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27.06.2011

17:45 Uhr

Börse Frankfurt

Dax verfehlt das rettende Ufer knapp

Bis auf die gespannte Erwartung einer Entscheidung des griechischen Parlaments in punkto Sparpaket fehlte es heute nahezu gänzlich an Impulsen. Die Abstimmung in Athen findet am kommenden Mittwoch statt.

Ein Händler auf dem Frankfurter Parkett: der gebannte Blick richtet sich wie so oft in den vergangenen Monaten nach Griechenland. Quelle: dapd

Ein Händler auf dem Frankfurter Parkett: der gebannte Blick richtet sich wie so oft in den vergangenen Monaten nach Griechenland.

FrankfurtNervöse Anleger haben dem Dax vor der Abstimmung des griechischen Parlaments über das Sparpaket der Regierung einen richtungslosen Start in die Woche beschert. Der deutsche Leitindex pendelte im Tagesverlauf zwischen der Gewinn- und Verlustzone hin und her und ging letztlich mit einem Minus von 0,2 Prozent und 7.107 Punkten aus dem Handel. Dabei betrug die Schwankungsbreite über den ganzen Tag gerade einmal 65 Punkte.

Das Parlament in Athen hatte am Morgen die Beratungen zum Sparprogramm aufgenommen. Die Zustimmung der Abgeordneten ist Voraussetzung dafür, dass die dringend benötigten Finanzhilfen ausgezahlt werden. Anders als beim Vertrauensvotum für Ministerpräsident Giorgos Papandreou hängt das "Ja" am seidenen Faden. "Diesmal ist die Unsicherheit wesentlich höher", sagte ein Börsianer.

Die Euro-Länder haben sich nach Informationen aus Kreisen der Mitgliedsländer auf ein Scheitern des Sparpakets für Griechenland im Parlament in Athen vorbereitet. Daran werde aktiv gearbeitet, hieß es in EU-Kreisen am Montag in Brüssel. Ziel sei es zum einen, eine Verschärfung der Schuldenkrise und die Ansteckung anderer gefährdeter Länder - vor allem der mit einem Hilfsprogramm schon versorgten Staaten Irland und Portugal sowie Spaniens - zu verhindern. Offiziell wird in der EU bestritten, dass es einen solchen Notfallplan gibt, um Druck auf das griechische Parlament auszuüben.

Die Citigroup schlägt in ihrer aktuellen Einschätzung den gleichen Ton an: In den hoch verschuldeten Euro-Ländern Griechenland, Portugal und Irland sei ein Schuldenschnitt kaum noch zu vermeiden. „Wir rechnen damit, dass ein Plan B mit Haircuts in Griechenland, Portugal und Irland möglicherweise unvermeidbar sein wird“, heißt es in einer Studie vom Montag. Die Verluste privater Gläubiger wie Banken und Versicherungen wären in diesem Fall erheblich. Die Citigroup rechnet mit Abschlägen auf den Nennwert der Staatsschulden von mindestens 50 Prozent.

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Zu den größten Verlierern im Dax zählten folgerichtig die Finanzwerte: die Commerzbank-Aktie gab um fünf Prozent nach. Die Titel der Deutschen Bank büssten ebenso ein: auf 38,81 Euro. Ein Minus von 1,7 Prozent. Zu den Gründen gehört auch der Beschluss der aus 27 Zentralbanken bestehenden Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zu höheren Kapitalanforderungen. Demnach soll es einen Zuschlag von 1,0 bis 2,5Prozentpunkten für möglicherweise bis zu 30 systemrelevante Banken geben – zusätzlich zu den ohnehin schon nötigen sieben Prozent Kernkapital (Tier-1). Der Beschluss muss jedoch unter anderem von den G20-Staaten gebilligt werden.

Den deutschen Wirtschaftssubjekten hingegen kann die Schuldenkrise in Griechenland laut der Wirtschaftsauskunftei Creditreform zufolge auch 2012 nichts anhaben. Hohes Wachstum und wenige Unternehmenspleiten seien im folgenden Jahr auch weiterhin die Kennzeichen des Aufschwungs. „Wir rechnen derzeit für das kommende Jahr nicht mit einem Anstieg der Firmen-Insolvenzen“, sagte Creditreform-Vorstand Helmut Rödl am Montag in Düsseldorf. Bereits 2011 lasse das Konjunktur-Hoch immer weniger Verbraucher und Firmen in die Pleite abgleiten. „Der Wirtschaftsaufschwung hat sichtbar positive Auswirkungen auf das Insolvenzgeschehen“, bilanzierte Rödl.

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