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15.06.2015

17:46 Uhr

Börse Frankfurt

Dax schließt so tief wie seit drei Monaten nicht

Die Hellas-Krise lässt den Dax 200 Punkte abrutschen. Noch schlimmer sieht es an der griechischen Börse aus. In einer Rede vor dem Europaparlament fordert EZB-Präsident Mario Draghi von Athen nun eine schnelle Reaktion.

Börse am Abend

Dax fällt unter 11.000 Punkte

Börse am Abend: Täglich grüßt Griechenland: Dax fällt unter 11.000 Punkte

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FrankfurtDer griechische Schuldenstreit bringt die Börsen in Bedrängnis. Vielen Anlegern ist es kurzfristig zu riskant, in die Aktienmärkte einzusteigen. Der Dax musste deswegen größere Verluste hinnehmen. Der Leitindex beendete den Handel rund 1,9 Prozent im Minus auf 10.985 Punkten. Das letzte Mal schloss der Dax vor mehr als drei Monaten unter der 11.000-Punkte-Marke. Der Grund: Griechenland.

Bis zum 30. Juni braucht Griechenland die letzte Hilfstranche des Internationalen Währungsfonds in Höhe von 7,2 Milliarden Euro. Kommt es zu keiner Einigung, wird das Geld nicht an Athen ausgezahlt und die Griechen stünden vor der Staatspleite. Nach Angaben der EU-Kommission ist es nun an der Euro-Gruppe, über das weitere Verfahren mit Griechenland zu entscheiden. Die Euro-Finanzminister beraten am Donnerstag in Luxemburg.

Was vielen Marktakteuren den Angstschweiß auf die Stirn treibt, lässt Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras noch lange nicht erzittern. „Wir werden geduldig abwarten, bis die Institutionen auf eine realistische Position einschwenken“, sagte er der griechischen Zeitung „Ton Syntakton“.

Fakten rund um den Dax

Die Anfänge

Der Dax führt den Index der „Börsen-Zeitung” fort. Basis der Indexberechnung ist der 30. Dezember 1987 mit einem Wert von 1.000 Punkten. Die historische Zeitreihe reicht bis 1959 zurück.

Wer ist gelistet?

Im Dax sind die Aktien der 30 größten und umsatzstärksten deutschen Unternehmen an der Frankfurter Wertpapierbörse enthalten.

Wie wird der Dax berechnet?

Der Index wird sekündlich auf Basis der Xetra-Kurse von 9.00 bis 17.30 Uhr berechnet und ist ein Performance-Index. Damit unterscheidet er sich vom Dow-Jones-Index für die US-Standardwerte, in dem die Aktien nicht gewichtet sind.

Wonach werden die Aktien gewichtet?

Das Gewicht einer Aktie bemisst sich nach dem Anteil an der gesamten Kapitalisierung der im Index enthaltenen Werte.

Was entscheidet über die Aufnahme in den Dax?

Wichtigstes Kriterium für die Dax-Aufnahme sind der Wert des Unternehmens an der Börse (Marktkapitalisierung) und der Börsenumsatz. Jeweils zu Monatsbeginn erstellt die Börse nach diesen Kriterien eine Rangliste, die dem Arbeitskreis Aktienindizes als Entscheidungsgrundlage bei der Überprüfung des Index dient. Daneben werden unter anderem auch der Streubesitz oder die Sektorenzugehörigkeit berücksichtigt.

Wie beeinflussen Dividenden den Index?

Bei Dividenden- oder Bonuszahlungen wird die Indexberechnung um den Betrag der Barausschüttung korrigiert. Ähnliches gilt bei Kapitalmaßnahmen.

Wer bestimmt über den Dax?

Die Zusammensetzung des Dax wird einmal jährlich im September vom Arbeitskreis Aktienindizes überprüft. Diesem gehören die Deutsche Börse und Banken aus dem In- und Ausland an. Der Arbeitskreis tagt aber vier Mal im Jahr: im März, Juni, September und Dezember.

Griechenlands Anleger hingegen reagieren deutlich nervöser. Der Athener Leitindex ASE General notierte am Montag zwischenzeitlich um mehr als sieben Prozent tiefer. Der griechische Bankenindex raste 16,6 Prozent ins Minus. Auch am griechischen Anleihemarkt beschleunigte sich der Ausverkauf. Die Rendite für zweijährige Staatspapiere schossen um mehr als drei Prozentpunkte in die Höhe auf 29,45 Prozent.

Mittlerweile spielen viele Analysten auch konkrete „Grexit“-Szenarien, also ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone, durch. Die EZB sieht sich für ein solches Szenario gewappnet. „Man gewöhnt sich an Krisenmanagement. Wir haben Erfahrung, egal in welcher Situation“, sagte EZB-Chefvolkswirt Peter Praet am Montag in Wien.

EZB-Präsident Mario Draghi rät Griechenland derweil im Rahmen des geldpolitischen Dialogs mit dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europaparlaments zu schnellen Handlungen. Er fordert von den Politikern eine Lösung im Schuldenstreit und macht deutlich, dass die Zentralbank in die Verhandlungen nicht eingreifen werde.

Ralf Zimmermann vom Bankhaus Lampe sieht bei einem „Grexit“ für den Leitindex noch großes Abwärtspotenzial. Der Analyst sagt voraus, dass der Dax dann um weitere zehn Prozent auf bis zu 10.000 Punkte absacken könnte. „Die Bewegung seit Mitte April war vom Crash am deutschen Bondmarkt getrieben. Käme es zu einem 'Grexit', wäre das eine zusätzliche Belastung“, sagte Aktienstratege Zimmermann aus Düsseldorf.

Christian Stocker, leitender Unicredit-Stratege in München, sieht zwar auch Risiken für den Dax, hält sie aber für zeitlich begrenzt. Da die Volkswirtschaft des Euro-Raums an Stärke gewinne, wäre ein Punktestand von 10.000 für ihn eine Kaufgelegenheit. Auf diesem Niveau wären die Aktien im Dax mit dem 12,6-fachen der erwarteten Gewinne für dieses Jahr bewertet – so niedrig wie seit Januar nicht mehr, zeigen Daten von Bloomberg.

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