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18.06.2014

17:38 Uhr

Börse Frankfurt

Dax schließt vor Fed-Entscheidung knapp im Plus

Der Dax setzte am Mittwoch seinen Erholungsversuch fort. Vor dem Zinsentscheid der US-Notenbank handelten Anleger aber verhalten. Zudem werfe der große Verfall an den Terminbörsen seine Schatten voraus, sagen Börsianer.

"USA will Glückspillen aus dem Markt nehmen"

"USA will Glückspillen aus dem Markt nehmen"

FrankfurtDer Dax hat am Mittwoch nach einem verhaltenen Start seinen Erholungsversuch fortgesetzt. Der deutsche Leitindex rückte bis zum Nachmittag um 0,1 Prozent vor und schloss auf 9930 Punkte. Tags zuvor war er bereits zeitweise bis auf 9982 Punkte gestiegen, nach enttäuschenden Konjunkturdaten jedoch deutlich zurückgekommen. Der MDax gewann zur Wochenmitte 0,1 Prozent und kam auf 16.955 Punkte, der TecDax legte um 0,6 Prozent auf 1320 Punkte zu. Der EuroStoxx 50 notierte unverändert.

Der große Verfall an den Terminbörsen am Freitag wirft Börsianern zufolge bereits seine Schatten voraus. Am sogenannten „Hexensabbat“ laufen Optionen und Futures auf Aktien und Aktienindizes aus. Überraschende Kursschwankungen einzelner Papiere setzen oftmals schon vorher ein. Zudem ist am Donnerstag in einigen Bundesländern wegen des Fronleichnam-Festes Feiertag, was sich in an den relativ dünnen Umsätzen schon bemerkbar mache.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Experten rechnen heute damit, dass die US-Notenbank Fed verkündet, ihre Anleihekäufe um weitere zehn Milliarden auf 35 Milliarden Dollar zurückzufahren. Investoren erhoffen sich neue Hinweise, wann die erste Zinserhöhung erfolgen könnte. Denn einige erwarten, ob nicht vielleicht früher als erwartet die Zinsen erhöht werden. Denn auf Monatssicht zog die Teuerungsrate in den USA um 0,4 Prozent an, lediglich 0,2 Prozent wurden erwartet. Mit einer Kern-Inflation für den Dienstleistungssektor von 2,7 Prozent, der höchsten Veröffentlichung seit November 2008, herrscht vor der Sitzung der Federal Reserve Unsicherheit.

Zwar deutet diese Veröffentlichung auf eine eventuell doch robustere US-Konjunktur hin als die US-BIP-Daten für das erste Quartal bislang anzeigten. Was den Markt allerdings weiter auf den derzeitigen Kursniveaus hält, ist die Unmenge an Notenbank-Liquidität.

Andeutungen seitens der Fed, ähnlich denen Mark Carneys von der Bank of England, dass diese früher als der Markt erwartet über Zinserhöhungen nachdenken könnte, könnte die bisherige Aktienmarkt-Rallye ins Wanken bringen. Von dieser Unsicherheit war an den Märkten bislang allerdings nichts zu spüren.

Die US-Börsen notierten vor der Fed-Entscheidung leicht im Minus. Der breiter gefasste S&P-500 trat zuletzt bei 1942 Punkten auf der Stelle. Der Index der Technologiebörse Nasdaq sank zuletzt um 0,1 Prozent auf 4341 Zähler. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verlor 0,2 Prozent auf 16.771 Punkte.

Vor dem Zinsentscheid gab es nur wenige Neuigkeiten über die Dax-Unternehmen. Die Infineon-Aktien setzten ihre Rally mit einem weiteren Höchststand seit November 2007 fort und stiegen um 1,8 Prozent. JPMorgan-Analyst Sandeep Deshpande bewertete den Auftritt von Unternehmenschef Reinhard Ploss auf der Technologiekonferenz der Investmentbank positiv.

Kommentare (15)

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18.06.2014, 08:40 Uhr

Anlagenotstand, ich kann es bald nicht mehr hören.

Rio Tinto, BHP, Deutsche Bank, Südzucker, LH, Metro, OMV, ATT, Verizon, Visa + Marios Lieblinge (italienische & spanische Banken). Die Klassiker wie P&G, JNJ, KO etc. kann man eigentlich immer kaufen. Für jeden etwas dabei.

Für rumänische Anleihen bekomme ich aktuell eine Rendite unter 2%, bei spanischen und portugiesischen sieht es auf 10 Jahre nicht viel besser aus. P&G zahlt mir über 3% Dividende.

Was ist heute da, was nicht schon vor 6-12 Monaten Thema war, um die Märkte zum Crash zu bringen?

Augen auf beim Aktienkauf.

Account gelöscht!

18.06.2014, 08:49 Uhr

Der Crash wird kommen,wenn nicht heute dann morgen oder übermorgen oder überübermorgen.....

Account gelöscht!

18.06.2014, 10:06 Uhr

Gib mir eine realistische Einschätzung von Südzucker und ich kaufe sie gerne. Aber bitte keine Argumentation a la "ist stark gefallen, also billig", "der Chart sieht aus wie K & S" oder aufgrund der Vorstandsträume.

Ich denke, Südzucker muss sich gewaltig umstrukturieren, dann kann das was werden.

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