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21.01.2016

14:08 Uhr

Börse Frankfurt

Dax schließt deutlich im Plus

Die EZB-Ankündigung, im März womöglich noch mehr Geld in den Markt zu pumpen, ließ den deutschen Leitindex im Plus schließen. Besonders unter Druck blieb die Aktie der Deutschen Bank.

Börse am Abend

Der Dax fährt Achterbahn

Börse am Abend: Der Dax fährt Achterbahn

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FrankfurtWie erwartet, hält die Europäische Zentralbank (EZB) an ihrem Kurs des extrem billigen Geldes fest. Der Leitzins im Euroraum bleibt auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent. Das beschloss der EZB-Rat nach Angaben der Notenbank am Donnerstag in Frankfurt. Der Strafzins für Geld, das Banken über Nacht bei der Notenbank parken, beträgt weiterhin 0,3 Prozent. Der Deutsche Aktienindex Dax reagierte zunächst nur leicht auf diese Nachricht. Als Draghi anschließend verkündigte, ab März bei Bedarf zusätzlich den Markt zu stützen, ging es für den Dax zum Börsenschluss nach oben. Er schloss mit einem Plus von 1,94 Prozent bei 9574 Punkten.

Fünf Fragen an Mario Draghi

1. Wie stark wirkt sich Öl auf die Inflation aus?

Der Einbruch bei Öl hat den Preis des Rohstoffes unter die jüngsten Prognosen der EZB gedrückt. Ein Barrel Brent- Rohölnotiert nun bei Hälfte dessen, was im Dezember erwartet wurde, so dass die Prognose der Notenbank, dass die Inflation in diesem Jahr bei durchschnittlich 1 Prozent liegen würde, veraltet ist.

Tatsächlich rechnen einige Banken im Euroraum mit Preisrückgängen in den nächsten Monaten, und Barclays sieht die durchschnittliche Teuerung 2016 bei lediglich 0,1 Prozent. Noch besorgniserregender ist für die EZB, dass die Inflationserwartungen in jüngster Zeit der Bewegung bei Öl gefolgt sind -- ein Zeichen, dass die Märkte anfangen, die Fähigkeit der Notenbank zu bezweifeln, die Preissteigerungen wieder in Einklang mit ihrem Mandat zu bringen.

2. Was bedeutet das für die EZB-Politik?

Eine schwächere Inflation, ein steigender Euro und die Aussichten auf ein schwächeres globales Wachstum erhöhen den Druck auf Draghi, erneut die Geldpolitik zu lockern. In einer Bloomberg-Umfrage prognostizierten die meisten Analysten, dass weitere Maßnahmen im März kommen werden - wenn die EZB aktualisierte Prognosen veröffentlichen wird - oder im Juni. Diese Stimuli könnten in Form einer weiteren Senkung des Einlagensatzes oder einer Ausweitung der monatlichen Anleihe-Käufe erfolgen.

Bei der ersten geldpolitischen Entscheidung der EZB in diesem Jahr hielt Mario Draghi an ihrem Kurs des extrem billigen Geldes fest. Der Leitzins im Euroraum bleibt auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent. Der Strafzins für Geld, das Banken über Nacht bei der Notenbank parken, beträgt weiterhin 0,3 Prozent.

3. Kann Draghi eine Mehrheit für mehr Aktionen zustande bringen?

Die Zusammenfassung der geldpolitischen Sitzung des EZB- Rates vom 3. Dezember zeigte zunehmend unterschiedliche Meinungen der Währungshüter über den geldpolitischen Kurs der EZB. Einige Gouverneure waren gegen sämtliche neue Stimuli, andere wollten ein noch aggressiveres Vorgehen, während andere insgesamt dazu tendierten, eher einen negativen Einlagensatz als weitere Aktivakäufe zu unterstützen.

Das könnte für Draghi eine Herausforderung sein, wenn weitere Stimuli nötig werden. In ihren Debatten werden die Notenbanker die Kerninflation - die um volatile Posten wie Energie und Lebensmittel bereinigt ist - stärker und genauer ansehen, um zu beurteilen, ob der Ölpreisrutsch sich in der breiteren Wirtschaft niederschlägt.

