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02.08.2011

17:56 Uhr

Börse Frankfurt

Dax schließt unter 6.800 Punkten

Dem gestrigen Kurseinbruch folgte nicht die erhoffte Gegenbewegung. Im Gegenteil: Anleger verkauften auch am Dienstag im Dax quer durch alle Branchen. Besonders betroffen waren diesmal auch die Aktien der zweiten Reihe.

Die Märkte im Griff der US-Schuldenkrise

Video: Die Märkte im Griff der US-Schuldenkrise

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FrankfurtUnsicherheit über ungelöste Schuldenprobleme und Anzeichen einer weltweiten Konjunktureintrübung haben den deutschen Aktienmarkt am Dienstag erneut belastet. Der deutsche Leitindex schloss auf einem Viereinhalb-Monats-Tief von 6.797 Zählern. „Das sind Verkäufe zur Verlustbegrenzung“, sagte ein Börsianer. Spekulationen auf einen Rückfall der USA in die Rezession und um eine Ausbreitung der europäischen Schuldenkrise drückten das Barometer den fünften Handelstag in Folge ins Minus. In diesem Zeitraum büßte er rund acht Prozent seines Wertes ein. Der MDax sank um 3,7 Prozent auf 9.957 Punkte, der TecDax fiel um 3,5 Prozent auf 788 Punkte.

Die Berichtssaison für das zweite Quartal läuft derzeit auf Hochtouren. Dennoch konnten die Quartalszahlen von fünf Dax-Konzernen die Marktstimmung nicht aufhellen: Der Gesundheitskonzern Fresenius überzeugte mit seinen Quartalszahlen und einer angehobenen Ergebnisprognose. Die Aktie war nach einem starken Auftakt am Ende mit 0,4 Prozent auf 72,75 Euro einziger Gewinner im Dax.

Die Kapitalmärkte im Überblick

Deutsche Blue-Chips

Die Abwärtsbewegung im Dax verlief zunächst mit gedrosseltem Tempo weiter. Doch am Nachmittag beschleunigte sich die Talfahrt wieder und der Dax verlor mehr als zwei Prozent. Schlusslicht war nach schwachen Quartalszahlen der Handelsriese Metro. Aber auch Aktien, die in den Vortagen zu den Gewinnern zählten, werden verkauft, darunter MAN und VW. Einziger Gewinner war Fresenius, nachdem der Gesundheitskonzern für das zweite Quartal einen überraschend hohen Gewinn vorlegte. Doch auch hier bröckelte das Plus im späten Handel.

Deutsche Nebenwerte

Am Montag konnten sich MDax und TecDax im Vergleich zum Dax noch vergleichweise gut halten. Dafür geht es heute umso rasanter bergab. Der MDax büßt fast vier Prozent ein und rutscht erstmals seit März wieder unter 10.000 Punkte. Unter die Räder kommt die Aktie von Wacker Chemie, die nach schwachen Zahlen prozentual zweistellig verliert. Der TecDax gibt mehr als drei Prozent nach.

US-Aktien

Die USA sorgen weiterhin weltweit für Verunsicherung - mit negativen Konjunkturnachrichten und mit der Schuldendebatte. Doch während die Börsen weltweit auf Talfahrt gehen und Anleger in sichere Häfen fliehen, halten sich US-Aktien vergleichsweise stabil. Nachdem der Dow Jones bereits am Montag zum Handelsschluss fast alles Verluste ausgeglichen hatte, geht es heute im frühen Handel zunächst erneut kaum abwärts. Erst später baut der Dow die Verluste aus. Bei einem Minus von 0,8 Prozent hält er sich aber vorerst über 12.000 Punkten.

Asiatische Aktien

Nachdem die Fernost-Börsen zu Wochenbeginn noch zugelegt hatten, folgten sie den Märkten in Europa und den USA am Dienstag nach unten. Allerdings fielen die Verluste vergleichsweise moderat aus: Der Nikkei gab 1,2 Prozent ein und büßte damit lediglich die Gewinne des Vortages wieder ein. Der Leitindex der Börse in Shanghai gab knapp ein Prozent nach, rutschte aber auf den tiefsten Stand seit sechs Wochen.

Schweizer Aktien

Schweizer Anleger hatten das Glück, am Montag wegen des Nationalfeiertags nicht handeln zu müssen. Doch das Glück war von kurzer Dauer: Der SMI-Index holte einen Großteil der Verluste nach, die andere europäische Börsenplätze am Montag erlitten hatten. Um fast vier Prozent ging es für den Schweizer Leitindex nach unten. Neben dem allgemein schlechteren Börsenklima drückte die Stärke des Franken zusätzlich auf die Kurse. Binnen drei Monaten haben Schweizer Aktien damit gut 15 Prozent eingebüßt.

