Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.07.2017

18:12 Uhr

Börse Frankfurt

Dax trotzt allen Sorgen

Die Angst vor einer Ölschwemme und geldpolitische Sorgen schicken den Aktienmarkt am Freitag in die Verlustzone. Der Dax müht sich redlich – und geht letztlich mit einem marginalen Plus ins Wochenende.

Börse am Abend

Dax wappnet sich für die Berichtssaison

Börse am Abend: Dax wappnet sich für die Berichtssaison

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

FrankfurtSpekulationen auf steigende Zinsen und wieder fallende Ölpreise haben Europas Aktienanleger am Freitag verunsichert. Trotz eines kräftigen Stellenzuwachses in der US-Wirtschaft im Juni starteten Dax und EuroStoxx50 nicht durch. Zum Handelsschluss schaffte es der deutsche Leitindex nur knappe 0,1 Prozent ins Plus auf 12.389 Punkte. Auf Wochensicht gewann er ein halbes Prozent. Sein europäisches Pendant schloss auch 0,1 Prozent höher bei 3463,84 Zählern. Der MDax hievte sich am späten Nachmittag aus der Verlustzone und schloss nahezu unverändert bei 24.573 Punkten. Für den TecDax ging es 0,3 Prozent rauf auf 2220 Zähler.

Unsicherheiten mit Blick auf eine mögliche Straffung der Geldpolitik, Spannungen mit Nordkorea, ein schwacher Ölpreis und steigende Anleiherenditen seien nur ein paar Gründe, weshalb sich Anleger auf dem Rückzug befänden, sagte Analyst Christian Schmidt von der Helaba. Der Preis für ein Fass der Ölsorte Brent aus der Nordsee sackte aus Sorge vor einem Anhalten der globalen Ölschwemme um 2,8 Prozent auf 46,75 Dollar ab. Auch die Sorge vor einer strafferen Geldpolitik der Europäischen Zentralbank belastete die Aktienmärkte. So war es auch am Vortag. Immer mehr deutet nach der eingesetzten Erholung der Konjunktur darauf hin, dass die EZB demnächst beginnt, die Anleihenkäufe zurückzuschrauben.

Wie Deutsche ihr Vermögen verteilen – und welche Folgen dies hat

Wo steckt das viele Geld?

Sparbuch und Co. werfen wegen der Zinsflaute kaum noch etwas ab, zugleich nagen die Niedrigzinsen an der Rendite von privaten Renten- und Lebensversicherungen. Dennoch liegt das Geld vor allem auf Girokonten, es steckt in Sparbüchern oder Lebensversicherung. Der größte Posten waren der Bundesbank zufolge Ende vergangenen Jahres Bargeld, Geld auf Girokonten oder Spareinlagen mit insgesamt 2.200 Milliarden Euro. Weitere 2.113 Milliarden Euro steckten in Versicherungen und Pensionseinrichtungen. 2016 hatten einer GfK-Umfrage zufolge 40 Prozent der Bundesbürger ihr Geld auf einem Sparbuch angelegt – wohlwissend, dass es sich um eine unattraktive Form der Geldanlage handelt.

Was ist mit Aktien?

Die meisten Menschen in Deutschland meiden Aktien nach wie vor. Die Zahl der Aktienbesitzer in Deutschland sank im vergangenen Jahr sogar wieder unter die Marke von neun Millionen. „Die Deutschen sind eben leider immer noch kein Volk der Anleger, sondern ein Volk der Sparer - daran hat selbst die anhaltende Niedrigzinsphase bis heute nichts ändern können“, meint der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler.

Welche Folgen hat das?

Sparer verzichten nicht nur auf Gewinne durch steigende Börsenkurse, sondern auch auf Dividenden. Nach Berechnungen von Aktionärsvertretern schütten allein die 30 Börsenschwergewichte im Leitindex Dax in diesem Jahr die Rekordsumme von 31,6 Milliarden Euro an ihre Anteilseigner aus. Die Gewinnbeteiligung bei 640 untersuchten Aktiengesellschaften steigt im Vergleich zum Vorjahr um rund 9 Prozent auf die Bestmarke von insgesamt 46,3 Milliarden Euro.

Sind Aktien immer eine gute Wahl?

Nicht unbedingt. Zwar gelten die Anteilsscheine langfristig als lukrative Geldanlage. Wer beispielsweise Ende 1995 Aktien kaufte und bis Ende 2010 hielt, habe in diesem Zeitraum im Schnitt 7,8 Prozent Rendite pro Jahr erzielt, rechnet das Deutsche Aktieninstitut (DAI) vor. Doch nicht jede Aktie zahlt sich aus - wie die DSW-Liste der 50 „größten Kapitalvernichter“ zeigt. Wer dort investierte, musste herbe Kursverluste hinnehmen, „die durch die Dividendenzahlungen meist nicht ansatzweise kompensiert werden konnten“, wie Tüngler erläutert.

