Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.10.2014

17:43 Uhr

Börse Frankfurt

Dax schließt über 9000 Punkten

Konjunkturdaten für die Euro-Zone haben dem Dax wieder Beine gemacht. Erstmals seit fast zwei Wochen knackt der Leitindex wieder die 9000 Punkte-Marke. Auch die US-Börsen profitieren von den Meldungen.

Börse am Abend

Dax kann sich über den 9.000 halten

Börse am Abend: Dax kann sich über den 9.000 halten

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

FrankfurtWenn eines an der Börse in Frankfurt Bestand hat, dann die Unbeständigkeit. Der Dax kommt seit vergangener Woche nicht mehr zur Ruhe. Aufgrund der unsteten Konjunkturlage in der Euro-Zone und der Ungewissheit bezüglich der Geldpolitik der Notenbanken werden derzeit alle möglichen Daten und Kennzahlen hinzugezogen, um an neue Erkenntnisse über die mittelfristige Zukunft zu gelangen.

So prasseln von allen Seiten neue Einflussfaktoren auf den Dax, die einen äußerst nervösen Aktienhandel verursachen. So auch heute: vom Start weg verzeichnete der Dax Verluste in Höhe von bis zu 0,9 Prozent. Doch kurz danach setzte eine Erholung an. Am Ende schloss der Dax mit 1,2 Prozent auf 9047 Punkten deutlich im Plus.

Ausgelöst wurden die Gewinne von starken Konjunkturdaten aus Deutschland. Der Einkaufsmanager des verarbeitenden Gewerbes in Deutschland stieg im Oktober auf 51,8 Punkte. Einen Monat zuvor lag er noch unter der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. Experten hatten im Vorfeld sogar mit einem Absinken auf 49,5 Punkten gerechnet. „Aufatmen ist angesagt“, schrieb Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank. „Die schwächere Währung verhilft der deutschen Wirtschaft zu einem neu hinzugewonnenen Wettbewerbsvorteil. Rezessionsängste sind jedenfalls nicht angebracht.“

Eine halbe Stunden nach den deutschen Zahlen folgten die Daten aus der Euro-Zone. Der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor in der Euro-Zone konnte seinen Stand von 52,4 Punkten halten. Auch hier waren die Prognosen pessimistischer. Analysten gingen nur von 52 Punkten aus.

Börsen in Aufruhr

Was spielt sich derzeit an den Finanzmärkten ab?

Vor allem eingetrübte Konjunkturperspektiven belasten die Märkte. Die Rohstoffpreise - ein Barometer für die wirtschaftliche Lage - befinden sich auf Talfahrt. Zu den Sorgen über die Wirtschaft kommt die Verunsicherung durch Krisen im Nahen Osten und der Ukraine sowie die Furcht vor einer Ausbreitung von Ebola. „Die Anleger sind nervös und nutzen jede Gelegenheit zum Verkaufen, während noch vor Wochen jede Schwäche zum Nachkaufen genutzt wurde“, sagt Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research. Die Stimmung sei innerhalb kürzester Zeit von fast schon euphorisch auf sehr negativ gedreht. Auch an den Anleihemärkten dominiert die Angst. Die Risikoaufschläge für Papiere aus den europäischen Krisenländern zogen stark an, während die Renditen auf die deutschen Staatspapiere auf Rekordtiefs fielen. Letzteres deutet auf eine große Nachfrage der Investoren hin - die sogenannten Bundesanleihen gelten als sicherer Hafen in Krisenzeiten.
Quelle: dpa

Haben die Anleger die Gefahren für die Wirtschaft zu lange ignoriert?

Tatsächlich haben insbesondere die Aktienmärkte die politischen Krisen und die Gefahren einer globalen Wachstumsschwäche lange Zeit kaum beachtet. Die Notenbanken pumpten billiges Geld in den Markt. Und wegen der mickrigen Zinsen mangelte es an Alternativen, so dass die Anleger in großem Stil zu Aktien griffen. „Befürchtet wird nun ein Übergreifen der Wirtschaftsschwäche und sinkender Inflationsraten aus der Eurozone auf die USA“, sagt Volkswirt Eugen Keller vom Bankhaus Metzler.

Sind die Notenbanken mit ihrem Latein am Ende?

Während die US-Notenbank Fed jahrelang Milliarden in die Wirtschaft pumpte und Erfolge vorweisen konnte, gilt die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bei vielen Ökonomen mittlerweile als wenig wirksam. „Die jüngst von der EZB beschlossenen Maßnahmen zielen auf das Angebot an Krediten ab, aber tatsächlich fehlt es angesichts der wirtschaftlichen Schwäche an Nachfrage“, sagt Volkswirt Keller. Auch die jetzt diskutierten, breit angelegte Staatsanleihekäufe würden nichts am Grundproblem ändern.

Sind die Konjunkturängste gerechtfertigt?

