Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.08.2015

17:45 Uhr

Börse Frankfurt

Dax rutscht mehr als dreihundert Punkte ab

Das Eingreifen von Chinas Notenbank am Devisenmarkt setzt deutschen Aktien heftig zu. Vor allem die im Reich der Mitte stark engagierten Autotitel kommen unter die Räder. Der Dax verliert mehr als zweieinhalb Prozent.

China lässt die Bären los: Dax dürfte Tafahrt fortsetzen

Video: China lässt die Bären los: Dax dürfte Tafahrt fortsetzen

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

FrankfurtDas haben sich die Anleger aber anders vorgestellt. Nach den schwachen chinesischen Konjunkturdaten der vergangenen Wochen hatten die Börsianer auf eine Lockerung der dortigen Geldpolitik gehofft, um die Wirtschaft im Reich der Mitte zu stützen. Und tatsächlich reagierte die Pekinger Notenbank heute – allerdings: nicht so wie gewollt. Statt Konjunkturhilfen zu leisten wertete sie überraschend ihren Yuan drastisch ab, was in Europa zu einem heftigen Abwärtssog führte. Der Dax schloss ganze 2,7 Prozent tiefer bei 11.293 Zählern.

Chinas Notenbank senkte den Referenzsatz für den Yuan um 1,9 Prozent herab, um die heimischen Produkte auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähiger zu machen. „Das riecht nach Verzweiflung und deutet darauf hin, dass in der chinesischen Wirtschaft nicht alles rund läuft“, werte der Analyst Howie Lee vom Brokerhaus Phillip Futures den Schritt aus Peking. So schnell kann es für die Public Bank of China gehen - vom Hoffnungsstifter zur Geißel der Märkte, zumindest der ausländischen.

Mit diesem abrupten Schritt hat sich China ganz oben auf die Agenda gesetzt und das bisher bestimmende Thema, die Zinswende in den USA, auf hintere Plätze verwiesen. Der durch die Yuan-Abwertung steigende Euro stellt die deutsche Exportwirtschaft vor neue Probleme. Zu diesen Sorgen gesellte sich eine weitere schlechte Nachricht aus Fernost. Der Autoabsatz im Reich der Mitte fiel im vergangenen vom Wachstum her auf das Niveau von vor zweieinhalb Jahren.

So traf es die im Zukunftsmarkt China besonders stark engagierte deutsche Automobilwirtschaft am Dienstag doppelt heftig. Das Dax-Schwergewicht Daimler sackte knapp fünf Prozent ab, BMW gab 4,3, Volkswagen 3,7 Prozent ab. Der Abwärtssog umfasste auch den Zulieferer Continental, der über vier Hundertstel seines Kurses verlor.

Aber nicht nur aus Asien gab es schlechte Nachrichten, auch aus Mannheim kam eine Hiobsbotschaft. So sind die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten zum fünften Mal in Folge gesunken. Der Indikator des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) fiel im August um 4,7 Punkte auf 25,0 Zähler. Das ist der fünfte Rückschlag in Folge. Der Indikator erreichte den niedrigsten Wert seit vergangenen November. Bankvolkswirte hatten hingegen mit einem Anstieg auf 31,9 Punkte gerechnet.

Die Bewertung der aktuellen Lage hingegen, fiel überraschend gut aus, was auf dem Parkett aber unbeachtet blieb. Hier stieg der entsprechende ZEW-Index um 1,8 Punkte auf 65,7 Punkt. „Der deutsche Konjunkturmotor läuft weiterhin gut“, kommentierte ZEW-Präsident Clemens Fuest und sprach von einem weiteren Aufschwung.

Die kleinen Geschwister des wichtigsten deutschen Marktbarometers ließen im unfreundlichen Umfeld ebenfalls gehörig Punkte. Die Nebenwerte des MDax verloren zwei Prozent bei 20.833 Zählern, der TecDax büßte 1,3 Prozent ein und kam auf 1759 Punkte. Der Leitindex der europäischen Währungsunion, der Euro-Stoxx-50, gab zwei Prozent nach bei 3602 Stellen. An der New Yorker Wall Street reagierten die Anleger nervös auf den abwertenden Yuan, der den ohnehin starken Dollar weiter steigen lassen wird. Der Dow-Jones-Index kam beim Sprung über die Frankfurter Zeitlinie mit 17.386 Punkten auf ein Minus von 1,3 Prozent.

Kommentare (10)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Carl Andersen

11.08.2015, 11:46 Uhr

Da in China weniger Fahrzeuge verkauft werden fallen Autoaktien und auch der Dax.
Dabei gibt es doch nur zwei Autoaktien im Dax, und der Dax besteht aus 30 Werten.

Das ist wohl eher der viel zitierte Sack Reis, der umgefallen ist. Die Chinesen können sich eben momentan kein Auto leisten, haben genug mit ihren Börsenverlusten zu kämpfen. Da ist ihnen lieber, sie haben einen Teller warmen Reis zum Essen, bevor der Sack wieder umkippt.

Herr Wilhelm .Herdering

11.08.2015, 12:40 Uhr

"Das Wachstum des Marktes fiel auf das Niveau von vor zweieinhalb Jahren."<

Ja, wenn das keine echte Katastrophen-Meldung ist, dann weiß ich nicht mehr,
was eine echte Katastrophe ist.
(Ironie aus)

Wie hoch war denn das Wachstum des Automarktes vor zwei Jahren, ich weiß es nicht, 15 %?
Und heute 7 %?
Wer daraus folgert, dass in China weniger Autos verkauft werden, kann nicht richtig lesen oder versteht das Gelesene nicht.
Von solchen Leuten soll es ja immer mehr geben, vielleicht auch unter den Aktionären,
die in der Masse die Intelligenz einer Rinderherde aufweisen.

Herr Giovannotto Hellweg

11.08.2015, 17:04 Uhr

@Carl Andersen,

Herr Andersen,

im Dax befinden sich drei OEMs (Erstausrüster). Daimler, BMW und VW. Allein VW hat eine Index-Gewichtung von etwa 9 Prozent, auch die anderen sind keine Leichtgewichte. Zusätzlich ist Conti als Zuliefere direkt abhängig von den Branche.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×