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04.04.2017

18:19 Uhr

Börse Frankfurt

Dax-Rekordjagd vorerst abgeblasen

Die Jagd nach einem neuen Allzeithoch fällt aus, im Gegenzug machten die Anleger am Dienstag Kasse. Vor allem Auto- und Finanzwerte wurden aus den Depots geworfen. Angesichts der vielen Unsicherheiten stieg der Goldpreis.

Börse am Abend

Keine neue Bestmarke – Dax schließt mit 12.282 Punkten

Börse am Abend: Keine neue Bestmarke – Dax schließt mit 12.282 Punkten

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FrankfurtDax-Anlegern fehlte am Dienstag der Mut für einen neuen Rekordversuch. Grund für die Zurückhaltung seien die politischen und wirtschaftlichen Risiken, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. „Und von beiden gibt es zur Zeit jede Menge.“

Dank einer anziehenden Wall Street schloss der Dax 0,2 Prozent fester bei 12.282,34 Punkten, nachdem er die meiste Zeit des Tages knapp im Minus notiert hatte. Damit lag er rund 110 Zähler unter seinem Rekordhoch vom April 2015. Der EuroStoxx50 gewann 0,3 Prozent auf 3481,66 Stellen. Der Index mittelgroßer Werte MDax stieg am Dienstag um 0,31 Prozent auf 23 969,84 Zähler. Der Technologiewerte-Index TecDax rückte um 0,53 Prozent auf 2045,88 Punkte vor.

Die Basis für eine Fortsetzung der europäischen Aktienrally stehe noch, betonte Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets. „Der Euro ist schwach, Wirtschaftswachstum und Gewinnentwicklung der Unternehmen zeigen aufwärts.“ Die Gemeinschaftswährung kostete mit 1,0665 Dollar rund zweieinhalb US-Cent weniger als zu Beginn der vergangenen Woche.

Kopfschmerzen bereitete Investoren das nahende Treffen von US-Präsident Donald Trump mit dem chinesischen Staatsoberhaupt Xi Jinping. „Trump hat in der vergangenen Woche schon angekündigt, dass das Treffen schwierig werden wird“, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. Der US-Präsident wirft China vor, seine Währung künstlich niedrig zu halten, um die eigene Exportwirtschaft zu stärken. „Ob sich Trump beim Treffen diplomatischer zeigen wird, ist ungewiss.“

Nervös machte Börsianer zudem der Anschlag von St. Petersburg, bei dem am Montag 14 Menschen getötet wurden. Dies setzte die russische Währung unter Druck. Dollar und Euro verteuerten sich zeitweise um jeweils rund ein Prozent auf 56,71 und 60,40 Rubel.

Mit Spannung warteten Börsianer zudem auf die TV-Debatte der französischen Präsidentschaftskandidaten am Abend. Etwa drei Wochen vor der ersten Wahlrunde sind viele Franzosen noch unentschlossen. Umfragen zufolge liegen der unabhängige Kandidat Emmanuel Macron und die Euro-Kritikerin Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National fast gleichauf. „Wir behalten die Umfragen im Auge“, betonte Portfoliomanagerin Jördis Hengelbrock vom Bankhaus Sal. Oppenheim. Sollte Le Pen an Zustimmung gewinnen, rate sie dazu, Geld verstärkt in sichere Anlagen zu stecken.

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Vor diesem Hintergrund stieg der Bund-Future, der auf der zehnjährigen Bundesanleihe basiert, um 38 Ticks auf 162,47 Punkte. Gefragt waren auch italienische Staatsanleihen, nachdem die EU-Kommission eine baldige Lösung im Streit um staatliche Hilfen für zwei kleinere Kriseninstitute des südeuropäischen Landes signalisiert hatte. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Titel auf 2,242 von 2,315 Prozent. „Jede Nachricht, die auf staatliche Hilfen hindeutet, reduziert das Risiko einer schwierigeren Entwicklung, die den Beginn einer Bankenkrise markieren könnte“, sagte Anlagestratege Daniel Lenz von der DZ Bank.

Die Unsicherheit trieb viele Anleger in den sicheren Goldhafen: Gold verteuerte sich um bis zu 0,7 Prozent auf 1261,15 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Dazu trugen auch die Probleme Südafrikas bei. Der Rand wertete den siebten Handelstag in Folge ab, nachdem die Ratingagentur S&P die Kreditwürdigkeit des Landes auf Ramschniveau gesenkt hatte.

Bei den Aktienwerten trennten sich Anleger unter anderem von Autobauern. Der europäische Branchenindex verlor 0,7 Prozent. BMW, Daimler und Volkswagen büßten jeweils etwa ein Prozent ein. Die Autoverkäufe auf dem wichtigen US-Markt blieben im März hinter den Erwartungen zurück. Unter Druck gerieten erneut auch die Finanztitel, allen voran die Aktien der Commerzbank, diese verloren 1,2 Prozent.

Besonders hart gingen die Anleger mit Südzucker ins Gericht: Nach einer Verkaufempfehlung der US-Bank Goldman Sachs fielen die Aktien um 8,2 Prozent. Das ist der größte Tagesverlust seit mehr als einem Jahr. „Vermutlich hängt dieser Kurssturz damit zusammen, dass die Anleger an das Ende der Zuckerquoten-Verordnung erinnert wurden“, sagte ein Börsianer. „Neu ist das aber keineswegs.“ Im Herbst läuft die EU-Zuckermarktordnung aus, Südzucker dürfte danach schärferem Wettbewerb ausgesetzt sein.

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Einige Marktbeobachter rechnen trotzdem damit, dass bald ein neuer Dax-Rekordstand erreicht wird. „Ganz plötzlich sind europäische Aktien zu einem ganz heißen Markt geworden“, sagte Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst von CMC Markets. „Weltweite Fonds verkaufen US-Aktien, um das frei gewordene Kapital in relativ günstig bewertete europäische Titel zu stecken, da sich die politische Lage aufhellt und das Gewinnwachstum stimmt.“

Das Handelsblatt-Dax-Sentiment, eine wöchentliche Umfrage unter mehr als 2400 Anlegern, signalisierte ebenfalls steigende Kurse. „Aus Sicht der Sentimentanalyse spricht nichts gegen ein neues Dax-Allzeithoch“, meinte Börsenexperte Stephan Heibel zusammen. Die Stimmung sei zwar sehr gut, das gilt eher als ein Kontraindikator. Aber dank großer Zukunftsskepsis gebe es noch ausreichend trockenes Pulver am Wegesrand, das den Dax weiter anfeuern kann. „Eine Rally endet in der Regel nicht durch überbordenden Pessimismus, sondern eher durch Euphorie, die auch eine ungewisse Zukunft in rosarote Farben taucht“, erläutert er.

Von

rtr

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