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22.06.2015

17:50 Uhr

Börse Frankfurt

Dax schließt 420 Punkte höher

Die Hoffnung auf eine Einigung mit Griechenland hat dem Dax am Montag ein Kursfeuerwerk beschert. Der Index verbuchte den größten Tagesgewinn seit drei Jahren. Dabei warnen Politiker vor zu viel Optimismus.

Börse am Abend

Dax erntet größten Tagesgewinn seit drei Jahren

Börse am Abend: Dax erntet größten Tagesgewinn seit drei Jahren

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Frankfurt/DüsseldorfEinigung oder keine Einigung? Nichts beschäftigt die Börsen derzeit so sehr wie der griechische Schuldenstreit. Eine neue Liste mit griechischen Reformvorschlägen gab den Anlegern am Montag Hoffnung, dass der EU-Sondergipfel ein gutes Ende findet. Der Dax preschte um bis zu 3,9 Prozent vor und schloss 3,8 Prozent höher bei 11.460 Zählern. Der Zugewinn von rund 420 Punkten war dabei der größte seit drei Jahren.

Dabei gab es für den Optimismus der Anleger nur wenige wirklich stichhaltige Gründe. Bundesfinanzminister Schäuble hatte zuletzt die Erwartungen an den Ausgang des Gipfels gedämpft. „Ich sehe nicht, wie wir ohne substanzielle Vorschläge den Euro-Gipfel vorbereiten sollen”, sagte Schäuble am Montagmittag vor Beginn einer Sitzung der Eurogruppe in Brüssel. Für ihn sei der Stand seit dem letzten Treffen der Euro-Finanzminister vom Donnerstag unverändert. Schäuble erinnerte daran, dass die drei Institutionen EU-Kommission, Europäische Zentralbank und Internationaler Währungsfonds die griechischen Reformvorschläge gemeinsam prüfen müssten.

Krisenglossar Griechenland

Bankenrun

Aus Angst vor der Staatspleite haben die Griechen längst Milliarden Euro von ihren Konten geholt oder ins Ausland geschafft. Steigt die Gefahr weiter, kommt es zum akuten Bankenrun: Die Kunden versuchen massenweise, ihre Konten leer zu räumen. Die Banken würden ausbluten, sie könnten den Firmen kein Geld mehr leihen, die Wirtschaftsaktivität erliegt.

Kapitalverkehrskontrollen

Um den Bankenrun zu verhindern, müssten die Banken vorübergehend ganz geschlossen und Onlinetransfers unterbrochen werden. Wenn sie wieder aufmachen, würden Auslandsüberweisungen verhindert und Abhebungen an den Automaten auf kleinere Beträge begrenzt werden. So wurde es vor drei Jahren in Zypern gemacht. Die letzten Kapitalverkehrskontrollen wurden dort erst in diesem Frühjahr wieder aufgehoben. Den massiven Eingriff müsste die Regierung in Athen praktisch über Nacht mit einem Dringlichkeitsgesetz beschließen - gezwungen werden kann sie von den Euro-Partnerländern nicht. "Die Griechen haben noch nichts vorbereitet", konstatiert ein EU-Diplomat.

Zahlungsunfähigkeit

Ob ein Staat pleite ist, bestimmen üblicherweise Ratingagenturen, indem sie einen sogenannten Credit Event feststellen. Dazu müsse es aber selbst dann noch nicht kommen, wenn Athen seine beim Internationalen Währungsfonds (IWF) fällige Rate am 30. Juni nicht begleicht, meint der Chefvolkswirt der ING-Diba, Carsten Brzeski. Denn dabei gehe es nicht um Marktpapiere. Entscheidend sei nicht der Markt, heißt es hingegen in Euro-Kreisen: Zahlt Athen nicht an den IWF zurück, könnte die EZB griechische Anleihen eigentlich nicht länger als Pfand akzeptieren und müsste den Tropf für das griechische Finanzsystem zudrehen. Die Banken müssten praktisch über Nacht abgewickelt werden.


Grexit

Eine Pleite Athens hätte nicht automatisch das Euro-Aus für Griechenland - also den Grexit - zur Folge. Tatsächlich ist ein Rauswurf aus dem Euro-Club durch die übrigen Mitglieder nur möglich, wenn die griechische Regierung am Ende selbst zustimmt: Es müsste ein neuer Vertrag geschlossen werden - mit der Unterschrift Athens. Eine große Mehrheit der Griechen will den Euro aber behalten. Bei einem Verbleib im Euro ohne weiteren finanziellen Beistand von EZB und Euro-Ländern trocknen Banken und Wirtschaft aber aus. Die Regierung wäre also zum Grexit und der Rückkehr zur Drachme gezwungen. Eine chaotische Übergangsphase von mindestens einem halben Jahr wäre die Folge, schätzt Ökonom Carsten Hefeker von der Universität Siegen.

