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04.11.2015

17:44 Uhr

Börse Frankfurt

Dax schaltet in den Korrekturmodus

Nicht nur ein neuerlicher Kurseinbruch der VW-Aktien macht dem Dax schwer zu schaffen. Zunächst kam der Leitindex anders als seine europäischen Pendants zunächst kaum vom Fleck, brach im Nachmittagshandel plötzlich ein.

Börse am Mittag

Erneuter VW-Skandal bremst den Börsen-Barometer massiv aus

Börse am Mittag: Erneuter VW-Skandal bremst den Börsen-Barometer massiv aus

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FrankfurtDie Ausweitung des VW-Abgasskandals hat am deutschen Aktienmarkt am Mittwoch deutliche Spuren hinterlassen. Die VW-Vorzugsaktie rutschte um gut 9 Prozent ab und zog auch die Papiere anderer Autofirmen mit nach unten. Dadurch blieb dem Leitindex Dax zunächst der Sprung über die Marke von 11 000 Punkten verwehrt. Am Nachmittag bracht das deutsche Börsenbarometer dann aber deutlich ein und schloss mit einem Minus von 1,0 Prozent bei 10 845,21 Punkten.

Der MDax der mittelgroßen Werte verlor nur 0,1 Prozent auf 21 188,41 Punkte. Der Technologiewerte-Index TecDax fiel um 1,4 Prozent auf 1796,77 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex Euro Stoxx 50 gab nur minimal auf 3438, 18 Punkte nach.

Die Gründe für den Dax-Einbruch blieben zunächst unklar. Nach Aussagen einiger Börsianer könnte es sich auch um eine technische Korrektur handeln nach den deutlichen Kursgewinnen Ende Oktober. Möglich seien auch Spekulationen um eine US-Zinswende im Dezember nach robusten Arbeitsmarktdaten.

Die Geheimtricks bei Abgastests

Der Vorwurf

Dieser Vorwurf der US-Behörden wiegt schwer: Volkswagen soll auch bei aktuellen Motoren in den USA illegale Software einsetzen. Der Konzern halte Angaben zu den Programmen gezielt zurück, sagen die US-Abgaswächter. Die US-Umweltschutzbehörde EPA wirft dem VW-Konzern vor, auch bei Sechszylinder-Dieselmotoren mit 3,0 Litern Hubraum eine verbotene Software einzusetzen. Sollte der neue Vorwurf zutreffen, würde das den Abgas-Skandal zuspitzen. Denn dann käme die Abgas-Affäre in der Gegenwart bei aktuellen Motoren an. Auch die VW-Renditeperle Porsche geriete in den Strudel. Doch VW dementiert. Die Fragen und Antworten:

Wer ist die EPA und was macht sie?

Autobauer müssen bei der US-Umweltschutzbehörde EPA (United States Environmental Protection Agency) ihre Modelle testen lassen, um eine Genehmigung für den Verkauf zu erhalten. Die EPA hatte den Skandal um millionenfach manipulierte Diesel aus dem VW-Konzern losgetreten, als sie im September auf eine versteckte Software beim Vierzylinder-Motor EA 189 hinwies. Das Programm erkennt, dass die Autos für Abgastests auf dem Prüfstand sind und aktiviert einen Sparmodus, bei dem weitaus weniger Stickoxid ausgestoßen wird. Für das Gas gelten in den USA besonders strikte Grenzwerte. Volkswagen räumte die Vorwürfe ein.

Welche Dimension hat der jüngste Vorwurf?

Anfangs hatte die EPA in den USA nur den Vierzylinder-Motor EA 189 mit 2,0 Liter Hubraum im Visier und es ging um die Modelljahre 2009 bis 2015. Inzwischen wirft die US-Behörde dem Autobauer auch vor, bei Sechszylinder-Dieseln mit 3,0 Liter Hubraum zu tricksen – und es geht auch um das aktuellste Modelljahr, also um frisch gebaute Wagen.

Welche Modelle sind unter der EPA-Lupe?

Die Geländelimousinen VW-Touareg, Porsche Cayenne und Audi Q5 sowie die Limousinen Audi A6 Quattro, Audi A7 Quattro, Audi A8 und dessen Langversion. Rund 10 000 Wagen sind seit dem Modelljahr 2014 laut EPA verkauft worden, hinzu komme eine „unklare Zahl“ aktueller Modelle.

Was hält die EPA bisher in der Hand?

Die Behörde hat laut eigenen Angaben am 25. September – also eine Woche nach dem ersten Vorwurf gegen VW – alle Autobauer informiert, dass sie flächendeckend nach ähnlichen verbotenen Softwareprogrammen suche. Die EPA schreibt dazu: „Diese Tests haben erhebliche Bedenken ausgelöst über das Vorhandensein illegaler Abschalteinrichtungen in zusätzlichen Fahrzeugen von VW-Pkw, Audi und Porsche. (...) Es handelt sich um ein sehr ernsthaftes Thema für das Gesundheitswesen.“

Was sagt der VW-Konzern zu dem Vorwurf?

Der Autobauer teilte noch am Montagabend mit, dass nichts Illegales in den Fahrzeugen stecke: „Die Volkswagen AG betont, dass keine Software bei den 3-Liter-V6-Diesel-Aggregaten installiert wurde, um die Abgaswerte in unzulässiger Weise zu verändern.“ Volkswagen werde mit der EPA „vollumfänglich kooperieren“, um alles aufzuklären.

