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08.10.2015

17:51 Uhr

Börse Frankfurt

Dax schließt knapp unter 10.000 Punkten

Seit Wochenbeginn hat der Dax mehr als vier Prozent zugelegt. Am Donnerstag schafft es der Aktienindex mehrmals über die Marke von 10.000 Punkten, lange halten kann er diese bisher aber nicht.

Börse am Abend

Schwache Konjunkturdaten stützen Aktienmarkt

Börse am Abend: Schwache Konjunkturdaten stützen Aktienmarkt

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Düsseldorf/FrankfurtDer Rekordverlust der Deutschen Bank hat die europäischen Börsen am Donnerstag nicht aus der Bahn geworfen. Die Titel des Instituts drehten sogar zwischenzeitlich ins Plus. Analysten werteten die geplante Dividendenkürzung als Zeichen, dass die die befürchtete Kapitalerhöhung eher nicht kommt. Am Nachmittag geht die Aktie des Geldhauses allerdings wieder auf Talfahrt und liegt mit rund 0,4 Prozent im Minus.

Trotz des Rekordverlusts bei der Deutschen Bank und schwacher Exportdaten hat der Dax am Donnerstag seine jüngsten Gewinne weitgehend verteidigt. Bis zum Mittag büßte der deutsche Leitindex 0,16 Prozent ein auf 9954,94 Punkte. Gegen Nachmittag knackt der Aktienindex zum zweiten Mal am Donnerstag die Marke von 10.000 Punkten. Aus dem Handel ging der Leitindex schließlich mit 9.993,07 Punkten.

In den ersten drei Tagen dieser Woche hatte der Dax fast 4,5 Prozent gewonnen. „Er überzeugt damit ein weiteres Mal durch relative Stärke gegenüber fortgesetzt schwachen Wirtschaftsdaten aus Deutschland“, schrieb Marktanalyst Andreas Paciorek vom Broker CMC Markets.

Analysten zum Rekordverlust der Deutschen Bank

Ingo Speich, Fondsmanager Union Investment

„Der Schritt zeigt, dass Cryan der richtige Mann für die Restrukturierung der Bank ist. Er treibt die materielle Aufarbeitung der Krise weiter voran. Personell ist die Krise dagegen noch nicht aufgearbeitet, im Top-Management gab es bisher nur sehr wenige Veränderungen. Ich erwarte, dass Personen ausgetauscht werden, die für die Fehler der Vergangenheit verantwortlich sind.“

Ingo Speich

„Die Ankündigung zum jetzigen Zeitpunkt, dass die Dividende für 2015 ausfallen könnte, ist vor allem ein Signal nach innen – gerade im Hinblick auf die Bonus-Verhandlungen im Herbst. Wenn es Einschnitte für die Aktionäre gibt, müssen sich auch die Mitarbeiter mit weniger zufrieden geben – insbesondere die Investmentbanker. Das wäre ein wichtiger Schritt, um das Vertrauen der Aktionäre zurückzugewinnen.“

Atif Latif, Analyst bei Guardian Stockbrockers

„Da die Nachrichten nun draußen sind, hängt viel davon ab, ob das Management die Furcht zerstreuen kann, ob sie ihre Ziele erreichen. Wenn sie bei ihrem Strategie-Ausblick am 29. Oktober liefern, hat die Aktie Aufwärtspotenzial.“

Zeg Choudhry, Analyst bei Lontrad

„Wann immer ein Unternehmen reinen Tisch macht, hilft es, die Verunsicherung zu beseitigen. Wenn sie keine Dividende zahlen, bedeutet dies, einen Schritt zurückzugehen um voranzukommen. Der Markt könnte dies als guten Schachzug werten. Auf lange Sicht ist dies eine gute Sache. Sie bewahren ihr Kapital und das hilft dabei, die Bilanz zu stärken.“

Huw van Steenis, Analyst bei Morgan Stanley

„Die Abschreibungen und Rückstellungen der Deutschen Bank sind ein erster kathartischer Schritt. Wir erwarten eine signifikante Restrukturierung, da der Verkauf von Geschäftsbereichen nicht ausreichend erscheinen, um die eigenen Kapitalziele zu erreichen.“ Zudem müsse mit weiteren Abschreibungen auf die Postbank und Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten gerechnet werden.

