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19.06.2015

17:53 Uhr

Börse Frankfurt

Dax rettet die 11.000 Punkte vor Sondergipfel

Dass die Verhandlungen im griechischen Schuldenstreit von nun an Chefsache sind, ließ die Anleger zunächst hoffen. Doch am Ende obsiegte die Vorsicht, der Dax geht mit moderaten Verlusten in die entscheidende Woche.

Börse am Abend

Anleger halten sich vor Krisengipfel zurück – Dax fällt

Börse am Abend: Anleger halten sich vor Krisengipfel zurück – Dax fällt

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FrankfurtSo ganz ist die Hoffnung noch nicht gestorben. Zumindest hier - auf dem Börsenparkett - schienen die Akteure noch auf eine Einigung im griechischen Schuldenstreit zu glauben - und zu setzen. Zu Beginn dieses wohl letzten Aktes einer episodenreichen, aufwühlenden Tragödie versprühten die Anleger noch einmal Optimismus. Wenn bis zum 30. Juni keine Einigung zwischen Hellas und den Geldgebern zustande kommt, droht die Zahlungsunfähigkeit. Doch von den aktuellen Meldungen um mögliche Grexit-Pläne und Kapitalengpässe griechischer Banken ließen sich die Börsianer lange nicht beirren. Der Dax kletterte teilweise über ein Prozent.

Am späten Nachmittag freilich ging dem Leitindex merklich die Puste aus. Vor der letzten Verhandlungswoche, die am Montag beginnt, erschien es den Anlegern letztlich doch zu riskant, im Markt zu bleiben. Letztlich schloss der Dax 0,5 Prozent tiefer bei 11.040 Punkten. Der Index geht also mit moderaten Gewinnmitnahmen in die Woche der Entscheidung. Immerhin rettete er die symbolisch wichtige Marke von 11.000 Punkten ins Wochenende.

Noch zum Nachmittag beschrieb BNP Paribas-Stratege Philippe Gisjels die Lage so ein: „Jeder weiß, dass wir auf irgendeine Lösung zusteuern. Viele Marktteilnehmer sind bereit, in den Rückschlag hinein zu kaufen, und viele tun das vor einem endgültigen Ergebnis.” Dieses Risiko wollten im Späthandel dann nicht mehr allzu viele Investoren eingehen - zumindest in Frankfurt. Die anderen Leitindindizes der Eurozone konnte ihre leichten Aufschläge über die Zeit bringen.

Der Werkzeugkasten der EZB

Oberstes Ziel: Preisstabilität

Die Europäische Zentralbank (EZB) soll die Preisstabilität im Euroraum wahren. Sie soll auch die Wirtschaftspolitik unterstützen, wenn das Ziel stabiler Preise nicht beeinträchtigt wird. Ein Blick in den Werkzeugkasten der Notenbank:

Strafzinsen

Parken Banken Geld bei der EZB, müssen sie dafür inzwischen Zinsen zahlen. Das soll die Kreditvergabe ankurbeln.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Weniger Zinsentscheidungen

Seit diesem Jahr werden geldpolitische Entscheidungen nicht mehr alle vier Wochen, sondern nur noch alle sechs Wochen verkündet. Die EZB will Erwartungen an den Finanzmärkten eindämmen und ihren Maßnahmen mehr Zeit zur Entfaltung geben.

Staatsanleihen-Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euroländer bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen.

Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei unter Bedingungen bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen keine Anleihe.

Seit März 2015 erwirbt die EZB im Rahmen eines erweiterten Kaufprogramms („Public Sector Purchase Programme“/PSPP) in großem Stil Staatsanleihen. Monatlich sollen so 60 Milliarden Euro billiges Zentralbankgeld in Umlauf gebracht werden - bis September 2016.

Anlass für den verhaltenen Optimismus bot eine Brüsseler Ankündigung vom gestrigen Abend. Die Verhandlungen wurden jetzt endgültig zur Chefsache erklärt. Nur eine Woche vor der möglichen Pleite Griechenlands sollen die Staats- und Regierungschefs der Eurozone den Schuldenstreit am Montag auf einem Sondergipfel lösen. EU-Ratspräsident Donald Tusk berief das Treffen auf höchster Ebene ein, nachdem Beratungen der Euro-Finanzminister in Luxemburg am Donnerstagabend kein Ergebnis brachten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hält eine Einigung im Schuldenstreit mit Griechenland in letzter Minute für möglich, beharrt aber auf Reformzusagen aus Athen. Doch die Zeit drängt: Insidern zufolge ist sich die Europäische Zentralbank (EZB) wegen des anhaltenden Abflusses von Kundengeldern nicht mehr sicher, ob die griechischen Banken am Montag noch öffnen können. In einer Telefonkonferenz wurde über mögliche Nothilfen beraten. Wie am Freitagnachmittag von Medien mehrstimmig kolportiert wurde, stimmte das EZB-Direktorium einer Ausweitung der Notfallliquidität für Banken, der sogenannten ELA, zu. Das Volumen soll zunächst etwa 1,8 Milliarden Euro betragen.

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Kurse der Banktitel fallen wegen Griechenland, Anleger vermissen jetzt schon Stefan Raab, und schlechte Zahlen sorgen für schwache Notierungen. Doch es gab auch positive Überraschungen, etwa durch Fusionsgerüchte.

Auch aus Athen kamen positive Signale. Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras erklärte am Freitag: „Der Sondergipfel der Staats- und Regierungschef am Montag ist eine positive Entwicklung auf dem Weg zu einer Einigung“. All denjenigen, die auf eine Krise und „Terror-Szenarien“ wetteten, werde das Gegenteil bewiesen werden. Tsipras betonte, die Lösung werde EU-Recht respektieren und es Griechenland erlauben, innerhalb des Euro zu Wachstum zurückzukehren.

Am Freitag überschlugen sich die Nachrichten teilweise. Griechische Notenbanker waren bemüht den Gerüchten um Kapitalengpässen bei den hellenischen Banken entgegenzuwirken. Europäische Spitzenpolitiker wie Frankreichs Präsident Hollande betonten die Notwendigkeit weiterer Gespräche, verwiesen aber auch auf die Rücksicht der EU-Richtlinien bei der Lösungsfindung. Und Yanis Varoufakis kritisierte, dass die Lösungsvorschläge seiner Regierung beim gestrigen Finanzministertreffen gar nicht erst diskutiert worden seien.

In Athen blieben die Anleger skeptisch. Nach einem frühen Plus von knapp einem Prozent, pendelte der hellenische Leitindex deutlich. Am Ende ging er 0,6 Prozent fester aus dem Handel. Der griechische Bankenindex schwankte im Handelsverlauf noch heftiger. Nach dem Späthandel beliefen sich die Kursverluste auf 1,6 Prozent.

Die zweite Frankfurter Reihe tendiert uneinheitlich. Während der MDax 0,5 Prozent vorrückte und bei 19.621 Punkten schloss, büßte der TecDax 0,1 Prozent ein auf 1636 Zähler. Der Leitindex der Währungsunion, der Euro-Stoxx-50, verbuchte einen leichten Aufschlag von 0,2 Prozent 3456 Stellen. In New York legte die Wall Street nach dem Rekordhoch der Techno-Börse Nasdaq eine Pause ein. Der Dow-Jones lief zum Frankfurter Handelsschluss 0,2 Prozent leichter bei 18.071 Punkten.

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