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07.12.2011

18:05 Uhr

Börse Frankfurt

Dax schließt schwach – Bundesregierung enttäuscht Anleger

Je näher der EU-Gipfel rückt, desto nervöser werden die Börsen. Der Dax konnte sein deutliches Plus nicht verteidigen. Schuld daran war unter anderem die Bundesregierung, die die Erwartungen vieler Anleger dämpfte.

Enttäuschter Händler an der Frankfurter Börse. ap

Enttäuschter Händler an der Frankfurter Börse.

DüsseldorfHeute war der Wunsch der Vater des Gedanken: Bis zur Mittagszeit hielt sich die Hoffnung, dass der kommende EU-Gipfel endlich konkrete Maßnahmen gegen die Eurokrise hervorbringen könnte. Die Anleger kauften kräftig ein und schoben den Dax deutlich ins Plus. Doch am Nachmittag ruderte die Bundesregierung zurück und zerstörte die Hoffnungen der Anleger. Am Ende ging der Dax mit einem Minus von 0,6 Prozent auf 5.995 Punkte aus dem Handel und rutschte damit unter die technisch wichtige Marke von 6.000 Punkten. In der zweiten Reihe bot sich das gleiche Bild. Nach anfänglich großen Gewinnen sackte der MDax auf ein Minus von 1,1 Prozent auf 8.850 Zähler ab und der TecDax beendete den Handelstag mit eine Minus von ein Prozent auf 687 Punkte.

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Am Morgen sorgten vor allem Berichte über eine mögliche gleichzeitige Anwendung des EFSF und des dauerhaften Eurorettungsschirms ESM für Kaufanreize. Mit dieser Maßnahme würde sich das Rettungspaket beinah verdoppeln. Diese Berichte wurden am Vormittag jedoch von Regierungskreisen dementiert.

Trotz der gedämpften Erwartungshaltung der Bundesregierung hoffen die Börsianer weiterhin auf den EU-Gipfel am kommenden Freitag. "Investoren setzen sehr viel auf den EU-Gipfel", sagte Analyst Keith Bowman. Dies zeigte auch die leichte Gegenbewegung des Dax gegen Handelsschluss.

Der Tag an den Märkten (Stand: 18:00 Uhr)

Dax

- 1,0 Prozent

Euro Stoxx 50

- 1,5 Prozent

Dow Jones

- 0,6 Prozent

Nikkei

+ 0,5 Prozent

CSI 300 (China)

- 0,3 Prozent

Euro

1,3036 Dollar (- 0,3 Prozent)

Gold

1.612 Dollar (- 0,1 Prozent)

Öl (Brent)

108,33 Dollar (+ 0,4 Prozent)

Im ständigen Hin und Her rund um den EU-Gipfel gehen die Meinungen der Experten über den gestrigen Vorstoß der Ratingagentur Standard & Poor's auseinander. Die Drohung einer Abstufung zahlreicher Euroländer ist Ralf Grönemeyer von Silvia Quandt Research zufolge das richtige Zeichen für die Politiker. „Die angedrohte Herabstufung der Bonität praktisch aller Euro-Länder dürfte die Politiker noch einmal zusätzlich aufgerüttelt haben“, sagte der Aktienstratege.

Ein deutscher Regierungsvertreter teilte diesen Optimismus dagegen nicht. „Aus den vielen Gesprächen der letzten Tage und Wochen haben wir den Eindruck, dass eine Reihe von Akteuren den Ernst der Lage noch nicht verstanden haben“, sagte er.

Erschwerend zu der derzeitigen Situation kommt die Uneinigkeit zwischen Frankreich und Deutschland im Bezug auf den dauerhaften Eurorettungsschirm ESM hinzu. Während sich Frankreich nicht auf eine konkrete Kreditsumme festlegen will, dessen Grenze der Markt austesten könnte, fordert Deutschland die vereinbarte Summe von 500 Milliarden Euro beizubehalten. Einigkeit herrscht hingegen in der Frage zu den Euro-Bonds, die beide Nationen ablehnen.

"Feste Zusage in Richtung einer Fiskalunion"

Die morgen stattfindende Sitzung der Europäischen Zentralbank könnte schon mal eine Vorgeschmack auf den am Freitag gesetzten EU-Gipfel liefern. Auf der Sitzung werden die weiteren Zinsschritte bekanntgegeben. Experten erwarten eine weitere Senkung um 25 Basispunkte.

Die Europäische Zentralbank könnte in den nächsten Tagen zudem weiter in den Fokus der Börsianer rücken. Aus EU-Kreisen heißt es, dass die EZB eng in die Gipfel-Vorbereitung durch EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy eingebunden ist. EZB-Präsident Mario Draghi warte auf "eine feste Zusage, in Stein gemeißelt, von den Mitgliedstaaten, sich in Richtung einer Fiskalunion zu bewegen". Nach Draghis Andeutungen in der vergangenen Woche gehen viele Beobachter davon aus, dass die Zentralbank stärker in die Unterstützung klammer Euro-Länder einsteigen würde, wenn es einen Beschluss zu strikterer Haushaltspolitik und engerer Koordination der Wirtschaftspolitik gäbe.

An der Frankfurter Börse konnten heute zunächst die Finanztitel von der Zuversicht hinsichtlich des EU-Gipfels profitieren. Am Nachmittag drehten die Kurse dann aber mit der umschwenkenden Marktdynamik in Richtung Minus. Berichte über das mögliche Durchfallen der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) und der NordLB verbreiteten im Vorfeld eine negative Stimmung unter den Finanztitel. Auch der pessimistische Ausblick der Bundesregierung trübte die Stimmung der Finanztitel ein. Am Ende verlor die Deutsche Bank 0,5 Prozent und die Allianz gab 1,7 Prozent nach. Lediglich die Commerzbank schaffte mit 1,4 Prozent den Sprung ins Plus.

Kommentare (102)

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Account gelöscht!

07.12.2011, 07:32 Uhr

Die internationalen Maerkte und internat. Presse gibt heute kaum noch etwas auf die Ratingagenturen - S&P hat sich damit selbst herabgestuft!

Sachlich

07.12.2011, 07:45 Uhr

Das halte ich für Unsinn!

Das was S&P gestern - nachvollziehbar - verlautbart hat, ist längst eingepreist! Nur wenige uninformierte ließen sich davon gestern beeinflussen

Account gelöscht!

07.12.2011, 07:52 Uhr

Wenn der Markt nicht reagiert, war es eingepreist.

Ich denke, bei dieser Aussage handelt es sich um eine Tautologie, eine allgemein gültige Aussage. Tautologien beinhalten keine neue Information.

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