Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.02.2011

17:55 Uhr

Börse Frankfurt

Dax schließt mit knappem Minus

Neue Konjunkturdaten aus den USA lenkten die Anleger heute von den Unruhen in Nordafrika ab. Vor allem Autowerte stützen den deutschen Leitindex, Airline-Aktien stehen dagegen auf der Verkaufsliste.

Ölpreis steigt kräftig weiter - Dax unter Druck

Video: Ölpreis steigt kräftig weiter - Dax unter Druck

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Frankfurt Kräftige Kursgewinne bei Autoaktien und die wachsende Zuversicht der US-Verbraucher haben den Dax am Dienstag gestützt. Der deutsche Leitindex schloss nahezu unverändert bei 7318 Punkten und hielt sich damit besser als die meisten europäischen und US-Aktienindizes. Die Aktienmärkte wurden weiter von der eskalierenden Gewalt im Ölstaat Libyen belastet.

Das Konsumklima in den USA war im Februar so hoch wie seit drei Jahren nicht mehr . Auch der Konjunkturindex der US-Notenbank von Richmond legte zu. „Das insgesamt
freundliche konjunkturelle Umfeld des Jahresbeginns 2011 bleibt daher erhalten“, kommentierte Helaba-Analystin Viola Stork.

Nichtsdestotrotz hat die eskalierende Gewalt im Ölstaat Libyen Spekulationen auf ein schwächeres Wachstum der Weltwirtschaft geschürt. Insbesondere der rasante Anstieg des Ölpreises belastete die Aktienmärkte. Investoren griffen daraufhin bei Gold und Bundesanleihen zu, die als sichere Anlagehäfen gelten. „Man macht sich Sorgen über die Öllieferungen aus Libyen und dass der Funke der Unruhen auf die arabische Halbinsel übergreift, wo es ohnehin bereits gärt“, sagte ein Börsianer. „Beim größten Ölproduzenten Saudi-Arabien ist es zwar noch ruhig, aber falls sich dies ändern würde, wäre dies fatal für den Ölpreis. Solche eine Entwicklung würde nicht nur zu Inflation führen, sondern ein globales Wachstumsrisiko darstellen.“

Der EuroStoxx50 für die Euro-Zone lag am Abend 0,85 Prozent tiefer bei 2987 Zählern, die US-Börsen gingen mit Verlusten in den Handel. Am Morgen waren bereits die Börsen in Asien auf Talfahrt gegangen, nachdem die Ratingagentur Moody’s sich skeptischer als zuletzt über die Kreditwürdigkeit Japans geäußert hatte. Bei dem gewaltsamen Aufstand in Libyen waren offenbar mehrere hundert Menschen ums Leben gekommen, die Regierung von Machthaber Muammar Gaddafi wankte. Mögliche Engpässe bei der Ölversorgung trieben den Preis für den Schmierstoff der Weltwirtschaft auf ein Zweieinhalbjahres-Hoch. Das Fass US-Öl der Sorte WTI kostete bis zu 94,49 Dollar, Nordseeöl der Sorte Brent bis zu 106,75 Dollar. Nach Einschätzung der internationalen Energieagentur (EA) könnten die Unruhen in Nordafrika Unterbrechungen am Ölmarkt zur Folge haben. Sollte der Ölpreis das ganze Jahr über der Marke von 100 bleiben, könne sich die
Wirtschaftskrise des Jahres 2008 wiederholen.

Die Verunsicherung vieler Investoren schlug sich in einem Anstieg des Goldpreises nieder. Die Feinunze des Edelmetalls verteuerte sich auf bis zu 1402,7 Dollar.

Wann kehrt der Frieden nach Nordafrika zurück, fragen sich die Anleger. Quelle: dapd

Wann kehrt der Frieden nach Nordafrika zurück, fragen sich die Anleger.


Am Aktienmarkt schlug sich der Preissprung beim Öl vor allem in Kursverlusten bei Papieren von Fluggesellschaften nieder. Lufthansa verlor 0,6 Prozent. „Die Verteuerung des Rohöls spüren die Airlines natürlich als erstes. Deren Kosten steigen über den Ölpreis deutlich“, sagte ein Händler. Die Titel der Konkurrenten Air France-KLM und die aus dem Zusammenschluss von British Airways und Iberia hervorgegangenen International Consolidated Airlines Group rutschten 2,2 beziehungsweise ein Prozent ab.

Auch die Aktien von Ölkonzernen wurden verkauft. Grundlegende politische Veränderungen gefährden nach Einschätzung von Börsianern bestehende Lizenz- und Versorgungsvereinbarungen. Nach zeitweisen Verlusten lagen die Aktien von BP und Shell in London jedoch wieder 0,45 beziehungsweise 0,35 Prozent im Plus. In Frankfurt verloren die Aktien des Dax-Schwergewichtes BASF 0,9 Prozent. Die Tochter Wintershall fördert in Libyen Öl.

Trotz des teueren Öls standen deutsche Autowerte bei Anlegern hoch im Kurs. MAN-Aktien wurden von anhaltenden Spekulationen auf eine Übernahme durch Scania auf Touren gebracht. Sie gewannen 2,5 Prozent auf 88,56 Euro und waren damit zwischenzeitlich größter Dax-Gewinner. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hatte geschrieben, der schwedische Lkw-Hersteller könne im April ein Angebot vorlegen. Scania lehnte einen Kommentar dazu ab. VW-Aktien stiegen um 2,85 Prozent an die Dax-Spitze. Sie profitierten laut Händlern von einem Bericht der Fachzeitschrift „Automotive News Europe“, die Wolfsburger könnten ihren Rivalen Toyota früher als geplant von der Weltspitze drängen. Im Sog von VW verteuerten sich Daimler um 1,6 Prozent, BMW um 0,2 Prozent.

Die RWE-Titel gewannen 0,5 Prozent auf 52,50 Euro. Händler verwiesen auf Medienberichte, denen zufolge der Versorger für 11 Milliarden Euro Unternehmensteile verkaufen wolle, um seine Verschuldung zu reduzieren.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×