Parallelwährung

Eine Art Mittelweg zwischen Euro und Grexit wäre die Einführung einer Parallelwährung: Weil dem Staat Barmittel fehlen, zahlt er Beamte und Rentner zumindest zum Teil mit Schuldscheinen aus. Um überhaupt noch Geschäfte zu machen, würden Händler und Dienstleister die Schuldscheine als Zahlungsmittel akzeptieren, erläutert der französische Finanzwissenschaftler Eric Dor. Wegen des Risikos wären die Schuldscheine allerdings weniger Wert als Euro. Die Schuldscheine werden in der Finanzwelt "IOU" genannt, nach dem Englischen "I Owe You" (Ich schulde Dir). Kalifornien griff im Sommer 2009 erfolgreich auf das Hilfsmittel zurück, um eine Pleitephase zu überbrücken.

Geuro

Den Begriff hat Ex-Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer erfunden, im Mai erläuterte er sein Konzept Griechenlands Finanzminister Giannis Varoufakis. "Geuro"-Schuldscheine würden Athen finanziellen Spielraum verschaffen und durch die Abwertung die Wettbewerbsfähigkeit des Landes stärken, so seine Theorie. Die Rechnung ginge aber nur auf, wenn die internationalen Gläubiger ihre Forderungen zurückstellen und das griechische Bankensystem weiter durch den Euro-Rettungsschirm gestützt würde, was unter Experten als ausgeschlossen gilt. Ein Rückweg vom Geuro zur Euro-Vollmitgliedschaft gelänge nur, wenn Athen durch Wirtschaftsreformen ein Haushaltsplus erwirtschaftet und die Schuldscheine allmählich auslösen kann.

Primärüberschuss

Die Erwirtschaftung eines Primärüberschusses - also ein Plus im Haushalt vor Abzug der Schuldentilgung - ist der entscheidende Faktor für die Gesundung der Staatsfinanzen: Wenn Athen durch Steuern und Privatisierungen mehr einnimmt als es ausgibt, kann es seine Schulden schrittweise abtragen. Die Vorgängerregierung hat durch drastische Kürzungen einen Überschuss erreicht. Stattdessen durch höhere Staatseinnahmen ein Plus zu erzielen, kann nur gelingen, wenn das Vertrauen zurückkehrt. "Dafür gibt es keinen Hinweis", sagt ING-Experte Brzeski.

Schuldenschnitt

Sowohl Athen als auch der IWF wollen die Euroländer bewegen, zumindest auf einen Teil ihrer Forderungen zu verzichten, um dem überschuldeten Land einen Neustart zu ermöglichen. Die griechische Regierung hat signalisiert, bei einem Schuldenschnitt die verlangten Reformen umsetzen zu wollen. Neben dem IWF halten auch viele Experten einen Verzicht für den einzigen gangbaren Weg. Allerdings liefe das auf ein drittes Rettungspaket hinaus. Der geplante Sondergipfel der Euro-Staaten müsste sich dafür eine Erklärung abringen, bei einem Antrag Athens ein neues Programm zu entwerfen und die Schuldentragfähigkeit zu sichern. Dafür bräuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Rückendeckung des Bundestages.

Auch die Bundeskanzlerin betonte, dass man sich in Sachen Griechenland-Rettung ja durchaus noch Zeit lassen könne. Sie macht eine Entscheidung zu Griechenland beim Sondergipfel am Montagabend von einer „abschließenden Empfehlung” von EZB, IWF und EU-Kommission abhängig. „Gibt es eine solche Empfehlung der drei Institutionen, dann kann es auch zu Entscheidungen kommen”, sagte Merkel am Montag in Magdeburg. Gebe es sie nicht, dann werde das Treffen der Staats- und Regierungschefs nur ein Beratungsgipfel sein. „Und da gibt es ja in dieser Woche auch noch viele Tage Zeit, um gegebenenfalls Entscheidungen zu treffen.”

Selbst unter den Investoren scheint die Stimmung eher trüb. Fast jeder zweite Investor rechnet einer Umfrage zufolge mit einem Grexit innerhalb der nächsten Monate. Das ergab eine am Montag veröffentlichte Erhebung der Investmentberatung Sentix unter 1000 privaten und institutionellen Investoren. „Es erstaunt dabei, dass angesichts der jüngst äußerst verfahrenen Situation deren Zahl nicht viel höher ausfällt”, erklärte Sentix-Analyst Sebastian Wanke.

Immerhin lassen seine Gläubiger Griechenland vorerst finanziell nicht hängen. So soll die Europäische Zentralbank höhere Nothilfen für die griechischen Geldinstitute genehmigt haben. Das meldete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Bankenkreise. Der EZB-Rat könne bei Bedarf jederzeit erneut zusammenkommen, sagt ein Insider der Agentur.

Kommentare (19)

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Herr walter rehm

22.06.2015, 07:40 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr walter rehm

22.06.2015, 07:43 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Doro Mann

22.06.2015, 11:57 Uhr

Wenn sich die Aktienmärkte freuen, dann kann das nur bedeuten, dass die Deutschen weiter zahlen sollen. Man kann nur noch kotzen über die Regierung Deutschlands.

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