Italienische Aktien

Italienische Aktien bauen ihre Verluste aus. Nachdem es am Montag 3,8 Prozent abwärts ging, sind es diesmal erneut mehr als 2,5 Prozent. Doch das summiert sich zu einem Minus von mehr als 13 Prozent binnen sieben Tagen. Größte Verlierer sind erneut Finanzwerte, die seit Wochen unter Druck stehen.

Italienische Anleihen

Wie am Aktienmarkt hält auch am Anleihemarkt die Abkehr von italienischen Werten an. Zehnjährige Staatsanleihen aus Italien rutschen weiter ab, im Gegenzug klettert die Rendite auf fast 6,3 Prozent. Zeitweise rentieren die Papiere sogar höher als gleichlaufende Anleihen aus Spanien. Das hat es lange nicht gegeben. Der Renditeabstand von italienischen Bonds zu Bundesanleihen steigt mit 385 Basispunkten auf den höchsten Stand seit der Euro-Einführung.

Bundesanleihen

Erstmals seit 50 Jahren können Anleger mit zehnjährigen Bundesanleihen inflationsbereinigt kein Geld verdienen. Weil Anleger nach wie vor in sichere Bundesanleihen flüchten, rutschte die Rendite der zehnjährigen Bundes-Bonds unter 2,4 Prozent und damit unter die aktuelle Inflationsrate in Deutschland. Der Realzins ist somit negativ.

Euro

Der Druck auf den Euro hält an. Zum Schweizer Franken rutschte die Gemeinschaftswährung auf ein neues Rekordtief und kostete erstmals weniger als 1,10 Franken. Auch zum Yen verbilligte sich der Euro weiter. Im Vergleich zum Dollar rutschte er zunächst aber, stabilisierte sich dann, sackte am späten Nachmittag aber wieder auf 1,42 Dollar ab.

Gold

Neuer Tag, neues Allzeithoch: Die Krisenwährung Gold erhält weiter fleißig Zulauf. Der Dollar-Preis stieg auf 1.641,50 Dollar je Feinunze, für europäische Anleger kostete die Unze Gold in der Spitze 1.157,50 Dollar.

Ölpreis

Am Ölmarkt spürt man die Konjunktursorgen auch, wirklich beeindrucken lassen sich die Händler aber nicht. Nach dem deutlichen Kursrutsch vom Vortag geht es schon wieder ein gutes Stück bergauf. Das Barrel Rohöl der Nordseesorte Brent kostet zwischenzeitlich 117,50 Dollar. Die neu aufkeimende Unsicherheit am Nachmittag lässt die Gewinne aber schmelzen.

Die Verabschiedung des Schuldenkompromiss durch das US-Repräsentantenhaus gab dem Markt nur wenig Halt. „Offenbar sehen einige darin einen faulen Kompromiss“, sagte ein Händler. „An der hohen Verschuldung ändert sich vorläufig ja nichts, und außerdem hat der Streit der Welt die politische Zerrissenheit der USA vor Augen geführt.“ Zudem trübt sich das konjunkturelle Bild in der weltgrößten Volkswirtschaft ein. „Die US-Volkswirtschaft gibt im Moment wenig Anlass zur Freude“, spielte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research auf die enttäuschenden Konjunkturdaten aus den USA an.

Zugleich rückte die europäische Schuldenproblematik wieder stärker in den Vordergrund. Am Rentenmarkt brachen die italienischen Anleihen ein, was die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen zeitweise auf den höchsten Stand seit 1997 trieb. Vertreter des italienischen Wirtschaftsministeriums, der Zentralbank und der Aufsichtsbehörden wollten Kreisen zufolge über die Marktturbulenzen beraten.

Die Folgen einer US-Pleite

Schulden

Verlören die USA ihre Bestnote bei der Bonität, müssten sie höhere Zinsen zahlen, um Staatsanleihen am Markt zu platzieren. Der Preis wiederum, zu dem Investoren US-Papiere kaufen, würde fallen. Die Schuldenproblematik Washingtons würde sich damit weiter verschärfen. Dass es außerdem teuer wird, wenn die USA ihre Verbindlichkeiten nicht rechtzeitig begleichen, zeigt ein Blick auf das Jahr 1979. Damals setzte der Kongress die Schuldenobergrenze erst im letzten Moment hoch, sodass die Regierung Geld an Investoren nur mit Verspätung auszahlen konnte. Dafür musste sie den Anlegern Entschädigung zahlen. Außerdem mussten die USA in den Folgemonaten um 0,6 Prozent höhere Zinsen für ihre Anleihen in Kauf nehmen.

