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06.02.2015

17:43 Uhr

Börse Frankfurt

Dax schaltet einen Gang zurück

Die Anleger bleiben wegen des griechischen Schuldenstreits weiter verunsichert. Daran kann auch ein starker US-Arbeitsmarktbericht nichts ändern. Denn der bringt die Furcht vor einer frühen Fed-Zinswende zurück.

Börse am Mittag

Dax zurückhaltend - die Luft ist raus

Börse am Mittag: Dax zurückhaltend - die Luft ist raus

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FrankfurtAnleger haben am Freitag auf Sicherheit gesetzt. Sie blieben den Märkten fern und bescherten dem Dax ein moderates Minus, an dem auch der brummende US-Arbeitsmarktbericht nur wenig rütteln konnte. Der Deutsche Aktienindex schloss letztlich 0,5 Prozent leichter bei 10.846 Punkten. Damit setzte die Frankfurter Börse den Negativtrend des Vortages fort. Grund für die derzeit herrschende Unsicherheit bleibt der Schuldenstreit zwischen Griechenland und den Europäischen Partnern, dessen Ausgang und Konsequenzen noch völlig offen sind.

Da am Freitag aber keine neuen Nachrichten zum Schuldenstreit anstanden, rückten die ohnehin wichtigen Jobzahlen aus den Vereinigten Staaten noch mehr in den Fokus. Im November schuf die US-Wirtschaft außerhalb der Landwirtschaft 257.000 neue Arbeitsplätze. Ökonomen hatten mit 230.000 neuen Jobs gerechnet. Zudem wurde die Zahl für Dezember mit 329.000 deutlich nach oben korrigiert. „Das sind extrem gute Zahlen“, sagte Ökonom Tom Porcelli vom Finanzdienstleister RBC Capital Markets.

Neben der Freude über die anziehende Konjunktur der Weltwirtschaftslokomotive USA herrscht aber in zunehmendem Maße die Sorge, dass die Federal Reserve die geplante Zinswende vorzieht. Denn die Notenbank nähert sich ihrem Ziel der Vollbeschäftigung mit jedem guten Arbeitsmarktbericht ein Stück weiter. Die Börsianer können nur rätseln, wann eine erste Erhöhung der Leitzinsen ansteht. Und genau das ist es, was die Märkte die tollen Washingtoner Zahlen am Freitag nicht durchweg positiv aufnehmen ließ.

Die Deutschen und Aktien

Spekulationsobjekt

Eine aktuelle Studie der Direktbanken zeigt, dass Aktien von Privatanlegern weiterhin als extrem risikobehaftet wahrgenommen werden. Für 46 Prozent der Befragten ist die Aktie ein „rein spekulatives“ Anlageinstrument.

Quelle: „Aktion pro Aktie “

Geldanlage für Reiche

Eine Aktie ist für über die Hälfte der befragten Personen nur etwas für vermögende Investoren. 51 Prozent sind der Auffassung, dass eine Aktieninvestition nur für reiche Personen lukrativ ist.

Sicherheitsorientiert

Wenn sich deutsche Anleger für eine Investition in Aktien entscheiden, legen sie weiterhin den Fokus auf Sicherheit. 71 Prozent investieren konservativ und sicherheitsorientiert in Aktien.

Langfristige Wertsteigerung

Aktienkäufer in Deutschland lassen sich nicht von dem täglichen Auf-und Ab an den Märkten verführen. Sie hoffen auf eine langfristige Wertsteigerung. Die Studienergebnisse zeigen, dass 74 Prozent der Probanden höchstens zweimal im Jahr handeln.

So verbuchte die Wall Street nur schüchtern ihre leichten Gewinne. Der Dow-Jones-Index legte zum Frankfurter Handelsschluss 0,2 Prozent zu auf 17.927 Punkte. Immerhin lieferten die New Yorker Börsen den Schwung, die Verluste an Europas Handelsplätzen einzugrenzen. Der MDax gab 0,6 Prozent nach auf 18.978 Zähler, der TecDax notierte 0,2 leichter bei 1504 Punkten. Der Euro-Stoxx-50, Leitindex der Währungsunion, büßte 0,3 Prozent und kam auf 3397 Stellen.

Vor allem der zuletzt getätigte Schritt der Europäischen Zentralbank, die Sonderregelungen für den Einsatz griechischer Staatsanleihen als Kreditsicherheiten aufzuheben, schreckte die Börsianer des alten Kontinents auf. Ab dem 11. Februar könnten griechische Staatsanleihen nicht mehr als Sicherheit für EZB-Kredite genutzt werden. Insidern zufolge kann Griechenland aber auf das ELA-Programm der Zentralbank zurückgreifen. Das Notfall-Programm für Banken in zeitweise außergewöhnlicher Situation soll den griechischen Geldinstituten Notfallkredite in Höhe von 60 Milliarden Euro gewähren.

Zwar bewerteten Experten die Ankündigung der EZB als einen taktischen Eröffnungszug in den harten Verhandlungen zwischen Athen, Frankfurt und Brüssel. So beruhigte zum Beispiel Bond-Experte Patrick Jacq von BNP Paribas: „Das ist nicht das Ende der Welt für die griechischen Banken.“ Dennoch gehen die Anleger angesichts des unklaren Ausgangs lieber einen Schritt zurück. Dies gibt einen Vorgeschmack auf die Turbulenzen, die die Schachzüge der Konfliktparteien in naher Zukunft noch auslösen könnten.

Im widrigen Umfeld nahmen die Märkte Zahlen zur deutschen Industrieproduktion gespalten auf. Das produzierende Gewerbe stellte im Dezember saisonbereinigt 0,1 Prozent mehr her als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Das ist das vierte monatliche Plus in Folge, nachdem die Statistiker den Novemberwert ebenfalls nach oben revidierten.

„Die Industrie hat ihre Schwächephase hinter sich gelassen“, erklärte das Bundeswirtschaftsministerium. Ökonomen hatten zwar mit einem Wachstum von 0,4 Prozent gerechnet. Das schwache Wachstum sei laut Ralph Solveen von der Commerzbank aber nur in der Bauwirtschaft begründet. „In der Industrie im engeren Sinne zeigt die Produktion eindeutig nach oben.“

Kommentare (35)

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Herr Ercole Domenico

06.02.2015, 07:37 Uhr

Bei N-TV gelesen: "„Nicht die Griechen sind verrückt. Sondern wir Deutschen „ es hat mit verrückt sein nicht zu tun sondern mit Realitätsgefühl für das Machbar!"

Herr thomas oldendorp

06.02.2015, 07:45 Uhr

griechische Politik ist Realitäts-
verlust in Reinkultur ..!!

Juan Garcias

06.02.2015, 07:53 Uhr

Die Kursreaktion des Dax & Eurostoxx zeigen doch, dass Griechenland aktuell niemanden mehr interessiert. Die EZB wird's schon irgendwie richten.

Alleine heute wieder zwei weitere Artikel zu "Dividenden sind die neuen Zinsen". Alles richtig & auch Aktien sollte man haben, aber insgesamt machen die Märkte doch einen recht heißgelaufenen Eindruck.

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