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25.06.2015

17:49 Uhr

Börse Frankfurt

Dax schließt unverändert

Die Börsenkurse fuhren am Donnerstag Achterbahn. Die Anleger warten noch immer auf eine Entscheidung für Griechenland. Am Ende kam der Dax auf dem Niveau des Vortages zum Halt.

Börse am Abend

Griechenland-Verhandlungen jagten Dax durch den Tag

Börse am Abend: Griechenland-Verhandlungen jagten Dax durch den Tag

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FrankfurtZwischen Griechenland und seinen Gläubigern gibt es noch immer keine Einigung. Und auch bei den Dax-Anlegern, die zu Beginn der Woche noch sehr zuversichtlich waren, blieben am Donnerstag die Champagnerflaschen vorerst im Kühlschrank - obwohl eine Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg für kurze Zeit das Gegenteil verhieß.

Unter Berufung auf EU-Kreise meldete die Agentur am Nachmittag, dass eine neue Liste griechischer Reformvorschläge von europäischen Politikern als eine gute Basis für weitere Verhandlungen erachtet werde. Der Dax gewann daraufhin bis zu 0,9 Prozent. Fünf Minuten später war der Spuk vorbei: In einer weiteren Meldung schrieb die Agentur, die Vorschläge seien doch nicht akzeptiert worden. Der Dax rutschte daraufhin wieder ab. Zwischen dem höchsten (11.594 Punkte) und dem tiefsten Tageskurs (11.352) lagen fast 250 Punkte. Am Ende pendelte sich der Index etwa auf dem Niveau des Vortages bei 11.473 Punkten ein.

Krisenglossar Griechenland

Bankenrun

Aus Angst vor der Staatspleite haben die Griechen längst Milliarden Euro von ihren Konten geholt oder ins Ausland geschafft. Steigt die Gefahr weiter, kommt es zum akuten Bankenrun: Die Kunden versuchen massenweise, ihre Konten leer zu räumen. Die Banken würden ausbluten, sie könnten den Firmen kein Geld mehr leihen, die Wirtschaftsaktivität erliegt.

Kapitalverkehrskontrollen

Um den Bankenrun zu verhindern, müssten die Banken vorübergehend ganz geschlossen und Onlinetransfers unterbrochen werden. Wenn sie wieder aufmachen, würden Auslandsüberweisungen verhindert und Abhebungen an den Automaten auf kleinere Beträge begrenzt werden. So wurde es vor drei Jahren in Zypern gemacht. Die letzten Kapitalverkehrskontrollen wurden dort erst in diesem Frühjahr wieder aufgehoben. Den massiven Eingriff müsste die Regierung in Athen praktisch über Nacht mit einem Dringlichkeitsgesetz beschließen - gezwungen werden kann sie von den Euro-Partnerländern nicht. "Die Griechen haben noch nichts vorbereitet", konstatiert ein EU-Diplomat.

Zahlungsunfähigkeit

Ob ein Staat pleite ist, bestimmen üblicherweise Ratingagenturen, indem sie einen sogenannten Credit Event feststellen. Dazu müsse es aber selbst dann noch nicht kommen, wenn Athen seine beim Internationalen Währungsfonds (IWF) fällige Rate am 30. Juni nicht begleicht, meint der Chefvolkswirt der ING-Diba, Carsten Brzeski. Denn dabei gehe es nicht um Marktpapiere. Entscheidend sei nicht der Markt, heißt es hingegen in Euro-Kreisen: Zahlt Athen nicht an den IWF zurück, könnte die EZB griechische Anleihen eigentlich nicht länger als Pfand akzeptieren und müsste den Tropf für das griechische Finanzsystem zudrehen. Die Banken müssten praktisch über Nacht abgewickelt werden.


Grexit

Eine Pleite Athens hätte nicht automatisch das Euro-Aus für Griechenland - also den Grexit - zur Folge. Tatsächlich ist ein Rauswurf aus dem Euro-Club durch die übrigen Mitglieder nur möglich, wenn die griechische Regierung am Ende selbst zustimmt: Es müsste ein neuer Vertrag geschlossen werden - mit der Unterschrift Athens. Eine große Mehrheit der Griechen will den Euro aber behalten. Bei einem Verbleib im Euro ohne weiteren finanziellen Beistand von EZB und Euro-Ländern trocknen Banken und Wirtschaft aber aus. Die Regierung wäre also zum Grexit und der Rückkehr zur Drachme gezwungen. Eine chaotische Übergangsphase von mindestens einem halben Jahr wäre die Folge, schätzt Ökonom Carsten Hefeker von der Universität Siegen.

Parallelwährung

Eine Art Mittelweg zwischen Euro und Grexit wäre die Einführung einer Parallelwährung: Weil dem Staat Barmittel fehlen, zahlt er Beamte und Rentner zumindest zum Teil mit Schuldscheinen aus. Um überhaupt noch Geschäfte zu machen, würden Händler und Dienstleister die Schuldscheine als Zahlungsmittel akzeptieren, erläutert der französische Finanzwissenschaftler Eric Dor. Wegen des Risikos wären die Schuldscheine allerdings weniger Wert als Euro. Die Schuldscheine werden in der Finanzwelt "IOU" genannt, nach dem Englischen "I Owe You" (Ich schulde Dir). Kalifornien griff im Sommer 2009 erfolgreich auf das Hilfsmittel zurück, um eine Pleitephase zu überbrücken.

