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13.07.2017

17:47 Uhr

Börse Frankfurt

Dax legt Verschnaufpause ein

Dem deutschen Leitindex fehlte am heutigen Handelstag die Kraft für weitere Gewinne. Neben der Ausweitung der Abgasaffäre belastete eine steigende Anleihenrendite den Aktienmarkt.

Börse am Abend

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Börse am Abend: Metro wächst, Daimler zerbröckelt

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FrankfurtNach den kräftigen Kursgewinnen vom Mittwoch haben die Börsen in Europa eine Verschnaufpause eingelegt. Anleger waren am Donnerstag hin- und hergerissen zwischen der Aussicht auf langfristig niedrig bleibende Zinsen, was Aktien generell attraktiv macht, und der Ausweitung der Diesel-Affäre.

Zudem spekulierten sie auf einen strikteren Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB) und warfen erneut Staatsanleihen aus ihren Depots. Der Dax gab deshalb seine im Tagesverlauf erzielten Gewinne größtenteils wieder ab und und schloss mit einem Plus von 0,1 Prozent 12.641 Punkten. Besser als der Dax schlugen sich am Donnerstag die anderen Indizes: Für den MDax der mittelgroßen Unternehmen ging es um 0,5 Prozent auf 25 078 Punkte hoch. Der Technologiewerte-Index TecDax gewann 0,6 Prozent auf 2289 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex Euro Stoxx 50 stieg um 0,3 Prozent auf 3527 Punkte.

Wie Deutsche ihr Vermögen verteilen – und welche Folgen dies hat

Wo steckt das viele Geld?

Sparbuch und Co. werfen wegen der Zinsflaute kaum noch etwas ab, zugleich nagen die Niedrigzinsen an der Rendite von privaten Renten- und Lebensversicherungen. Dennoch liegt das Geld vor allem auf Girokonten, es steckt in Sparbüchern oder Lebensversicherung. Der größte Posten waren der Bundesbank zufolge Ende vergangenen Jahres Bargeld, Geld auf Girokonten oder Spareinlagen mit insgesamt 2.200 Milliarden Euro. Weitere 2.113 Milliarden Euro steckten in Versicherungen und Pensionseinrichtungen. 2016 hatten einer GfK-Umfrage zufolge 40 Prozent der Bundesbürger ihr Geld auf einem Sparbuch angelegt – wohlwissend, dass es sich um eine unattraktive Form der Geldanlage handelt.

Was ist mit Aktien?

Die meisten Menschen in Deutschland meiden Aktien nach wie vor. Die Zahl der Aktienbesitzer in Deutschland sank im vergangenen Jahr sogar wieder unter die Marke von neun Millionen. „Die Deutschen sind eben leider immer noch kein Volk der Anleger, sondern ein Volk der Sparer - daran hat selbst die anhaltende Niedrigzinsphase bis heute nichts ändern können“, meint der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler.

Welche Folgen hat das?

Sparer verzichten nicht nur auf Gewinne durch steigende Börsenkurse, sondern auch auf Dividenden. Nach Berechnungen von Aktionärsvertretern schütten allein die 30 Börsenschwergewichte im Leitindex Dax in diesem Jahr die Rekordsumme von 31,6 Milliarden Euro an ihre Anteilseigner aus. Die Gewinnbeteiligung bei 640 untersuchten Aktiengesellschaften steigt im Vergleich zum Vorjahr um rund 9 Prozent auf die Bestmarke von insgesamt 46,3 Milliarden Euro.

Sind Aktien immer eine gute Wahl?

Nicht unbedingt. Zwar gelten die Anteilsscheine langfristig als lukrative Geldanlage. Wer beispielsweise Ende 1995 Aktien kaufte und bis Ende 2010 hielt, habe in diesem Zeitraum im Schnitt 7,8 Prozent Rendite pro Jahr erzielt, rechnet das Deutsche Aktieninstitut (DAI) vor. Doch nicht jede Aktie zahlt sich aus - wie die DSW-Liste der 50 „größten Kapitalvernichter“ zeigt. Wer dort investierte, musste herbe Kursverluste hinnehmen, „die durch die Dividendenzahlungen meist nicht ansatzweise kompensiert werden konnten“, wie Tüngler erläutert.

Wie ist der Reichtum verteilt?

