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28.05.2014

17:41 Uhr

Börse Frankfurt

Dax schließt vor Christi Himmelfahrt im Minus

Dax-Anleger scheuen sich weiter vor der 10.000er-Marke. Zwar konnte der Dax am Mittwoch eine neue Bestmarke setzen, für den Durchbruch der magischen Hürde hat es allerdings nicht gereicht. Der Index schloss im Minus.

Der Dax kämpft am Mittwoch mit Höhenangst. dpa

Der Dax kämpft am Mittwoch mit Höhenangst.

FrankfurtZum Handelsbeginn hatte sich der Dax der magischen Marke noch bis auf rund 40 Punkte genähert - am Nachmittag fiel der Dax nach der jüngsten Rally wieder zurück. Er schloss leicht im Minus bei 9939 Punkten. Börsianer zeigten sich am Mittwoch dennoch optimistisch: Das Knacken der Marke dürfte nur eine Frage von Stunden oder Tagen sein, schrieben die Analysten der Metzler Bank in einem Kommentar.

Bereits gestern hatte der Index seinen mehrtägigen Gipfelsturm mit dem erstmaligen Sprung über 9900 Punkte gekrönt. Der MDax trippelte mit 16.913 Punkten auf der Stelle, während der TecDax 0,5 Prozent auf 1291 Punkte gewann. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor 0,1 Prozent.

Geht die Börsenrally weiter?

Wie reagieren die Börsen auf den Wahlausgang in Europa?

Die Anleger scheinen recht unbeeindruckt von den Wahlerfolgen der Eurokritiker. „Das ist sicherlich ein Schock für Europa“, sagte Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank. „Für das Europäische Parlament als gesamtes gilt aber: Die etablierten Parteien verfügen über mehr als zwei Drittel der Sitze. Der pro-europäische Kurs in Straßburg ist also nicht gefährdet.“ Der Eurokurs stieg am Tag nach der Wahl, an wichtigen europäischen Börsen ging es aufwärts, der Dax erreichte am Montag zwischenzeitlich ein Rekordhoch. Kornelius Barczynski vom Brokerhaus GKFX hält es sogar für möglich, dass der deutsche Leitindex noch in dieser Woche über die 10 000-Punkte-Marke springt.

Was bedeutet das Wahlergebnis für den Fortgang der Euro-Schuldenkrise?

Zunächst ändert die neue Zusammensetzung des EU-Parlaments nicht viel am Brüsseler Krisenkurs. Akuten Handlungsbedarf gibt es derzeit ohnehin nicht. Die Sorgenkinder Spanien, Irland und Portugal haben den Euro-Rettungsschirm bereits verlassen. Sie und andere potenzielle Krisenländer kommen am Kapitalmarkt längst zu deutlich günstigeren Konditionen an frisches Geld, als in der Hochzeit der Krise. Griechenland ist zumindest symbolisch an die Finanzmärkte zurückgekehrt. Selbst wenn Athen weitere Hilfe benötigen würde, läge die Entscheidung darüber bei den Mitgliedsstaaten und nicht beim EU-Parlament.

Können Eurokritiker die bisherige Politik woanders stören?

Interessant dürfte es werden, wie die französische Regierung auf den Erfolg der rechten Front National reagiert. Präsident François Hollande wird sich überlegen müssen, wie er enttäuschte Wähler zurückgewinnt. Ließe er sich von den Rechten in Eurofragen zu Untätigkeit verleiten, könnte das auf absehbare Zeit die gesamte EU lähmen. Denn Frankreich hat seit geraumer Zeit selbst Probleme mit seiner Staatsverschuldung - und leidet zugleich unter einer ausgeprägten Konjunkturschwäche.

Haben die Wähler in den Eurokrisenländern der EU einen Denkzettel verpasst?

In Griechenland ist es bei der Europawahl eindeutig so gekommen: Die EU-kritische, radikallinke Syriza wurde stärkste Kraft. Europafeindlich ist Syriza allerdings nicht: Sie kritisieren zwar scharf die internationalen Sparvorgaben, wollen aber zum Beispiel nicht mehrheitlich aus der Eurozone austreten. Im ebenfalls wirtschaftlich nicht gerade florierenden Italien entschieden die Wähler anders: In der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone, holte die Partei des als reformfreudig und proeuropäisch geltenden Premierministers Matteo Renzi mehr als 40 Prozent der Stimmen. Der italienische Aktienindex legte daraufhin kräftig zu, italienische Staatsanleihen waren bei Anlegern gefragt.