Laut Volkswirten gibt es zwar Grund zur Vorsicht, allerdings sollten die jüngsten Signale nicht überbewertet werden. Nach Einschätzung der Experten von Goldman Sachs gilt das vor allem mit Blick auf die USA. Dort gebe es wenig Anzeichen einer Konjunkturabkühlung. Auch die Ausbreitung des Ebola-Virus sehen die Experten der US-Investmentbank nicht sonderlich kritisch. Es müsse schon viel passieren, bis derartige Ereignisse tiefere Spuren in der Wirtschaft hinterließen. Mit Blick auf Europa hält Graham Secker, Marktstratege bei Morgan Stanley, die Konjunkturaussichten zwar nicht für rosig, aber längst nicht so trübe wie die Anlegerstimmung es signalisiere.

Droht am Ende der große Crash am Aktienmarkt?

Noch sehen Experten keinen Grund für übertriebene Angst. Nach dem starken Lauf der vergangenen Jahre sind auch größere Korrekturen nicht ungewöhnlich. Investoren sollten nicht die Nerven verlieren und blind der Masse hinterherrennen, sagt Marktexperte Saurenz. Möglicherweise nutzten manche Investoren die niedrigen Kurse auch zum Kaufen, was den Markt stützen würde. Viel schlechter könne die Stimmung am europäischen Aktienmarkt nicht werden, schrieb Morgan-Stanley-Experte Secker wie zur Beruhigung.

Noch besser sah es im verarbeitenden Gewerbe aus. Dort stieg der Einkaufsmanager von 50,3 auf 50,7 Punkte. Die Prognosen waren in diesem Bereich ebenfalls weniger zuversichtlich. Vor Veröffentlichung der Daten gingen die Märkte von einer Verschlechterung auf 50 Zähler aus.

Die USA konnten im Kielwasser der europäischen Börsen ebenfalls deutlicher zulegen. Der Dow Jones startete den Handel mit einem satten Plus von einem Prozent auf 16.623 Punkte. Der S&P-500 legte 0,9 Prozent zu. Der Nasdaq stieg um 1,1 Prozent auf 4430 Zähler.

Doch trotz der verbesserten Wirtschaftsdaten herrscht an den Börsen weiterhin große Nervosität, die sich fast tagtäglich an der hohen Volatilität erkennen lässt. „Deutschland hat den Tag gerettet, aber die Stimmung ist immer noch pessimistisch und ich rechne mit weiteren Kursverlusten“, sagte ein Londoner Händler.

Vor allem die anstehende Veröffentlichung der Ergebnisse des EZB-Bankenstresstests besorgt neben der Konjunktur viele Anleger. Große Unruhe löste gestern ein Bericht der spanischen Nachrichtenagentur EFE, wonach mindestens elf Banken aus sechs Euro-Ländern den seit Monaten laufenden Fitnesscheck der Aufseher nicht bestanden haben.

„Die Erwartungen der Anleger an den Stresstest sind hoch, da dieser von der EZB als wichtige Orientierungshilfe für den Bankensektor angekündigt wurde“, sagte Vincent Papa vom Finanzverband CFA. „Bei einigen europäischen Banken könnten wir Eigenkapitallücken sehen.“

Kommentare (16)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Dr. Peter Lustig

23.10.2014, 10:28 Uhr

Nach den umwerfenden Konjunkturdaten gehts dann wohl eher Richtung 30.000 statt 7.000. Der Bankenstresstest wird dann wohl restlos begeistern.

Crash ist verschoben. Was saisonale Umfragen so alles bewirken können. 200 Punkte in 30 Minuten.

Herr Thomas Albers

23.10.2014, 10:51 Uhr

"Crash ist verschoben. "

Warum schon wieder so sicher? Wenn die Konjunktursorgen verblassen, steigen die Zinsängste und sinken die Notenbank-Hoffnungen. In diesem Fall treten die fundamentalen Daten (KGV,...) wieder in der Vordergrund.

Dass die konjunkturelle Lage nicht katastrophal ist war auch letzte Woche klar.

Herr Dr. Peter Lustig

23.10.2014, 11:11 Uhr

Zinsängste im Euroraum? Wohl kaum. Sinkende Notenbankhoffnungen? Doch nicht jetzt vor einem möglichen, umfassenden Programm der EZB.

Fundamentale Daten waren früher interessant. Da war Börse noch anders, nicht unbedingt besser. Man konnte sich die volkswirtschaftliche Lage oder die Situation, Kennzahlen bei Unternehmen ABC anschauen und auf der Basis eine Entscheidung treffen.

Heute reichen die Ergebnisse einer (telefonischen) Befragung um 200 Punkte im Dax zu verursachen. Lächerlich.

Morgen kommt dann eine Meldung, dass Draghi zuviele Spaghetti Vongole gegessen hat und er deshalb unter Flatulenz leidet. Das wird dann als positives Zeichen interpretiert und ist für 300 Daxpunkte gut. Am nächsten Tag geht Yellen dann zum Frisör und ruckzuck sind wieder 250 Punkte weg.

Vielleicht ein schöner Markt für Trader & solche, die sich dafür halten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×