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29.06.2015

17:40 Uhr

Börse Frankfurt

Dax schließt mehr als 400 Punkte tiefer

Der Dax konnte zwar einen Teil seiner Verluste wieder wettmachen. Dennoch drückte ihn die Griechenland-Krise mehr als 400 Punkte ins Minus. Statt bei Aktien griffen die Anleger heute lieber bei Bundesanleihen zu.

Börse am Abend

Dax fällt – Grexit-Panik bleibt jedoch aus

Börse am Abend: Dax fällt – Grexit-Panik bleibt jedoch aus

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DüsseldorfGriechenland erschüttert die Finanzmärkte. Die dramatische Verschärfung der Finanzkrise des Landes hat den Dax zeitweise knapp 500 Punkte beziehungsweise 4,6 Prozent abstürzen lassen. Mit zunehmender Dauer stabilisierte sich die Lage ein wenig. Am Ende musste der Leitindex bei 11.083 Punkten aber dennoch ein sattes Minus von 3,6 Prozent hinnehmen. Der Umsatz im Dax war mit über 105 Millionen Aktien für rund 4,5 Milliarden Euro sehr hoch.

Auch andere Börsen in Europa notierten tief im Minus. Der CAC 40 lag 3,7 Prozent im Minus. Der italienische FTSE MIB notierte 4,9 Prozent tiefer. In Großbritannien gab der Londoner Leitindex 1,8 Prozent nach. Der europäische Auswahlindex Euro Stoxx 50 rutschte vier Prozent ins Negative. In den USA verlor der Dow Jones 1,1 Prozent auf 17.747 Zählern.

Die schwärzesten Börsentage seit 1987

Vor 1987

Beim größten Crash der Nachkriegszeit am 19. Oktober 1987 - als Spekulationen auf Zinserhöhungen den Dow-Jones-Index um 23 Prozent einbrechen ließen - hatte es den Dax noch nicht gegeben. Der deutsche Index, in dem die 30 börsennotierten Top-Unternehmen abgebildet sind, wurde erst am 1. Juli 1988 eingeführt. Auf Dax-Basis zurückberechnet hatten sich die Verluste an diesem Tag in Frankfurt aber auf gut neun Prozent belaufen.

16. Oktober 1989

Der Dax fällt um rund 13 Prozent und folgt damit der Wall Street, wo Finanzierungs-Schwierigkeiten beim Kauf der US-Fluggesellschaft UAL einen Ausverkauf auslösten.

19. August 1991

In Reaktion auf den später gescheiterten Putsch gegen den damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow verliert der Dax gut neun Prozent.

28. Oktober 1997

Im Sog der Asienkrise verliert der Dax im Handelsverlauf bis zu 13 Prozent und schließt mit 3.567 Punkten acht Prozent niedriger.

1. Oktober 1998

Die Angst vor einem Flächenbrand im Bankenwesen nach der Schieflage eines Hedgefonds in den USA und einer Eskalation der Krisen in Asien, Japan, Lateinamerika und Russland drücken den Dax um acht Prozent ins Minus.

11. September 2001

Nach den Terroranschlägen in den USA fällt der Dax um neun Prozent.

5. August 2002 und 3. September 2002

US-Rezessionsängste drücken den Dax um 5,7 beziehungsweise 5,8 Prozent in die Tiefe. Darüber hinaus sorgt die Unsicherheit über die Lage im Irak für Aktienverkäufe.

24. März 2003

Wenige Tage nach Beginn des Irak-Krieges wachsen die Zweifel an den Finanzmärkten. Viele Anleger fürchten, der Krieg könnte sehr viel länger als von den USA erwartet dauern. Der Dax stürzt um 6,1 Prozent ab.

21. Januar 2008

Angst vor einer Rezession in den USA drückt den Dax um sieben Prozent auf 6.790 Punkte ins Minus.

15. September 2008

Die Pleite von Lehman drückt den Dax um moderate 2,7 Prozent.

06. Oktober 2008

Für den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate muss binnen einer Woche ein zweites Rettungspaket geschnürt werden. Der Dax verliert sieben Prozent.

08. Oktober 2008

Im Sog der Finanzkrise stürzt der Nikkei -Index um über neun Prozent ab. Der Dax verliert bis zu neun Prozent. Nach einer konzertierten Zinssenkungsrunde der großen Notenbanken erholen sich die Kurse nur leicht. Der Dax schließt mit einem Minus von sechs Prozent.

10. Oktober 2008

Rezessionsängste angesichts der Finanzkrise drücken den Nikkei-Index um zehn Prozent. Der Dax verliert ebenfalls sieben Prozent.

24. Oktober 2008

Ein erneuter Absturz der Tokioter Börse drückt den Dax in der Spitze um über elf Prozent.

