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19.11.2015

17:57 Uhr

Börse Frankfurt

Dax verabschiedet sich mit dickem Plus

Die Börsianer hoffen auf eine sanfte Zinswende und schlagen bei Aktien ordentlich zu. Der Dax geht am Donnerstag mit einem großzügigen Plus aus dem Handel. Größter Gewinner: Volkswagen.

Börse am Abend

Dax knackt 11.000 Punkte

Börse am Abend: Dax knackt 11.000 Punkte

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FrankfurtDie Aussicht auf eine behutsame Straffung der US-Geldpolitik hat den Dax am Donnerstag beflügelt. Der deutsche Leitindex legte zeitweise rund 200 Punkte zu. Aus dem Handel ging der Dax mit einem Plus von 1,1 Prozent bei 11.085 Punkten. Wie aus den am Mittwochabend veröffentlichten Protokollen der US-Notenbank hervorgeht, dürften die Bedingungen für die erste Zinsanhebung seit fast zehn Jahren im Dezember wohl erfüllt sein. Allerdings sehen die Währungshüter wenig Spielraum für Erhöhungen in größerem Maße, da die Wachstumsmöglichkeiten der Wirtschaft dies ihrer Meinung nach voraussichtlich nicht hergeben werden.

Wie es nach dem Fed-Entscheid weitergeht

Zinswende bleibt vorerst aus

Noch scheuen sich die Geldpolitiker um Fed-Chefin Janet Yellen, erstmals seit Jahren wieder am Geldhahn zu drehen. Allerdings könnte die US-Notenbank noch in diesem Jahr handeln – und damit auch die Konjunktur im Euroraum anschieben. Seit Ende 2008 liegen die Zinsen in den USA, zu dem Banken Zentralbankgeld leihen können, auf dem Tief zwischen null und 0,25 Prozent.

Warum hat die Fed die Zinsen diesmal nicht angehoben?

Ein Hauptgrund sind die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten. Im August hatte ein Kurssturz in China Europas Börsen in einen Abwärtsstrudel gezogen und an der Wall Street für massive Verluste gesorgt. „Wir achten insbesondere auf China und aufstrebende Märkte“, sagt Yellen. Die Fed spricht von „globalen wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklungen“, die den Aufschwung gefährden könnten.

Spielt das die Hauptrolle für die Entscheidung der Notenbanker?

Nein. Am wichtigsten sind hohe Beschäftigung und ein stabiles Preisniveau. Die Inflation liegt aber noch deutlich unter dem Zielwert von zwei Prozent, und vom Arbeitsmarkt kommen trotz hoffnungsvoller Zeichen zwiespältige Signale. Aus Sicht von Ökonomen wie Deutsche-Bank-Chefvolkswirt David Folkerts-Landau ist eine Zinserhöhung angesichts der US-Konjunktur aber schon lange überfällig: „Die US-Wirtschaft dürfte weiter kräftig wachsen, es herrscht praktisch Vollbeschäftigung und die Inflation, obwohl auf niedrigem Niveau, sollte sich in Richtung Zielwert der Fed von zwei Prozent bewegen.“ Die aktuelle US-Konjunkturlage verlange eine Bewegung hin zu Leitzinsen zwischen 2 und 3 Prozent.

Also geht die Spekulation um die Zinswende weiter?

Die Mehrzahl der Notenbanker ist nach wie vor der Meinung, dass die Fed das Ende ihre Nullzinspolitik noch dieses Jahr einläuten sollte. Der Offenmarktausschuss tagt bis Jahresende nur noch zweimal: Ende Oktober und am 16. Dezember. Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, erwartet spätestens im Dezember die Zinswende: „Reagieren Janet Yellen und ihre Kollegen auch nicht zum Jahresende, verspielen die Notenbanker ihre Glaubwürdigkeit.“

Ist die Fed zu zaghaft?

Nach Einschätzung vieler Beobachter schon. „Einen Zeitpunkt, zu dem eine Zinserhöhung in einer völlig stabilen weltwirtschaftlichen Situation erfolgt und keine Risiken birgt, wird es kaum geben“, warnt Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise. Das Problem ist, dass der Druck mit jedem Aufschub zunimmt. Schließlich soll beim ersten Zinsschritt nicht der Eindruck entstehen, dass die Ära des ultrabilligen Geldes schlagartig vorüber ist. „Die Haltung der Geldpolitik wird vermutlich noch für einige Zeit nach der anfänglichen Erhöhung der Leitzinsrate hochexpansiv bleiben“, versichert Yellen deshalb.

