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24.06.2015

18:01 Uhr

Börse Frankfurt

Dax schließt leicht im Minus

Der Dax startete mit Gewinnen in den Tag, Anleger waren optimistisch. Doch die Meldung, dass Griechenlands Reformvorschläge abgelehnt wurden, lässt den Leitindex abstürzen. Am Ende kann sich der Dax aber wieder fangen.

Börse am Abend

Begriff „Schuldenerlass“ wieder auf dem Tisch – Dax fällt

Börse am Abend: Begriff „Schuldenerlass“ wieder auf dem Tisch – Dax fällt

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FrankfurtIn Brüssel wird wieder gepokert – und zwar um die Zukunft Griechenlands. Die griechische Tragödie steht vor ihrem „finalen Akt“, am Dienstag werden Griechenlands Rückzahlungen in Höhe von 1,6 Milliarden Euro fällig. Am Morgen signalisierten Marktteilnehmer noch Zuversicht und zeigten sich optimistisch, der Dax legte zu. Selbst, wenn keine Einigung erreicht werden sollte, so sei Griechenland „ohnehin nicht so wichtig“ für die Märkte.

Doch am Mittwoch sprach der Kurs eine andere Sprache. Kurz vor Mittag brach der Dax um mehr als einen Prozent ein. Der Grund: Gerüchten zufolge haben die Gläubiger Griechenlands Reformvorschläge abgelehnt. Der Dax notierte bis zu 1,1 Prozent tiefer bei 11.412 Punkten. Am Abend fing sich der Kurs jedoch wieder, der Dax schloss mit 11.471 Punkten nur um 0,6 Prozent leichter. Der MDax der mittelgroßen Werte sank zur Wochenmitte um 0,35 Prozent auf 20 234,17 Punkte. Für den Technologiewerte-Index TecDax ging es um 0,80 Prozent auf 1689,33 Punkte nach unten.

Der Athener Leitindex hingegen rutschte zwischenzeitlich um bis zu 4,4 Prozent ab. Im Gegenzug flüchteten einige Investoren in den „sicheren Hafen“ Bundesanleihen und trieben den Bund-Future 88 Ticks in die Höhe auf 151,08 Punkte.

Griechischen Regierungsinsidern zufolge hat Ministerpräsident Alexis Tsipras seinen politischen Verbündeten mitgeteilt, dass die Geldgeber die vorgeschlagenen Reformen nicht akzeptiert hätten. „Es dürfte jetzt schwierig werden, das noch positiv hinzubiegen“, sagte ein Händler.

Krisenglossar Griechenland

Bankenrun

Aus Angst vor der Staatspleite haben die Griechen längst Milliarden Euro von ihren Konten geholt oder ins Ausland geschafft. Steigt die Gefahr weiter, kommt es zum akuten Bankenrun: Die Kunden versuchen massenweise, ihre Konten leer zu räumen. Die Banken würden ausbluten, sie könnten den Firmen kein Geld mehr leihen, die Wirtschaftsaktivität erliegt.

Kapitalverkehrskontrollen

Um den Bankenrun zu verhindern, müssten die Banken vorübergehend ganz geschlossen und Onlinetransfers unterbrochen werden. Wenn sie wieder aufmachen, würden Auslandsüberweisungen verhindert und Abhebungen an den Automaten auf kleinere Beträge begrenzt werden. So wurde es vor drei Jahren in Zypern gemacht. Die letzten Kapitalverkehrskontrollen wurden dort erst in diesem Frühjahr wieder aufgehoben. Den massiven Eingriff müsste die Regierung in Athen praktisch über Nacht mit einem Dringlichkeitsgesetz beschließen - gezwungen werden kann sie von den Euro-Partnerländern nicht. "Die Griechen haben noch nichts vorbereitet", konstatiert ein EU-Diplomat.

Zahlungsunfähigkeit

Ob ein Staat pleite ist, bestimmen üblicherweise Ratingagenturen, indem sie einen sogenannten Credit Event feststellen. Dazu müsse es aber selbst dann noch nicht kommen, wenn Athen seine beim Internationalen Währungsfonds (IWF) fällige Rate am 30. Juni nicht begleicht, meint der Chefvolkswirt der ING-Diba, Carsten Brzeski. Denn dabei gehe es nicht um Marktpapiere. Entscheidend sei nicht der Markt, heißt es hingegen in Euro-Kreisen: Zahlt Athen nicht an den IWF zurück, könnte die EZB griechische Anleihen eigentlich nicht länger als Pfand akzeptieren und müsste den Tropf für das griechische Finanzsystem zudrehen. Die Banken müssten praktisch über Nacht abgewickelt werden.


Grexit

Eine Pleite Athens hätte nicht automatisch das Euro-Aus für Griechenland - also den Grexit - zur Folge. Tatsächlich ist ein Rauswurf aus dem Euro-Club durch die übrigen Mitglieder nur möglich, wenn die griechische Regierung am Ende selbst zustimmt: Es müsste ein neuer Vertrag geschlossen werden - mit der Unterschrift Athens. Eine große Mehrheit der Griechen will den Euro aber behalten. Bei einem Verbleib im Euro ohne weiteren finanziellen Beistand von EZB und Euro-Ländern trocknen Banken und Wirtschaft aber aus. Die Regierung wäre also zum Grexit und der Rückkehr zur Drachme gezwungen. Eine chaotische Übergangsphase von mindestens einem halben Jahr wäre die Folge, schätzt Ökonom Carsten Hefeker von der Universität Siegen.

