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17.10.2014

18:04 Uhr

Börse Frankfurt

Dax schließt drei Prozent fester

Der Dax konnte seine Talfahrt vorerst stoppen. Nach einer Chaoswoche nahm der Leitindex Kurs auf die schwarze Null auf Wochensicht. Getrieben von starken US-Konjunkturdaten verfehlte er das Ziel nur minimal.

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FrankfurtKurz vor dem Wochenende sind die Anleger auf die Aktienmärkte zurückgekehrt. Dem Dax bescherten sie damit eine Verschnaufpause nach einem sehr chaotischen Wochenhandel. Der Leitindex schloss in Frankfurt satte drei Prozent fester bei 8850 Punkten. Für den damit höchsten Zuwachs seit 18 Monaten sorgten neben neuerlichen Spekulationen um weitere Geldspritzen der Notenbanken vor allem US-Konjunkturdaten.

Insgesamt fehlten dem wichtigsten Marktbarometer der Bundesrepublik auf Wochensicht nur fünf Punkte zur schwarzen Null - eine beachtliche Gegenbewegung, hatte das Wochenminus am Donnerstag noch bis zu fünf Prozent betragen. „Der Ausverkauf war einfach übertrieben und offensichtlich wird das einigen Anlegern nun auch klar“, sagte ein Börsianer.

Nach Vertretern der Federal Reserve sprachen sich am Freitag auch britische Notenbanker für eine weiterhin expansive Geldpolitik aus. „Dass heute auch der Chefvolkswirt der Bank of England davon sprach, dass die Zinsen in Großbritannien länger als erwartet niedrig bleiben könnten, deutet darauf hin, dass auch die internationalen Geldpolitiker die Marktturbulenzen beobachten und nun koordiniert verbal eingreifen“, kommentiert Andreas Paciorek vom Brokerhaus CMC Markets.

Börsen in Aufruhr

Was spielt sich derzeit an den Finanzmärkten ab?

Vor allem eingetrübte Konjunkturperspektiven belasten die Märkte. Die Rohstoffpreise - ein Barometer für die wirtschaftliche Lage - befinden sich auf Talfahrt. Zu den Sorgen über die Wirtschaft kommt die Verunsicherung durch Krisen im Nahen Osten und der Ukraine sowie die Furcht vor einer Ausbreitung von Ebola. „Die Anleger sind nervös und nutzen jede Gelegenheit zum Verkaufen, während noch vor Wochen jede Schwäche zum Nachkaufen genutzt wurde“, sagt Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research. Die Stimmung sei innerhalb kürzester Zeit von fast schon euphorisch auf sehr negativ gedreht. Auch an den Anleihemärkten dominiert die Angst. Die Risikoaufschläge für Papiere aus den europäischen Krisenländern zogen stark an, während die Renditen auf die deutschen Staatspapiere auf Rekordtiefs fielen. Letzteres deutet auf eine große Nachfrage der Investoren hin - die sogenannten Bundesanleihen gelten als sicherer Hafen in Krisenzeiten.
Quelle: dpa

Haben die Anleger die Gefahren für die Wirtschaft zu lange ignoriert?

Tatsächlich haben insbesondere die Aktienmärkte die politischen Krisen und die Gefahren einer globalen Wachstumsschwäche lange Zeit kaum beachtet. Die Notenbanken pumpten billiges Geld in den Markt. Und wegen der mickrigen Zinsen mangelte es an Alternativen, so dass die Anleger in großem Stil zu Aktien griffen. „Befürchtet wird nun ein Übergreifen der Wirtschaftsschwäche und sinkender Inflationsraten aus der Eurozone auf die USA“, sagt Volkswirt Eugen Keller vom Bankhaus Metzler.

Sind die Notenbanken mit ihrem Latein am Ende?

Während die US-Notenbank Fed jahrelang Milliarden in die Wirtschaft pumpte und Erfolge vorweisen konnte, gilt die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bei vielen Ökonomen mittlerweile als wenig wirksam. „Die jüngst von der EZB beschlossenen Maßnahmen zielen auf das Angebot an Krediten ab, aber tatsächlich fehlt es angesichts der wirtschaftlichen Schwäche an Nachfrage“, sagt Volkswirt Keller. Auch die jetzt diskutierten, breit angelegte Staatsanleihekäufe würden nichts am Grundproblem ändern.

Sind die Konjunkturängste gerechtfertigt?