US-Anleihen

Im Falle einer Herabstufung der USA würden Investoren ihre Bestände an US-Anleihen verringern und stattdessen auf andere, noch mit AAA bewertete Papiere setzen, wie etwa auf deutsche Bundesanleihen. Wie groß die Flucht aus den US-Anleihen ausfallen würde, ist unklar. Zentralbanken etwa würden „aufgrund fehlender Anlagealternativen“ ihre Bestände an US-Staatsanleihen „kaum“ abbauen, vermutet Fidelity-Fondsmanager Rick Patel. Andere Investoren sind allerdings schon gegangen. Die Differenz der Zinssätze für zehnjährige Anleihen zwischen US-Papieren und deutschen Bundesanleihen hat sich seit Anfang Juni um elf Basispunkte vergrößert. Während es also für die USA derzeit schon teurer wird, sich Geld zu besorgen, wird es für den deutschen Staat billiger.

Gold

Investoren haben die Flucht ins Gold. Der Preis für eine Feinunze Gold erreichte ein Allzeithoch. „Der Goldpreis wird wahrscheinlich weiter steigen“, sagt Ernst Fahling, Wirtschaftsprofessor an der International School of Management (ISM). Auch der Kurs des Franken könnte noch weiter anziehen, falls die Märkte in Panik gerieten.

Währung

Der Dollar würde an Wert und bei Investoren an Bedeutung verlieren. „Die Währungen kleinerer Staaten würden gewinnen“, sagt Finanzexperte Fahling. Das könnten etwa die skandinavischen Währungen sein, der australische Dollar oder - wie bereits sichtbar - der Schweizer Franken. Auch der Euro würde profitieren und sich gegenüber dem Dollar festigen. „Einen Euro-Sprung über 1,45 Dollar halte ich bei einer Ratingabstufung der USA für wahrscheinlich“, sagt Fahling.

Börsen

Die Angst vor einem teilweisen Zahlungsausfall der USA drückt bereits weltweit die Börsenkurse. Kommt es tatsächlich soweit, würden die Kurse deutlicher fallen. Das zöge die Weltwirtschaft schließlich auch nach unten - wie weit, ist unklar.

„Das ist, wie wenn Sie einen Stein in einen still ruhenden See werfen“, vergleicht Finanzexperte Fahling. „Niemand weiß, wie weit die Wellen gehen werden, klar ist nur, dass es starke Wellen geben wird.“

Banken

US-Banken betrieben bereits Vorsorge, ließen mehrere Institute wissen. Einige Banken wollen ihr Finanzpolster aufstocken, wie der Chef-Ökonom des Forschungsinstituts Wrightson ICAP, Lou Crandall, sagt. Ziel der Banken sei es, im Falle einer Krise genügend Geld parat zu haben. Hiesigen Instituten drohen - abgesehen von Kurseinbrüchen - im schlimmsten Falle Abschreibungen auf ihre US-Staatsanleihen. Dann, wenn die Zinsen für US-Papiere steigen, verlören die Papiere, die bereits im Bestand der Banken sind, auch an Wert. Diese Differenz würde ausgeglichen - es käme zu Wertkorrekturen nach unten.

Zach Pandl von Goldman Sachs fragt nach den geldpolitischen Optionen der US-Notenbank (Fed) und deren weiteren Rückkäufen von US-Staatsanleihen – als „Quantitative Easing“ bezeichnet. Fed-Chef Ben Bernanke hatte kürzlich erklärt, man sei zu weiteren monetären Lockerungen derzeit nicht bereit. Dazu seien sowohl die aktuelle Inflation als auch die Inflationserwartungen zu hoch. Zudem erwarte die Fed, dass die Konjunktur anziehe. Experte Pandl kommt zum Ergebnis, dass eine neue Quantitative-Easing-Runde in den USA unwahrscheinlich ist, so lange sich die konjunkturelle Situation dort nicht deutlich verschlechtert.

Börse Frankfurt am Mittag

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Kommentare (97)

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aruba

02.08.2011, 07:13 Uhr

Guten Tag,.... Bitte fragen Sie mal in Suedtirol bei der Mutter aller Aufschwuenge nach;... Die sitzt ja mit Ihrem sauren Macker weit vom Schuss und fern der Heimat auf dem dicken Arsch herum. Ich will Ihnen sagen was nach dem Absturz kommt;..... Neue Hoehen;.... und neue Tiefen. Das ganze nennt sich Boerse. Besten Dank

Account gelöscht!

02.08.2011, 07:42 Uhr

das faultier zeigt erstaunlich relative schwäche. also bleibt das motto wohl erstmal, eher stärke abverkaufen als schwäche kaufen.
jemand anderer meinung???

Account gelöscht!

02.08.2011, 07:45 Uhr

da schließ ich mich an. der future sieht schon wieder rot aus. das kann´s doch wohl nicht geben...sogar jetzt wo das repräsentantenhaus dem deal zugestimmt hat.

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