In der Ukraine gewann der Petro Poroschenko die Präsidentenwahl deutlich. Sind die Börsen erleichtert?

Ja, das eindeutige Votum hat für Entspannung an den Märkten gesorgt. Zum Beispiel gab der Ölpreis merklich nach, was Händler vor allem als Folge der Entspannung zwischen Kiew und Moskau werteten. Die Ukraine ist ein wichtiges Transitland für Energielieferungen in den Westen. Deshalb reagiert der Ölmarkt stark auf die Entwicklung im Ukraine-Konflikt. Der relativ klare Ausgang der Präsidentschaftswahl in dem Land dürfte die Stimmung stützen, sagte Jan Bottermann, Chefvolkswirt bei der National-Bank.

Was treibt die Märkte im Moment am meisten?

Entscheidender Treibstoff für die Aktienkurse sind weiterhin Spekulationen über weitere geldpolitische Lockerungen der EZB. In der kommenden Woche könnte Zentralbankchef Mario Draghi eine weitere Senkung der Leitzinsen verkünden. Andeutungen in diese Richtung macht Draghi bereits seit Tagen. Damit würde noch mehr billiges Geld in Umlauf kommen. Die EZB fürchtet, dass die extrem niedrige Inflation in eine gefährliche Deflation umschlägt - weil Investoren und Konsumenten in Erwartung weiter sinkender Preise weniger kaufen und investieren. Das könnte die - in weiten Teilen Europas ohnehin lahmende - Wirtschaft weiter schwächen. Für Anleger bedeuten niedrigere Zinsen vor allem steigende Aktienkurse. Den denn wenn Staatsanleihen, Sparbuch und Festgeld fast nichts mehr abwerfen, sind Aktien stärker gefragt.

Die Blicke der Börsianer richteten sich auf die EZB-Sitzung in der nächsten Woche. Die meisten Anleger gehen davon aus, dass die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik am 5. Juni weiter lockern wird. Fast täglich melden sich EZB-Vertreter zu Wort, um die Entschlossenheit der Zentralbank bei der Bekämpfung einer möglichen Deflation zu betonen. Nach EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny am Dienstag beteuerte am Mittwoch EZB-Direktor Yves Mersch, dass nächste Woche ein ganzes Maßnahmenbündel beschlossen werden könnte, um der drohenden Spirale aus fallenden Preisen und rückläufigen Investitionen zu begegnen.

Die Spekulationen auf eine Lockerung der Geldpolitik belasten den Euro seit Wochen. Am Mittwoch rutschte er auf ein Drei-Monats-Tief von 1,3606 Dollar ab. Seit der letzten EZB-Sitzung Anfang Mai hat die Gemeinschaftswährung fast vier US-Cent verloren. „Die Zeichen stehen auf eine Zinssenkung, größere Gewinne dürfte der Euro deshalb nicht halten können“, sagte Commerzbank-Analystin Esther Reichelt.

Derweil gerät das Wachstum der deutschen Wirtschaft laut Prognose des Berliner DIW vorübergehend ins Stocken. Demnach wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal nur noch um 0,2 Prozent zulegen, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Mittwoch mitteilte. Konjunkturchef Ferdinand Fichtner sieht darin jedoch nur einen kleinen Dämpfer, da die Wirtschaft zu Jahresanfang dank des milden Winters mit einem Plus von 0,8 Prozent besonders kräftig zugelegt hatte. Eine langsamere Gangart sei daher „kein Zeichen einer Schwäche.“ Im weiteren Verlauf des Jahres werde die Wirtschaft wieder anziehen.

Die Aktienmärkte in Fernost haben nach dem gestrigen Höhenflug der Wall Street am Mittwoch ein Jahreshoch erreicht. Der MSCI-Index für asiatische Aktienmärkte außerhalb Japans legte mehr als 0,6 Prozent zu und erreichte mit mehr als 490 Zählern den höchsten Stand seit einem Jahr. In Tokio schloss der Leitindex Nikkei 0,24 Prozent höher bei 14.670 Punkten. Den höchsten Zuwachs erzielte die Börse in Südkorea mit einem Plus von rund einem Prozent.

Kommentare (19)

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28.05.2014, 08:01 Uhr

Hoffentlich läuft der Short Squeeze noch eine Weile.

Account gelöscht!

28.05.2014, 08:42 Uhr

@Programschreiber: Gestern unentschuldigt gefehlt, ne?

Account gelöscht!

28.05.2014, 08:47 Uhr

Ja, war richtig entspannt hier gestern!

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