Parallelwährung

Eine Art Mittelweg zwischen Euro und Grexit wäre die Einführung einer Parallelwährung: Weil dem Staat Barmittel fehlen, zahlt er Beamte und Rentner zumindest zum Teil mit Schuldscheinen aus. Um überhaupt noch Geschäfte zu machen, würden Händler und Dienstleister die Schuldscheine als Zahlungsmittel akzeptieren, erläutert der französische Finanzwissenschaftler Eric Dor. Wegen des Risikos wären die Schuldscheine allerdings weniger Wert als Euro. Die Schuldscheine werden in der Finanzwelt "IOU" genannt, nach dem Englischen "I Owe You" (Ich schulde Dir). Kalifornien griff im Sommer 2009 erfolgreich auf das Hilfsmittel zurück, um eine Pleitephase zu überbrücken.

Geuro

Den Begriff hat Ex-Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer erfunden, im Mai erläuterte er sein Konzept Griechenlands Finanzminister Giannis Varoufakis. "Geuro"-Schuldscheine würden Athen finanziellen Spielraum verschaffen und durch die Abwertung die Wettbewerbsfähigkeit des Landes stärken, so seine Theorie. Die Rechnung ginge aber nur auf, wenn die internationalen Gläubiger ihre Forderungen zurückstellen und das griechische Bankensystem weiter durch den Euro-Rettungsschirm gestützt würde, was unter Experten als ausgeschlossen gilt. Ein Rückweg vom Geuro zur Euro-Vollmitgliedschaft gelänge nur, wenn Athen durch Wirtschaftsreformen ein Haushaltsplus erwirtschaftet und die Schuldscheine allmählich auslösen kann.

Primärüberschuss

Die Erwirtschaftung eines Primärüberschusses - also ein Plus im Haushalt vor Abzug der Schuldentilgung - ist der entscheidende Faktor für die Gesundung der Staatsfinanzen: Wenn Athen durch Steuern und Privatisierungen mehr einnimmt als es ausgibt, kann es seine Schulden schrittweise abtragen. Die Vorgängerregierung hat durch drastische Kürzungen einen Überschuss erreicht. Stattdessen durch höhere Staatseinnahmen ein Plus zu erzielen, kann nur gelingen, wenn das Vertrauen zurückkehrt. "Dafür gibt es keinen Hinweis", sagt ING-Experte Brzeski.

Schuldenschnitt

Sowohl Athen als auch der IWF wollen die Euroländer bewegen, zumindest auf einen Teil ihrer Forderungen zu verzichten, um dem überschuldeten Land einen Neustart zu ermöglichen. Die griechische Regierung hat signalisiert, bei einem Schuldenschnitt die verlangten Reformen umsetzen zu wollen. Neben dem IWF halten auch viele Experten einen Verzicht für den einzigen gangbaren Weg. Allerdings liefe das auf ein drittes Rettungspaket hinaus. Der geplante Sondergipfel der Euro-Staaten müsste sich dafür eine Erklärung abringen, bei einem Antrag Athens ein neues Programm zu entwerfen und die Schuldentragfähigkeit zu sichern. Dafür bräuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Rückendeckung des Bundestages.

Am Mittag verhandelte der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras mit den Chefs von EU-Kommission, EZB und IWF um eine mögliche Lösung im Schuldenstreit. Am Abend steht dann ein neues Treffen der Euro-Finanzminister an und am Donnerstag sowie Freitag folgt ein EU-Gipfel. Gelingt keine Einigung, verfallen die Milliardenhilfen aus dem in einer Woche endenden Hilfspaket für Griechenland – damit stünde eine Staatspleite kurz bevor.

Am Vormittag sorgten bereits Konjunkturdaten für trübe Stimmung. Der Ifo-Index für Juni fiel mit 107,4 Punkten schlechter aus als erwartet (108,1 Punkte) und dämpfte die Kauflaune.

Kommentare (17)

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Herr Franz Paul

24.06.2015, 12:28 Uhr

Mensch, sind diese Börsianer alles Pfeifen. Seit Wochen starren sie wie das Kaninchen auf die Schlange bloß noch auf Griechenland. Lässt ein Grieche einen Furz, starten sie hysterische Verkaufsaktivitäten. Sagt ein Euro-Bonze "Hmm, das riecht aber fein", fangen sie wiederum alle an zu kaufen was das Zeug hält.
Griechenland bedeutet 2% der Wirtschaftsleistung der EU, ihr Börsianer.
Und was wäre denn, wenn das komplett wegfiele?
Mal ganz einfach ausgedrückt, extra für euch, wenn euer Auto nur noch 294 statt 300 PS hat, verkauft ihr den Schlitten? Wie bekloppt wär das wohl? Griechenland ist wirtschaftlich bedeutungslos. Kapiert das endlich, und geht mal richtig arbeiten.

Herr Tom Schmidt

24.06.2015, 12:52 Uhr

Der hohe DAX war keine Euphorie, es war die Flucht aus dem Euro! Der Euro verliert bei jedem "Erfolg" der Griechenretter (gegenüber US-$, etc.) Also das was gerettet wird, geht in die Knie wenn das passiert!!! Wird die Griechenretterei in Frage gestellt... steigt der Euro sofort!

Frau Ich Kritisch

24.06.2015, 13:16 Uhr

und Gold steigt wieder - genauso wie der Euro. also gut für die normale Bevölkerung :-)

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