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11.07.2014

18:03 Uhr

Börse Frankfurt

Dax verdaut Portugal-Schreck mit Verstimmungen

Nach dem Portugal-Schreck konnte der Dax die Talfahrt am Freitag vorerst stoppen und schloss minimal fester. Doch die Börsen bleiben unter Druck. Auf Wochensicht schrieb der Dax einen Verlust von über drei Prozent.

Markt verdaut Portugal-Schock

Video: Markt verdaut Portugal-Schock

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FrankfurtNach der Vortags-Talfahrt haben sich Europas Börsen wieder gefangen. Zwar konnten sich die Gemüter nach dem heftigen „Portugal-Schock“ etwas beruhigen. Doch als Nachhall blieb die Frage, wie es tatsächlich um die Krisenfestigkeit der europäischen Banken steht, vor allem im Hinblick auf den Stresstest der Europäischen Zentralbank im Herbst. Am Ende schloss der Dax 0,1 Prozent fester bei 9666 Punkten.

Am Donnerstag war der deutsche Leitindex aus Sorge um eine neuerliche Bankenkrise in Portugal um 1,5 Prozent auf 9659 Zähler abgestürzt. Weltweit waren die Börsen in einer ohnehin schwachen Woche unter Druck geraten. Auf Wochensicht büßte der Dax mehr als drei Prozent ein. Auch am Freitag blieb die Lage weiter angespannt.

Denn die Finanzierungsschwierigkeiten einer portugiesischen Bank sind bei weitem nicht alle Probleme, der sich die Marktteilnehmer ausgesetzt sehen. Marktanalyst Andreas Paciorek von CMC Marktes verwies auf die Unsicherheiten durch enttäuschende europäische Konjunkturdaten und geopolitische Konflikte, die bereits vor den Nachrichten aus Portugal zu Verlusten an den europäischen Börsen geführt hatten.

Die Halbjahresbilanz der wichtigsten Werte

Dax

+ 2,9 Prozent

MDax

+ 1,5 Prozent

TecDax

+ 12,2 Prozent

Eurostoxx 50

+ 3,8 Prozent

Dow Jones

+ 1,5 Prozent

S&P-500

+ 6,1 Prozent

Nasdaq

+ 5,5 Prozent

Nikkei

- 6,9 Prozent

Euro

- 0,5 Prozent

Gold

+ 10,2 Prozent

Rohöl

+ 0,5 Prozent

In der zweiten Reihe nutzten einige Anleger die Chance zum günstigen Einstieg. So kamen die Mid-Caps im MDax mit 16.308 Punkten auf ein Plus von 0,2 Prozent, der TecDax ging mit 1272 Zählern entgegen dem Trend 0,5 Prozent fester aus dem Handel. Der Euro-Stoxx-50 konnte 0,2 Prozent gutmachen und schloss bei 3157 Stellen. An einer impulslosen Wall Street lief der Dow-Jones zum Frankfurter Börsenschluss mit 16.883 Punkten 0,2 Prozent leichter.

Ursprung der Nervosität waren Spekulationen um Zahlungsprobleme der einflussreichen portugiesischen Bankiersfamilie Espirito Santo gewesen. Das hatte die gleichnamige Bank unter Druck gesetzt, das größte börsennotierte Geldhaus des Landes. Dessen Aktien sind seit Donnerstag vom Handel ausgesetzt, nachdem sie zuvor um bis zu 19 Prozent gefallen waren. Außerdem untersagte die britische Börsenaufsicht Leerverkäufe mit Aktien der Bank.

Zwar haben sich die Nerven an der portugiesischen Börse am Freitag wieder beruhigt - der Leitindex holte sich die Hälfte seines Vier-Prozent-Verlustes zurück und die Rendite am Anleihe-Markt pendelte sich wieder ein. Dennoch sehen einige Marktteilnehmer die Bankprobleme als Zeichen, dass die Euro-Schuldenkrise noch nicht vorbei ist.

„Der Markt ist gerade unsicher was die Stärke der Konjunkturerholung angeht und die Sorgen vor strukturellen Problemen, die immer noch ungelöst sind“, sagte Hedgefondsmanager Lex Van Dam von Hampstead Capital. Andere halten die Marktreaktionen für überzogen. „Das ist nicht der Anfang einer neuen Krise. Es ist eine Erinnerung, dass die Volatilität immer noch da ist und das nicht alle Probleme im Bankensektor gelöst sind“, sagte Jan von Gerich, Analyst bei Nordea. „Wir werden vor den EZB-Stresstests mehrere Episoden dieser Art sehen, aber nichts was uns in eine neue Krise führt.“

Auch andere Experten warnten vor einer voreiligen Einschätzung der Situation. Sie beriefen sich auf die Erfolge der strengen Reformpolitik, der sich Portugal in der Krise unterzogen hatte und sehen das Land grundsätzlich solide aufgestellt.

Von der Nachrichtenfront waren heute keine Impulse zu erwarten, der Terminkalender war leer. Aus Wiesbaden kam schon vor Handelsstart die Nachricht, dass die Verbraucherpreise für Deutschland im Juni um 0,3 Prozent zum Vormonat gestiegen sind. Damit liegt die Jahresteuerung bei 1,0 Prozent. Außerdem sind die Großhandelspreise im selben Monat um 0,1 Prozent zurückgegangen.

Kommentare (19)

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Herr Tom Bauer

11.07.2014, 08:39 Uhr

Während einige internationale Titel in der Tat recht weit gelaufen sind (z.B. Disney, Nike, usw.) freut es derzeit, dass einige der früheren highflyer (Intel oder Cisco) mit einer Dividendenrendite von knapp 3% und schön steigenden Kursen wieder richtig Freude machen.
Glückwunsch an alle die durchgehalten haben und ggf. auch nachgekauft haben.

International erfolgreiche Marken/Companies sind (fast) immer ein Kauf.
...auch aktuell!

Schwarzer Drache

11.07.2014, 09:26 Uhr

"Allerdings sieht Schmieding wenig Grund zur Beunruhigung - nach den Jahren der Krise ernte Portugal die Früchte der Reformpolitik und sei grundsätzlich solide aufgestellt."

Es wundert mich eigentlich auch, dass diese Sache so hochgehängt wird. Da gab es in letzter Zeit meiner Meinung nach schon schlimmeres... Kann natürlich sein, dass andere da mehr wissen, als ich, aber so dramatisch scheint das jedenfalls nicht zu sein.

Schwarzer Drache

11.07.2014, 09:55 Uhr

"Für die Aktienmärkte steht m.E. aus mehreren Gründen trotzdem eine eher ruppige Phase an. "

Sehe ich auch so - Portugal war wirklich nur ein Aufhänger. Wenn man sich sorgen um den Euro machen möchte, dann findet man bestimmt noch ein - zwei bessere Gründe. Gestern fand ich das mäßige china-Wachstum erheblich beunruhigender...

Ich denke aber, dass der Notenbankeffekt die Bullen bestimmt noch einmal dazu animiert loszurennen. Danach wird's dann aber sehr ungemütlich.

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