Was ist der Kern des Problems, bei dem Aussage gegen Aussage steht?

Es geht um das komplexe Management für Motor, Getriebe und Abgase. Dabei greifen Softwarelösungen andauernd ein, nicht nur bei VW. Ein Motor muss etwa wissen, in welcher Höhe er unterwegs ist, weil das die Sauerstoffsättigung ändert. Für bestimmte Auslastungsbereiche führt die Steuerung auch Abgase zurück und verbrennt sie erneut.

Warum das geschieht?

Zum Beispiel wegen des Temperaturmanagements oder um gezielt Stickoxide zu reduzieren – ist hoch kompliziert und für Laien nicht zu beurteilen. Die Wolfsburger jedenfalls betonen in Reaktion auf den EPA-Vorwurf, es sei nichts geschehen, „um die Abgaswerte in unzulässiger Weise zu verändern“. Bei dem kleineren Dieselmotor mit 2,0 Liter Hubraum räumte VW die Vorwürfe dagegen ein und gab zu, ein „defeat device“ zu nutzen, als ein Instrument für eine gezielte Veränderungen in der Testsituation. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) spricht dabei von einer „unzulässigen Abschalteinrichtung“.

Wie belegt die EPA, dass es sich um ein „defeat device“ handelt?

Die Behörde sagt, sie habe ihre Testmethoden daraufhin verfeinert, mögliche „defeat devices“ aufzuspüren. Und sie wirft VW vor, die verbotene Software ganz gezielt so ausgelegt zu haben, dass sie die Testprozedur in den USA erkennt und dann eingreift. Und die EPA behauptet, VW habe an der fraglichen Stelle Transparenz vermieden und Informationen zurückgehalten: „Die Software in diesen Fahrzeugen beinhaltet ein oder mehrere Zusatz-Instrumente zur Abgas-Kontrolle, die der Konzern bei der Zulassung der Modelle nicht offengelegt, beschrieben und begründet hat.“ VW fasst im Konjunktiv zusammen, dass „eine Software-Funktion vorhanden sei, die im Genehmigungsprozess nicht hinreichend beschrieben worden sei“. Zu dem konkreten Vorwurf der angeblich vorenthaltenen Informationen sagt VW bisher nichts.

Der Abgasskandal erreichte bei VW derweil eine neue Dimension: Der Wolfsburger Autobauer musste nun auch Unregelmäßigkeiten bei CO2-Werten einräumen. Die negativen Nachrichten rissen nicht ab, sagte ein Aktienhändler. Es erscheine sinnvoll, sich als Anleger fernzuhalten. Die Vorzugsaktien rutschten zeitweise wieder unter 100 Euro und kosteten zuletzt knapp 101,10 Euro.

Daimler und BMW wurden mit nach unten gerissen: Die Papiere verbilligten sich um rund zwei bzw. 1,2 Prozent. Continental-Aktien büßten als Zulieferer 1,5 Prozent ein.

Der Nivea-Hersteller Beiersdorf profitierte von der Vorlage seiner Quartalsbilanz. Das sehr starke Wachstum im Geschäft mit Haut- und Körperpflegeprodukten kam gut an. Die Aktien kletterten um mehr als drei Prozent ein und erreichten ein Rekordhoch.

Kommentare (31)

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Account gelöscht!

04.11.2015, 10:16 Uhr

Beneiden muss man(n) Müller wohl nicht gerade um seinen Job. Dann doch lieber nur Porsche oder Lamborghini Testfahrer (auf freiwilliger Basis), wenn nicht Investmentbanker.

Herr walter rehm

04.11.2015, 10:21 Uhr

Auch dieser Skandal wird ganz schnell abgearbeitet sein.....BMW hat es auch kurz unter 90 Euro "getrieben", alles super Zockeraktien jetzt.
Gerade ist Draghi im Einsatz, er muss irgendwie den Dax jetzt wieder hochrammeln,
schliesslich war der Dax VOR der Eröffnung in Frankfurt schon ziemlich gut über 11000. Das Geschäft ist sicherlich "schmutziger" als die Abgasmanipulationen.

Account gelöscht!

04.11.2015, 10:21 Uhr

VW zahlt den Preis für die Feigheit und subalterne Unterwürfigkeit der deutschen Industrie, die nicht den Mut gehabt hat, gegen die wahnsinnige Klimapolitik der Regierung und ihre Verteufelung des lebensnotwendigen CO2 anzugehen.

Warum hat man nicht offen gesagt, daß die vollkommen unrealistischen Grenzwerte für den Ausstoß von CO2, die die Politik in jährlichen Verschäfungsrunden vorgegeben hat, für größere Fahrzeuge einfach technisch nicht realisierbar sind?

Warum hat man nicht den Schneid gehabt, offen den wissenschaftlich unbegründeten CO2-Schwindel anzuzweifeln?

Putin hat kürzlich erklärt, daß der Kampf gegen CO2 ein Betrug sei, mit dessen Hilfe die alten Industrienationen das Hochkommen der Schwellenländer behindern wollen. Ich bin überzeugt, daß daran viel Wahres ist.

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