01. Dezember 2008

Konjunktursorgen lassen den Dax um rund sechs Prozent fallen.

15. März 2011

Vier Tage nach der Erdbebenkatastrophe flüchten die Anleger weltweit aus den Aktienmärkten. Die Kernschmelzen in Fukushima erschüttern das Vertrauen zusätzlich: Der Nikkei-Index schließt 10,6 Prozent im Minus, der Dax verliert zeitweise 5,6 Prozent.

8. August 2011

Die USA verlieren am Wochenende bei der Ratingagentur Standard & Poor's ihre Bestnote als Kreditnehmer. Obwohl dies keine Überraschung ist, reagieren die Anleger mit Aktienverkäufen in großem Stil. Als an der Wall Street der Dow-Jones-Index 3,4 Prozent abstürzt, beschleunigt der Dax seine Talfahrt und verliert bis zu 5,2 Prozent auf 5921 Punkte.

5. September 2011

Die Furcht der Anleger vor einer weltweiten Rezession und einer Ausweitung der Schuldenkrise in der Euro-Zone drückt den Dax um 5,3 Prozent ins Minus.

1. November 2011

Der Dax verliert rund fünf Prozent. Auslöser ist die überraschende Ankündigung einer Volksabstimmung in Griechenland über ein Rettungspaket.

29. Juni 2015

Das Scheitern der Gespräche zur Lösung der Schuldenkrise in Griechenland und die überraschende Ansetzung einer Volksabstimmung über die Forderungen der Gläubiger drückt den Dax gleich im frühen Handel um 4,6 Prozent auf 10.964,24 Punkte.

Der Präsident des Handelsverbandes BGA sieht nach dem Scheitern der griechischen Schuldengespräche nach eigenen Worten allerdings keinen Anlass zu großen Sorgen. Die Kursabschläge an der Frankfurter Börse seien eher gering, sagte Anton Börner am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Er hätte Rückgängen bis zu 15 Prozent erwartet. „Ein Chaos sieht anders aus.“

Asoka Wöhrmann, Chief Investment Officer Deutsche Asset & Wealth Management, stimmt der Einschätzung von Anton Börner zu – und geht sogar noch weiter: „Grundsätzlich sehen wir die heutige Marktreaktion sogar positiv. Obwohl die Entwicklungen am Wochenende zu einem neuen Grad an Unsicherheit geführt haben, ist die Marktreaktion über alle Vermögensklassen geradezu moderat und keineswegs panikartig.“

Nach Ansicht von Analyst Berndt Fernow von der LBBW in Stuttgart bietet der Rückschlag sogar die Chance zum Einstieg. „Wenn sich die Aufregung gelegt hat und sich die Anleger auf die Fundamentaldaten der Unternehmen besinnen, werden auch die Kurse wieder zulegen“, schrieb Fernow in einem Kommentar der Bank.

In der Nacht auf Montag hatte die griechische Regierung Kapitalverkehrskontrollen beschlossen, nachdem die internationalen Gläubiger die Verlängerung eines Hilfspakets abgelehnt hatten. Grund: Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hatte in der Nacht auf Samstag überraschend ein Referendum über die Vorschläge von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds angekündigt hatte. Der Ausgang des Referendums könnte darüber entscheiden, ob Griechenland Mitglied der Euro-Zone bleibt oder nicht.

Griechenland-Turbulenzen: Anleger flüchten in Bundesanleihen

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Anleger flüchten in Bundesanleihen

Die Kurse deutscher Staatsanleihen ziehen wegen der Unsicherheit rund um Griechenland an. Gleichzeitig fallende Kurse für südeuropäische Staatspapiere. Damit öffnet sich die Rendite-Schere.

Doch die Zeit läuft gegen Athen. Denn trotz der drohenden Staatspleite Griechenlands sehen die europäischen Partner keinen Spielraum für eine Verlängerung des aktuellen Hilfsprogramms. Sowohl Bundeskanzlerin Angela Merkel als auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker ließen am Montag keine Bereitschaft erkennen, der Bitte des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras um einen erneuten Aufschub bis zum geplanten Referendum am Sonntag nachzukommen.

Kommentare (41)

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Herr Max Müller

29.06.2015, 09:49 Uhr

@HB: Exodus, weil der DAX mal 4,3 Prozent verliert? Liebes HB-Team, das ist Bildzeitungsniveau. Mann!

Herr Stefan Kirschstein

29.06.2015, 10:00 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

Herr Andreas Groß

29.06.2015, 10:02 Uhr

Der Schuldenstand aller Industrienationen ist unhaltbar. Griechenland ist der Anfang. Der Bondmarkt wird gestutzt. Das geht nicht ohne Schmerzen.

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