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09.11.2011

17:57 Uhr

Börse Frankfurt

Dax tief im Minus – Italien in bedrohlicher Schieflage

Alles deutet darauf hin, dass sich Italien dem Club der Europroblemländer anschließt. Die Renditen auf die Staatsanleihen Italiens erreichten heute einen neuen Negativrekord. Anleger flohen aus dem Aktienmarkt.

Panik bei italienischen Anleihen

Video: Panik bei italienischen Anleihen

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DüsseldorfGriechenland, Portugal, Irland, Spanien und nun auch Italien? Der Mittelmeerstaat scheint immer weiter zu den Europroblemländern abzudriften. Das alarmierte die Anleger auf der ganzen Welt. Die Schlusskurse auf dem Frankfurter Börsenparkett sprachen eine einheitliche Sprache. Der Dax schloss mit einem Minus von 2,2 Prozent auf 5.830 Punkte. Die zweite Reihe musste ebenfalls starke Verluste hinnehmen. Der MDax sank um 2,1 auf 8.871 Punkte und der TecDax gab 1,5 Prozent auf 692 Zähler nach.

Der Morgen begann noch freundlich. Die Ankündigung von Italiens Noch-Ministerpräsident Silvio Berlusconi seine Ämter niederzulegen verbreitete Optimismus auf den Märkten und schob den Dax weit in die Plusbereiche. Sein Tageshoch erreichte er bei einem Kurs von 6.056 Punkten. Doch die Freude verpuffte schnell.

Am Vormittag schossen die Renditen auf italienische Staatsanleihen auf ein Niveau von über sieben Prozent. Als Grund für den Rendite-Anstieg nannten Händler die Anhebung der Abschläge durch den britischen Wertpapier-Abwickler LCH. Clearnet für italienische Anleihen. Noch schlimmer als dieser Anstieg wirkte sich aber die inverse Zinskurve aus. Sie führt dazu, dass zweijährige italienische Staatsanleihen mehr abwerfen als zehnjährige und das ist einmalig in der Euro-Geschichte. Erst ein laut Händlern „aggressives“ Eingreifen der EZB am Sekundärmarkt für Anleihen brachte am frühen Nachmittag etwas Entspannung, so dass die meisten Indizes ihre Verluste eingrenzten.

Doch nicht nur Italiens Wirtschaftslage bereitete den Investoren Kopfzerbrechen. Politisch gesehen läuft es ebenfalls alles andere als rund für den südeuropäischen Staat. Denn der scheidende Ministerpräsident Berlusconi macht nicht sofort den Weg frei für seinen Nachfolger. Angesichts dieser Verzögerung in der politischen Entwicklung zogen viele Anleger ihr Geld aus risikobehafteten Anlagen zurück. Dieses Vorgehen zeigte einmal wieder, dass politische Unsicherheiten zu Gewinnmitnahmen verleiten. „Jetzt wird mal durchgerechnet, was die Banken so an italienischen Anleihen in den Portfolien halten, und was an Abschreibungen auf sie zukommen könnte“, sagte Kapitalmarktstratege Jens Beulke von Silvia Quandt Research. „Die Erleichterung über den Abgang von Berlusconi war nur ein Strohfeuer. Er ist nicht das Problem. Das Problem ist das politische System Italiens.“ Außer der Regierung Silvio Berlusconis hat sich seit Kriegsende kaum ein Kabinett langfristig gehalten.

In Griechenland vollzog sich der politische Führungswechsel ebenfalls mit der bekannten südländischen Gelassenheit. Am späten Nachmittag wurden neue Gerüchte laut, nach denen neben dem früheren Vizepräsidenten der Europäischen Zentralbank, Lucas Papademos, ein weiterer Kandidat in der engeren Auswahl steht: der derzeitige Parlamentssprecher und frühere Minister Philippos Petsalnikos.

Der Tag an den Märkten (Stand: 18:00)

Dax

- 2,2 Prozent

Euro Stoxx 50

- 2,3 Prozent

FTSE Italien

- 6,1 Prozent

Italienische Anleihen (10 Jahre)

Rendite: 7,39 Prozent - Rekordhoch seit Bestehen der Eurozone.

CDS Italienischer Anleihen

Versicherung von 10 Millionen Euro von 23.000 auf 543.000 Euro gestiegen.

Ungarische Währung

Ein Euro kostet 311,10 Forint. Forint damit so niedrig wie seit März 2009 nicht mehr.

Dow Jones

- 1,7 Prozent

Nikkei

+1,2 Prozent

CSI 300 (China)

+0,1 Prozent

Euro

1,3595 Dollar (- 1,7 Prozent)

Öl (Brent)

115,70 Dollar (- 0,1 Prozent)

Gold

1.788 Dollar (+ 0,2 Prozent)

Die US-Börsen komplettierten das negative Bild am Mittwoch. Der Dow Jones lag nach Frankfurter Börsenschluss 1,7 Prozent im Minus auf 11.966 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 fiel um 1,9 Prozent auf 1.251 Zähler und der Nadaq-100 gab um 1,9 Prozent nach auf 2.354 Stellen.

Die wachsende Ungeduld der Investoren im Bezug auf die politische sowie wirtschaftliche Situation Italien sorgte für eine sich umwälzende Marktdynamik, die besonders die Finanzwerte betraf. Deutsche Bank und Commerzbank, die am Morgen beide im Plus notierten, schlossen heute 4,4 bzw. 6,1 Prozent tiefer. Für die im MDax notierte Aareal Bank ging es sogar 10,6 Prozent abwärts. Papiere der Allianz sanken um fünf Prozent und die Titel der Münchner Rück verloren 4,7 Prozent. Im Falle Allianz ist besonders kritisch, dass Europas größter Versicherer über seine italienische Tochter 28,2 Milliarden Euro in italienische Staatsanleihen investiert hat.

Börse Frankfurt am Mittag

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Inmitten der politischen Machtverschiebungen der europäischen Mittelmeerstaaten sind Unternehmensmeldungen an der Börse zuletzt ziemlich in den Hintergrund gedrängt worden. Das gilt im Großen und Ganzen auch für die Ergebnisse der Berichtsaison für das dritte Quartal, die zurzeit auf Hochtouren läuft. Die Aktie der Deutschen Post reagierte positiv auf die Zahlen, die der Konzern am Morgen vorgelegt hat. Die Post steigerte den Umsatz im dritten Quartal um 2,5 Prozent auf 13,125 Milliarden Euro, der Nettogewinn wuchs um satte 70 Prozent. Damit übertraf der Logistik-Dienstleister die Erwartungen der Analysten. Er hob zudem seine Prognosen für das Gesamtjahr ein weiteres Mal an. Die Aktien der Deutschen Post konnten 3,8 Prozent zulegen auf 11,10 Euro und belegten damit den ersten Platz unter den Dax-Werten.

Kommentare (103)

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Account gelöscht!

09.11.2011, 07:21 Uhr

Gaps are closed!

Account gelöscht!

09.11.2011, 07:38 Uhr

politische Börsen...

Spekulationsobjekte

09.11.2011, 07:39 Uhr

Wie pervers ist die Börse geworden!!

Kurse steigen nun aufgrund vom Rücktritt eins Belusconi um einige Prozent. Morgen oder übermorgen fallen sie wieder, weil irgendeine "wichtige" Person einen falschen Satz gesagt hat. usw. usw.

Schrecklich, wenn Entscheidungen nur noch aufgrund von Emotionen, gesteuerten Pressebeiträgen usw. gefällt werden.

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