Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.01.2015

17:49 Uhr

Börse Frankfurt

Dax springt auf Rekordhoch

Der Franken-Schock scheint vergessen. Anleger haben nur noch Augen für die nächste Woche. Dann nämlich tagt der EZB-Rat. Die Börsianer rechnen fest mit Staatsanleihekäufen und schicken den Dax auf eine späte Rally.

Börse am Mittag

Dax kann Hoch nicht halten

Börse am Mittag: Dax kann Hoch nicht halten

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

FrankfurtWie stark der Dax aus dem nichts zulegen kann, wenn nur der Wunsch Vater des Gedankens ist, hat der Freitagshandel eindrucksvoll demonstriert. Nur einen Tag nach den weltweiten Verwerfungen durch die Franken-Freigabe hat der deutsche Leitindex im späten Handel eine unerwartete Rally gestartet und mit 10.207 Punkten ein neues Allzeithoch markiert. Allein die Hoffnung auf Staatsanleihekäufe durch die EZB reichte aus, um den Dax 1,4 Prozent fester bei 10.167 Punkten schließen zu lassen.

„Es ist weiterhin die Erwartung, dass die Europäische Zentralbank (EZB) nächste Woche endlich den Kauf von Staatsanleihen ankündigt, die den Dax nach oben katapultiert hat“, sagte Händler Markus Huber vom Broker Pregrine & Black. Zudem schüre auch der schwache Ölpreis und der schwache Euro den Optimismus, dass es in Europa und insbesondere mit der deutschen Wirtschaft bald wieder stark aufwärts gehen werde.

Die Akteure hielten sich bis zum Mittag merklich zurück. Die Verwerfungen am Donnerstag hinterließen eine unruhige Atmosphäre, aus der sich die Märkte am Freitag lange Zeit nicht lösen konnten. Auslöser des ungewöhnlichen Kursverlaufs war am Vortag die Schweizer Nationalbank (SNB). Sie hatte sich nach drei Jahren vom Mindestkurs des Franken von 1,20 Franken je Euro verabschiedet. Damit soll die Flucht in den Franken gestoppt werden. Die Notenbank hatte den Franken zuletzt bereits mit Milliarden gestützt, was die Bilanz weiter aufgebläht hatte.

Der überraschende Schritt traf die Märkte unvorbereitet. Nicht nur der Dax ging auf Talfahrt. Doch im Laufe des Handels kam es zur Wende, die Frankfurter Benchmark schloss mehr als zwei Prozent fester. Denn die Börsianer sahen im Schritt der SNB einen weiteren Hinweis auf baldige Wertpapierkäufe der EZB. Eine solche Maßnahme der Euro-Währungshüter würde einen künstlich hochgehaltenen Wechselkurs für die SNB deutlich erschweren. Und genau hierin sahen die Börsianer den Grund für die Aufgabe des Kurszieles. Anscheinend rechnet die SNB mit weiteren Schritten der Europäischen Zentralbank.

Auch in der zweiten Reihe obsiegte die Hoffnung, auf dass Mario Draghi die Geldschleusen weiter öffne. Der MDax schloss 0,8 Prozent fester auf 17.701 Zählern. Der TecDax hingegen rückte nur 0,2 Prozent vor auf 1438 Stellen. Der Leitindex der Währungsunion, der Euro-Stoxx-50, legte wie die anderen europäischen Leitindizes deutlich zu und beendete der Handel 1,6 Prozent fester bei 3206 Stellen. In der Schweiz hingegen ging die Talfahrt unverhohlen weiter. Der SMI stürzte knapp sechs Prozent ab. In New York traute sich der Dow-Jones-Index nur verhalten vor. Zum Frankfurter Börsenschluss notierte er 0,4 Prozent fester bei 17.381 Punkten.

Die Performance von Dax, S&P-500 & Co.