4. Wie abhängig ist die EZB vom Rest der Welt?

Der Internationale Währungsfonds hat angesichts der schwächeren Schwellenländer seine Prognose für das weltweite Wachstum 2016 von 3,6 Prozent auf 3,4 Prozent reduziert. Eine erheblich Abschwächung in China, das 2015 das niedrigste Wachstum seit 25 Jahren verzeichnete, ist eines der Hauptrisiken für die Exporteure im Euroraum.

Gleichzeitig erweist sich der kräftige Rückgang beim Ölpreis als Segen für die Verbraucher der Region, und da Öl keinerlei Anzeichen für eine bedeutende Rally zeigt, dürfte die Binnennachfrage weiterhin das Wachstum anschieben.

5. Wie sieht es mit der Bankenunion aus?

Während die Banken weiter langsam die Kredite ausweiten, um die konjunkturelle Erholung in Europa zu stützen, haben Bankaktien sich schwächer als andere Aktien entwickelt - ein Anzeichen, dass die Branche anfällig bleibt.

Die EZB, die 2014 die Bankenaufsicht in der Euro-Zone übernahm, hat auf ein Einlagensicherungskonzept für den Euroraum gedrängt, aber die Politik hat bisher wenig Bereitschaft gezeigt, neue Reformen durchzusetzen. Auch haben verschiedene Länder versucht, die Tragweite der jüngst verabschiedeten Vorschriften zu Bail-In und Abwicklung zu begrenzen. Draghi dürfte seine Forderung nach einer Stärkung des institutionellen Rahmens für die Gemeinschaftswährung wiederholen - etwas, das er in den vergangenen Monaten wiederholt gefordert hat, bisher mit wenig Erfolg.

Unter den Einzelwerten blieb die Deutsche Bank im Fokus. Die Aktien von Deutschlands größtem Geldhaus fielen bis Mittag um knapp sieben Prozent auf 16,53 Euro und notierten damit so niedrig wie zuletzt im März 2009. Zum Börsenschluss waren sie noch mit 3,36 Prozent im Minus. Die erste Jahresbilanz des neuen Chefs John Cryan fällt mit einem Verlust von 6,7 Milliarden Euro tiefrot aus. Schon am Vortag hatten die Papiere im Sog der schlechten Branchenstimmung angesichts von Befürchtungen über eine Pleitewelle im Energiesektor sechs Prozent verloren.

Börsianer befürchten nun, dass die Deutsche Bank eine weitere Kapitalerhöhung benötigt. „Wenn das Umfeld schwierig bleibt, könnten die Sorgen um die Kapitalbasis wieder kommen und sogar zunehmen“, schrieben die Analysten der Bank Exane BNP. Citibank-Experte Andrew Coombs sagte, das Ergebnis der Bank für 2015 sei extrem schwach. „Wir sehen noch mehr Prozessrisiken und erwarten weitere Kosten in Höhe von 3,6 Milliarden Euro in diesem Jahr. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit einer Kapitalerhöhung.“

Tagessieger waren RWE mit 6,08 Prozent und Volkswagen mit 5,54 Prozent. Nur Adidas schloss neben der Deutschen Bank im Minus. Um 1,8 Prozent ging es mit dem Aktienkurs nach unten.

Anders als der Dax gaben in Asien die Börsen am Donnerstag nach: Der Nikkei-Index in Tokio schloss 2,4 Prozent niedriger. Die chinesischen Börsen lagen 1,5 Prozent im Minus. Die Ölpreise notierten deutlich im Plus. Die Nordseesorte Brent lag mit 29,22 Euro 5,66 Prozent über dem Kurs von Mittwoch .

Von

rtr

Kommentare (13)

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Account gelöscht!

21.01.2016, 09:21 Uhr

Vom niedrigen Ölpreis geht keine Gefahr für den Dax und für die EU-Deutsche Wirtschaft aus. (...)

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich und achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Account gelöscht!

21.01.2016, 09:40 Uhr

Heute gibt es wieder eine Portion Hoffnung vom Wackel-Dax, schaun wie mal
er nächste Woche zur 9300 nach unten wackelt um die 8500 glorreich zu nehmen.

Herr richard roehl

21.01.2016, 10:26 Uhr

Heute wird Draghi wieder die Rodung einiger Hektar Wald veranlassen (Druckerpresse), da werden den Gläubigen schon wieder ein Paar Argumente für einen temporären Rebound an die Hand gegeben, bis auch der letzte merkt, dass der Kaiser nackt ist

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