Geuro

Den Begriff hat Ex-Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer erfunden, im Mai erläuterte er sein Konzept Griechenlands Finanzminister Giannis Varoufakis. "Geuro"-Schuldscheine würden Athen finanziellen Spielraum verschaffen und durch die Abwertung die Wettbewerbsfähigkeit des Landes stärken, so seine Theorie. Die Rechnung ginge aber nur auf, wenn die internationalen Gläubiger ihre Forderungen zurückstellen und das griechische Bankensystem weiter durch den Euro-Rettungsschirm gestützt würde, was unter Experten als ausgeschlossen gilt. Ein Rückweg vom Geuro zur Euro-Vollmitgliedschaft gelänge nur, wenn Athen durch Wirtschaftsreformen ein Haushaltsplus erwirtschaftet und die Schuldscheine allmählich auslösen kann.

Primärüberschuss

Die Erwirtschaftung eines Primärüberschusses - also ein Plus im Haushalt vor Abzug der Schuldentilgung - ist der entscheidende Faktor für die Gesundung der Staatsfinanzen: Wenn Athen durch Steuern und Privatisierungen mehr einnimmt als es ausgibt, kann es seine Schulden schrittweise abtragen. Die Vorgängerregierung hat durch drastische Kürzungen einen Überschuss erreicht. Stattdessen durch höhere Staatseinnahmen ein Plus zu erzielen, kann nur gelingen, wenn das Vertrauen zurückkehrt. "Dafür gibt es keinen Hinweis", sagt ING-Experte Brzeski.

Schuldenschnitt

Sowohl Athen als auch der IWF wollen die Euroländer bewegen, zumindest auf einen Teil ihrer Forderungen zu verzichten, um dem überschuldeten Land einen Neustart zu ermöglichen. Die griechische Regierung hat signalisiert, bei einem Schuldenschnitt die verlangten Reformen umsetzen zu wollen. Neben dem IWF halten auch viele Experten einen Verzicht für den einzigen gangbaren Weg. Allerdings liefe das auf ein drittes Rettungspaket hinaus. Der geplante Sondergipfel der Euro-Staaten müsste sich dafür eine Erklärung abringen, bei einem Antrag Athens ein neues Programm zu entwerfen und die Schuldentragfähigkeit zu sichern. Dafür bräuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Rückendeckung des Bundestages.

Die Zeit bis zu einer Entscheidung für Griechenland wird immer knapper. Letzte Möglichkeit für eine Einigung sei Sonntag. Pessimistische Töne gab es zuletzt auch vom Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble: „Die Entscheidungen liegen ausschließlich bei den Verantwortlichen in Griechenland, sie haben sich bisher eher rückwärts bewegt”, sagte Schäuble vor Beginn der Sitzung der Eurogruppe am Donnerstag in Brüssel.

Und auch Bundeskanzlerin Angela Merkel dämpfte die Hoffnung auf eine rasche Einigung: Es gebe noch nicht die nötigen Fortschritte, an einigen Stellen sogar eher Rückfall. Griechenland müsse mit den Institutionen weiterverhandeln, sagt die CDU-Chefin bei der Ankunft zum EU-Gipfel in Brüssel. Der Gipfel werde diese Verhandlungen nicht übernehmen.

Forex-Capital-Markets-Analyst, Jens Klatt, nimmt die Situation trotzdem gelassen: „Die griechische Tragikkomödie wartet also weiter auf ihren letzten Akt, keiner der politischen Protagonisten scheint derzeit sein Gesicht verlieren zu wollen”, sagt er. „Aber dass man sich einigen wird, steht für mich weiter außer Frage.”

Die Dax-Anleger hatten schon am Morgen schlechte Konjunkturnachrichten zu verdauen: Das Barometer für das Konsumklima im Juli sank überraschend um 0,1 auf 10,1 Punkte. Das ist das erste Rückgang seit Oktober 2014. Experten hatten mit einer Stagnation auf dem Niveau des Vormonats gerechnet. Das Szenario einer Pleite und eines Euro-Austritts Griechenlands verunsichert die Konsumenten nach Ansicht von GfK-Experte Rolf Bürkl.

„Der leichte Rückgang des GfK-Konsumklimas sollte nicht überbewertet werden, denn die Zuversicht der deutschen Verbraucher ist nach wie vor sehr hoch”, sagt Ulrike Kastens, Ökonomin von Sal Oppenheim. Das zeige die Anschaffungsneigung. An den Rahmenbedingungen habe sich auch nichts geändert: niedrige Zinsen, bessere Einkommenserwartungen und ein stabiler Arbeitsmarkt.

Kommentare (1)

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Herr walter rehm

25.06.2015, 14:28 Uhr

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