Philipp Häßler, Analyst bei Equinet

„Das ist eindeutig eine negative Überraschung, obwohl die Abschreibungen auf die Postbank und Hua Xia mehr oder weniger erwartet wurden. Positiv ist allerdings, dass die Kapitalisierung der Deutschen Bank mit einer harten Kernkapitalquote von elf Prozent solide bleibt. Das bedeutet, dass wir keine größere Wahrscheinlichkeit einer Kapitalerhöhung sehen.“

Amit Goel, Analyst bei Exane BNP

„Die Dividendenkürzung haben wir nicht erwartet. Die wichtigste Ankündigung war aber diejenige, die nicht gemacht wurde. Der Konzern hat keine Kapitalerhöhung angekündigt. Die Aktien werden sich wohl kaum positiv entwickeln, bis am 29. Oktober die vollständigen Ergebnisse und Details zur Geschäftsstrategie veröffentlicht werden.“

Jon Peace, Analyst bei Nomura

„Wenn Firmenchef John Cryan Anleger davon überzeugen kann, dass eine Kapitalerhöhung vermieden werden kann, erwarten wir eine Erholung der Aktien. Nachdem die 'schlechten Nachrichten' nun draußen sind, sehen wir Kurspotenzial, wenn die Details zur Firmenstrategie gut ankommen.“

Mohamed Souidi, Analyst bei Credit Suisse

„Die Vorwegnahme dieser Verluste kann als Zeichen interpretiert werden, dass das Management den Verkauf der Postbank vorantreiben und bestimmter bei den strategischen Entscheidungen sein will.“

Die deutschen Ausfuhren fielen im August um 5,2 Prozent - mehr als vier Mal so stark wie erwartet. „Die Schwierigkeiten der Schwellenländer machen sich auch bei der europäischen Konjunkturlokomotive Deutschland bemerkbar“, sagte Andreas Paciorek, Analyst des Online-Brokers CMC Markets. „Das könnte die euphorische Erwartungshaltung an eine Jahresendrally wieder etwas dämpfen.“ Die Zahlen schürten allerdings die Hoffnung auf weitere Geldspritzen der großen Notenbanken. Hinweise auf weitere Stimuli erhofften sich Anleger von den Protokollen der jüngsten Sitzungen von Europäischer Zentralbank (EZB), Bank of England (BoE) und Federal Reserve Bank, fügte Paciorek hinzu.

Der MDax gab zum Handelsschluss um 0,11 Prozent auf 20.108,07 Punkte nach. Der Technologiewerte-Index TecDax gewann 0,3 Prozent und stieg auf 1.773,24 Punkte. Der EuroStoxx-50-Index bliebt auf 3.226,57 Punkten gleich. Der Leitindex der Eurozone war zuletzt vier Tage in Folge gestiegen.

Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz warnte aber vor überzogenen Erwartungen an die Mitschriften der US-Notenbank. Diese dürften darauf hindeuten, dass sich die Fed im September nur knapp dagegen entschieden habe, die Zinswende einzuleiten. Die Kurse am Terminmarkt signalisierten allerdings, dass Anleger die Wahrscheinlichkeit einer Verschiebung der Zinserhöhung auf März 2016 bei 60 Prozent sehen. Dies trieb den Euro kurzzeitig über die Marke von 1,13 Dollar. Der Bund-Future, der auf der zehnjährigen Bundesanleihe basiert, legte 45 Ticks auf 156,62 Punkte zu.

Die Titel der Deutschen Bank, die vorbörslich zeitweise um mehr als zehn Prozent eingebrochen waren, gehörten mit einem Kursplus von 1,5 Prozent zu den Favoriten im Dax. „Die wichtigste Ankündigung war diejenige, die nicht gemacht wurde: Der Konzern hat keine Kapitalerhöhung angekündigt“, sagte Analyst Amit Goel von der Bank Exane BNP. Andere Börsianer werteten die milliardenschweren Abschreibungen als Vorboten des nahenden Verkaufs der Postbank und eines radikalen Konzernumbaus. Der neue Deutsche Bank-Chef John Cryan will seine Strategie am 29. Oktober präsentieren. Im abgelaufenen Quartal verbuchte das Geldhaus einen Verlust von rund sechs Milliarden Euro - so viel wie noch nie. Aus diesem Grund will das Geldhaus die Dividende für 2015 kürzen oder sogar ganz streichen.

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