Darüber gibt die Analyse der Bundesbank keine Auskunft. Der aktuelle Armut- und Reichtumsbericht der Bundesregierung kommt aber zu dem Ergebnis, dass die reichsten zehn Prozent der Haushalte mehr als die Hälfte des gesamten Netto-Vermögens besitzen. „Die untere Hälfte nur ein Prozent“, erläuterte Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) jüngst. Von dem seit Jahren anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland profitieren danach vor allem die Reichen. „Die unteren 40 Prozent der Beschäftigten haben 2015 real weniger verdient als Mitte der 90er Jahre“, so die Ministerin.

US-Notenbankchefin Janet Yellen hatte zuvor mit ihrem behutsamen Zinserhöhungskurs noch für Kauflaune gesorgt. Am Mittwoch war der Dax wegen ihrer Aussagen bereits um 1,5 Prozent gestiegen. „Die Tatsache, dass es die Fed offenbar langsam angehen lassen will, wird vom Aktienmarkt als gutes Zeichen aufgefasst“, sagte Rabobank-Analyst Bas Van Geffen.

Die Fed erwartet laut Yellen, dass die US-Konjunktur behutsame Zinsanhebungen verträgt und die Wirtschaft in den nächsten Jahren wie bisher mit moderater Geschwindigkeit wachsen wird. Börsianer interpretierten das dahingehend, dass 2017 und 2018 insgesamt nur drei Erhöhungen anstehen. „Die Chefin der amerikanischen Notenbank sieht den natürlich Zins offenbar weit unter dem Normalmaß der vergangenen Jahrzehnte“, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Londoner Brokerhaus CMC Markets. „Das könnte bedeuten, dass die Zinsen auch in Deutschland nie wieder so hoch sein werden, wie man das aus der Vergangenheit gewohnt war.“

Ein Bericht des „Wall Street Journal“ trübte aber die Freude der Investoren. Der Zeitung zufolge will die EZB wahrscheinlich auf ihrer Zinssitzung am 7. September signalisieren, dass das Anleihen-Kaufprogramm nächstes Jahr graduell zurückgeschraubt werden soll. Der Euro zog nach dem Bericht leicht an und die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe legte deutlich zu auf 0,596 Prozent. Das lastete auf dem Aktienmarkt.

Die EZB und die nationalen Notenbanken erwerben seit März 2015 in großem Stil Staatsanleihen und andere Wertpapiere. Bislang ist geplant, dass die Käufe noch mindestens bis Ende dieses Jahres weiterlaufen sollen.

Bei den Einzelwerten richtete sich die Aufmerksamkeit auf Daimler, die 0,5 Prozent verloren und einer der schwächsten Dax-Werte waren. Medienberichten zufolge wird der Stuttgart Autobauer verdächtigt, seit fast einem Jahrzehnt Fahrzeuge mit einem unzulässig hohen Schadstoffausstoß verkauft zu haben. Ganz neu sei das nicht, sagte ein Händler. Aber es klinge jetzt dramatischer und drastischer. Größter Verlierer war Siemens mit einem Minus von 1,9 Prozent.

Im Nebenwerte-Index MDax nahmen die Aktien von Norma Fahrt auf, nachdem der Autozulieferer seine Wachstumsprognose für 2017 erhöht hat. Die Titel schossen um 10,1 Prozent nach oben auf den höchsten Stand seit Dezember 2015.

Auch die Aufspaltung von Metro stand im Fokus. Das Lebensmittelgeschäft mit dem Namen Metro Wholesale & Food verlor nach dem Start bei 20,00 Euro auf noch 18,13 Euro je Anteil kurz vor Handelsschluss, für die Elektroniksparte ging es von anfangs 9,320 Euro auf 9,53 Euro nach oben.

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In London gerieten die Aktien von AstraZeneca mit einem Abschlag von 3,3 Prozent unter die Räder. Laut einem Medienbericht soll Firmenchef Pascal Soriot neuer Vorstandschef des weltgrößten Generika-Herstellers Teva werden.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von 0,35 Prozent am Vortag auf 0,32 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,13 Prozent auf 140,51 Punkte. Der Bund-Future verlor 0,17 Prozent auf 161,13 Punkte. Der Eurokurs stand bei 1,1418 US-Dollar. Am Mittwoch hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,1449 (Dienstag: 1,1405) Dollar festgesetzt.

Von

rtr

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