Warum sind die Zinsen überhaupt auf dem Rekordtief?

Mit den Mini-Zinsen hatte die Fed auf die Finanzkrise von 2008 und die folgende Rezession reagiert. Bei niedrigen Zinsen investieren Unternehmen tendenziell mehr, Verbraucher geben mehr Geld aus. Das schiebt die Konjunktur an.

Welche Folgen hätte eine Zinserhöhung?

Höhere Zinsen verhindern Blasen etwa an Immobilien- und Aktienmärkten sowie eine zu hohe Inflation. Banken verleihen mehr Geld, statt es zu parken. Für viele Sparer sind Zinserträge auch eine wichtige Einnahmequelle. Allerdings würde der Dollar an Wert gewinnen, wenn gleichzeitig andere Notenbanken auf Null-Zins-Kurs bleiben. Das hätte zwei Konsequenzen, betont Targobank-Chefvolkswirt Otmar Lang: „Zum einen brächen die US-Exporte weg, zum anderen würden aus den Schwellenländern sehr hohe Geldbeträge abfließen und dort einen dramatischen konjunkturellen Einbruch herbeiführen. Und das könnte die gesamte Weltwirtschaft schwer in Mitleidenschaft ziehen.“

Wird die EZB die Zügel im Euroraum bald anziehen?

Nein. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird die Geldschleusen noch lange weit geöffnet und den Zins nahe der Nulllinie lassen. EZB-Präsident Mario Draghi hat sogar weitere Lockerungen in Aussicht gestellt. Liane Buchholz vom Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB) rechnet frühestens 2017 mit einem ersten Zinsschritt: „Die extreme Niedrigzinsphase in Europa wird uns noch länger begleiten.“ Das ist gut für Häuslebauer, die ihre Immobilie extrem günstig finanzieren können. Aber es ist schlecht für Sparer, weil vermeintlich sichere Anlagen kaum Geld abwerfen.

Was würde eine frühere Zinserhöhung in den USA für Europa bedeuten?

Steigen die Zinsen in den USA, aber nicht in Europa, gewinnt der Dollar gegenüber dem Euro an Wert. In Dollar gehandelte Importe wie Rohstoffe werden so im Euroraum teurer. Das stärkt den mickrigen Preisauftrieb. Gleichzeitig werden hiesige Produkte auf dem Weltmarkt günstiger. Das befeuert den Export und die Konjunktur im Euroraum.

Auch in den Nebenindizes ging es nach oben: Der MDax rückte um rund 0,6 Prozent auf 21.270 Punkte vor, der Technologiewerte-Index TecDax stieg um 0,5 Prozent auf 1826 Punkte. Der Eurozone-Leitindex EuroStoxx 50 gewann 0,5 Prozent auf 3449 Punkte. Die Terrorsorgen, die seit den Anschlägen von Paris in der Bevölkerung Europas um sich greifen, wurden damit weiter ignoriert.

Zu den größten Gewinnern in den ersten Handelsminuten zählen die Aktien, die in der Vergangenheit arg gebeutelt wurden: Volkswagen gewann 4,4 Prozent und ging als größter Gewinner aus dem Handel, gefolgt von Lufthansa, deren Anteilsscheine um 3,8 Prozent zulegten. Auch die Papiere des Energieversorgers Eon rückten um 2,6 Prozent vor.

Thyssen-Krupp: Hiesingers Risiken

Thyssen-Krupp

Premium Hiesingers Risiken

Thyssen-Krupp kommt mit der Sanierung voran. Doch Konzern-Chef Heinrich Hiesinger muss erst noch beweisen, dass sein Plan aufgeht. Vor allem der Konjunkturabschwung dürfte viele Sparten treffen.

Für Überraschung sorgten die Aktien von Thyssen-Krupp. Trotz eines zurückhaltenden Ausblicks zählten sie mit einem Plus von 2,6 Prozent zu den Lieblingen der Anleger. „Ich hätte mit Gewinnmitnahmen gerechnet, aber offensichtlich sind die guten bereinigten Zahlen höher gewichtet als der vorsichtige Ausblick”, sagte ein Börsianer. Im Geschäftsjahr 2014/15 (per Ende September) steigerte der Mischkonzern dank besserer Ergebnisse im Aufzugs- und im Stahlgeschäft den operativen Gewinn (bereinigtes Ebit) um 26 Prozent auf 1,676 Milliarden Euro. Im neuen Geschäftsjahr peilt Thyssenkrupp einen Wert zwischen 1,6 und 1,9 Milliarden Euro an.

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