Wie ist der Reichtum verteilt?

Darüber gibt die Analyse der Bundesbank keine Auskunft. Der aktuelle Armut- und Reichtumsbericht der Bundesregierung kommt aber zu dem Ergebnis, dass die reichsten zehn Prozent der Haushalte mehr als die Hälfte des gesamten Netto-Vermögens besitzen. „Die untere Hälfte nur ein Prozent“, erläuterte Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) jüngst. Von dem seit Jahren anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland profitieren danach vor allem die Reichen. „Die unteren 40 Prozent der Beschäftigten haben 2015 real weniger verdient als Mitte der 90er Jahre“, so die Ministerin.

Gemischte Signale lieferte der jüngste US-Arbeitsmarktbericht. Zwar entstanden im Juni mit 222.000 neuen Jobs mehr als die von Experten erwarteten 179.000. Die separat ermittelte Arbeitslosenquote stieg allerdings leicht auf 4,4 Prozent. Zudem waren Analysten verunsichert über die Stundenlöhne. Diese legten im Juni um 0,2 Prozent zu, Analysten hatten aber mit einem Anstieg von 0,3 Prozent gerechnet. Die Gehälter der Amerikaner gelten als Gradmesser dafür, dass der Aufschwung tatsächlich bei den Bürgern ankommt.

„Vor diesem Hintergrund dürften Erwartungen, wonach die US-Notenbank bezüglich Leitzinserhöhungen vorsichtiger agieren wird, tendenziell bestätigt werden“, schrieben die Experten der Landesbank Helaba in einem Kurzkommentar. VP-Bank-Ökonom Thomas Gitzel hingegen hält die jüngsten Bedenken, dass die US-Wirtschaft nicht mehr so gut laufe, für überzogen. „Der US-Arbeitsmarkt ist ein guter Wasserstandsmelder für das Wohlergehen der Gesamtwirtschaft. Die beobachtbare Skepsis an den Finanzmärkten, dass die US-Notenbank Fed weitere Zinserhöhung vorerst zurückstellen wird, dürfte verfehlt sein.“

Die US-Währungshüter sollen Vollbeschäftigung fördern und sehen sich dabei praktisch am Ziel. Die Fed hat ihren Leitzins zuletzt auf die neue Spanne von 1,0 bis 1,25 Prozent erhöht und will bis zum Jahresende nachlegen.

Am Devisenmarkt baute der Euro seine Gewinne zunächst aus, ehe er wieder auf Talfahrt ging und unter die Marke von 1,14 Dollar rutschte. Auch der Goldpreis ging angesichts des steigenden Dollars in die Knie und notierte mit 1208 Dollar je Feinunze so niedrig wie seit Mitte März nicht mehr. Die US-Börsen legten hingegen zu, vor allem Technologieaktien waren gefragt.

Bei den Einzelwerten stachen am deutschen Aktienmarkt die Titel des Motorenbauers Deutz hervor. Sie brachen um knapp dreizehn Prozent ein, nachdem der schwedische Lkw-Hersteller Volvo über Nacht seinen kompletten 25-Prozent-Anteil auf den Markt geworfen hat.

In der ersten Liga stachen vor allem die Versorger hervor. Eon und RWE gewannen jeweils bis zu drei Prozent – einsame Dax-Spitze. RWE haben seit Jahresbeginn fast die Hälfte an Wert zugelegt. Die Anteilsscheine der grünen Tochter Innogy legten ebenfalls mehr als zwei Prozent zu. Schlusslicht waren die Papiere von ProSieben Sat 1 mit Abschlägen von zwei Prozent. Nachdem am Donnerstag bereits eine skeptische Studie der US-Bank JPMorgan für Wirbel gesorgt hatte, äußerte sich nun auch die französische Investmentbank Exane BNP Paribas vorsichtig zu den Papiere des Medienkonzerns.

Im Nebenwerteindex MDax legten die Stada-Papiere um 1,6 Prozent auf 64,50 Euro zu. Insidern zufolge kaufte sich der aktivistische Hedgefonds Elliott bei dem Arzneimittelhersteller ein, bei dem kürzlich eine Übernahme durch die Finanzinvestoren Bain und Cinven gescheitert ist.

An der Börse in Paris büßten Carrefour-Aktien nach ihrem Quartalsbericht 4,6 Prozent ein. Anleger sorgten sich, dass der Einzelhandelsriese seine Prognosen für 2017 nicht erfüllen kann.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×