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04.06.2012

16:49 Uhr

Börse Frankfurt

Dax schließt unter 6.000er-Marke

Das deutsche Marktbarometer setzt weiterhin seine Talfahrt fort. Die Anleger flüchten aus Aktien. Auch Ölpreis und Euro fallen. Ein Grund: Spanien bekommt seine Bankenkrise wohl nicht allein in den Griff.

Börse Frankfurt am Abend

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FrankfurtDie Euro-Schuldenkrise und Sorgen um die weltweite Konjunktur haben den deutschen Aktienmarkt zum Wochenauftakt weiter ins Minus gedrückt. Der Dax schloss am späten Montagnachmittag 1,2 Prozent tiefer bei 5.978 Punkten, nachdem er lange Zeit um die wichtige Marke hin und her pendelte. Seit seinem Jahreshoch von Mitte März erreichte der Leitindex auf Schlusskursbasis den tiefsten Stand des Jahres, nachdem er bereits in der Vorwoche um rund viereinhalb Prozent abgesackt war. Bei den Nebenwerten ging es ebenfalls abwärts. Der MDax verlor 1,6 Prozent auf 9.716 Punkte und der TecDax gab um 2,3 Prozent auf 714 Punkte nach.

Der Tag an den Märkten (Stand 17:56 Uhr)

Dax

- 0,19 Prozent (Schlusskurs vom Freitag)

Euro Stoxx 50

+ 0,1 Prozent

Dow Jones

- 0,3 Prozent

Nikkei

+ 0,1 Prozent

IBEX 35 Index (Spanien)

+ 2,4 Prozent

MIB (Italien)

+ 3,5 Prozent

ESTX Banken Index

+ 3,6 Prozent

Bund Future

144,41 Euro (- 0,9 Prozent)

Euro

1,2302 Dollar (+/- 0 Prozent)

Gold

1.602 Dollar (- 0,7 Prozent)

Silber

28,82 Dollar (+ 1,12 Prozent)

Öl (Brent)

106,40 Dollar (+ 1,2 Prozent)

„Zu den Sorgen um die Euro-Zone - im Besonderen Spanien und sein angeschlagener Bankensektor - kommen nun auch zunehmend Sorgen um das Weltwirtschaftswachstum“, sagte Händler Markus Huber von ETX Capital. Die US-Arbeitsmarktdaten vom vergangenen Freitag waren schwächer als erwartet ausgefallen. Die US-Industrie hat im April überraschend einen Auftragseinbruch erlitten. In China hat sich zudem das Wachstum im Dienstleistungssektor im Mai weiter verlangsamt.

An den Rohstoffmärkten zeige sich ein adäquates Bild: Die Preise für Öl und Kupfer gerieten stark unter Druck. Angesichts der Krisenstimmung rückten auch der EZB-Zinsentscheid am Mittwoch sowie mögliche konjunkturstützende, geldpolitische Aussagen von US-Notenbankchef Ben Bernanke am Donnerstag stärker in den Anlegerfokus, sagte ein Börsianer.

Die Woche an den Märkten

Montag

Die Woche beginnt mit den Erzeugerpreisen in der Euro-Zone im April. Aus den USA kommen am Nachmittag die Industrieaufträge ebenfalls für April. Quartalszahlen kommen von American Semiconductor und Hooker Furniture. Der Biosprithersteller Verbio lädt zur Hauptversammlung.

Dienstag

Der Blick der Börsianer richtet sich heute auf die Auftragseingänge der deutschen Industrie. Daneben kommen der Einkaufsmanagerindex aus dem Euro-Raum sowie die dortigen Einzelhandelsumsätze. Quartalszahlen liefern American Woodmark und Fuelcell Energy. Zum Aktionärstreffen geladen haben die Postbank, Rücker und Tognum.

Mittwoch

Die Zahlen aus dem produzierenden Gewerbe in Deutschland stehen im Mittelpunkt. Am frühen Nachmittag gibt die EZB ihre Zinsentscheidung bekannt. Aus den USA kommen die Produktivität ohne den Agrarsektor und die Lohnstückkosten.

Donnerstag

Die Deutsche Börse hat am Feiertag Fronleichnam zwar geöffnet, interessant ist das eher für Anleger aus Nord- und Ostdeutschland, die ihn nicht begehen. Im Fokus steht der Zinsentscheid der Bank of England.

Freitag

Japans Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal, Deutschlands Handelsbilanzsaldo im April und die britischen Erzeugerpreise im Mai bestimmen den Handel. Hauptversammlungen finden bei Geratherm, Teles und VTG statt. Wegen des Brückentags in vielen Teilen Deutschlands werden die Börsenumsätze gering ausfallen.

