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22.01.2010

07:45 Uhr

Börse Frankfurt

Dax setzt Talfahrt fort

Der Dax bleibt im Abwärtstrend, heute schließt der Leitindex unter 5 700 Punkten. Der Grund: US-Präsident Obama möchte die Banken an die kurze Leine nehmen. Die Kurse von Bankaktien reagieren auf das geplante Maßnahmenpaket. Derweil steigt die Nervosität der Marktteilnehmern - und damit die Volatilität.

Demonstration in Frankfurter Börse: Die Pläne von US-Präsident Barack Obama erfreuen die Marktkritiker und belasten die Kurse. ap

Demonstration in Frankfurter Börse: Die Pläne von US-Präsident Barack Obama erfreuen die Marktkritiker und belasten die Kurse.

HB FRANKFURT. Nach negativ aufgenommenen US-Plänen zur Bankenregulierung hat der Dax am Freitag seine Talfahrt fortgesetzt. Der deutsche Leitindex verabschiedete sich mit Tagesverlusten von 0,9 Prozent bei 5 695 Punkten in das Wochenende, und notierte damit so niedrig wie seit Mitte Dezember nicht mehr, nachdem er bereits an den zwei vorangegangenen Tagen insgesamt knapp vier Prozent eingebüßt hatte. Im Wochenverlauf gab er damit 3,69 Prozent ab. Der MDax verlor am Freitag 1,41 Prozent auf 7 539 Punkte und der TecDax büßte 1,67 Prozent auf 808 Punkte ein.

Dass US-Präsident Barack Obama den Banken stärker die Zügel anlegen will, hatte am Vorabend bereits an der Wall Street für deutliche Verluste gesorgt und dann in Japan. Auch die Stimmung in Deutschland wurde laut Händlern dadurch gedrückt. "Viele dachten, Obama rettet die Banken und alles ist wieder gut. Aber der Wille, den Banken richtig auf die Füße zu treten, ist da", sagte ein Händler. Analyst Ben Potter vom Marketmaker IG Markets verwies zudem darauf, dass sich die Aktienmärkte seit Anfang Dezember bereits sehr stark entwickelt hätten und daher eine Korrektur unausweichlich sei. "Obamas Aussagen haben massive Verkäufe am Aktienmarkt ausgelöst" sagte ein weiterer Händler. "Der Markt war zum Jahresschluss fast ohne Umsatz hochgelaufen, da genügt so eine negative Aussage, und es geht wieder richtig runter."

Dax-Volatilitätsindex auf Sechs-Wochen-Hoch

Angesichts der fortgesetzten Kursverluste an den Aktienmärkten ist die Nervosität der Anleger am Freitagnachmittag weiter gestiegen. Der Volatilitätsindex VDax stieg um bis zu 5,8 Prozent auf 25,61 Zähler und damit auf den höchsten Stand seit sechs Wochen. Das Stimmungsbarometer wird auf Basis der Verkaufs- und Kaufsoptionen auf die 30 Dax-Werte berechnet.

US-Präsident Barack Obama will de facto risikoreiche Geschäfte der Banken zur Gewinnmaximierung verbieten. Unterstützung signalisierte der britische Premierminister Gordon Brown, die Bundesregierung nannte die Pläne hilfreich. "Sollte Obama das durchbringen, würde das den Gewinnen der Banken zusetzen", erklärte ein Händler. In Frankfurt befürchteten die Anleger vor allem für die Deutsche Bank Folgen. Der Aktienkurs des größten deutschen Geldhauses fiel um 4,2 Prozent auf 45,03 Euro und notierte damit so niedrig wie seit Juli nicht mehr.

Sollten die Vorhaben wie angekündigt umgesetzt werden, könnte das nach Einschätzung von Analysten auch die Geschäfte der Börsenbetreiber schmälern. Die Titel der Deutschen Börse rutschten um 3,2 Prozent, die der Londoner Börse um 4,3 Prozent und die der Nyse Euronext in Paris um fünf Prozent ab.

GE übertrifft Erwartungen

Auch die Geschäftszahlen von GE vermochten die Anleger nicht zu besänftigen, obwohl der US-Mischkonzern die Gewinnerwartungen von Analysten leicht übertroffen hatte. "Wir haben heute mit Obamas Aussagen einen dickeren Fisch zu braten", kommentierte Analyst Geoff Wilkinson von Mint. GE-Aktien verteuerten sich um drei Prozent, während die Aktien der europäischen Konkurrenten Siemens und Alstom unverändert beziehungsweise ein Prozent höher notierten.

Spekulationen um Lufthansa-Aussichten drücken Aktie

Größter Verlierer im Dax waren die Aktien der Lufthansa mit einem Minus von sechs Prozent. Händler verwiesen auf Aussagen von Finanzchef Stephan Gemkow auf einer Analystenveranstaltung. Nach Angaben des Unternehmens hatte Gemkow dort einzelne Analystenschätzungen für 2010 als zu hoch bezeichnet. Eine Prognose des Unternehmens gebe es bisher nicht.

Gerüchte über Zukäufe von US-Finanzinvestor Warren Buffett verhalfen den Aktien der Munich Re dagegen zu Gewinnen von 0,32 Prozent auf 109,50 Euro. Über den Wahrheitsgehalt dieser Spekulationen hieß es zugleich aber am Markt, dass die "Informationslage derzeit noch zu schwammig" sei.

Erneut ergebnislos abgebrochene Verhandlungen über die Finanzierung des Militärtransporters Airbus A400m belasteten die Anteilsscheine von EADS mit minus 1,67 Prozent auf 14,155 Euro. Die Positionen von Käuferstaaten und EADS lägen unverändert weit auseinander, hieß es aus Teilnehmerkreisen. Zudem hält es Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg für nicht akzeptabel, für "das gleiche Geld weniger zu bekommen".

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