstritten. Für die Deutsche Bundesbank, die eine weitere Lockerung der Geldpolitik kritisch sieht, ist diese Pille schwerer zu schlucken, als die Senkung des Einlagenzinses. Draghi sagte jedoch, der EZB-Rat habe die Maßnahmen mit einer „überwältigenden Mehrheit“ beschlossen. Durch das höhere Volumen stößt die EZB bei ihren Käufen schneller an Grenzen: Ihren selbst auferlegten Regeln zufolge darf sie keine Bonds kaufen, deren Zinsen unter dem Einlagesatz liegen (jetzt minus 0,4 Prozent). Und sie darf auch nicht mehr als 33 Prozent der ausstehenden Anleiheschulden eines Landes erwerben.

Bei Anleihen von internationalen Organisationen oder Entwicklungsbanken wie der Europäischen Investitionsbank (EIB) weitet sie dieses Limit nun auf 50 Prozent der ausstehenden Anleihen aus.

Firmenanleihen

Um Knappheit zu verhindern, weitet die EZB außerdem die Auswahl der von ihr gekauften Anleihen aus. Im Dezember hat sie das Sortiment bereits um Anleihen von Regionen und Kommunen im Euro-Raum erweitert. Nun kauft sie außerdem auch von in Euro notierenden Unternehmensanleihen mit gutem Rating (Investment Grade).

Kredite zum Traumtarif

Die EZB weitet ihr Programm aus, mit dem sie Banken zu sehr günstigen Konditionen langfristig Geld leiht, wenn sie mehr Kredite vergeben. Ab Juni sollen vier spezielle Kreditlinien – im Fachjargon TLTRO II genannt – für die Finanzinstitute mit einer Laufzeit von vier Jahren aufgelegt werden. Die Kosten orientierten sich am Einlagenzins, den die EZB jetzt auf minus 0,4 Prozent gesenkt hat. Banken können also Geld damit verdienen, sich Geld zu leihen.

Bereits seit 2014 bieten die Währungshüter gezielte Geldspritzen an. Sie sollen Geschäftsbanken dazu bewegen, mehr Kredite an Firmen zu vergeben. Allerdings brauchen viele Banken gar nicht mehr Liquidität. Dies hilft deshalb wohl lediglich einigen angeschlagenen Instituten.

Für die gestrige überraschende Kehrtwende samt Absturz waren zwei Gründe maßgeblich: Zum einen hatte EZB-Präsident Mario Draghi auf der Pressekonferenz nach der Verkündigung der Maßnahmen, die das Kursfeuerwerk kurz vorher entfacht hatten, betont, dass es nun keine Gründe mehr gebe, die Zinsen noch weiter zu senken. Damit sorgte er für große Ernüchterung auf den Märkten und der Rausch klang abrupt ab. Was übrig blieb, war die große Frage nach dem weiteren Weg. Denn die geldpolitischen Mittel der Euro-Währungshüter im Kampf für eine Zwei-Prozent-Inflation und eine brummende Konjunktur wirken ausgeschöpft. Das weitere Handelsgeschehen hängt maßgeblich davon ab, ob die Anleger Mario Draghi weiterhin vertrauen.

Zum anderen hatten in den USA starke Arbeitsmarktdaten die Börsianer überrascht. Damit wird eine mögliche Zinserhöhung der amerikanischen Notenbank Federal Reserve auf der nächsten Sitzung des zuständigen Offenmarktauschusses weiter wahrscheinlicher, was vor noch einem Monat angesichts heftiger Finanzmarktturbulenzen nahezu als ausgeschlossen galt, hörte man sich auf dem Parkett um. So schnell wendet sich das Blatt; und damit aber auch die Sorge, dass der nächste Schritt in der im Dezember eingeschlagenen US-Zinswende die Konjunktur gefährden könnte.

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Dass die meisten Akteure nun auf die nächste Erhöhung der Leitzinsen in den Vereinigten Staaten spekulieren, offenbarte ein Blick auf den Devisenmarkt. Dort legte der Euro am Donnerstag die historisch stärkste Trendwende innerhalb eines Tages hin und gewann gegenüber dem Dollar ganze anderthalb Prozent – und das obwohl kurz vorher Mario Draghi nicht nur eine massive Ausweitung der monatlichen Anleihekäufe und eine Erhöhung des Strafzinses, dem negativen Einlagenzins für Geschäftsbanken, verkündete hatte, sondern auch die faktische Abschaffung des Leitzinses ausrief und eine gigantische neue Vierjahreskreditlinie für Geldinstitute bereitstellte. Auch hier schien sich der Markt am Freitag wieder abzukühlen. Zuletzt notierte der Euro 0,6 Prozent leichter bei 1,1107 Dollar.

Durch die Bank weg beruhigten sich die Handelsplätze in Europa zum Wochenende hin und machten die herben Vortagsverluste bis zum Vormittag nahezu vollständig wett. Der Leitindex der Währungsunion, der Euro-Stoxx-50, rückte 3,4 Prozent vor auf 3.071 Punkte. Auch die zweite Frankfurter Reihe meldete sich zurück. Der MDax notierte 3,4 Prozent höher bei 19.815 Zählern, der TecDax stieg um 3,3 Prozent auf 1619 Stellen.

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