Die Volatilitätsindizes VDAx und VStoxx, die die Nervosität der Investoren messen, schossen zeitweise um 7,7 beziehungsweise 5,3 Prozent in die Höhe. Mit Ständen von 34,89 und 38,31 Punkten notierten sie jeweils so hoch wie zuletzt Anfang Dezember. An der insgesamt trüben Laune änderte das aber nichts. "Die Stimmung am Markt ist untergalaktisch schlecht", fasste es ein Händler zusammen. An den Rohstoffmärkten gerieten die Preise für Öl und Kupfer ins Rutschen.

Dass der Dax noch vor zwei Monaten über der Marke von 7.000 Punkten lag, erscheint heute angesichts der verheerenden Probleme in vielen Ländern Südeuropas fast wie ein Relikt aus vergangener Zeit. Trotz der Verluste sind die aktuellen Kurse vielen Experten noch nicht günstig genug: "Angesichts der Risiken ist es zu früh, um schon wieder Aktien zu kaufen", sagt Joost van Leenders von BNP Paribas Investment Partners. Er verwies auf den krisengeschüttelten spanischen Bankensektor mit dem Sorgenkind Bankia, das mehr Geld braucht, als selbst Pessimisten befürchtet hatten.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

Eigene Strategie festlegen

Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

Widerstandskraft zeigen

Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

Richtig mischen

Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

Barrieren einbauen

Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

Herdentrieb beobachten

Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

Risiko rausnehmen

Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

Insidern folgen

Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

Geopolitische Ereignisse beachten

Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Auch entscheidende Wahlen sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

Auf reale Werte setzen

Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

Moden misstrauen

Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Für den Aktienmarkt bedeuten diese nach wie vor politischen Börsen wenig Hoffnung auf Besserung. "Auf kürzere Sicht sollten die Aktienmärkte in der Euro-Zone in schwierigem Fahrwasser bleiben", heißt es im Wochenausblick der Landesbank Berlin. Daran können die gelisteten Unternehmen auch selbst wenig tun. Die Hauptversammlungen gerade der großen Konzern aus dem Dax sind allesamt vorbei, ebenfalls die Quartalszahlen. Die nächsten kommen hier erst in anderthalb Monaten. Da aus den Unternehmen sonst ebenfalls wenig Überraschendes wie Übernahmen oder Personalrochaden kommt, gleichen deren Aktienkurse im Moment einem Spielball der Politik.

Besonderes Augenmerk gilt deshalb am Mittwoch der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank. Hier rechnen die Experten zwar nicht mit einer Zinssenkung, erwarten aber in der Rede von Präsident Mario Draghi konkrete Vorschläge, wie man gegen die prekäre Lage in Südeuropa vorgehen will. Seine Worte werden auch entscheidend dafür sein, wie es mit dem Euro weitergehen wird. Dessen Kurs ist seit Ende April massiv gefallen. 1,2349 Dollar mussten nur noch für einen Euro gezahlt werden, einen Monat vorher waren es noch 1,32 Dollar. Schlechtere Arbeitslosendaten als erwartet gab es am Freitag aus der Euro-Zone und den USA. Zu leiden hatte darunter nur der Euro.

Der Ölpreis fällt ebenfalls seit Wochen. Ein Fass der Sorte Nordsee-Sorte Brent kostet am Morgen zeitweise weniger als 97 Dollar. Spekulationen auf eine rückläufige Nachfrage drücken den Ölpreis. So tief notierte Öl zuletzt im Januar 2011.

Kommentare (86)

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HeinzEngisch

04.06.2012, 07:35 Uhr

Wer sich mit der Österreichischen Schule der Nationalökonomie beschäftigt hat (mises info), weiß, dass am Ende des fiat-money-Systems nur der totale Bankrott steht. Und Staatsbankrott bedeutet Bürgerbankrott. Die Enteignung wird über Inflation und Sonderabgaben für Hauseigentümer (1948 nannte man das "Lastenausgleich") laufen.

Hirn_einschalten

04.06.2012, 07:39 Uhr

Wenn die nacht am dunkelsten ist..., heute zum Opening shorten ist sicher NICHT ohne Risiko, denn die Stimmung und das Dax-Sentiment sind extrem schlecht das P/C Ratio ebenfalls, und dies diente bisher nicht selten als Kontraindikator!!!

Bremer

04.06.2012, 07:45 Uhr

@Hinr-einschalten
keine Ahnung welchen Ratio Sie meinen.. aber der Dax-Sentiment sowie das P/C Ratio ist sehr bullisch, weil der Dax niedrig ist.. fast alle gehen auf long.. und das ist selten gut gegangen.. denn die Mehrheit verliert ja immer.

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