Athex (Griechenland)

Ein Jahr: - 28,9 Prozent
Drei Jahre: 21,4 Prozent
Fünf Jahre: - 62,4 Prozent

Bovespa (Brasilien)

Ein Jahr: - 2,9 Prozent
Drei Jahre: - 11,9 Prozent
Fünf Jahre: - 27,1 Prozent

BUX (Ungarn)

Ein Jahr: - 10,4 Prozent
Drei Jahre: - 2,0 Prozent
Fünf Jahre: - 21,6 Prozent

CSI 300 (China)

Ein Jahr: + 51,7 Prozent
Drei Jahre: + 50,6 Prozent
Fünf Jahre: - 1,2 Prozent

Dax (Deutschland)

Ein Jahr: + 2,7 Prozent
Drei Jahre: + 66,2 Prozent
Fünf Jahre: + 64,6 Prozent

MSCI Emerging Markets

Ein Jahr: - 4,6 Prozent
Drei Jahre: + 4,4 Prozent
Fünf Jahre: - 4,0 Prozent

MSCI World

Ein Jahr: + 2,9 Prozent
Drei Jahre: + 44,6 Prozent
Fünf Jahre: + 46,4 Prozent

NZX 50 (Neuseeland)

Ein Jahr: + 17,6 Prozent
Drei Jahre: + 70,0 Prozent
Fünf Jahre: + 72,4 Prozent

PSI 20 (Portugal)

Ein Jahr: - 26,8 Prozent
Drei Jahre: - 12,7 Prozent
Fünf Jahre: - 43,3 Prozent

RTS (Russland)

Ein Jahr: - 45,2 Prozent
Drei Jahre: - 42,8 Prozent
Fünf Jahre: - 45,3 Prozent

S&P-500 (USA)

Ein Jahr: + 11,4 Prozent
Drei Jahre: + 63,7 Prozent
Fünf Jahre: + 84,6 Prozent

TA-25 (Israel)

Ein Jahr: + 10,2 Prozent
Drei Jahre: + 35,0 Prozent
Fünf Jahre: + 27,9 Prozent

Im Fokus standen heute die Dezember-Verbraucherpreise der Eurozone. Diese waren erstmals seit der Wirtschaftskrise 2009 im Jahresvergleich gefallen. Wie Eurostat bekanntgab, fiel das Preisniveau 0,2 Prozent niedriger aus als im November. Experten machen vor allem die deutlich gefallenen Rohölpreise für den aktuellen Rückgang verantwortlich. Der Handlungsdruck auf die EZB wächst damit weiter. Die Anzeichen auf einen Entschluss zu Staatsanleihekäufen schon in der nächsten Ratssitzung am 22. Januar verdichten sich immer mehr. Umso heftiger fällt andererseits auch das Rückschlagspotenzial aus, sollte das oberste EZB-Gremium nur Beschlüsse unterhalb der Markterwartungen zustande bringen.

Kommentare (59)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Edgar Cayce

16.01.2015, 08:14 Uhr

"Von 9637 bis auf 10.063 Punkten"

Ist ja laut dem Kommentator "Tom Bauer" eine normale Bewegung und nicht künstlich durch Algos nach oben gepusht.

Oh, Herr (Draghi), unsere tägliche Dosis gib uns heute und beschere uns ein QE...

Herr Tom Bauer

16.01.2015, 08:45 Uhr

Die Welt dreht sich weiter! ... auch nach so einem extrem spannendenen Tag wie gestern!
Was ist passiert?
Letztlich hat der Franken nachgeholt, was der Dollar in den letzten Monaten eben Schritt für Schritt gewonnen hatte.
So what?
Die makoökonomischen Daten passen, Geldpolitik ist "stabil" die Karawane zieht weiter!

Lukas Sickert

16.01.2015, 09:21 Uhr

"Die Welt dreht sich weiter!...Was ist passiert?"

Ich finde es Klasse das Sie jeden Tag die Kraft aufbringen jeden Kommentar zu kommentieren,bewundernswert.
Dabei müßten Sie das gar nicht,da Sie nach eigener,natürlich nicht überprüfbarer Aussage,nicht jeden Tag kaufen oder verkaufen,sondern vor Jahren,natürlich nur die richtigen Aktien zum richtigen Zeitpunkt,gekauft haben.
Doch statt sich zurück zu lehnen und den Erfolg geniesen,betreiben Sie tägliche Aufklärung des Marktgeschehens,tolle Sache,vielen Dank!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×