Laut Volkswirten gibt es zwar Grund zur Vorsicht, allerdings sollten die jüngsten Signale nicht überbewertet werden. Nach Einschätzung der Experten von Goldman Sachs gilt das vor allem mit Blick auf die USA. Dort gebe es wenig Anzeichen einer Konjunkturabkühlung. Auch die Ausbreitung des Ebola-Virus sehen die Experten der US-Investmentbank nicht sonderlich kritisch. Es müsse schon viel passieren, bis derartige Ereignisse tiefere Spuren in der Wirtschaft hinterließen. Mit Blick auf Europa hält Graham Secker, Marktstratege bei Morgan Stanley, die Konjunkturaussichten zwar nicht für rosig, aber längst nicht so trübe wie die Anlegerstimmung es signalisiere.

Droht am Ende der große Crash am Aktienmarkt?

Noch sehen Experten keinen Grund für übertriebene Angst. Nach dem starken Lauf der vergangenen Jahre sind auch größere Korrekturen nicht ungewöhnlich. Investoren sollten nicht die Nerven verlieren und blind der Masse hinterherrennen, sagt Marktexperte Saurenz. Möglicherweise nutzten manche Investoren die niedrigen Kurse auch zum Kaufen, was den Markt stützen würde. Viel schlechter könne die Stimmung am europäischen Aktienmarkt nicht werden, schrieb Morgan-Stanley-Experte Secker wie zur Beruhigung.

Weitere Unterstützung erhielten Europas Börsen von der Wall Street. Grund dafür waren souveräne Konjunkturdaten. So begannen die US-Amerikaner im September mehr Häuser zu bauen als erwartet, was die positive Konjunkturentwicklung jenseits des Atlantiks weiter untermauert. Analyst Dirk Gojny sprach von einem „weiterhin sehr guten“ Wert.

Auch der vorläufige Konsumklima-Index der uni Michigan überraschte. So legte im Oktober das Vertrauen der Verbraucher auf 86,4 Punkten zu. Nach 84,6 Punkten im September war mit einem leichten Rückgang gerechnet worden. In Europa richteten sich die Blicke auf die Autohersteller, die im September mehr Autos verkaufen konnten. Die Pkw-Neuzulassungen fielen stärker aus als prognostiziert.

Damit gelingt dem Dax nun doch ein versöhnlicher Wochenausklang, nachdem er mit zwischenzeitlich 8355 Punkten ein neues Jahrestief markiert hatte. Dies verschaffte auch den Indizes in der zweiten Reihe Luft. Die Nebenwerte im MDax rückten drei Prozent vor auf 15.177 Zähler. Der TecDax konnte starke 4,6 Prozent gutmachen und schloss auf 1164 Stellen.

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Auch die anderen Börsen Europas setzten zur Erholung an. Der Euro-Stoxx-50, Leitindex der Währungsunion, kletterte um 3,1 Prozent auf 2962 Punkte. In New York legte der Dow-Jones-Index zum Frankfurter Handelsschluss 1,9 Prozent zu auf 16.420 Punkte. Auch der S&P 500 lief 1,9 Prozent fester bei 1897 Zählern.

Verwerfungen aufgrund der kleinen Verfalls auf den Terminmärkten blieben aus. Am Nachmittag liefen Optionen auf Indizes und einzelne Aktien aus. Noch bis kurz vor der Stichzeit versuchen Investoren die Kurse derjenigen Titel, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung zu bewegen. Doch wie auch schon während der jüngeren Stichtage blieben die berüchtigten Kursausschläge aus.

Kommentare (36)

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Carl Icahn Jr.

17.10.2014, 08:20 Uhr


Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Dr. Peter Lustig

17.10.2014, 08:22 Uhr

Es erinnert ein wenig an 2011. heftig runter & schnell wieder erholt. Die 8.000 dürften wir noch sehen in den nächsten Wochen.

Herr wulff baer

17.10.2014, 08:44 Uhr

Ja, was hören wir denn aus den USA.
Das Verbrauchervertrauen steigt, weil die Supermärkte Sonderangebote machen.
Die Zahl der Amerikaner, die unter den Brücken schlafen, gehen zurück - also muß der Häusermarkt wieder mächtigen Aufschwung haben.
Das Fed ist gerüstet: Die Gelddruckmaschinen kommen gerade aus der Inspektion.
Die Finanzindustrie veröffentlicht wieder ihre Lügen-Bilanzen.
Unser Schuldenminister sagt, alle Kredit-Betrüger sind auf einem guten Weg, vor allem die Italiener und Franzosen, die wieder die Maastricht-Vorgaben reissen werden.
Wer nach diesen Kriterien "Wert-Papiere" kauft oder beurteilt, muß ganz schön bescheuert sein oder granatenmäßig raffiniert.

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